Ungeborgene Blicke, zögernde Beichte
Warum man über die Geduld der meisten BettlerInnen staunen sollte
U6-Station Josefstädter Straße. Am Treppenabsatz kniet eine Frau. «Bitte, bitte!» Sie möchte Geld. Der flehende Blick beschämt mich. Sind die Leute hier tatsächlich so hartherzig, dass die Bettlerinnen so tief ins melodramatische Fach hinabsteigen müssen, dass man ihnen etwas gibt?
Der Wunsch nach Beichte wird jedem Häftling erfüllt. Doch der nach einem Tanzkurs...
KultursorgerInnen und Seelenskulpteure
Plädoyer für eine Gleichberechtigung von Göttern und Musen, zumindest was ihre Funktion als Kas (Kaiserlicher Arrestschließer) betrifft. Tina Leisch, Textarbeiterin und Regisseurin – zuletzt realisierte sie ein Theaterprojekt mit Insassen der Jugendstrafanstalt Gerasdorf – sammelt Argumente für kulturelle Arbeit in den Gefängnissen.
Affront in Augenhöhe
Eine Idee geht in Serie: Augustin wirft Augen auf die Justiz
Stellen Sie sich vor, Sie fahren in Urlaub. Sagen wir nach Ibiza oder Madagaskar, nach Phuket oder Antalya. Stellen Sie sich vor: zirka alle hundert Meter, beim Einkaufen, auf dem Weg zum Strand, am Eingang zum Internetcafé finden Sie die Aufforderung Österreicher raus!, oder sogar: Tötet die scampifarbigen Europäer-Maden! Würden Sie sich dabei sehr wohl fühlen?
Darf ich ihnen noch einen Toten anbieten?
Arbeitsjournal eines Theaterexperiments, Teil 5
Am 4.2.1995 wurden vier Männer ermordet, weil sie Roma waren. Eine Sprengfalle, wenige Meter von der Oberwarter Romasiedlung entfernt, tötete Karl und Erwin Horvath, Peter Sarközy und Josef Simon. Mit der Inszenierung von Elfriede Jelineks "Stecken, Stab und Stangl" möchte ein interkulturelles Ensemble unter der Leitung von Tina Leisch an dieses Attentat erinnern.
Entjubelung mit Jelinek
Arbeitsjournal eines Theaterexperiments. Teil 1.
Am 4. 2. dieses Jahres war es zehn Jahre her, dass Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon in Oberwart ermordet wurden. Vor fünf Jahren erhängte sich der Täter Franz Fuchs in seiner Zelle. Für die Öffentlichkeit war der Fall damit erledigt. Nicht aber für diejenigen, die auch heute noch Entwürdigung per rassistischem und antiziganistischem Zeitungs- und Alltagsjargon erleben. Tina Leisch inszeniert aus diesem Anlass Elf...
Der letzte Sommer der freien Liebe (1)
Tu, felix Austria, nube!
Wer möchte nicht gerne manchmal das Herz schweifen lassen, unerwarteter als ein Komet auftauchen und einem ganz fremden Menschen ein großes Glück in den Schoß werfen? Ein Geliebtwerden oder eine Aufenthaltserlaubnis z. B.? Doch die Novellierung des Fremdengesetzes möchte das bestrafen. Verbandeln darf man sich nur, mit wem man wohnt und beiwohnt. Wer möchte sich so was verbieten lassen?
Wenn die Leute nicht ins Theater gehen, muss das Theater zu den Leuten
Bitte liebt Österreich, ein Rückblick
Politik ist Theater, nicht nur da, wo sie sich ganz offensichtlich als Affentheater oder Schmierenkomödie präsentiert. Keine Partei, die nicht RegisseurInnen bezahlen würde, um sich von Ihnen die Dramaturgie ihrer Wahlkämpfe und Kampagnen gestalten zu lassen. Aber wenn Politik sowieso Theater (oder Fernsehshow) ist, wie kann dann Theater noch Eingriff in die Politik sein? Christoph Schlingensief lieferte mit seiner Aktion vor der Wiener Oper ...