Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur (2)
Nach ganz fest kommt ganz lose
In der geplanten ORF-Fernsehserie Der Winzerkönig wird er einmal mehr als Held zu bewundern sein. Mit vollen Hosen ist gut stinken, sagte sich Harald Krassnitzer und schlüpfte eines Abends in der Wiener Innenstadt in die Rolle des Augustinverkäufers. Der deftige Aphorismus bedeutet: Wer in der Öffentlichkeit steht, wird weniger überhört. Ein Mensch der Öffentlichkeit signalisierte öffentlich seine Sympathie für das Augustin-Projekt. Im Folgen...
Zuerst fiel er tief, jetzt fällt er auf: Kolporteur Gerhard Hostniker
Packerl für paffe Passanten
Wenn Bankangestellte schrille Gummistiefel und ein Blinklicht tragen müssten, würde Gerhard Hostniker wieder seine Krawatten hervorholen. Wenn er sie noch hätte. Wenn der Augustin ein Kochbuch wäre, würde Gerhard nicht Omas Rezepte unter seiner Stammkundschaft verbreiten. Porträt eines im Alter doch noch zum Hippie gewordenen Augustinkolporteurs.
Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien
Noch als Leich´ gescheitert
Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino. Nichts dagegen. Bitte nehmen Sies! Oder: Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren. So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nachgab und es nich...
Standortnationalismus
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Wenn sich Nationalstaaten auf Steuerdumping einlassen, verlieren alle. Salzburg wirbt Bayern einen Konzern ab, darauf senkt Bayern die Steuern und Bayern wirbt wieder Salzburg einen Konzern ab, worauf die Slowakei noch weiter runterfährt, um den nächsten abzuwerben.
Parallelgesellschaft
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Der Typ Sozialstaat österreichischer wie auch deutscher Prägung schafft es nicht - trotz insgesamt guter sozialer Sicherung-, die Aufstiegschancen einkommensschwächerer SchülerInnen zu verbessern. Wie ein Fahrstuhl („Fahrstuhleffekt“ © Soziologe Ulrich Beck) wird die Gesellschaft in die Höhe gefahren, was auch die unteren Schichten zu höherem Lebensstandard führt, die Unterschiede aber relativ konstant und die soziale Durchlässigkeit relativ geri...
Gespaltenes Leben
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Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Denen ist das Lachen vergangen. Genieren sich einfach mit kaputten Zähnen den Mund aufzumachen. Das ist auch eine Möglichkeit Menschen zum Schweigen zu bringen. „Wie soll ich mir den Zahnersatz leisten?“, fragen Betroffene in den Beratungsstellen. Die Krankenkasse zahlt auch immer weniger.
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Mythen beinhart
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Aus der Ferne sieht man vieles klarer. George Bush nennt das Pensionssystem der USA „bankrott“. Deshalb sollen die US-BürgerInnen ein Drittel ihrer Beiträge ab jetzt an der Wallstreet in Aktien anlegen. Das bringt keine festen Leistungszusagen mehr und Einbußen bis zu 40 Prozent für den/die Durchschnitts-Pensionisten/in. Nur: Das US-Pensionssystem macht derzeit 1,5 Billionen Dollar Überschüsse. Das hindert Bush nicht daran, vom Pensionsnetz, „das...
Vom Untertan zum Kunden?
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Kunde sein ist fein, wenn man Geld hat. Wenn man aussuchen kann, abschlagen kann, informiert ist. Wer aber nicht die Freiheit hat, mit Geld sich auszusuchen, was man will, abzuschlagen, was man nicht will, und alle Informationen einzusehen, die man braucht, dort ist Kundesein nicht fair. Je weniger Geld ich habe und je stärker meine Abhängigkeit in der Dienstleistungs-Beziehung, desto problematischer wird der Kundenbegriff.
Wer sind Sie?
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„Können Sie sich ausweisen?“
„Ja, ich hab eh meine Kreditkarte dabei.“
In den USA hat die Kreditkarte den Personalausweis abgelöst. Kreditwürdigkeit als Identitätsnachweis. Viele haben mehrere solcher kleinen Kärtchen, je nachdem, welche gerade überzogen ist, muss man die andere zücken, um noch bezahlen zu können.
Alles bleibt anders
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Der Sozialbericht wurde präsentiert. Darin sind die jeweils aktuellen Daten über Armut und Einkommen enthalten. Stehen dort schwarz auf weiß und trotzdem wird verharmlost und verdrängt. Oder gerade deswegen. Is’ eh alles super! Wir machen, was wir können! Net jammern, sondern zufrieden sein! Keep smiling!
Zusammengegeneinanderlebenmüssen
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„Integration ist ein Prozess der wechselseitigen Anpassung und Veränderung zwischen einer aufnehmenden und einer aufzunehmenden Gruppe“ (Rainer Bauböck).: „Während MigrantInnen vor allem auf individueller Ebene große Anpassungsleistungen erbringen müssen, fällt der Aufnahmegesellschaft die Aufgabe zu, die politischen, rechtlichen und kulturellen Institutionen so umzugestalten, dass aus Fremden gleichberechtigte Bürger werden.“
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Schlachtruf
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Die Schauspieler Albert Fortell und Barbara Wussov bezogen zwischen ihren Drehs Notstandshilfe. Was eine große Empörung auslöste, weil viele wissen, wie schwierig es ist, Notstandshilfe zu bekommen: Partneranrechnung, jeden Job annehmen, alle Einkommen angeben etc. Und wenn man Notstandshilfe bezieht, dann ist das für die meisten ein Hungereinkommen. Die durchschnittliche Notstandshilfe von Frauen liegt bei 475.-€. Viele haben weniger als 200 €.
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Ambulanzgebühren gefährden die Krankenversorgung
Stirb leise
"150 Schilling sind nicht die Welt", meint Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Für Franz Bittner, Obmann Wiener Gebietskrankenkasse, ist die Ambulanzgebühr unsozial: "Sie trifft chronisch Kranke und sozial Schwache besonders hart".
In der "Sozialmissbrauchs"-Debatte ist der Spiess umzudrehen
Scham, Angst und Unwissenheit
Wer von Missbrauch in Bezug auf die Sozialhilfe reden und dabei seriös bleiben will, muss den Spieß umdrehen. Die Gemeinde Wien erspart sich zig Millionen Schilling, weil sie es unterlässt, offensiv aufzuklären, welche Menschen anspruchsberechtigt wären. Warum spricht hier niemand von kommunalem Sozialbetrug? Unter anderem, weil es schwierig scheint, die verdeckte Armut in Wien statistisch zu erfassen.
Verteidigung der Gleichheit
Modernismus versus Traditionalismus - oder:
Warum eine modernisierte Sozialdemokratie nicht darum herumkommen wird, einen sehr traditionellen Grundwert neu zu entdecken.
Armut in Österreich ist zu 70 Prozent weiblich
Männer haben / Frauen sind
Die Frauenbewegung der letzten drei Jahrzehnte hat das Verhältnis der Geschlechter und die Geschlechterrollen zum Tanzen gebracht. So sehr, dass die neue Schimpfwörtergeneration ("Frauennamenannehmer", "Frauenversteher" etc.) nur noch in ironischem Zusammenhang leben kann. Doch ökonomisch hat sich an der unterprivilegierten Stellung des Geschlechts im Prinzip nichts geändert. Frauen verdienen – auch für dieselbe Arbeit – immer noch weniger als Mä...
Erwerbsunabhängiges, existenzsicherndes Grundeinkommen:
Mäßig utopisch...
Es gibt verschiedene Zugänge und Anlässe, sich mit dem Thema Grundeinkommen zu beschäftigen: zum Beispiel die Diskussion über die Finanzierung des Sozialstaates, die Diskussion über den zu bürokratischen Zugang zu Sozialleistungen, die Diskussion der Präkarisierung der Erwerbsarbeit und des erhöhten Verarmungsrisikos. Mein Zugang ist jener über nachhaltige Entwicklung, sowie jener über Arbeit und Einkommen. Dabei gehe ich davon aus, dass in unser...
Widerstand gegen die Zerschlagung des Sozialministeriums
Comeback der 'Volksgemeinschaft'?
Für Arbeitslose, Arbeitsinspektoren und Arbeitnehmerschutz ist künftig nicht mehr das Sozialministerium zuständig, sondern der Wirtschaftsminister. Dahinter steckt die konservative Ideologie, zwischen Kapitalisten und Arbeiter gäbe es keinen Gegensatz mehr.