„Loving Custodians“ heißt das neue Album von Mauracher. Dahinter steht die Reise des Tiroler Wahl-Wieners Hubert Mauracher von einer Soundwelt zur anderen.
Ja, er macht tatsächlich einen sehr netten Eindruck, Hubert Mauracher, 32 Jahre alt. So sehr, dass bei unserem Gespräch im Cafe Sperl von der Wand hinter ihm ein Foto meiner geistigen Nemesis, Robert Menasse, hängen kann, ohne dass es mich ablenkt.
Die letzten Meter vor dem Sperl ist mir eingefallen, wie ich die Musik von Mauracher sehen kann – wie eine Postkarte, die für sich etwas vorstellt, die aber nur durch das speziell wird, was man wie draufschreibt. Als ich ihm das erzähle, kann Hubert damit etwas anfangen. Was als Rückkopplung auf den facettenreichen (Alternative-)Rock mit erhöhtem Pop-Appeal und elektronischen Versatzstücken seiner Band den Gedanken zulässt, dass sie ihren Mehwert durch das entwickelt, was HörerInnen in sie hineinprojezieren – und dafür hat sie mit Stücken wie „Rosary Girls“ oder „Butcher Boy“ nicht die schlechtesten Grundflächen zu bieten. Schnell wird klar, dass Hubert ein Überzeugungstäter ist, ein Musiker, der mit „Loving Custodians“ wo angekommen ist, wo er hinwollte – und von wo aus er weitergehen wird.
Zum Leben von der Musik reicht es bei ihm manchmal schon, manchmal nicht. „Dann borg ich mir halt was aus und zahl dass dann zurück.“ Für den Menschen Hubert Mauracher war es essentiell, dem elterlichen Gastronomie-Betrieb in Tirol und der eigenen vorbestimmten Chefkoch-Rolle den Rücken zu kehren und Ende der 90er nach Wien zu gehen, dort den Traum von der eigenen Musik zu jagen. Daneben jobben – „alles, nur nicht Gastronomie“ – und die Energie in die Suche nach Sounds und musikalischen Strukturen stecken. Als elektronischer Einzelkämpfer konnte er mit „29 Degrees“ (2003) reüssieren, erschienen auf Fabrique Records, einem Label, dass ihm bis heute die Treue hält. Über „Kissing My Grandma“ (2005) entwickelte er sich hin zur Band, weg von reinen Club-Sounds und näher an der eigenen musikalischen Sozialisation in diversen namenlosen Kombos.
Auch wenn die Musik unter seinem Namen erscheint, Hubert macht heute seine Musik für und mit seiner Band. „Mit Maja (Racki, die Sängerin, Anm) rede ich lange über die Texte, versuche ihr zu den Melodien die Bilder zu vermitteln, die ich beim Schreiben im Kopf hatte.“ Gitarrist Daniel Grailach, Bassist Martin Weismayr und Drummer Sasa Nikolic komplettieren das Quintett. Mit dem sich auch vortrefflich Abenteuer erleben lassen, wie ein Flug ins albanische Tirana (nachzuhören auf „Tirana – Bonus Track“).
Nach langen Querelen – „der Flieger war überbucht und am Anfang meinten sie, es können nur 4 von uns mitfliegen“ – sitzen sie schließlich im Flieger, nur um durch die Fenster zu sehen, dass beim Anrollen ihr Equipment zurückbleibt. „Der Pilot war selber Musiker, hat dann durchgesagt, dass ein Orchester an Bord sei, und hat tatsächlich noch einmal umgedreht, um unsere Instrumente einladen zu lassen.“ Weniger dramatisch verlief die Aufnahme der 12 Songs von „Loving Custodians“ mit Mario Thaler in den Weilheimer Uphon Studios. Thaler aus dem Umfeld von Notwist und Qualitätsgarant für gediegenen Alternativ-Pop erwies sich als der goldrichtige Partner für den Perfektionisten Hubert Mauracher. „Mario hat dann gesagt: ‚Wenn das Album draußen ist, werden sie wieder alle anrufen, die Österreicher, und sagen, das wollen wir auch!’ Dabei verstehen sie nicht, dass es an den Songs liegt.“
Info:
Mauracher „Loving Custodians“, Fabrique Records/Universal
www.mauracher.net
www.myspace.com/mauracher