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Heit los i des Gschloda schdee

Stimmgewitter lehrte Deutschen das Wienerlied

40 Weiterbildungsgeneigte besuchten den zweistündigen intensiven Wienerliedkurs, darunter ein Drittel Piefke. Diese waren das primäre Zielpublikum der Veranstaltung im Rahmen des Aktionsradius Augarten-Projekts „"Ösis und Piefke".
Robert Sommer 15.04.2006
I soi wos empfön

Gegegege glaubms i bin wo augreend

Waun i den dregg seawia

Hehehehe hebts mma glei di goi

Beissns a viadl

Des is gsund mocht fett und wos woams is a

Sea zum empfeelen

I sauf maunchmoi glei zwa


Zwei besonders integrationsfördernde Maßnahmen standen auf dem Programm: „Wienerisch Schimpfen für Deutsche“ (Kursleiter: Richard Weihs) und die Einführung in den Sound des Wienerlieds. Der Veranstalter entschied sich für einschlägige pädagogische Kompetenz. Die Damen und Herren vom Stimmgewitter Augustin heben den traditionellen Frontalunterricht im dreifachen Sinn des Wortes „aufheben“ auf: Sie beendigen ihn, sie bewahren ihn, sie heben ihn auf ein höheres Niveau.


jo do tuat ma mocht ma leant wos hacklt reisst sin oasch auf fia d marie


„Österreichs schrägster Chor“ (Selbstidealisierung) forderte die Kursteilnehmerschaft wie folgt. Fünf Songs aus dem Oeuvre der Wienerlied-Zersetzer vom Kollegium Kalksburg, mittlerweile auch im Standardrepertoire des „Sandlerchors“, kamen zum Vortrag. Nach jedem Lied wurden Verständnisprobleme gelöst. Weil Problemlösen Spaß macht, kam es zur Konstruktion imaginärer Probleme. Im Grund weiß jeder hierstadts lebende Deutsche eh, dass der Wiener nicht den Ungläubigen, sondern die Galle meint, wenn er goi sagt.


Da odiseus is a oida rema

Und demendsprechend a faduabm

Ea huad ea saufd losds geaschtl reena

Und schead si nix um sein glaan buam

Sei frau sitzt zhaus und häkald boisdaln

Sie head und siechd nix von da wöd

da bua danebn schdriggd haum und sokaln

Jo ma meakt das do a fotta föd


Die KursteilnehmerInnen durften sich sodann demokratisch ihren Champion unter den fünf Liedern auswählen. Mit Abstand am meisten nominiert wurde das Kellnerlied (Zitat ganz oben). Dieses wurde somit zum Kerngegenstand der Kursmaßnahme. Nachdem die Aussprache des Textes relativ harmonisiert war, musste sich einer der deutschen Gäste für den Solopart im entsprechenden Lied zur Verfügung stellen. Woher nahm Augustinverkäufer Michael, Berliner, den Mut, sich dafür zu melden. Vom Augustin.


Frack und G’lackt des war beim Schani

Fast die g’wöhnliche Panier

Hat er mit an Maderl gspernselt

Scho is’ ghupft eam auf die Knia

Heit kriagt er statt einem Busserl

Hechstns nur a Tätschn gwiss

Und da Schani der kann nimmer

Weil er fix und fertig ist


Schon der dritte Anlauf, das Lied zu bewältigen, führte zum Ziel des Lehrgangs: den zugereisten Deutschen, die zugereiste Deutsche in die Lage zu versetzen, in ein kollektiv gesungenes Wienerlied einzustimmen, ohne den Sound zu verplatten, d. h. ohne besonders aufzufallen. Das gemeinsam Gelungene wurde aufgenommen, sodass alle KursteilnehmerInnen mit einer CD, enthaltend die ins Lied eingegangene Anstrengung der Integration, verabschiedet werden konnten –– hinaus in ein exotisches Leben, das nach vielen ähnlichen Volxhochschulen schreit.


blede schmee

mi kenans moschaln mid dem blosnte

weu ob heit los i des gschloda schdee

und sauf mi au im kuakafe

Referenzen:

Jahr 2006: 178 - 04/2006
Thema: Kultur, Leben, Musik

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