Jacques Audiards Thriller «Un prophéte», beim letzten Festival in Cannes vorgestellt und nun in den Pariser Kinos, bekräftigt eine Lieblingsthese der gefängniskritischen Linken: Im Häfen wird mensch nicht besser. Der Held, Kleinverbrecher, wird im Knast zu einem Meister mafiöser Schwerkriminalität. Das Leben im (Film-)Strafvollzug ist die Fortsetzung des gnadenlosen Bandenkriegs mit anderen Mitteln. Audiards Gefängnis ist alles andere als ein Raum der wiederhergestellten Rechtsordnung. Die meisten FranzösInnen denken, der Film übertreibe nicht besonders. Die vielen Selbstmordfälle von Häftlingen und Gefängniswärtern haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf eine katastrophale Strafvollzugsrealität gelenkt. Die Überbelegung beträgt in manchen französischen Gefängnissen zweihundert Prozent.