Meinung kostet Geld
"Nur eine Stadt mit wilden Plakaten ist eine gute Stadt"
Wem gehört der öffentliche Raum? Karl Kraus hatte 1927 noch die Möglichkeit, den damaligen Innenminister Schober in einer Plakataktion zum Rücktritt aufzufordern. Wer heute den Innenminister spontan mit einer nicht angemeldeten Plakataktion zum Rücktritt auffordern will, begibt sich ins Kriminal.
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Von "Ganz unten" ins Call-Center
Günter Wallraff im Wien Museum
Vor etwa 20 Jahren ist es um den Aufdeckungsjournalisten Günter Wallraff still geworden. Nun macht er wieder Schlagzeilen: Als er eingeladen wurde, in einer Moschee zu lesen, kündigte er an, dass er die Einladung annehmen werde, um aus Salman Rushdies „Satanische Verse“ vorzutragen. Und er erkundete am Telefon die neue Arbeitswelt der Call-Centers.
Der Augustin traf ihn im Rahmen der Ausstellung „Ganz unten“ im Wien Museum.
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Barrieren überwinden
Dr. Gerald Matt, Kunsthalle, über Chen Zhen, das Museumsquartier und die Kunst überhaupt
Dr. Gerald Matt ist nicht nur Leiter der Kunsthalle (im Museumsquartier und am Karlsplatz) in Wien, sondern auch ungewöhnlicher Denker zu Tendenzen in der Kunst und zum Kunstbetrieb. Anlässlich der aktuellen Ausstellung des chinesischen Künstlers Chen Zhen diskutierte er mit dem Augustin über Erscheinungen des Kunstbetriebes.
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"Unter den Zwei Linden"
Toni Sudy, Wirt und Reiki-Meister
Betritt ein Gast das Wirtshaus am Schüttel 5 im 2. Bezirk, unweit der Franzensbrücke neben dem Donaukanal, befindet sich links der Stammtisch mit Leuten aus dem Gemeindebau. Sie sitzen fast täglich hier.
Als Aktionär bei Agrana
Einmal im Jahr frühstücken wie ein Kaiser
Wir setzen unsere Berichte aus der Welt der AktionärInnen fort. Nach den Aktionärsversammlungen von Uniqa (Ausgabe Nr. 183) und Do&Co (Nr. 188) beobachtete der Augustin ähnliche Rituale auch in der Hauptversammlung der Agrana. Für Augustin-LeserInnen ist diese Gesellschaft eine „alte Bekannte“: Als Agrana die Zuckerfabrik in Hohenau zusperrte, berichteten wir über den Schock, den diese Entscheidung eines zum global player gewordenen ...
Thomas Frankls Erinnerungen
Chanukka im „Bunker“
Am 28. September 1944 wurde die Familie Frankl von den Nazis verhaftet. Während der Vater, der Maler Adolf Frankl (1903 – 1983), zum Waggon nach Auschwitz-Birkenau gedrängt wurde, gelang es seiner Frau Renée und den Kindern Thomas, damals 10 und Erika 8 Jahre alt, sich noch in letzter Sekunde zu retten. Die Kinder verbrachten Chanukka („Lichterfest“, in der Regel im Dezember) 1944 im „Bunker“ versteckt. Thomas Frankl erinnert sich in...
Rand und Zentrum, Aug in Aug
Warum, weshalb und wieso Raiffeisen-Konrad den Augustin einlud
Ich schrieb über zwei Aktionärsversammlungen im Augustin. Nach dem Artikel über das Treffen der Aktionäre der Uniqa-Versicherung meldete sich der Pressesprecher der Raiffeisenkassa in der Redaktion. Die Geschichte sei nicht "objektiv" gewesen. In dem Bericht war nebenbei auch von der Kritik eines unzufriedenen Aktionärs an den Geschäften der Versicherung und der Involvierung des Chefs der mächtigen österreichischen Genossenschaftsbank, Ge...
Als Aktionär bei Do&Co. Oder: Das grosse Fressen
Wieder erhielt ich eine Aktie geschenkt, um an einer Aktionärsversammlung teilnehmen und darüber berichten zu können: Do&Co, das exklusive Fresseldorado, das vor einigen Jahren unter seinem Chef Attila Dogudan mit Hilfe der Raiffeisenkassa an die Börse ging, und nun als eines der erfolgreichsten Unternehmer der heimischen Wirtschaft gilt.
"Kavaliersdelikt" Folter
Augustin beobachtet die Justiz (3): Die WEGA. Ein Gespräch mit Bakarys Rechtsanwalt
Der Richter im Bakary-Prozess habe die wahre Dimension dieses Falles nicht wirklich gesehen, meint Bakary-Anwalt Josef Philip Bischof im Augustin-Gespräch. Mit "ein bisserl Frustabladen" der Beamten sei gar nichts erklärt. Bischof: "Stellen Sie sich vor, jeder, der ein bisserl frustriert ist, verschafft sich Luft mit Folter - "Na dann gute Nacht!" Wäre ich Richter in diesem Verfahren gewesen, hätte der Verhandlungsverlauf anders ausgesehen.
Reinhard Liebe macht es wie die Samen
Einst Liedermacher, jetzt Geschichtenerzähler
Reinhard Liebe war Liedermacher und Bewährungshelfer. Im Jahr 2000 erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er noch immer leidet. Nun arbeitet er wieder als Psychotherapeut. Zuweilen lädt er zu einem Abend ein, an dem er Stehgreifgeschichten erzählt. Zum Beispiel am 13. Juli in der Alten Schmiede.
Wie ein Vieh?
Eine Idee geht in Serie: Augustin wirft Augen auf die Justiz
Ich bin der Überzeugung, dass Männer gefälligst ihre Zumpferln nicht nur besser unter Kontrolle halten sollen, sondern müssen. Andererseits: Jemanden Masturbationspraktiken in 10 Fällen vorzuwerfen, wie ein Gerichtsgutachter das tat, klingt vormodern. Notizen zu einer Verhandlung beim Obersten Gerichtshof im Wiener Justizpalast am Schmerlingplatz.
Die Sensibilität der Clochards
Robert Hammerstiel im Leopold-Museum
Robert Hammerstiel, geboren 1933 in Werschetz (Vrfiac) im Banat, ist der erste zeitgenössische Künstler, dem eine Ausstellung im Leopold-Museum gewidmet ist. Sein Frühwerk ist von Kindheitserinnerungen in jugoslawischen Internierungslagern geprägt. Nach einem New-York-Aufenthalt 1988 entwickelte sich seine Malerei zu einer neuen Form der Pop-Art. Robert Hammerstiel erzählte Gerald Grassl von seiner Kindheit und seiner Kunst....
Robert Hammerstiel im Leopold-Museum
Langfassung des Interviews, das gekürzt in Augustin Nr. 177 erschien
Robert Hammerstiel, geboren 1933 in Werschetz (Vrfiac) im Banat, ist der erste zeitgenössische Künstler, dem eine Ausstellung im Leopold-Museum gewidmet ist. Sein Frühwerk ist von Kindheitserinnerungen in jugoslawischen KZs geprägt. Nach einem New-York-Aufenthalt entwickelte sich seine Malerei zu einer neuen Pop-Art.
Robert Hammerstiel erzählte Gerald Grassl von seiner Kindheit und seiner Kunst.
Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien
Noch als Leich´ gescheitert
Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino. Nichts dagegen. Bitte nehmen Sies! Oder: Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren. So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nac...
Das "Wunder" von St. Pölten
Ich wanderte nach Emmaus...
1949 wurde die internationale Emmaus-Gemeinschaft vom französischen Armenpriester Abbeé Pierre gegründet. Er war während der Zeit des Faschismus im Widerstand aktiv. In St. Pölten hat seine Idee kräftige Wurzeln geschlagen. Dass in Niederösterreichs Hauptstadt kaum wer auf der Straße übernbachten muss, ist dem Non-Profit-Unternehmen mit dem biblischen Namen zu verdanken.
Über Recht und Nächstenliebe
Ingo Rezman, Obmann der Hepatitis Liga Österreich
Man schätzt, dass es in Österreich etwa 40.000 Infizierte durch Hepatits C gibt. Viele wissen oft gar nicht von ihrer Krankheit. Bei etwa 20% entwickelt sich die Ansteckung zur Leberzirrhose oder zu Leberzellkrebs. Viele haben sich in den 70- und 80er-Jahren entweder durch Plasmaspenden- oder als Patienten (wie etwa auch der neue Sozialminister Mag. Haupt) infiziert. Während man in der Politik endlich beginnt, über Hilfsmaßnahmen für die Op...
Renate Unger aus Taxi Orange
Kein Fernsehen im Fernsehen
Wenn man der kritischen Öffentlichkeit glauben soll, ist dem ORF mit dem Reality-TV-Spektakel "Taxi Orange" ein weiterer Schritt der Verweigerung des Bildungsauftrags einer öffentlich-rechtlichen Anstalt gelungen. Renate Unger, die vor geraumer Zeit aus dem Kutscherhof als Feministin hinauskomplimentiert wurde, sieht das naturgemäß anders. Für sie spielt sich in dieser Serie ein - allerdings geschönter - Mikrokosmos der harten gesellschaftl...
Jobbewerbungen: Was darf der Personalchef über mich wissen?
Nicht jede Frage soll eine Antwort bekommen
Von Schule und Elternhaus sind wir dahin dressiert worden, immerzu und jedem auf jede Frage sogleich eine Antwort zu geben. Auch dann, wenn die gewünschte Auskunft andere eigentlich nichts angeht. Das ist oft auch ein Problem einer versteckten Form von Autoritätshörigkeit.
Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina im Gespräch:
Kosmetiker & Populisten
Ferdinand Lacina war ca. 20 Jahre lang Angehöriger verschiedener, von Sozialdemokraten geführten, Regierungen. Zuletzt neun Jahre lang Finanzminister. Danach wurde er Spitzenbanker. "Gott sei Dank verwirklicht ja der jetzige Finanzminister nicht alles, was zuvor angekündigt wurde, denn das wäre dramatisch", meint der Ex-Minister im Gespräch mit Gerald Grassl über Sparpaket, Nulldefizit und andere Themen.
Die Kunst des Krawattenbindens
Ein verwoardaggelter Knoten
Da waren einmal die unschuldigen Mascherln. Eigentlich sind es ja verkürzte, lustige Krawatten. Symbole der Kellner, Barpianisten, bürgerlichen Bohemiens, Ballbesucher, Heiratswilligen und anderer sich lustig dünkender Gesellen.
Darf man Majestäten verhöhnen?
Wien ist andersrum? Nein. Aufgeregt.
Zum fünften Mal schon läuft in diesem Frühjahr das erfolgreiche Schwulenfestival "Wien ist andersrum". Heuer hatte es in seinem Logo außerdem das Zeichen O5, Zeichen des katholischen Widerstandes gegen den Faschismus, und verstand sich selbst als ein "Festival des Widerstands vom anderen Ufer". Und weil das alles noch nicht genug war, provozierten die Veranstalter außerdem mit provokanten Plaketen wie "Jörg ist schwul" oder "Wolfgang ist ei...