Aber wie passt der Flamenco-Rhythmus zu dem sechs oder gar sieben Achtel-Rhytmus, der in West-Afrika gespielt wird? „Die Zigeuner in Andalusien waren Indianer, es gab aber auch arabischen Einfluss durch das Osmanische Reich“, sagt Gitarrist Patrice. „Ich spiele gerne sechs Achtel, da passen die Triolen des Jazz gut hinein. Ich kalkuliere aber niemals“, lacht Alex, der sich selbst als „vietnamesischen Mestizen“ bezeichnet.
„Wenn du im Senegal aufwächst, hörst du ständig die Musik auf der Straße. Du kannst trommeln und tanzen, und wenn du arbeiten willst, kannst du nachher weiter machen“, betont Ibu, Perkussionist aus dem Senegal, den Arbeitsfaktor in der Musik. Seine Band „Tilibo“ mit drei Tänzerinnen, vier Tänzern und fünf Perkussionisten tritt nach Julia Sarr im Birdland auf. Wild fegen die Tänzer über die Bühne, in weißen Gewändern und mit bloßen Füssen. „Gibt es noch so eine klar umrissene senegalesische Kultur?“ Ibu erzählt von der Mais- und Reisernte, von den Gesängen „bevor der Regen kommt“. Er selbst ist in der Stadt aufgewachsen, schwärmt aber von der „Agrikultur“ seiner Großeltern. Sein Instrument nennt sich „sabar“, eine Art Trommel, die man mit Stöcken spielt, ein anderes heißt „Boucarabou“.
Ibu trat direkt nach einem längeren Krankenhaus-Aufenthalt im Birdland auf. Ein trauriges Lächeln begleitet ständig seine Ausführungen. Der Preis für seine unsichere Musiker-Existenz in Österreich ist hoch. „Das Transkulturelle, das Gemischte in der Musik interessiert mich schon, aber ich habe einen unsicheren Aufenthalts-Status in Österreich, daher bin ich noch in der afrikanischen Kultur verhaftet“, sagt Ibu. Die Musik gibt ihm Kraft durch zu halten. „Es gibt da was in der Musik, das ist wie Magie. Du denkst viele Sachen jeden Tag, aber manchmal siehst du die Magie. Nicht immer, denn Musik bedeutet auch viel Arbeit und viel Geduld. Du spielst nicht heute und morgen gewinnst du.“
Zur Informationsveranstaltung „Aufenthalts- und Beschäftigungsrecht für drittstaatsangehörige KünstlerInnen“ sind viele KünstlerInnen gekommen. Die Anwältin Doris Einwallner erläutert in den Räumen der IG Bildenden Kunst die gesetzlichen Finessen seit 1.1.2006. Wesentlich geändert wurde die Perspektive für ausländische KünstlerInnen in Österreich. „Das neue Recht unterstellt eine zeitliche Befristung des Aufenthalts“, erklärt Doris, „die Niederlassungsbewilligung für den auf Dauer ausgerichteten Aufenthalt gibt es nicht mehr.“ Für Leute, die schon länger da sind, bedeutet das eine Zurückstufung. Oder die Ausweisung.
Habib aus Tunesien muss schon gehen. Er hatte legalen Aufenthalt und spielte im Rahmen des Mozartjahres und für Peter Sellers „New Crowned Hope“. Habib ist total sauer: „Im Januar habe ich Konzerte in Wien und Villach. Wenn ich jetzt in Tunis neu ansuchen muss, verpasse ich die um Monate. Meine Projekte werden mir kaputt gemacht.“ Ein ebenfalls sehr aufgeregter DJ Zipflo erzählt von Aladin Sani, der in Nigeria von Dezember bis September auf sein neues Visum warten musste, obwohl er in Österreich Frau und Kind hat. „Sanis Band I-Wolf war in den Charts auf Ö3 und FM 4. Er hatte in Nigeria einen Nummer 1-Hit. Die Band musste sich auflösen, weil er nicht da war. Das soziale Gefüge wird zerstört und dabei reden alle von Integration.“
Zipflo will ein Unterstützungskomitee berühmter KünstlerInnen aufstellen. Die IG Bildende Kunst und die Akademie sollen ihm dabei helfen. Joe Zawinul, den Besitzer des Birdland, will er auch fragen. Und Organisationen wie „Kulturen in Bewegung/VIDC“, die Veranstalter der „moving cultures senegal“, sollten sich auch stärker politisch einbringen. „14 Tage, ab dem Tag der Abholung, kann man bei der MA 35 per Einschreiben Berufung einbringen. Wir erwarten, dass jemand Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof macht. Eine Beschwerde, die durch geht, reicht“, unterstreicht Doris Einwallner. „Eine andere Möglichkeit gibt es momentan nicht.“