ico_youare10g.gif AUGUSTIN
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Bücher geben und nehmen

Tauschkreislauf - vorerst in Notwehr:

article_1459_bücherschrank_160.jpg Die Idee ist nicht neu, hat aber fast zwei Jahrzehnte gebraucht, um in Wien anzukommen. 1991 entwickelte das Künstlerduo Clegg & Guttmann in Graz das Konzept der „offenen Bibliothek“: An insgesamt drei Orten am Stadtrand wurden Container aufgestellt, um einen buchstäblich freien Tausch von Büchern zu ermöglichen. Die funktionierende „offene Bibliothek“ basiert auf einem sich selbst regulierenden Fluss von Geben und Nehmen: Nicht (mehr) gebrauchte Bücher werden gespendet und andere, bereits im Schrank befindliche entnommen. Von Graz aus verbreitete sich die Idee in diverse deutsche Städte wie Hamburg, Hannover oder Bonn und wurde an manchem Ort gar wissenschaftlich evaluiert.
Seit Anfang Februar steht nun ein „offener Bücherschrank“ im 7. Bezirk, Ecke Westbahnstraße/Zieglergasse.
25.02.2010
Initiiert wurde er von Frank Gassner, einem Mitbegründer der Werkstatt „werkimpuls“ in der ums Eck des Schranks gelegenen Kandlgasse. Seit 2006 arbeitet dort ein Kollektiv von bis zu 16 Menschen in basisdemokratisch organisierter Selbstverwaltung, teilt Raum und Arbeitsgeräte und die eine oder andere Inspiration.
Wohl kein Zufall, dass ausgerechnet in einer Sphäre autonomer (künstlerischer) Produktion Ideen wie jene eines öffentlichen Schranks für den bargeldlosen Büchertausch gedeihen. Nicht mutwillig auch der Zeitpunkt des Erscheinens: Gerade in (Geld-)Krisenzeiten beginnen Tauschkreisläufe jenseits des kapitalistischen Warenflusses zu blühen. In Notwehr vorerst, aber darüber hinaus womöglich als dauerhafte Alternativen zu konsumgesellschaftlich bedingten Burn-outs. Wer jedenfalls des einen oder anderen Stückes seiner/ihrer Bibliothek überdrüssig ist, dem/der steht nunmehr die Möglichkeit eines überraschenden Tausches offen. Der Bücherschrank lebt von möglichst reger Teilnahme und -gabe. Bis zum 11. Juni einstweilen, dann läuft die Standplatzgenehmigung ab.

www.offener-buecherschrank.at
02/2010

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