ico_youare10g.gif ZEITUNGTUN & LASSEN
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Die Sachzwangsvollstreckung

Beispiel Hohenau a. d. March: Wenn eine Region die letzte Fabrik verliert

Was geschieht mit der Seele einer Marktgemeinde, die nach der Schließung der Fabrik, mit der sie bisher symbiotisch verbunden schien, endgültig zur Pendlergemeinde geworden ist? Was hat Coca-Cola damit zu tun? Und was die Raiffeisengruppe? Ist gegen die „Sachzwänge“ Globalisierung und Liberalisierung kein Kraut gewachsen? Und warum sind die jungen Familien, die hochverschuldet in der Falle ihrer kreditierten Einfamilienhäuser sitzen, hundert Kilometer vom potenziellen neuen Arbeitsplatz entfernt, kein Thema des Wirtschaftsjournalismus?

"Ich schicke kein Kind ins Nirwana"

Norbert Ceipek kriegt von der Polizei hundert Mädchen pro Monat

Zehnjährige als Taschendiebinnen verhaftet, Vierzehnjährige um 750 Euro verkauft. Karin Hirschl und Norbert Ceipek vom Krisenzentrum „Drehscheibe“ schlagen sich mit den unmenschlichen Auswüchsen der Verarmung in Bulgarien und Rumänien herum. Doch Österreich bietet nicht viel mehr als Rückführung an.

Affront in Augenhöhe

Eine Idee geht in Serie: Augustin wirft Augen auf die Justiz

Stellen Sie sich vor, Sie fahren in Urlaub. Sagen wir nach Ibiza oder Madagaskar, nach Phuket oder Antalya. Stellen Sie sich vor: zirka alle hundert Meter, beim Einkaufen, auf dem Weg zum Strand, am Eingang zum Internetcafé finden Sie die Aufforderung „Österreicher raus!“, oder sogar: „Tötet die scampifarbigen Europäer-Maden!“ Würden Sie sich dabei sehr wohl fühlen?

"Es geht längst nicht mehr nur um Bäume"

Eva und Murat sind die HeldInnen von Margareten

Seit 6. Jänner hat eine ansässige Bürgerinitiative den Bacherpark im 5. Bezirk besetzt. Sie will den Bau einer so genannten "Volksgarage" unter dem Park verhindern, zu deren Errichtung die AnrainerInnen nie befragt worden sind. Wer bei beträchtlichen Minusgraden für seine Überzeugung in Zelten ausharrt, sorgt sogar bei einem selbstüberzeugten Bezirksvorsteher für Irritation.

"Auch unsere Leute lachen"

Zeitungmachen als "sinnvolle" Alternative zum erzwungenen Nichtstun?

Die Straßenzeitung „Kupfermuckn“ beschreibt die Schnittstelle zwischen Randgruppensprachrohr und gesellschaftskritischem Journalismus auf virtuose Weise. Oder anders ausgedrückt: Die Kupfermuckn (Vagabundenslang für: Unterschlupf, Abbruchhaus) ist ein Sozialprojekt für und von Armut und Obdachlosigkeit Betroffene(n), von dem auch die von kritischen Zeitungen nicht gerade verwöhnte oberösterreichische LeserInnenschaft profitieren kann.

Präferenz fürs Proletarische

Gruber will die Kirche nicht den Konservativen überlassen

Und so kämpft er auch, zum Beispiel für den arbeitsfreien Sonntag, und das ohne Ruh. Der 67-jährige Betriebspfarrer aus Linz kann kaum all seine Engagements aufzählen, ohne dabei nicht das eine oder andere zu vergessen. Aber so viel weiß er: Seine Spiritualität findet er im Leben der Menschen –– im Zuhören, nicht im Predigen.

Die Wiener Verwässerung

Sozialhilfe für MigrantInnen aus Drittstaaten ist EU-Recht

Sähe die Welt so aus, wie in den Postings, die gewisse Leute ins Internet stellen, dann wäre der Untergang des Abendlandes nicht aufzuhalten. Mit Stichtag 23. Jänner 2006 hätte sich, nach Darstellung „besorgter“ Kampfposter, die sich zu SprecherInnen angeblich bedrohten Inländertums aufplustern, die rot-grüne Verschwörung mit Rückendeckung aus Brüssel wieder einmal durchgesetzt. Man denke nur: „Sozialhilfe für AusländerInnen!“
TUN & LASSEN - Thomas Soxberger - 15.02.2006 mehr lesen »

Alle 6 Minuten geht die Tür auf

Der Ganslwirt: Vom Feindbild zur Institution

Im November ist der „Ganslwirt“ 15 Jahre alt geworden. Drogenabhängige aus der Straßenszene erhalten dort Hilfe. Das Angebot reicht von warmen Essen, Spritzentausch, Beratung und ambulante Behandlung bis zu Notschlafstellen.

Des Gesetzes blaues Auge

Augustin beobachtet Richter (1): Die verlorene Idee der Sühne

In einem Rechtsstaat ist die Gerechtigkeit auf einem Auge blind. Das zeichnet ihn gegenüber den Diktaturen aus, wo sie zwei tote Augen hat und ihr auch noch der Blindenhund verboten ist. Wir leben in einem solchen Rechtsstaat und müssen froh darüber sein. Aber bei bestimmten Anlässen wird uns die erwähnte Sehbehinderung bewusst. Beispielsweise, wenn wir als ungeladene Zuhörer einem Strafprozess beiwohnen.

Kein Halt durch Unterhalt

eingSCHENKt

Die Plattform der Alleinerziehenden fragte nach. 17 Prozent der Frauen bekommen für ihre Kinder weder Unterhalt noch Unterhaltsvorschuss.

Vielfach muss durch immer wiederkehrende gerichtliche Klagen und Exekutionsanträge um den Unterhalt gekämpft werden. Ein emotionales Schlachtfeld. Für alle Seiten.

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Coming out des Müßiggangs

Dieter Schrage über die "Glücklichen Arbeitslosen"

In unserem Bericht von der Ersten Österreichischen Erwerbslosen-Konferenz wurde vermerkt, dass vor allem das Referat Dieter Schrages für Kontroversen sorgte. Der Kulturwissenschaftler trug seine Thesen zur Gruppe „"Die Glücklichen Arbeitslosen"“ vor. Im Folgenden die überarbeitete Fassung seines Vortrages. Über die heftigen Diskussionen nach diesem Vortrag will Dieter Schrage im nächsten Heft berichten.

Direktor wider Willen

Heribert Hrusa: vom Handschuhmacher aus Wien zum Volksbildner in Ecuador

Fast hätte Diakon Heribert Hrusa nach nur einem Jahr Missionarsdienst in Ecuador das Handtuch geschmissen. 20 Jahre später lebt er immer noch im Andenstaat. Inzwischen ist er Leiter einer Vorzeigeschule und kann sich eine Heimkehr nach Österreich kaum noch vorstellen.

Die Liga Mores gelehrt

Mit Chuzpe zum Erfolg: Der SC Hakoah Wien

Der jüdische SC Hakoah ist mit der Wiener Fußballgeschichte untrennbar verbunden. 1925 holten die Mannen mit dem Davidstern auf der Brust den österreichischen Meistertitel und wurden so zum ebenso heiß geliebten wie umfehdeten Symbol jüdischer Identität.

Bericht über eine Kontroverse

Wie glücklich sind "Glückliche Arbeitslose"?

Das letzte Augustin-Heft enthielt den Vortrag über die „Glücklichen Arbeitslosen“, den der Kulturwissenschaftler Dieter Schrage auf der Ersten Österreichischen Erwerbsarbeitslosenkonferenz (15./16. Okt. 2005) hielt. Im Folgenden geht Schrage auf die Kontroversen ein, die sein Konferenzbeitrag verursachte.

Von Wien nach Paris

eingSCHENKt

Noch einmal die Jugendkrawalle in Frankreich. Kann das bei uns auch passieren? Wenn die soziale Schere weiter auseinander geht, die Jugendarbeitslosigkeit weiter steigt, die sozialen Aufstiegs-chancen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien sich nicht verbessern und ganze Bevölkerungsgruppen in einen Niedriglohnsektor gedrängt werden, aus dem sie nicht mehr rauskommen: ja.


»Sga« oder die Lektion der Banlieus

eingSCHENKt

Ich richte mich an meine Brüder, die am Existenzminimum leben / Wir dürfen uns nicht weiterentwickeln, weil wir schwarz sind / Du verstehst, dass mein Hass vom Schmerz genährt wird. So rapt Hip-Hopper Monsieur R. auf seinem neuen Album Politiquement Incorrect.


"Was kriegst du?" "Ka Luft!"

Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire verkauft seit 2002 den Augustin

Soziologisch betrachtet ist die „Berufsgruppe“ der AugustinverkäuferInnen ein Wunder der Divergenz, eine Vielfaltsverdichtung, wie sie sonst nirgends vorstellbar ist. Das Spektrum reicht vom Analphabeten bis zum Akademiker. Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire, bei uns als Elfenbeinküste bekannt, kommt mit dieser Situation gut zurecht. Dass zugewanderte Intellektuelle wie er im reichen Europa „Sandlerzeitungen“ verkaufen müssen, um zu überleben, sagt einiges über weiß-schwarze Machtverhältnisse aus. Alpha hätte also einiges zu kritisieren an den hiesigen Zuständen –doch seine Sorge gilt den Entwicklungen in seinem Heimatland.

Sechste Armutskonferenz zeigt auf: Armut ist vermeidbar

Mythen blockieren Herz und Hirn

Solange ökonomische Mythen wie "Jeder kann gewinnen, wenn er nur will", "Sozial ist nur, was Arbeit schafft" oder „"Soziales schadet der Wirtschaft"“ nicht vom Tisch sind, wird es zur keiner Verbesserung der Lebenssituation sozial Benachteiligter kommen. Auf der 6. Armutskonferenz stellten sich die fast 500 TeilnehmerInnen die Aufgabe, all die ökonomischen Märchen, die Menschen arm machen, zu entzaubern.

Ein Gespräch am Rande des Wiener Grundeinkommen-Kongresses

Die Würde des Willkommenseins

Der Unterschied war eklatant. Während der Mann bei der Schlussveranstaltung des Wiener Grundeinkommen-Kongresses von 180 Millionen BrasilianerInnen sprach, für die das Grundeinkommen geplant sei, erzählte die Frau von ihren zwei Enkelkindern, denen sie ein gutes Leben wünscht. Und natürlich redete der Mann fünfmal so lang wie die Frau. Mindestens. Der Augustin sprach während des Kongresses mit der Schweizer Theologin und Labyrinth-Denkerin Ursula Knecht-Kaiser zum Thema Geld und erfülltes Leben.

Geistige Selbstverteidigung 2

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Das Essensgeld ist noch immer nicht gezahlt. Sie kommen in der Früh hungrig in den Kindergarten. Im Winter stapfen sie mit Turnschuhen durch den Schnee. Das sind Kinder, die in knappen finanziellen Verhältnissen aufwachsen. Der Schulanfang macht große Probleme, wenn Zirkel, Hefte, Stifte, Einbände und Werksachen gekauft werden müssen. Die Eltern versuchen zuerst einmal sich selbst einzuschränken, um den Kindern weiter ein normales Leben zu ermöglichen. Das geht auch einige Zeit gut, aber nicht auf Dauer. Dann schlägt die angespannte finanzielle Situation in Armutshaushalten auch auf den Alltag der Kinder durch. Und auf ihre Zukunft.

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Über die hilflosen Konzepte der "Weiterbildung für Arbeitslose"

Schulung, eine Schimäre

Während arbeitslosen AkademikerInnen bei der Jobsuche ihre "Überqualifikation" zum Verhängnis wird, schwören die staatstragenden Kräfte inklusive Arbeiterkammer und Van der Bellen auf die "Weiterbildung" als Schlüssel für das Tor zurück ins Berufsleben. Die Pädagogin und Autorin Maria Wölflingseder versucht im Folgenden die These zu begründen, dass AMS-Schulungen und VHS-Erwachsenenbildung Illusionsveranstaltungen sind.

Von der Entzauberung neoliberaler Mythen

"Nulldefizit" und 28 andere Wirtschaftslügen

Als „Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen“ bezeichnet der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) sein neues Buch „"Mythen der Ökonomie"“. Dieses Semester gibt es auch eine gleichnamige Ringvorlesung an der Universität Wien. Keine Angst: Das Wissen können sich dort auch nichtuniversitäre Menschen abholen.

"Wohin des Weges?"

Das menschliche Antlitz von Lainz: Arbeit mit Demenz-PatientInnen

Ein Kaffeehaus, eine PatientInnenküche, Signaltöne von „"Autofahrer unterwegs"“: Im Geriatriezentrum am Wienerwald bemühen sich Menschen wie Abdulrahman Reda engagiert um die bewegungsfreudigen Demenz-PatientInnen. Gelingt ihnen das Kunststück, trotz „schlechter Presse“ motiviert zu bleiben?

Freiheit von welcher Arbeit?

So lange übers Grundeinkommen schreiben, bis es kommt

Alle reden darüber. Auch die, die weit davon entfernt sind, sich als links zu bezeichnen. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ ist ebenso davon zu lesen wie in der österreichischen „Presse“, in den Publikationen der katholischen Sozialakademie Österreichs, in schicken Hochglanzwirtschaftsmagazinen wie „brand eins“ und in räudigen Straßenzeitungen wie dem Augustin. Ist da plötzlich die neue Eintracht ausgebrochen, oder was?

Geistige Selbstverteidigung

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Die Initiative »Neue soziale Marktwirtschaft« bezahlt Talkgäste in Fernsehrunden, um für weniger soziale Marktwirtschaft zu werben. Ein Witz? Nein, eine Kampagne, finanziert durch große Geldgeber in Deutschland, darunter neoliberale Think-Tanks und monetaristisch ideologisierte Interessensverbände. Dieselben »Experten«, die dann in den Talkshows hocken und Zeitungen Interviews geben, werden dann praktischerweise gleich von derselben Initiative »Neue soziale Marktwirtschaft« zu »Reformern des Jahres« gekürt. Geehrt wird man zum Beispiel für Aussagen wie: »Weniger Geld für Arbeitslose« oder »Sozialhilfe kürzen« – aber am liebsten: »Weniger Steuern«.


»Die«

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Der Sündenbock ist ein wichtiges Vieh im Stall der Mächtigen. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wenn die sozialen Probleme zunehmen, wenn man das Ganze nicht mehr schönreden und wegreden kann, dann bleibt immer noch eins: man öffnet die Stalltür und reitet den Sündenbock.

Schweinerei: Die am meisten haben, zahlen am wenigsten

Eine kleine Verteilungs-Geschichte

Niemand zahlt gerne Steuern. Der Skandal ist aber, dass jene, die am meisten haben, am wenigsten zahlen. „Fair steuern“ heißt die Kampagne für mehr Steuergerechtigkeit, die Attac –– halb Bewegung, halb Organisation, jedenfalls eine der außerparlamentarischen und weltweit vernetzten Widerstandsherde gegen die Zustände –– begonnen hat (www.attac.at). Fair steuern ist im Prinzip machbar, zeigt der folgende Attac-Beitrag.
TUN & LASSEN - Christian Felber - 15.09.2005 mehr lesen »

Vor der Wende waren sie "Lumpenproleten" und "Arbeitsscheue"

Die Geächteten von "Fedel nelkül"

In Ungarn gibt es seit der Wende in der Politik neue Gruppen von Obdachlosigkeit Betroffener. In der Budapester Straßenzeitung „Fedel nelkül / Ohne Dach“ schreiben ausnahmslos Obdachlose, deren Texte von einer Jury ausgesucht und mit Preisen bedacht werden.

"Schule ohne Angst": 25 Jahre SchülerInnenschule im WUK

Bis zur Achten ohne Noten

So menschlich könnte Schule sein: Im WUK, dem Werkstätten- und Kulturhaus in der Währinger Straße, haben die Grundprinzipien der alternativen Schule überlebt. Der Augustin besuchte die außergewöhnliche Einrichtung und fand: Respekt zwischen SchülerInnen und LehrerInnen scheint in dieser Schule keine hohle Phrase zu sein. Und die Lust am Lernen scheint hier nicht verloren zu gehen.
TUN & LASSEN - Alexandra Gruber - 15.09.2005 mehr lesen »

Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)

Die Zelle und der Markt

Wenn sich der Neoliberalismus mit dem Konservativismus verbandelt, führt das auf dem Feld des Strafvollzugs zu explodierenden Häftlingszahlen und zur Übertragung des Gefängniswesens an die Privatwirtschaft. Ersteres passiert in Österreich seit der blauschwarzen Wende, Letzteres gewinnt –– zunächst nur als Idee –– auch hierzulande Anhänger. Deren Vorbild sind die USA: 163 privat gemanagte Knäste gibt es dort bereits. Marktführer unter den Gefängnisfirmen ist die Correctional Corporation of America (CCA). Unser Autor Hansjörg Schlechter, der als Sozialarbeiter in der Straffälligenhilfe tätig ist, beschreibt in diesem zweiteiligen Text (Teil 1 erschien in Ausgabe Nr. 165) die Auswüchse des privaten Gefängnismarktes.

Seit 10 Jahren für einen Journalismus des Unspektakulären

Den Leuten Mut zum Schreiben machen?

Begeistert war er überhaupt nicht, von der Idee eines Interviews im Augustin. Aber der Augustin ist ja schließlich kein autoritär geführter Betrieb. Dort entscheidet nicht das Diktat des Einzelnen, sondern das des Plenums –– und das genehmigte das Unterfangen. Ein Gespräch mit dem Redakteur und Zeitungsgründer Robert Sommer anlässlich 10 Jahre Augustin.

Schon 163 Privathäfen in den USA

Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)

Würden in Österreich so viele Menschen wie in den USA eingesperrt werden, wären derzeit nicht 9.060, sondern 57.000 Personen hinter Gittern. Viele davon in Knästen privater Unternehmungen. Denn wäre der Neoliberalismus hier schon ausgereift wie drüben, gäbe es in Österreich bereits etliche Privatgefängnisse ...

neunerHaus Nummer 2: Obdachlose finden in Döbling zur inneren Ruhe

Unkonventionelle Liberalität

Der Verein neunerHaus eröffnete am 5. September feierlich sein zweites Haus. Hausleiter Johannes Lorenz und Geschäftsführer Markus Reiter führten den Augustin durch die billige, aber mitnichten grindige Absteige für Männer in akuter Wohnungslosigkeit.

Acht gute Gründe, die Sozialhilfe zu reformieren

eingSCHENKt

Immer mehr Menschen fallen in die Sozialhilfe. Die Gründe: zunehmende Zahl an Jobs, die so gering entlohnt sind, dass davon unmöglich eine Familie leben kann, gestiegene Lebenshaltungskosten bei Wohnen und Energie, nicht Existenz sichernde Arbeitslosen- und Notstandshilfeleistungen, nicht ausreichende Pensionen und generell das Auseinanderdriften der Einkommen zwischen oben und unten.


Bloß krank

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Menschen, die kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen haben, länger arbeitslos sind, keine Pension kriegen, weil Pensionszeiten nicht ausreichen, bekommen von der Sozialhilfe "Krankenhilfe", -und damit auch keine E-Card. Das sind Zehntausende, 2002 geschätzte 20000, jetzt werden es aufgrund des Anstiegs der SozialhilfebezieherInnen mehr sein. Einbezogen sind da noch gar nicht die 100 000 ohne Krankenversicherung, die eine Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums feststellte.


Der letzte Sommer der freien Liebe (1)

Tu, felix Austria, nube!

Wer möchte nicht gerne manchmal das Herz schweifen lassen, unerwarteter als ein Komet auftauchen und einem ganz fremden Menschen ein großes Glück in den Schoß werfen? Ein Geliebtwerden oder eine Aufenthaltserlaubnis z. B.? Doch die Novellierung des Fremdengesetzes möchte das bestrafen. Verbandeln darf man sich nur, mit wem man wohnt und beiwohnt. Wer möchte sich so was verbieten lassen?

Ohne Franz Sedlak wäre die Obdachlosenhilfe in Wien einfallsloser

Arbeit ohne Winkelzüge

Zuerst war er Elektriker. Dann elektrisierte ihn das soziale Thema. Er zählt zu den MitbegründerInnen des WUK. Er löste die ARGE Nichtsesshaftenhilfe, deren Obmann er nach wie vor ist, aus dem Rahmen der Caritas. Er leitet heute ein Beschäftigungsprojekt für Exhäftlinge. Er unterrichtet zukünftige SozialarbeiterInnen. Gerne würde er sie wieder etwas aufmüpfiger sehen. Aber er weiß auch, dass die herrschende soziale und ökonomische Lage den aufrechten Gang nicht befördert. Der Augustin bat Franz Sedlak vors Mikrofon.

Das Schweigen der Jenischen.

Meister der Unauffälligkeit

Franz K., Gemeindebediensteter im niederösterreichischen Loosdorf, hatte sein Erweckungserlebnis als Jenischer im Urlaub in Oberitalien. Auf einem Straßenmarkt in einer Kleinstadt kam er mit einem italienischen Händler ins Gespräch. Erst nach einer Viertelstunde intensiver Verhandlungen und durchaus gelungener Kommunikation stellte Franz K. mit einigem Erstaunen fest, dass er ja kein Wort Italienisch könne und sein Gesprächspartner kein Deutsch. Trotzdem hatte die Verständigung ganz prächtig geklappt, ohne dass man Hände oder Füße, also Gestik und Pantomimik zu Hilfe nehmen hätte müssen.

Mittelstandsleiche

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Von den in Lissabon beschlossenen politischen Prioritäten »Wachstum«, »Arbeitsplätze«, »sozialer Zusammenhalt« wurde Letzteres beim EU-Frühjahrsgipfel im März von den nationalen Regierungschefs – nicht von »bösen Bürokraten« in Brüssel – gestrichen. Sozialer Ausgleich hat damit keine Priorität in Europa.


Nix

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Zuerst mussten wir alle sparen. Sparen.Sparen.Sparen. Für morgen in erster Linie und für heute in zweiter. Denn damit wir uns das Morgen noch leisten können, müssen wir im Heute bescheidener werden, hieß es. Wir sparen das Jetzt gegen die Zukunft. Sparen hieß Einsparen: Sparpakete und Nulldefizit und Maastricht-Kriterien.

Jetzt sollen wir aber Kaufen. Kaufen.Kaufen.Kaufen. Wir sollen quasi das ausgeben, was wir seit dem Einsparen nicht mehr haben. Angst-Sparen schwächt die Wirtschaft, sagen die, die gerade noch zum Sparen aufriefen. Ganz entrüstet sagt der Herr Chefredakteur und der Herr Finanzminister: Da sparen wir bei Sozialem, Gesundheit und Pensionen ein und die danken das mit Kaufschwäche!



Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien

Noch als Leich´ gescheitert

„Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino.“ „Nichts dagegen. Bitte nehmen Sie’s!“ Oder: „Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren.“ So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nachgab und es nicht verdient, in diesem „Gedenkjahr“ ignoriert zu werden

Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur

Die Erfahrung des Restlessens

Auch als Eintags-Augustin-Verkäufer hatte der Schauspieler Harald Krassnitzer Erfolg. Der drückte sich nicht in TV-Quoten, sondern in einem überdurchschnittlichen Zeitungsabsatz aus. Das Vorhaben, seine Popularität für eine PR-Aktion zugunsten der Straßenzeitung einzusetzen, geriet nebenbei zu einer „soziologischen“ Feldforschung über die Verbreitung des Nicht-in-die-Augen-schauen-Könnens. Alexandra Reisinger, Hubsi Kramer und Fotograf Mario Lang begleiteten den durch die Wiener Innenstadt streichenden Wahlsandler.

Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur (2)

Nach ganz fest kommt ganz lose

In der geplanten ORF-Fernsehserie „Der Winzerkönig“ wird er einmal mehr als Held zu bewundern sein. „Mit vollen Hosen ist gut stinken“, sagte sich Harald Krassnitzer und schlüpfte eines Abends in der Wiener Innenstadt in die Rolle des Augustinverkäufers. Der deftige Aphorismus bedeutet: Wer in der Öffentlichkeit steht, wird weniger überhört. Ein Mensch der Öffentlichkeit signalisierte öffentlich seine Sympathie für das Augustin-Projekt. Im Folgenden die Fortsetzung des Gesprächs mit dem Schauspieler, das aus diesem Anlass geführt wurde.

Standortnationalismus

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Wenn sich Nationalstaaten auf Steuerdumping einlassen, verlieren alle. Salzburg wirbt Bayern einen Konzern ab, darauf senkt Bayern die Steuern und Bayern wirbt wieder Salzburg einen Konzern ab, worauf die Slowakei noch weiter runterfährt, um den nächsten abzuwerben.


Parallelgesellschaft

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Der Typ Sozialstaat österreichischer wie auch deutscher Prägung schafft es nicht - trotz insgesamt guter sozialer Sicherung-, die Aufstiegschancen einkommensschwächerer SchülerInnen zu verbessern. Wie ein Fahrstuhl („Fahrstuhleffekt“ © Soziologe Ulrich Beck) wird die Gesellschaft in die Höhe gefahren, was auch die unteren Schichten zu höherem Lebensstandard führt, die Unterschiede aber relativ konstant und die soziale Durchlässigkeit relativ gering belässt.

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Österreich ist ein Auswanderungsland (1)

"Leck meine Stiefel, Sklave!"

Wer Mensch geblieben ist in diesen rohen Zeiten, erlebt Momente, in denen er seine Sachen packen und auswandern möchte, wenn ihm menschlichere Zonen auf diesem Planeten einfielen. Doch der Herr Dr. Bukasa bleibt ja auch in Wien –– und warum sollte man ihn allein zurücklassen in dieser Stadt, die „Fremden“ zunehmend Furcht bereitet und die letzten Reste ihrer Gastfreundschaft zu verlieren scheint ...
TUN & LASSEN - - 15.05.2005 mehr lesen »

Afrikaner als Informationsquelle "nur eingeschränkt relevant"

Besten Gruß, Peter Rabl

Der einzige „mildernde Umstand“, der zugunsten des KURIER und seines Chefredakteurs konstruiert werden könnte, ist der Fakt, dass auch andere Medien Null Interesse an dem Überfall auf den schwarzen Menschenrechtsaktivsten Dr. Bukasa zeigten. Als erschwerend muss dagegen der Zynismusgehalt des Schreibens bewertet werden, mit dem Peter Rabl sein Versagen legitimiert und seine Kritiker zu „Extremisten“ erklärt. Aber der Reihe nach:

Österreich ist ein Auswanderungsland (2)

Sie und Ihresgleichen...

… sollen sich eher mit dem kriminellen Phänomen, dass der Suchtgifthandel offensichtlich zu einem beträchtlichen Teil von Afrikanern besorgt wird, auseinander setzen und weniger mit der Berichterstattung darüber, maßt sich Kurier-Herausgeber Rabl an, den Mensch-enrechtsaktivist Inou abzukanzeln, wie der »Massa« den »Boy«.

Ein Leben für die Beladenen dieser Welt – Evamarie Kallir

"Hab´ menschliche Monokulturen nie gemocht"

Sie hätte die „Galerie nächst St. Stephan“ übernehmen sollen. Stattdessen engagierte sie sich für die SOS-Kinderdörfer und für das Wiener „Regenbogenhaus“ und gibt Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Ein Gespräch mit Evamarie Kallir, die 1938 als 12-jähriges Mädchen nach Amerika flüchten musste, über ihre Rückkehr, über „fließende Grenzen“ und die Verweigerung des Materiellen.

Wenn du nicht aus einem besseren Stall kommst – Pech gehabt!

Akademikerin, 43, arbeitslos

Eine Trostschrift für alle qualifizierten, gering qualifizierten und gar nicht qualifizierten Arbeitslosen über und unter vierzig.
TUN & LASSEN - - 15.05.2005 mehr lesen »

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