Themen der aktuellen Ausgabe
Augustin (nämlich „der liebe“) überlebte die Pest. Der Augustin wird auch die neue Pest überleben. Nämlich die Mexikogrippe, Schweinegrippe, Schweineinfluenza, wie sie genannt wird. Den H1N1-Virus eben. Er wird die Pest vor allem deswegen überleben, weil sie konstruiert ist – von Medien, die sich bessere Quoten durch Panikmache erhoffen. Selbst das lachsrote Qualitätsblatt widmete unlängst drei Seiten der „Gefahr“ aus Amerika. Das unerträgliche „Österreich“ erschreckte das Volk am 1. Mai mit einem ganzseitigen Panikmache-Cover: „So gefährlich ist die Grippe. Österreichs Top-Ärzte reden Klartext.“ Im Inneren gibt’s Statements von fünf Ärzten und einer Ärztin. Sie sind sich einig darin, dass man sich keine besonderen Gedanken machen muss.
Der inhaltliche Widerspruch zwischen Cover und Innerei fällt niemandem mehr auf, weil eh niemand annimmt, die Boulevardzeitungsmacher hielten ihre sieben Zwetschgen beinander. Das einzige österreichische Virusopfer (bei Redaktionsschluss dieser Augustin-Ausgabe), eine 28-jährige Linzer Studentin, hat laut „Österreich“ nichts als „minimale Halsschmerzen“, aber sie muss im Spital bleiben, weil die Medien beschlossen haben, es herrsche Pest im Land. Auf der Suche nach Opfern finden die schreibenden Schweineexperten ein Salzburger Ehepaar, das auf seinem Spanien-Urlaub mit einer mexikanischen Reisegruppe (nicht: Reisegrippe!) „in Kontakt“ geraten war. Seither fühlte das Paar sich irgendwie grippig und drängte sich dem medizinischen System auf; dieses stellte die Gesundheit des bemitleidenswerten Paares fest, das nun wenigstens den Hype eines ärztlich auferlegten Hausarrestes genießen darf. „Zur Sicherheit“, schrieb „Österreich“, dürften die beiden älteren Menschen ihre Wohnung nicht verlassen.
Schade, dass es in Salzburg nicht den Augustin gibt: So entgeht Ihnen, dass die Wiener Straßenzeitung auch die Rede von der zweiten großen „Pest“ respektive Sicherheitsgefahr nur unter dem Aspekt der Manipulation ernst nimmt, nämlich die Bedrohung durch das „Ostgesindel“ (Gegengedichte gegen Wolf Martins diesbezüglichen Kampfreim auf den Seiten 32–33). Und es entgeht Ihnen die Aufklärung darüber, was Österreich wirklich unsicher macht: die (mit K&K-Revival-Folklore abgefeierte) profitorientierte Übernahme der osteuropäischen Ökonomien durch österreichische Banken, die vor dem Crash stehen, weil Osteuropa bankrott zu werden droht. (Seite 12–13).