Nestroyhof: Interview mit Erica Lindenstraus
Erica Lindenstraus ist eine Enkelin Anna Steins, die bis 1940 Besitzerin des Nestroyhofs war. Durch Arisierung kam die Industriellenfamilie Polsterer in Besitz des Gebäudes in der Praterstraße 34. Ein Rückstellungsverfahren an die Kinder Anna Steins konnten die Polsterers 1951 durch einen fragwürdigen Vergleich abwenden. In einem Exklusivinterview für den Augustin am 3. Jänner 2008 in New York sprach Erica Lindenstraus über ihre Großmutte...
Kriegerdenkmalsaversion
Helmut Kraus, Peter Wagner, Wolfram Kastner, Josef Schützenhöfer etc. haben was gemeinsam:
Österreich ist übersät mit "Heldendenkmälern". Manche würdigen die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (natürlich nur die "Unseren"), die meisten die Gefallenen beider Weltkriege (natürlich nur die "Unseren"). Eine der Botschaften solcher Denkmäler lautet: Wer sich der "Heldenpflicht" entzog, etwa durch Desertion, war ein Feigling - milde ausgedrückt. Der Wiener Lehrer Helmut Kraus versuchte, ein in seinem Gymnasium unhinterfragt überdauen...
Das Buch singt
Ein außergewöhnlicher Blick auf Dora Schimankos Vorfahren
Das blond gelockte, etwa dreijährige Mädchen auf dem Gemälde des Buchcovers schaut uns direkt ins Auge. Eine untypische, dennoch die passendste Einladung, Dora Schimankos Lebensgeschichte in Form eines außergewöhnlichen Blickes auf ihre Vorfahren zu lesen. Das Buch, das die Leopoldstädterin heuer im Eigenverlag unter dem Titel „Warum so und nicht anders / Die Schiffs: Eine Familie wird vorgestellt“ herausgab, kommt sicher keiner Lesersc...
Thomas Frankls Erinnerungen
Chanukka im „Bunker“
Am 28. September 1944 wurde die Familie Frankl von den Nazis verhaftet. Während der Vater, der Maler Adolf Frankl (1903 – 1983), zum Waggon nach Auschwitz-Birkenau gedrängt wurde, gelang es seiner Frau Renée und den Kindern Thomas, damals 10 und Erika 8 Jahre alt, sich noch in letzter Sekunde zu retten. Die Kinder verbrachten Chanukka („Lichterfest“, in der Regel im Dezember) 1944 im „Bunker“ versteckt. Thomas Frankl erinnert sich in...
Ich will nicht mitheucheln
Dora Schimanko fand endlich Zeit, die Geschichte ihrer Familie niederzuschreiben
Vor mir sitzt eine jugendlich wirkende Frau, deren Blick zwischen offener Neugierde und gesunder Skepsis schwankt. Als Dora Schimanko beginnt, mir ihre Büchersammlung vorzuführen, merke ich bald, dass wir dafür ein paar Tage extra bräuchten. Ihr Wissen aber bezieht die Mittsiebzigerin auch auf die aktuelle Weltsituation, die sie kritisch und wach beobachtet. Wie auch in ihrem neu erschienenen Buch über die Geschichte ihrer Familie und ihrer ...
Back to the Lovara-Roots
"Was wolltet ihr immer schon über die Roma wissen?", fragt Gilda Horvath keck
Neben den Burgenland-Roma bilden die ursprünglich aus Ungarn stammenden Lovara die österreichische Volksgruppe der Roma. Die Gesamtzahl der in Österreich lebenden Roma ist wahrscheinlich zehnmal größer. Als Dunkelziffer wird 45.000 kolportiert. Roma aus Ex-Jugoslawien bilden die Mehrzahl. Die Mitglieder der Familie Stojka zählen zu den international bekannten VIPs der Wiener Lovara. Vielleicht ist übermorgen ein anderer Lovara-Name, der gl...
"Wird halt eine Epidemie ausgebrochen sein"
Erschütternde Dokumente der Kindereuthanasie am Spiegelgrund
Das Zitat im Titel stammt von Heinrich Gross, dem Todesarzt der NS-Kindereuthanasieanstalt am Spiegelgrund. Es war die Antwort des 2005 verstorbenen Experten für unwertes Leben auf die Frage eines Kurier-Journalisten, ob ihm nicht aufgefallen sei, dass so viele Kinder unter seiner Betreuung an Lungenentzündung gestorben seien. Die Lungenentzündungs-Lüge war der Endpunkt einer Täuschungskette, an dessen Beginn die Schlechtme...
Die Liga Mores gelehrt
Mit Chuzpe zum Erfolg: Der SC Hakoah Wien
Der jüdische SC Hakoah ist mit der Wiener Fußballgeschichte untrennbar verbunden. 1925 holten die Mannen mit dem Davidstern auf der Brust den österreichischen Meistertitel und wurden so zum ebenso heiß geliebten wie umfehdeten Symbol jüdischer Identität.
Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien
Noch als Leich´ gescheitert
Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino. Nichts dagegen. Bitte nehmen Sies! Oder: Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren. So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nac...
Die Heimkehrerinnen erzählen (1): Gertrude Austerlitz
Der "Zug fährt nach Hütteldorf"-Traum
Der Text ist dem Buch "Ich geb Dir einen Mantel, dass Du ihn noch in Freiheit tragen kannst" entnommen. In diesem und im Buch "Der Himmel ist blau. Kann sein.", beide herausgegeben von Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lotte Podgornik und Lisbeth N. Trallori, erschienen 1987 im Promedia-Verlag, sind die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts über Frauen im Widerstand dokumentiert. Die meisten Frauen, mit denen damals die Gesp...
"Wiederbetätigung": Jus-Student brachte Anzeige gegen die Republik ein
Kein Unrechtsbewusstsein
AUGUSTIN-LeserInnen kennen ihn schon: Joachim Stern, den Jus-Studenten, der im online-Schalgwortkatalog des Rechtsinformationssystems (RIS), das vom Bundeskanzleramt herausgegeben wird, die Wörter "Erb- und Rassenpflege " fand und der einigermaßen erstaunt darüber, hier eindeutig nationalsozialstischem Gedankengut entspringende Begriffe vorzufinden, zu recherchieren begann. Mitte Februar brachte Joachim Stern eine Anzeige wegen Wiederbetätigu...
Marta Halpert, Leiterin des Wien-Büros derAnti-Defamation League
Hoffnungsvoll unoptimistisch
"Ich bin schon eine alte Kämpferin. Ich habe immer wieder Rückschläge bekommen und denk´ mir oft: Es hat keinen Sinn. Trotzdem, ein bisschen Hoffnung habe ich schon. Nur, optimistisch bin ich nicht." Ich mag uneindeutige Selbstcharakterisierungen. Diese hier habe ich aus dem Radio Augustin-Interview (siehe Kasten unten) mit Marta Halpert, der Wiener Vertreterin der Bürgerrechtsorganisation "Anti-Defamation League" (ADL) aufgeschnappt....
Nationalsozialistisches Gedankengut in Gesetzen
Eindeutig Staatsvertragsbruch
Joachim Stern ist Jus-Student. Bis vor einigen Monaten war er zusätzlich Mitarbeiter einer Beratungsstelle in Wien. Im Zuge dieser Tätigkeiten hat er dauernd mit gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen zu tun, der Umgang mit Gesetzestexten und der Bezug von Originalquellen sind sein Alltag. Eines Tages macht er eine Entdeckung. Er findet die Wörter "Erb- und Rassenpflege" im online-Schalgwortkatalog des Rechtsinformationssystems (RIS), das ...
Verein ORPHEUS TRUST
Unzählbares Vermächtnis
Ein kleines Büro in einer kleinen unscheinbaren Gasse in Wien: ein Computer, ein Schreibtisch, drei Sessel, ein Regal mit CD´s; hohe Fenster, viel Licht. Hier wird geforscht, hier werden Zusammenhänge hergestellt, Daten sortiert und gespeichert, es werden Publikationen und Veranstaltungen koordiniert und initiiert,- von hier aus erhält ein großes Stück unaufgearbeitete österreichische Vergangenheit die ihr gebührende Dokumentation und ein...
Hubsi Kramars Gratwanderungen
Scheibbser Nestbeschmutzer rächt sich
Hitler wollte den Opernball besuchen. Hitler wollte mit der reschen Frau Riess-Passer ein Tänzchen machen. Aber das wurde verhindert. Denn Hitler wurde gewaltsam festgenommen und wegen des Verdachts der Wiederbetätigung stundenlang verhört...