ico_youare10g.gif ZEITUNGHEROES
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Im Nadelstreif in die Meldemannstraße

Rüstiger Rentner und Augustin-Verkäufer

Gaggl.jpgDer Augustin-Verkäufer Norbert Gaggl fühlt sich trotz Rentenalters topfit. Sein Rezept, um agil zu bleiben, beinhaltet viel Bewegung und vor allem Kontakt zu Menschen. Beides ließe sich mit dem Straßenzeitungverkaufen verbinden. Dieser Kolporteur scheint mit der mühsamen und nicht angesehenen Tätigkeit mehr als zufrieden zu sein – solange nicht die Polizei dazwischenfunkt.


"Das Glück liegt nicht in unserer Hand"

Ganze Familien notlanden beim Augustin – z. B. die Familie Boti

Fam.Boti_1.jpgTreffpunkt Augustin-Vertrieb. Auf meine Begrüßung und die allgemein gehaltene Einstiegsfrage, wie es denn so gehe, eine traurige Antwort: „Wissen Sie, wir wollen uns nicht beklagen, auch wenn es viel Grund zur Klage gäbe, das kommt nicht gut an, nie.“ Ich frage nach. Die gegenübersitzende junge Frau erklärt mir aufgelöst, wie ihr vor ein paar Tagen bei Hofer die Geldbörse gestohlen wurde, selbstredend mitsamt dem Inhalt, 250 Euro und allen Papieren. Das wichtigste Verluststück vielleicht ihr Augustin-Verkäufer-Ausweis, stellt doch für Clari Boţi, die man wie ihre Mutter Iuliana nennt, das Verkaufen des „Boulevardblatts“ die einzige Einnahmequelle dar.


Wegen Solidarität in den "Untergang"

Traumschiff, Zug und Straße – Stationen des Christian Meischl

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In den letzten Monaten bekam Christian Meischl öfters zu hören, er sei wieder aufgeblüht. Die Talsohle, das Betteln in der Mariahilfer Straße, hat der ehemalige Kellner eines Haubenrestaurants durchschritten. Nun steht auf seinem Plan, wieder eine Wohnung zu finden und sich als Betroffener aktiv für die Armutsbekämpfung einzusetzen.


Der sprayende Tuareg aus St. Pölten

Von unten gekommen, Durchbruch geschafft: Tage des offenen Ateliers bei Labinsac

HeroLabinsac.jpgSchablonen-Mohammed, Stencil-Derwisch, Camel Driver, Graffiti-Ayatollah, der Spraydosen-Tuareg aus St. Pölten ... Wortkreationen aus der Entspannungsphase nach dem Interview in der Augustin-Redaktion. Labinsac, St. Pöltens Street-Art-Avantgardist, lässt uns nach Titeln fischen, die er sich zulegen könnte, wenn er in absehbarer Zukunft, als Global Sprayer, seinen Zorn gegen das „Teile und herrsche“-System schleudert. „Ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad werde ich mich als Sprachrohr der schikanierten Migranten und Migrantinnen nützlich machen“, kündigt Labinsac an, der in den amtlichen Ordnern ganz unorientalisch Wolfgang Gstettner heißt.


Politische Nervenentzündung

Nach vielen Stationen der Flucht erwies sich Österreich nicht gerade als G´mahde Wies´n.

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Die Welt des iranischen Theaterregisseurs Bahram Parsa ist voll skurriler Einfälle und philosophischer Ideen. Leider stört die Real-Politik immer wieder. Und die flache Niere – so flach, wie sie dem behandelnde Arzt noch nie bei einem Patienten begegnet waren. Auch der Nierenschaden ist Real-Politik. Er stammt aus Bahrams Haftjahren.



Zwischen den Schaufensterpuppen

Vom Zeitschriftenabo- zum Straßenzeitungsverkäufer

206_Hero.jpgMit „die Kinder kommen nockert auf die Welt“ erklärt Augustinverkäufer Hans Edlmayr einem ihm bekannten Passanten, warum er schon wieder bei der Arbeit sei. Unmittelbar vorher begrüßte ihn dieser ältere Bekannte, indem er mit seinem Spazierstock gegen die Krücke von Hans klopfte. „Die Leute in der Mariahilfer Straße sehen mich nicht als den armen Behinderten, sondern als einen lebenslustigen Menschen“, so kommentiert der Unterschenkelamputierte das unkonventionelle Begrüßungsritual.


Die Hüterin des Hauses

Eine weitere Biografie gegen die Parole "AsylantIn gleich Wirtschaftsflüchtling"

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Elena Kimshiashvili war gezwungen, am Beginn des „Abends ihres Lebens“ neu anzufangen. Sie hat hier Land und Leute schätzen gelernt, doch die Asylbehörde hält sie schon seit vier Jahren hin, Land und Leute auch in vollen Zügen genießen zu können.


Die Lady der Herrengasse

Lieber die Zeitung als den Körper verkaufen: Kolporteurin Marian

Wenn du wüsstest, wie dünn ich war, als ich 2004 nach Österreich kam, lacht Marian, eine der beiden afrikanischen Verkäuferinnen des Augustin. Dass sie heute „so fett“ sei, habe sie ihren Kundinnen und Kunden zu verdanken, denen sie in der U3-Station Herrengasse die Straßenzeitung anbietet. So viel Schokolade könne sie gar nicht essen, wie sie von ihrer „family“, so nennt sie den Stammkundenkreis, solidarisch verabreicht bekäme.

Der Engel aus dem Schacht

Ein Leben ohne Wohnung fordert ein Arrangement nach dem anderen

Rudolf Engel ist ein Augustinverkäufer, der in reger Interaktion mit seinen KundInnen steht. Er und sein Hund Gipsy geben den Menschen auf dem Weg zum Arbeitsplatz, der in den meisten Fällen ein Magistratsbüro ist, frühmorgens ein freundliches Wort und die Möglichkeit, ein Fell zu streicheln, mit. Im Gegenzug erhält der Kolporteur Geld- und Sachspenden und Informationen, die keine noch so aufwändige Medienanalyse ausspucken würde. Die InformantInnen geben gerne preis, dass der Augustin nicht mehr so links wie anfangs sei. So hörte Rudolf Engel auch schon lange nicht mehr: „ Ein Kommunistenblatt kaufe ich nicht, da geht mir das Geimpfte auf.“

Zwischen Kolportage und Drehtermin

Als erstes spielte Francis Okpata das "arme und hungrige Volk"

Das hier bin ich bei den Dreharbeiten zu "Afrika mon amour" - und hier mit Lilian Klebow vom "SoKo Donau" - und das ist meine Szene in der "Medea" am Burgtheater. Francis präsentiert seine Fotos. Moment, das hier sollte doch das Portrait eines Augustin-Verkäufers werden!?

Der doppelte Blick auf Obdachlosigkeit

Vom beengenden Kärnten ins befreiende Wien

Der Augustinverkäufer Josef Geric kennt Obdachlosigkeit von zwei Seiten. Einerseits hat er für ein paar Jahre ehrenamtlich an der Seite von Pater Georg Sporschill Menschen ohne Wohnung betreut, andererseits verlor er allmählich den Boden unter den Füßen und wurde selbst obdachlos. Seit zwei Jahren erlebe er aber einen „starken zweiten Frühling“, denn die Alkoholsucht habe er Dank seiner Freundin erfolgreich bekämpft.

Das Café Ritter ist Ahmadous zweites Zuhause

„Die ZeitungskäuferInnen geben mir eine Chance“

Er mache immer das Beste aus seiner Situation, lautet der einhellige Tenor, wenn man Ahmadou Sow von Menschen aus seiner näheren Umgebung charakterisieren lässt. Darüber hinaus gilt er beim Augustin als Pionier: Er war der zweite Schwarze, der die Straßengazette Augustin unter die Wiener Bevölkerung brachte, und der erste, der Fußbälle für die Mannschaft der Straßenzeitung ins Tor versenkte.

Das Buch singt

Ein außergewöhnlicher Blick auf Dora Schimankos Vorfahren

Das blond gelockte, etwa dreijährige Mädchen auf dem Gemälde des Buchcovers schaut uns direkt ins Auge. Eine untypische, dennoch die passendste Einladung, Dora Schimankos Lebensgeschichte in Form eines außergewöhnlichen Blickes auf ihre Vorfahren zu lesen. Das Buch, das die Leopoldstädterin heuer im Eigenverlag unter dem Titel „Warum so und nicht anders / Die Schiffs: Eine Familie wird vorgestellt“ herausgab, kommt sicher keiner Leserschaft entgegen, die Familienchroniken gerne über unsere Väter und deren Väter im Sinne althergebrachter Geschichtsschreibung erfahren will.

Generation sechsundsechzig

Damals kam er (wie) gerufen: Kamer Arslan, Gastarbeiter-Urgestein

Was er sich mit 73, nach einem arbeitsreichen und nicht immer leichten Leben noch wünsche, frage ich Kamer Arslan. Gesundheit natürlich, antwortet der schwer Zuckerkranke, vor allem aber ein beheizbares Badezimmer. Dann könne er es sich im Winter ersparen, mehrmals wöchentlich die Arbeiterduschen des nahen Glanzstoffwerkes zu frequentieren, wozu er als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter dieser Chemiefabrik noch immer das Recht habe.

Hinter mir die Sintflut

Wie Weiland Smoky verachtet auch Hans-Dieter das "Affentheater"

Bist du Lebenskünstler? Sandler? Weltstreicher? Clochard? Aussteiger? „Mia is des wuascht, wia ana sogt. Ich bin einer, der leben will. Ich steig ein ins Leben, drum bin ich eigentlich kein Aussteiger.“ Ein Gespräch mit Hans-Dieter, 56, der vor fünfeinhalb Jahren zum Augustin kam und einer der erfolgreichsten Kolporteure ist, –weil er beim Verkauf in den Beisln nicht weniger den Komödianten hervorkehrt als in der Theatergruppe des Augustin.

"Jetzt höre ich nichts mehr"

Jürgen und Dominik: einsatzbereit, jobgelaunt – und dennoch vom AMS abgeschrieben?

In bestimmten Situationen ist es sicher bedeutend angenehmer, nichts zu hören. Gefährlich wird es nur dann, wenn das Arbeitsmarktservice leibhaftig vor einem steht. Da muss sich dann sogar ein gehörloser Mann gewaltig anstrengen, um die Herrscher über Jobs und finanzielle Möglichkeiten erfolgreich auszublenden.

"Du kannst nichts. Also geh zur Post"

Erwin Lechner – noch einer aus dem "Augustin"-Urgestein

Erwin Lechner, 44, ist seit 1998 „Augustin“-Verkäufer, also Mitglied des „Urgesteins“, wie sich die Langjährigen selber nennen, um scherzhaft ihren Elite-Status hervorzukehren. Erwin redet in einer Stuttgarter Färbung, wie KennerInnen der deutschen Dialekte unschwer diagnostizieren. Wie das klingt, ist am Montag, 16. Oktober, in Radio Augustin zu hören. Auch „Augustin“-Urgesteine zeigen Nerven. Erwin jedenfalls hat sich eine Bierdose zum Interview mit Radio & Print mitgenommen. Hin und wieder nimmt er einen Mutmacherschluck, aber der Respekt vor dem Mikro bleibt. Am Ende der Fragerei ein tiefes Durchatmen: „Könnt ihr damit was anfangen?“

"Greif keine Stoßkarten mehr an"

Post, Unterwelt, Knast, Gruft, Augustin: Die Etappen des Christian "Snoopy" M.

Christian kommt aus der Post. Der Vater arbeitete 35 Jahre lang in der Postdirektion, also trat auch Christian den Postdienst an, der sieben Jahre lang sein Auskommen sicherte. Ein Autounfall beendete diesen Lebensabschnitt. Fersenbeinzertrümmerung und anderes. Zwölf Schrauben im Bein. Sein Körper war arbeitsmarktnonkonform geworden, dann wurde es auch sein Wille. Snoopy, wie Christian M. von seiner Umgebung genannt wird, tauchte in die Welt der Strizzis und Ganoven ab.

Ein Schluck Chwantschkara auf Frau Bakaschwili!

Das bewegte Leben einer Augustinverkäuferin aus Georgien

Der Charme einer georgischen Großmutter erspart dem Augustin in Wiener Neudorf alle weiteren PR-Maßnahmen. Ihr Lächeln erzeugt eine rätselhafte Schönheit in ihrem Gesicht, das den InterviewerInnen in der Augustin-Redaktion ebenso wenig verborgen bleibt wie den Billa-KundInnen, die "ihre" Kolporteurin so gewohnt sind, dass sie irritiert wären, wenn sie nicht mehr erschiene. Viele von ihnen kennen bereits die private Mehrfach-Katastrophe, die Dali Bakaschwili hinter sich hat; umso mehr staunen sie über die positive Ausstrahlung der Georgierin.

„Man kann alles fotografieren“

Leo Kornherr kennt die Kellergasse als Verführerin zum Suff – und zur Kunst

Mit 13 Jahren hatte er die erste Alkoholvergiftung. Vor ein paar Jahren versoff er eine Erbschaft von 10.000 Euro binnen kurzer Zeit. Kalksburg und der Schäfermischling Triggo brachten das Wunder zuwege: Leo Kornherr wurde trocken. Er entdeckte seine Liebe zur Fotografie. Seine Ausstellung „Lichtblicke eines verpfuschten Lebens“ ist derzeit in Wien zu sehen.

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