Die Wiener Linien produzieren akustischen Müll
Der guten Ordnung halber sei erwähnt:
Mit dem Motto "Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme" zieht Vizebürgermeisterin Renate Brauner für die aktuelle Sauberkeits- und Sicherheitsoffensive (die per se zu hinterfragen wäre, Anm.) der Wiener Linien ins Feld. Dieses Motto hat allem Anschein nach aber nur für das gemeine Volk der Fahrgäste im Umgang miteinander zu gelten, denn gerade die Geschäftsführung der Wiener Linien zeigt sich mit dieser Kampagne ungemein respekt- und rücksichtslos. Warum?
Das neu eingerichtete Linienservice zählt zu seinen Hauptaufgaben "Dialog und – erst im Eskalationsfall – Verweis oder Strafen bei konkret festgestellten Verstößen (z. B. … Lärmerregung)". Wären die Wiener Linien konsequent, müssten sie sich selbst am laufenden Band Strafmandate ausstellen, da jede ihrer der Sauberkeitsoffensive geschuldeten Durchsagen an Bahnsteigen und gar in abgetakelten Straßenbahngarnituren mit ihren dröhnenden und scheppernden Lautsprechern eine Lärmerregung par excellence darstellt. Mit anderen Worten: Die Wiener Linien müllen, wenn sie mittels Durchsagen Sauberkeit einfordern, die Betriebsstätten und -fahrzeuge selbst akustisch zu!
Die Geschäftsführung täte gut daran, einen Blick nach Linz09 zum Projekt Hörstadt zu werfen, wo eine Auseinandersetzung mit der hörbaren Lebensumgebung zum politischen Thema gemacht wird. In einem Einleitungstext zum Projekt steht folgender bemerkenswerte Satz geschrieben: "Wir erleben den Wilden Westen des Hörens, in dem es praktisch keine verbindlichen Spielregeln für das akustische Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft gibt." Die Wiener Linien sind noch dreist einen Schritt weiter gegangen – sie plärren im übertragenen Sinne aus den Lautsprechern, dass man nicht plärren soll!