Wasser auf die Mühlen jener Radikalinskis, die von der Notwendigkeit der Abschaffung von Gefängnissen überzeugt sind. Bekanntlich zählt auch der Augustin zu diesen «Utopisten». Das System des staatlichen Strafens reproduziere nur die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossene soziale Schicht der Delinquenz, ist hier in immer neuen sprachlichen Wendungen zu lesen. Den vier Männern und der einen Frau vom Vorstand des Vereins «Trampolin», der sich seit nunmehr zehn Jahren, mit konjunkturellen Unterbrechungen, um die Interessen von Häftlingen und Haftentlassenen kümmert, ist die Linie des Augustin bekannt.
Der Augustin sei deshalb auch die erste Zeitung, die über den Neustart des Vereins «Trampolin» und über dessen neues Team informiert werde. Obwohl «Trampolin» das Gefängnis aus anderer Perspektive betrachte. Aus der Binnenperspektive sozusagen. Denn Heinrich Weingartner, Friedrich Knödler, Erich Kiesler, Friedrich Olejak und Gertrude Peyerl sind hafterfahren – entweder, weil sie selber einsaßen, oder weil sie die Probleme aus der Sicht von Angehörigen kennen lernten. Aus dieser Perspektive sei es kontraproduktiv, immer wieder pauschal zu betonen, ein Gefängnisaufenthalt sei das ungeeignetste Mittel zur Resozialisierung ausgerutschter Menschen. Denn natürlich schaffen es viele Betroffene immer wieder, sich aus der Vergangenheit zu befreien. Diesen werde nicht mit Parolen wie «Gefängnis schafft Kriminalität« geholfen, sondern mit einer konkreten Hilfe, zu einer normalen Wohnung zu kommen. Die Realität sei aber, so Knödler, dass Haftentlassene sich im «Ghetto» wieder finden, in Armenquartieren, wo sie erneut «unter sich» seien – und das sei tatsächlich nicht die beste Voraussetzung für einen Neuanfang.
«Trampolin» unterstützt Haftentlassene bei den ersten Schritten in der Welt draußen und besucht Gefängnisse von West- bis Ostösterreich, um sich die Sorgen der Insassen anzuhören, um eine liberalere Handhabung der Regel der «bedingten Entlassung» zu erreichen, um das Angebot von Berufsbildung während der Haft zu verbessern oder für menschlichere Bedingungen der Angehörigenbesuche im Häfen einzutreten.
Die Schwäche des Vereins ist – noch – seine Internetpräsenz. «Wir suchen ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer, die sich um die Aktualisierung unserer Homepage kümmern», wendet sich Neo-Obmann Weingartner an die Augustin-Leserschaft. Die Plattform www.das-trampolin.info lebt vor allem von den Beiträgen des «Stars» des «Trampolin»-Teams, des Langzeithäftlings Friedrich Olejak, der sich in der «Felsenreitschule» (oder auch «Stone City», wie die Justizanstalt Stein in der Häftlingssprache genannt wird) zum bekanntesten und rührigsten «Häftlingsgewerkschaftler» Österreichs entwickelt hat.
Info:
E-Mailadresse:
kontakt@das-trampolin.info
Obmann Heinrich Weingartner jun. ist im Fünfhauser Stüberl erreichbar:
0699 – 1201 1256