Die Persönlichkeit des Schweinegrippe-Hysterikers bildet sich durch den Konsum von Boulevard-Medien heraus. Mit existenziellen Mini-Dramen, in denen die großen Themen Liebe, Sexualität, Geld, Leben und Tod vorherrschen, sättige sich der Schweinegrippe-Hysteriker, heißt es einleitend zu "4 Gossip Operas", dem Werk des Komponisten, Autors und Regisseurs Alexander Kukelka, das im
Theater Drachengasse im Jänner uraufgeführt wird. Zuffällig sei er auf den Stoff des Librettos gestoßen: "Einige Meldungen des Billig-Boulevards, zunächst routinemäßig überflogen, um anschließend – wie so oft – dem Altpapier-Container übereignet zu werden, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Sujets von wahrhaft opernhafter Dimension."
Alle vier internationalen Zeitungsmeldungen, die Eingang ins Libretto gefunden haben, sind wahre Gustostückerl der Yellow Press: Sex mit Schaufensterpuppen in einem Kaufhaus (zum Glück nach Ladenschluss; Anm.) ; ein älterer Herr begann nach der Herztransplantation zu malen und bewies dabei erstaunliches Talent – schließlich war der 24-jährige Organspender auch Maler; einem islamitischen Geistlichen kam zu Ohren, ein Verheirateter habe im Schlaf drei Mal etwas von Scheidung gemurmelt, also erklärte er kurzer Hand die Scheidung für rechtskräftig; schließlich noch eine Meldung der Königin der Revolverblätter, „The Sun“, mit Österreichbezug: der 19-jährige "Kannibale von Wien" habe angekündigt, sollte Josef F. in seiner Justizanstalt landen, würde er ihn auffressen.
Getragen werden die vier Kurzopern vom Chor der Schweinegrippe-Hysteriker. Im Gegensatz zum klassischen griechischen Chor kommentiert der Hysteriker-Chor nicht das Geschehen, sondern provoziert es, bis er letztlich selbst vom lancierten Irrsinn heimgesucht wird …
Info:
4 Gossip Operas
11. 1.–13. 2.
Di.–Sa. um 20 Uhr
Eintritt: € 16,–/€ 10,– erm.
www.drachengasse.at