„Ein ganzer Kerl ist einer, der die Lumpereien nie begehen wird, die man ihm zutraut. Ein halber, dem man die Lumpereien nie zugetraut hat, die er begeht.“Karl Kraus
„Eitelkeit und Geltungssucht dieses Schriftstellers kannten keine Grenzen, sein Ehrgeiz wurde nur von seiner Selbstgerechtigkeit übertroffen.“Marcel Reich-Ranicki
„Einem Juden zu begegnen ist eine Wohltat, gesetzt, dass man unter Deutschen lebt. Die Gescheitheit der Juden hindert sie, auf unsere Weise närrisch zu werden, zum Beispiel ‚national’.“
Friedrich Nietzsche
„Menschen gehen aus und werden in einem verlöteten Sarg ihren Familien zurückgestellt.“Karl Kraus, 1933
„Er wollte seine Ruhe haben, er wollte sein Leben weiter leben, er war feig schon vom Habitus her.“Bruno Kreisky über Karl Kraus
„’Wann erscheint endlich –?’ ‚Warum erscheint nicht –?’ ‚Warum schweigt er, wo doch gerade jetzt –?’ ‚Er, der doch bekanntlich im Weltkrieg –’. Die einen geben die Hoffnung nicht auf; die andern stutzen und fangen an, ein ‚Mutproblem’ zu erörtern; die sich lange genug der danklosen Mühsal des Verehrertums (mitunter glühend) unterworfen haben, benützen die Chance der Frechheit: Wanzen, die richtig vermuten, dass wegen größerer Gefahr nicht Licht gemacht wird.Karl Kraus
„Jetzt wissen wir aber auch, dass von der Natur Vernachlässigte wegen ihrer Missgestalt glühenden Hass auf alle Menschen werfen und, in ihrer Feigheit zu keinem anderen Verbrechen als der Heuchelei fähig, die Rolle eines ethischen Erziehers spielen.“Felix Salten über Karl Kraus, 1934
Mein Widerspruch
Wo Leben sie der Lüge unterjochten,
war ich Revolutionär.
Wo gegen Natur sie auf Normen pochten,
war ich Revolutionär.
Mit lebendig Leidendem hab ich gelitten.
Wo Freiheit sie für die Phrase nutzten,
war ich Reaktionär.
Wo Kunst sie mit ihrem Können beschmutzten,
war ich Reaktionär.
Und bin bis zum Ursprung zurückgeschritten.
„Ich mag mich drehen und wenden, wie ich will, überall zeigt mir das Leben seine Verluste, da es entweder das Malerische dem Nützlichen oder das Nützliche dem Malerischen opfert.“Karl Kraus
„Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet.“Adolf Loos
„Sie sagen: Wer nicht arbeit’t, der soll auch nicht essen – und wissen gar nicht, wen Sie allen mit diesem Ausspruch zum Hungertod verurteilen.“Johann Nepomuk Nestroy
„Die Demokratie teilt die Menschen in Arbeiter und Faulenzer. Für solche, die keine Zeit zur Arbeit haben, ist sie nicht eingerichtet.“Karl Kraus
„Ich bin unzufrieden mit der Art, wie man in der Partei meistens die Artikel schreibt. Es ist alles so konventionell, so hölzern, so schablonenhaft. Das Wort eines Börne klingt jetzt wie aus einer anderen Welt. Ich weiß – die Welt ist ja eine andere und andere Zeiten wollen andere Lieder haben. Aber eben ‚Lieder’, unser Geschreibsel ist ja meistens kein Lied, sondern ein farbloses und klangloses Gesurr, wie der Ton eines Maschinenrades. Ich glaube, die Ursache liegt darin, dass die Leute beim Schreiben meistenteils vergessen, in sich tiefer zu greifen und die ganze Wichtigkeit und Wahrheit des Geschriebenen zu empfinden. Ich glaube, dass man jedes Mal, jeden Tag bei jedem Artikel wieder die Sache durchleben, durchfühlen muss, dann würden sich auch frische, vom Herzen und zum Herzen gehende Worte für die alte, bekannte Sache finden.“Rosa Luxemburg in einem Brief an Robert Seidel
„Nur die Krawatte, die Krawatte mit den wimmelnden weißen Bohnen, die den Blick förmlich faszinieren! – So eine Krawatte ist ein Scheidungsgrund.“Rosa Luxemburg über Karl Kautsky, um 1900
„Jede Annäherung an die Parteibande hinterlässt in mir ein derartiges Unbehagen, dass ich mir jedes Mal danach vornehme: drei Seemeilen weiter vom tiefsten Stand der Ebbe! (…) Nach jedem Zusammensein mit ihnen wittere ich so viel Schmutz, sehe so viel Charakterschwäche, Erbärmlichkeit etc., dass ich zurückeile in mein Mauseloch.“Rosa Luxemburg, um 1900
„Was will die einsame Träne? Was will ein Humor, der unter Tränen lächelt, weil weder Kraft zum Weinen da ist noch zum Lachen?“Karl Kraus
„Wahrheit im Fühlen und Denken hilft einem sehr viel in der Prosa, dem Lügner wird der gute Stil sehr erschwert.“Heinrich Heine
„Ich habe allen Respekt vor Herrn Nestroy, wenn er auch gar keinen vor mir hat …“Ferdinand Raimund
„An dem Tag, als ich arm und Sie reich geboren wurden, wurde ich Ihr Feind.“Johann Nestroy
„Er hat die Katzbalgereien der Geschlechter mit Erkenntnissen und Gebärden begleitet, welche die Güterverwalter des Lebens ihm als Zoten anstreichen mussten, und er hat im sozialen Punkt nie Farbe bekannt, immer nur Persönlichkeit.“Karl Kraus
„Was hat die Nachwelt für uns getan? Nichts! Das Nämliche tue ich für die Nachwelt.“J. N. Nestroy
„Wenn Kunst nicht das ist, was sie glauben und erlauben, sondern die Wegweite ist zwischen einem Geschauten und einem Gedachten, von einem Rinnsal zur Milchstraße die kürzeste Verbindung, so hat es nie unter deutschem Himmel einen Läufer gegeben wie Nestroy.“Karl Kraus
„In den Kehrichthaufen vor der Stadt zu lesen und suchen, was den Städten fehlt, wie der Arzt aus dem Stuhlgang und Urin.“Georg Christoph Lichtenberg
„Kraus is known to be one of the greatest masters of the German language. His style is of such beauty that it can be hardly equalled by any of the present-day writers in the German tongue. This should be another reason for the American reading public to acquaint itself with his works.”Chicago Daily News, 1929
„Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.“Karl Kraus
„Die großen Aphoristiker lesen sich so, als ob sie einander gut gekannt hätten.“Elias Canetti
„… aber ich blieb dabei, Aphorismen zu sagen, wo ich Zustände enthüllen sollte.“Karl Kraus
„… eine Gemeinschaft wird unendlich mehr durch das gewohnheitsmäßige Verhängen von Strafen verroht, als durch das gelegentliche Vorkommen von Verbrechen.“Oscar Wilde
„Das Gesamtwerk von Kraus hat den Charakter eines gigantischen Protokolls von einer endlosen Gerichtsverhandlung angenommen, in der die ganze zeitgenössische Welt unentwegt unter Anklage stand.“Ernst Krenek
„Der Ursprung allen Krieges ist Diebsgelüst.“Arthur Schopenhauer
„Die Hetze gegen das verbündete Deutsche Reich,(…) insbesondere aber die verächtliche und höhnische Kritik des Gaskampfmittelgebrauchs zu einem Zeitpunkt, da die erfolgreiche Offensive an der Westfront im Gange war – Karl Kraus sprach von einer ‚chlorreichen Offensive’ – all diese defaitistischen Auslassungen fanden jubelnden Beifall, ohne dass die anwesenden Militärpersonen dazu entsprechend Stellung genommen, d. h. den Saal verlassen hätten.“Bericht der „Feindespropaganda-Abwehrstellung“ an das k. u. k. Kriegsministerium, 1918
„Der Mann hat keinen persönlicheren Anteil an der Lust, als der Anlass an der Kunst. Und wie jeder Anlass überschätzt er sich und bezieht es auf sich. Der einzelne Lump sagt auch, ich hätte über ihn geschrieben, und hält seinen Anteil für wichtiger als den meinen. Nun könnte er auch noch verlangen, dass ich ihm treu bleibe. Aber die Wollust meint alle und gehört keinem.“Karl Kraus
„Der Hass gegen die Frau ist immer nur noch nicht überwundener Hass gegen die eigene Sexualität.“
Otto Weininger
Friedrich Nietzsche„Und besser noch Ehe brechen als Ehe biegen,
Ehe lügen. So sprach mir ein Weib:
Wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe mich.“
„Was weiß die Welt, wie Weiber sich erwärmen!
Mit seinem Maß nur mag der Mann sie messen,
was drüber ist, verachten und vergessen,
und was darunter, minniglich umschwärmen."
Karl Kraus
„Ich war sehr stolz auf die Stelle, die Sie mir gewidmet haben, und dann wieder verärgert darüber, dass Sie eine Verbeugung vor Karl Kraus machen können, der auf der Skala meiner Hochachtung eine unterste Stelle einnimmt.“
Sigmund Freud in einem Brief an Arnold Zweig
„Wahnverpflichtet durchs Leben wanken – das könnte immer noch ein aufrichtigerer Gang sein als der eines Wissenden, der sich an den Abgründen entlang tastet.“
Karl Kraus
„Du brauchst nicht mehr zu wissen noch zu denken,
Ein Tagblatt denkt für dich nach deiner Wahl.
Die Weisheit statt zu kaufen steht zu schenken,
Zu kaufen brauchst du nichts als das Journal.“
Franz Grillparzer (aus „Dem internationalen Preßkongreß“)
„Ein Geisteskranker, den man nach dem Grunde seines jahrelangen Schweigens fragte, behauptete: ‚Weil ich die deutsche Sprache schonen wollte.’“
C.G. Jung, aus „Der Inhalt der Psychose“ (1908)