Zum «Morgen», der Wochenzeitung der AudimaxistInnen, wie sich die BesetzerInnen des Audimax der Wiener Universität augenzwinkernd nennen, muss man den ZeitungsmacherInnen gratulieren. Der Verzicht auf akademisch-intellektuellen Schreibstil macht es möglich, das Anliegen der «Schlafsack-Revolution» auch der nichtstudentischen Bevölkerung zu erklären. Also neben dem Augustin noch eine Zeitung mit dem Anspruch, «positiven Boulevardjournalismus» zu betreiben. Wir baten Dario Summer vom «Morgen»-Team, über die Entstehungsgeschichte und über mögliche Perspektiven nach einem Ende des Unistreiks zu berichten. Hier sein Beitrag für den Augustin.
Inhaltlich orientiert sich die «Morgen» an den Forderungen und Zielen des Audimaxismus. Erklärtes Ziel ist die Information und Aufklärung von Außenstehenden. Alle Meinungen sind willkommen, sofern sie frei von Diskriminierungen aller Art sind. Durch die gendergerechte Schreibweise sollen die LeserInnen auf die in unserer Gesellschaft noch immer vorherrschende Problematik der Ungleichbehandlung hingewiesen werden. Eine Behinderung des Leseflusses ist daher durchaus erwünscht. Ansonsten wird auf journalistischen Stil geachtet. „Weg vom elitären, universitären Schreibstil!“ lautet die Devise. «Morgen» ist eben für alle da. Der Zugang zu guter Information darf nicht vom Bildungsgrad abhängig gemacht werden.
Der Finanzplan dieser jungen Zeitung basiert auf Spenden. Zuwendungen aller Art ermöglichten eine Auflage von 10.000 Exemplaren bei der zweiten Ausgabe. Durch den Verzicht einer Nennung entsteht für die GeldgeberInnen keine Art von Vorteil. Werbeschaltungen lehnte das Redaktionsplenum einstimmig ab. Während der Besetzung, und nach Möglichkeit darüber hinaus, soll dem so bleiben. Eine Unabhängigkeit vom Werbemarkt garantiert auch eine inhaltliche Unabhängigkeit. Kostengünstiges Produzieren wird durch die gute Presseorganisation im Audimax ermöglicht. Fotos müssen nicht zugekauft werden, und Pressemeldungen kommen über ein internes System. Diverse GastautorInnen unterstützen die Zeitung mit Wortspenden, und Sachspenden ermöglichen einen günstigen Druck.
Das Ende der Besetzung wird nicht das Ende der Bewegung bedeuten. Die Medienlandschaft in Österreich ist karg. Aus diesen Gründen wird die «Morgen» die Besetzung überdauern. Die Gründung eines Vereines garantiert das Fortbestehen: Strukturen werden gefestigt, Ideale weiter hochgehalten. Dieses Sprachrohr kritisch denkender Studierender bietet ein Gegengewicht zu den vielen derzeit sehr lifestyle- und modelastigen jungen Medien. Stattdessen bekommen Kritik, Satire und Diskurs ihren verdienten Platz. Missstände werden aufgezeigt, Erfahrungen ausgetauscht. Und jeden Mittwoch gibt es eine neue „Morgen“.
http://unsereuni.at/morgen/
Kontakt: morgen.dieunibrennt@gmail.com