Neulich am Schottentor: Vier Polizisten drängen eine alte Bettlerin in eine Ecke, der die Tränen herunterrinnen. Zwei der Polizisten sind Hilfspolizisten aus Rumänien und reden auf die Frau ein. Sie wären in Wien, um Hintermänner des Menschenhandels aufzudecken, erzählt einer später. „Ich habe gesehen, wie die alte Frau in einem weißen Kastenwagen abtransportiert wurde“, berichtet eine Geschäftsfrau. „Spektakulär wird ein armer Mensch verhaftet.“
Szenenwechsel: Im
Top Kino wird die CD „Broadcasting Human Rights. Sieben Hörbeiträge zu den Menschenrechten von Frauen“ der „
Women on Air“ präsentiert. Natasha, Hauptdarstellerin in
Ulli Gladiks Dokumentarfilm über das Leben einer Bettlerin, sitzt am Podium: „Ich finde die Tätigkeit des Bettelns nicht angenehm. Am liebsten würde ich ein Leben wie die Weißen führen, für eine Arbeit bezahlt werden und mich dann zu Hause erholen.“
Ihr Motiv, den Film zu machen war, „öffentlich zu machen, dass in Bulgarien Behinderten keine Sozialleistungen geboten werden“. „In Wien betteln alle möglichen Österreicher, aber die polizeilichen Verschärfungen gelten selektiv nur für die Südosteuropäer, die Pendelmigration machen. Das ist antiziganistischer Rassismus“, sagt Marion Thuswald von der Bettellobby. Sie bewundert die Frauen, die sich der Öffentlichkeit so aussetzen. Momentan gilt es schon als eine Bande, wenn sich drei BettlerInnen in Sichtkontakt zueinander hinsetzen.
Die Polizei nimmt ihnen das erbettelte Geld ab, zusätzlich werden 70 Euro Verwaltungsstrafe verhängt. „Legales Betteln wird so zu einer verbotenen Handlung. Besonders der ÖVP-Sicherheitssprecher verbreitet gerne Unwahrheiten“, sagt Ulli Gladik. Wenn sich Bettler gemeinsam die Fahrt und einen Schlafplatz organisieren, wird propagandistisch bereits von „krimineller Bande“ fantasiert. Aber auch Herr Cejpek von der
Kinderdrehscheibe behaupte im Radio, dass Bettler 100 bis 200 Euro pro Tag erhalten würden. „Cejpek liefert den Medien das, was sie hören wollen.“
Spendenkonto für Natasha: BA-CA 12000, 50 156 041 137