Ilias, dem das Wort „Vortex“ beim Übersetzen eines naturwissenschaftlichen Werkes so gut gefiel, dass er es vor gut zwei Jahren mit dem majestätischen Zusatz Rex zum neuen Synonym seiner musikalischen Aktivitäten machte, ist tief verwurzelt in einer extrem sympathischen lokalen Szene in Wien. Dazu gehören oft eben nicht starr konzipierte Bands und EinzelkünstlerInnen wie die wunderbaren Go Die Big City (bei denen er Schlagzeug spielt), Paperbird oder A Thousand Fuegos. Von ersteren hat Ilias eine 7“-Single (in dieser Welt rult Vinyl noch big time) auf seinem Label Seayou herausgebracht, ebendort gibt es die Paperbird-Cd „Peninsula“. Nicht, dass er im Interview nichts sagen würde, aber ein Mann großer Theorien und Worte scheint Mister Vortex Rex nicht unbedingt zu sein (und dabei arbeitet er an seiner Diplomarbeit um sein Philosophiestudium abzuschließen). Er tut lieber.
So folgte dem Debüt letztes Jahr mit „Powermess“ der nächste Zwischenbericht von der wahrscheinlich lebenslangen Suche des Vortex Rex nach der wirklich lässigen Musik. Dessen 12 Stücke näherten sich der Halbstunden-Marke und wurden damit nicht nur landläufigeren Vorstellungen von einem Album gerecht, sondern die ureigene Logik dieser Musik war so weiterentwickelt, dass mehr Menschen von Vortext Rex Notiz zu nehmen begannen. Auf „Powermess“ findet sich auch ein Song, den Vortex Rex mit Dj Lazer geschrieben hat. Mit diesem Dj Lazer – aka Bernhard – ist Vortex Rex schon länger zum Duo angewachsen – Ilias spielt Gitarre und singt, Bernhard sorgt für den Rhythmus mit einem rudimentären Drumset. Mit Ella, die Glockenspiel und Keyboards bedient sind sie mittlerweile als Trio unterwegs.
Unterwegs? Als emsiger Booker und Konzertveranstalter ist Ilias gut connected und so spielen Vortex Rex Konzerte all over the place. In Deutschland, England, Italien, Luxemburg, Schweiz, Tschechien …; während sich die durchschnittliche Wiener Band noch müht nach St.Pölten zu kommen, haben Vortex Rex schon wieder zwei Touren absolviert.
Bernhard erlebte seine absolute Livepremiere – „er war vorher noch nie auf einer Bühne“ – ausgerechnet im englischen Leeds. Von selber kommt wie immer nichts. Ilias: „Ich arbeite schon 30 - 40 Stunden die Woche an der Musik und hab einiges dafür aufgegeben, oder nicht gemacht, eine Tutorenstelle hab ich eben nicht angenommen.“ Kurz vor unserem Gespräch haben Vortex Rex gerade wieder sechs Gigs auf der seltsamen Insel mit dummem Blair, warmem Bier, Königin und Linksfahren gespielt. Die Konditionen im Mutterland der Popmusik sind dabei (nicht nur) auf diesem Level denkbar basic: „Es gibt kein Catering, und vielleicht kriegst du mal ein Bier spendiert. Vom Publikum her haben wir aber fast so eine Art Exotenbonus genossen.“
Mittlerweile erledigt ein Booker, der wie Ilias aus der D.I.Y.-Szene kommt, das Konzertaufstellen für die Band. Von der erscheint demnächst ein Remix-Tonträger, auf dem unter anderem B. Fleischmann den wunderbar schiefen Popsong von „Powermess“, „J´ai Perdu Mon Coeur“ neu zusammensetzt. Erstmals versuchen Vortex Rex auch als Trio gemeinsam Songs zu schreiben – für das nächste Album. „Wir sind zur Zeit alle sehr von No Wave beeinflusst, James Chance und solche Sachen (…) die Basis unserer Stücke werden weiter rhythmische Ideen bleiben, Beats, Drum-Strukturen.“ Als potentiellen Produzenten hat man dabei unter anderem mit Guy Piccioto (Fugazi) Kontakt, der durchaus Interesse an der vitalen Musik von Vortex Rex hat. Eine andere Option ist Herwig Zamernik aka Fuzzman, Bassist der weltbesten Naked Lunch. So oder so: von Vortex Rex wird noch zu hören sein, viel!
www.vortexrex.com