„Euroschools2008“, das offizielle UEFA-Schulprojekt wird im Auftrag von „Österreich am Ball“ von „Fairplay“ selbst organisiert. Die „Fairplay“ – MitarbeiterInnen Alexa Bluma, Njideka Stephanie Iroh und Kurt Wachter, der zur Projektentwicklung Erfahrungen bei der WM in Deutschland gesammelt hat, erläutern den Ablauf: Schulen übernehmen die Funktion von Botschaftern eines UEFA-Mitgliedslandes. Dabei repräsentieren SchülerInnen „ihr Land“ nicht nur sportlich, sondern setzen sich im „interkulturellen Dialog“ auch mit der eigenen und der „anderen“ Identität auseinander und gehen der Frage nach, was die „eigene“ von der „anderen“ unterscheidet. Kulturelle Gemeinsamkeiten und Differenzen sollen sichtbar gemacht werden: „Was wissen die Kids über das Land? Was wollen sie über das Land nach außen tragen? Welche Bezüge gibt es zu Österreich?“, skizziert Iroh praktische Aufgabenstellungen für Botschafter.
Beim Euroschool-Cup vertreten die Botschafter ihr Land dann auch fußballerisch. Das Turnier, dessen Finale während der EURO2008 stattfindet, wird im speziellen Fairplay-Modus ausgetragen: Zwei Mädchen und zwei Buben bilden ein Team und Tore zählen erst dann, wenn mindestens ein Tor von einem Mädchen erzielt wurde. Punkte gibt’s nicht nur für Siege, sondern auch für faires Verhalten. Zu den „klassischen“ Spielregeln vereinbaren die Teams drei zusätzliche „Agreements“, die für das jeweilige Spiel verbindlich sind. Über die Einhaltung wacht kein Schiedsrichter, sondern ein „Teamer“, der bei Verstößen mit den SpielerInnen gemeinsame Lösungen verhandelt. Was auf den ersten Blick etwas unorthodox wirkt, hat in der Praxis einen hohen Funfaktor für alle Beteiligten. Projektleiterin Bluma berichtet von Erfahrungen, die sie im Vorfeld der U19 EM gesammelt hat: „Beim ersten Mal sind die Schüler oft skeptisch, aber dadurch, dass sie sich auch selbst Regeln aufstellen können, macht’s ihnen Spaß. Einige haben z. B. vereinbart, Purzelbäume zu schlagen, auch wenn die andere Mannschaft ein Tor schießt.“ Gezeigt hat sich auch, dass nicht unbedingt Technik oder Athletik, sondern der Teamgeist zu Erfolg führt: „Manche haben wirklich als Team gut zusammengespielt und mehr Fairplay-Punkte gehabt, als sie Tore geschossen haben.“ Parallel zum aktiven Sport soll auch im Unterricht der Fairplay-Gedanke aufgegriffen werden. Was bedeutet er in der Gesellschaft? Wo passieren „Fouls“ im Alltag? Oder: Gibt es ein respektvolles Miteinander in der Klasse? Man darf also gespannt sein, was sich in den nächsten Monaten in den Klassenzimmern und Turnsälen so alles tut.
Bei „Kick-Kultur“, geht es um die Vermittlung der kulturellen Bedeutung des Fußballs. SchülerInnen sollen sich „mit dem Thema auf eine ganz andere Weise auseinander setzen können“, meint Koordinator Roman Schanner, denn „Fußball ist ein Teil unserer Gesellschaft und hat eine Spiegelfunktion: Man kann kulturelle Unterschiede, wirtschaftliche Zusammenhänge oder psychologische Momente erkennen und daraus Lehren ziehen.“ Wenn also in „Geo“ Südostasien dran ist, lässt sich anhand der Fußballproduktion in Pakistan Kinderarbeit und fairer Handel thematisieren. In den „Kick-Kultur-Dialogen“, die auf die Unterrichtsfächer zugeschnitten sind, können sich die Kids unter Anleitung von KünstlerInnen kreativ der kulturellen Dimension von Fußball annähern: in Form von Theater, als Filmemacher, als Journalisten. Oder tänzerisch, wie beim bereits erprobten Projekt der Choreografin Aurelia Staub. „Zuerst waren die Buben skeptisch, aber nach 4,5 Einheiten haben sie Spaß gehabt“, erzählt Schanner.
Dass Körperbeherrschung, wie beim Tanz, eine nützliche Grundlage des Fußballspiels ist, zeigen etwa „Ballkünstler“ aus Brasilien oder Afrika. Für sie ist Tanz integrierter Bestandteil der Lebenskultur, und das sieht man auch auf dem Rasen. Wenn Andi Herzog sinngemäß meint: „Ein guter Fußballer braucht nicht tanzen können“, so verrät er unfreiwillig viel über die Kultur des heimischen Fußballs. Da kann man sich eigentlich nur wünschen, dass wenigstens in Schulen möglichst viel „mit dem Ball getanzt“ wird …
www.vidc.org/fairplay
www.euroschools2008.org
www.fussballverbindet.at/kickkultur