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RiesenRuckSäcke

Über ein Phänomen unserer Zeit

article_1469_rucksack_160.jpg Leopold Kesslers Arbeiten beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum, untersuchen die Topografie der Stadt – von Verkehrsführungen, die das urbane Leben strukturieren, bis zu Verhaltensweisen, die durch diese bestimmt werden. Plätze, Wege, Straßenschilder oder Absperrungen sind Ziel der Interventionen Kesslers und dienen als Material für seine Skulpturen. Darüber hinaus verweist er immer wieder auf die Lücken und Löcher in der systematischen Organisation des gemeinschaftlichen Raumes. Manchmal nutzt der 1976 geborene Künstler öffentliche Netzwerke, indem er sie einfach anzapft.
10.03.2010
Mal verlegt er ein 1200 Meter langes Stromkabel zwischen seinem Akademieatelier und seiner nahe gelegenen Wohnung am Praterstern in Wien, dokumentiert das in einem Video und nennt dieses „Diplom“. Mal verändert, repariert oder erweitert er unangemeldet öffentliche Einrichtungsgegenstände wie Straßenschilder, Bänke oder Leuchten. Die Interventionen bleiben bestehen, bis sie von offizieller Seite entdeckt und wieder beseitigt werden. Oder er fotografiert wie für diese Ausstellung Kinder mit überdimensionalen Rucksäcken auf ihren Wegen durch Wiens Straßen. Nicht 1000 Sachen bei sich haben zu müssen scheint fast unmöglich – ein Phänomen unserer Zeit. Was aber bekommen unsere Kleinen aufgehalst, eingepackt? Nützliches Rüstzeug fürs Leben? Eine der jungen Protagonistinnen wollte übrigens nicht gleich mitmachen, weil sie meinte, es würde der negative Eindruck entstehen, dass diese armen Kinder wirklich so schwer an ihren Rucksäcken tragen würden. Und gequälte Kinder sollte man lieber nicht ausstellen. Groß waren sie wohl, die Riesenrucksäcke, aber mit Schaumstoff ausgestopft – viel gebündelte Luft, oder?

Info:
20. 3.–30. 4.
Galerie Andreas Huber
Capistrangasse 3
1060 Wien
Tel.: (01) 586 02 37
www.galerieandreashuber.at
03/2010

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