Die Verhaftung von zehn Österreichern, denen vorgeworfen wird, Tierrechtsaktivisten zu sein, sonst nichts, weil es ein Gesetz gibt, dass jede Person in Österreich eingesperrt werden kann, wenn man nur behauptet, sie gehöre einer kriminellen Organisation an, war ein tiefer Schlag in die Magengrube des Rechtsbewusstseins, vor allem der jungen Staatsbürger, wovon sich die Demokratie voraussichtlich lange nicht erholen wird. Die Justiz macht sich ihre Terroristen selbst.
„Die Jagd sei eine notwendige Regulation der Natur, heißt es in der Propaganda der Jägerschaft. Und dann zeigt sich durch solche Beispiele, was Jagd wirklich ist: eine tierquälerische Unterhaltung für die oberen Zehntausend, die bereits derartig abgestumpft sind, dass sie Gewalt gegen Tiere ausüben müssen, um noch einen Kitzel zu verspüren. Gut 22.000 Euro muss man üblicherweise hinblättern, um ein Jagdwochenende lang Tiere schießen zu dürfen. Dass UNIQA ihre Geschäftspolitik auf dem Rücken der Tiere betreibt, stellt dieser Firma kein gutes Zeugnis aus!“
Während der Versammlung durfte sich dann einer aus der Tierfreunde-Clique mit dem Ticket eines frustrierten Aktionärs ganz legal zu Wort melden und vor der versammelten Aktionärsschaft seine Ehrerbietung vor den Jagdfreunden kundtun. Was ein Fest für die UNIQA-Aktionäre hätte werden sollen, manche reisten von sehr weit an, viele in sehr wichtigen dunklen Anzügen, geriet zu einem demütigenden Spießrutenlauf. Es kam einem Blattschuss auf die waidmännische Ehre des Landesjägermeisters gleich. Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Wozu ist man sonst der mächtigste Mann Österreichs?
Am sehr frühen Nachmittag, als die letzten Do&Co-Brösel verputzt oder zumindest eingepackt waren, war der Event zu Ende. Noch am selben Tage gibt es die Anordnung zur Durchführung der Hausdurchsuchungen.
21. Mai 2008: Eigentlich nur Stunden nach der Demo, wie eine schlagfertige Antwort, stürmen zwischen sechs und sieben Uhr morgens maskierte WEGA-Einheiten mit gezogener Waffe 23 Wohnungen und Büros in mehreren Bundesländern. Auf Geheiß eines niederösterreichischen Staatsanwaltes! Türen wurden eingetreten, Schlafzimmer gestürmt, Kinder traumatisiert, Handschellen angelegt, das ist mittlerweile alles aus den Zeitungen und Magazinen bekannt, die sich in ihrer Entrüstung über den Verfassungsbruch gerade überschlagen. Bis auf ein wöchentliches Kleinformat.
7. Juli 2008: Das „profil“ benötigte ganze 47 Tage, bis es seinen Lesern über eine einzige Kleinformatseite davon berichtet hatte. (In derselben Ausgabe befindet sich ein an Unwichtigkeit kaum zu überbietendes Interview über ganze vier Seiten mit Natascha Kampusch). Die „profil“-Reportage beginnt mit den Worten: „Sechs Uhr morgens, es klopft leise. Eine junge Frau geht zur Tür: Polizei. Sie solle aufmachen.“
21. Juli 2008: Exakt zwei Monate nach den Überfällen folgte endlich im „profil“ (Nr. 30/2008) eine ausführliche Schilderung des Skandals, über fast drei Seiten findet sich eine akribische Auflistung der Sünden der Tierrechtsaktivisten.
Gegen etwaige Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtungen spricht allerdings, dass ein so gevifter Wirtschaftskapitän, wie es der niederösterreichische Landesjägermeister ist, kaum seine Bilderbuchkarriere aufs Spiel setzen wird, nur um sich an ein paar Tierrechtschaoten zu rächen! So persönlich gekränkt kann er ja gar nicht sein.
Ich habe da ein großes Problem. Ich habe nämlich Angst um die Sicherheit meiner Familie. Ich will auch verhindern, dass meinem Kind frühmorgens von maskierten Polizisten die Kinderzimmertür eingetreten wird. Als Schulkind kaufte ich öfters den kleinen Tierschutzkalender, eigentlich wurde uns der in der Schule aufgedrängt. Und als Sechzehnjähriger hatte ich zwei Lose von der Tierschutzlotterie. Zum Glück habe ich nichts dabei gewonnen. Zu meiner Entschuldigung kann ich vorbringen, dass ich ja in diesen jugendlichen Tagen nicht wissen konnte, in welches kriminelle Netzwerk ich mich da begeben hatte, wie sehr ich mich dadurch verdächtig und strafbar, das ist in Wiener Neustadt dasselbe, gemacht hatte. Und zum Zeichen meiner Läuterung, dass keinerlei weitere Tatbegehungs- und/oder Wiederholungsgefahr oder gar Absprache mit irgendwelchen Tierfreunden besteht, habe ich heute vor Zeugen unseren Hund gequält. Von meiner Freundin, die Vegetarierin ist, habe ich mich getrennt. Ich bin kein Tierschützer! Trotzdem schrieb ich diesen Artikel lieber anonym.