Der Film handelt von der Macht, die ein Mensch durch bloße Wörter über einen anderen hat. Von tiefen Gefühlen und der Abwehr derselben. Gleichzeitig ist „Vier Minuten“ aber total überladen mit den Themen Nationalsozialismus, lesbischer Liebe, sexueller Gewalt in der Familie etc. Die Erziehungsmethoden der Lehrerin erinnern an faschistoide Modelle („Demut ist die Regel Nummer eins“, „Nie wieder diese Negermusik“) und weisen darauf hin, wie tief die Verstrickung einer ganzen Generation in autoritäre Modelle ist. Kunst wird als Methode der Heilung, der Zivilisation gesehen und wirkt im Film wie ein Mittel zur Kolonisierung eines Tieres mit Talent.
„Ich habe die Musik gehasst“, erzählt Alice aus Ex-Jugoslawien, eine Gefangene der Schwarzau, die von ihren Musikereltern zum Klavierspielen gezwungen wurde. „Ich war wirklich eine Maschine. Meine Lehrerin war schlimmer als die im Film.“ Alice darf als Freigängerin das Jazzkonservatorium in Wiener Neustadt besuchen. „Die Pianistin im Film hat Sachen gemacht oder gesagt, wo ich geschwiegen habe. Aber ich kann mit jedem und mit allem umgehen – mittlerweile. Die Leidenschaft habe ich nicht verloren.“ Alice ist „wegen Schmuggels“ inhaftiert: „Ich wollte es alleine schaffen, ich hätte mir auch anders Hilfe holen können“, spricht sie finanzielle Not an, die zu ihrer Tat führte. Sie wünscht sich, dass in der Schwarzau Musiktherapie angeboten wird.
„Es steht ferner aufgrund der Tatsache, dass Frauen in der Regel mehr (männliche) Gewalt erleiden als Männer, auch fest, dass die Traumatisierung jeden vollzugspädagogischen Behandlungsansatz scheitern lassen muss, wenn er mit offener oder immanenter Gewaltandrohung oder tatsächlicher Gewalt einhergeht“, steht in der Pressemappe. „Dies gilt in besonderer Weise für das Eingreifen der Einsatzgruppe.“ „Wir haben nicht nur Nonnenschwestern hier“, sagt der Anstaltsleiter und wirft sein Haar zurück. Im Frauenvollzug gibt es einen Anstieg von Suchtmittelabhängigen und der Unterbringung „geistig abnormer Rechtsbrecherinnen“. Ungefähr die Hälfte der Frauen sitzt wegen Eigentumsdelikten. Aus klassisch weiblichen Rollen ausgebrochen sind sie alle, die Mörderinnen und die Einbrecherinnen. Wenn im Film eine ganze Staatsmacht auffährt, um eine junge Frau festzunehmen, wundert man sich, was für eine Bedrohung wohl in ihrer ungezügelten Kraft liegt. Und wenn man bedenkt, dass der harmlose Film „Bambule“ über ein Mädchen-Erziehungsheim von Ulrike Meinhof Jahrzehnte lang verboten war, ist zu sehen, wie die Gesellschaft sich vor der wilden Energie junger Frauen fürchtet. Es gibt zu wenige Möglichkeiten, diese auf interessante, abenteuerliche, Geld bringende Weise auszuleben.