ico_youare10g.gif AUGUSTIN
http://www.augustin.or.at/

Unruhe am Abstellgleis

Kampagne «Postler zur Polizei» ist eine Missgeburt

article_1479_postler_160.jpg MitarbeiterInnen-Information der Fraktion sozialistischer Gewerkschaftler an die «freigesetzten» KollegInnen: Die Kampagne «Postler zur Polizei» ist eine große Chance! Nutzt sie! Nicht lange überlegen, ist die Devise, denn die «Schnellentscheider», so nennt die SP-Gewerkschaftsfraktion die Unnachdenklichen, erhalten eine Prämie von 10.000 Euro. «Die Mistelbacherprämie», ätzt ein Ex-Postler im Team der freien Augustin-MitarbeiterInnen völlig unkorrekt, politisch.
Robert Sommer 24.03.2010
Was ist das für eine «Arbeitnehmervertretung», die ihrem Klientel rät, nicht lange zu fackeln und die zehntausend Euro zu kassieren? Einen Betrag also, den jeder wirkliche Interessensvertreter der Postbediensteten als Lercherlschaas im Vergleich mit den künftigen Lohnverlusten der Neo-Polizisten kenntlich machen würde. Das Gehaltschema des Innenministeriums für PolizistInnen würde den Ex-PostlerInnen monatliche Bruttoverluste von 500 bis 900 Euro bringen. Außerdem werden bei der Polizei nur C- und D-Posten angeboten; MaturantInnen von der Post in die Polizei zu übertragen, ist ohnehin nicht vorgesehen (Quelle: Salzburger Nachrichten vom 4. März 2010).
Post AG-Boss Georg Pölzl, der 800 von insgesamt noch 1130 österreichischen Postfilialen abstoßen will, wodurch 3000 von den 4500 im Filialbereich beschäftigten PostlerInnen überflüssig werden, ist in der – aus Unternehmersicht – beneidenswerten Lage, es mit Gewerkschaftlern zu tun zu haben, die nicht mehr wissen, wie man für die Interessen der Opfer der Krise der öffentlichen Dienste kämpft. Die einem neuen Kollektivvertrag für neu eintretende Mitarbeiter zustimmten, der dem Unternehmen um ein Drittel billiger kommt. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Die Kampagne «Postler zur Polizei» ist für das Innenministerium zum Flop des Jahrzehnts geworden. Trotz aufwändiger »Road Shows», die das Ziel hatten, rund 1000 PostlerInnen den Eintritt in die Polizei schmackhaft zu machen, sollen sich z. B. in Salzburg nur drei, in St. Pölten nur fünf Postbedienste für den Jobwechsel interessiert haben. In ganz Österreich dürften es kaum hundert sein, schätzt ein Betriebsrat laut „Salzburger Nachrichten“; offiziell werden keine Zahlen bekanntgegeben.
Die eingesparten, vermeintlich «unkündbaren» PostlerInnen werden verstärkt ins so genannte Karriere- und Entwicklungscenter (KEC) ausgelagert. Zur Umschulung, behauptet die Generaldirektion. Zum Daumendrehen aufs Abstellgleis geschoben, sagen die Betroffenen, um rund 500 KollegInnen handelt es sich derzeit. Weil sie offensichtlich weiterhin unwillig sind, zur Polizei zu wechseln, wird schon eine Alternative vorbereitet: karitative Organisationen.
Zumindest auf Internet-Basis haben nun kritische Insassen des Abstellgleises ein Komitee mit dem augenzwinkernden Namen «Initiative Rettet das KEC!» gegründet. Aus ihrem ersten offenen Brief an die Postgewerkschaftsführung: «Genauso wie neue Selbständige, prekäre Arbeitsverhältnisse und Leute ohne Gewerbeschein von der Gewerkschaft wenig bis gar nicht vertreten werden, kümmert sich niemand wirklich effizient um die KEC-Insassen. Wir wünschen uns von Ihnen den Mut zur systematischen öffentlichen Entschleierung des Lagersystems KEC …»

Vorsicht: www.rettet-den-kec.de ist die Homepage der Fans des Kölner Eishockey-Clubs.
Bei www.rettetdaskec.at sind wir richtig: Hier geht die Post ab …

Kommentare zu: Unruhe am Abstellgleis

  • {COMMENT_REPLY_TITLE}{COMMENT_TITLE}

    {COMMENT_EDIT_BAR} {COMMENT_EDIT_AREA}
    {COMMENT_TEXT}
    {COMMENT_USER_NICKNAME} - {COMMENT_DATETIME}