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Autor/in: Robert Sommer Seite: 1 2 3

Sozis erlauben Jagd auf "Verwahrloste"

bettelnverbot.jpg 1939 begann das nationalsozialistisch verwaltete Wien mit dem Aufbau gigantischer Karteien im Rahmen der «Erbbiologischen Bestandsaufnahme». Neben Geisteskranken, Alkoholikern, allen Arten von «Asozialen» wurde die Kategorie der «Verwahrlosten» einschließlich aller lebenden Vorfahren und Nachkommen («Sippschaft») aufgenommen. In der Wiener Zentralkartei waren bis 1943 bereits 700.000 Personen erfasst, wie aus Materialien des Dokumentatio...

Der Mann mit dem Messer

monikakribusz.jpg Wie gefährlich ist der Wienerwald bei Nacht? Die Künstlerin Monika Kribusz gibt sich in einem Jahres-Experiment des Schlafens im Freien ihren unausweichlichen Phobien hin.

Die "Töchter" liessen Krankl unbewegt

Zu den Versuchen, die Hymne durch Textmodernisierungen zu retten

kainrath.jpg Der Rechtsstreit um die in die Bundeshymne eingeschmuggelten «Töchter» hat einen Lärm gemacht, in dem die Kunst-Guerilla-Aktion der Sängerin Tini Kainrath, die vor acht Jahren wegen eben dieser «Töchter» einen Ernst-Happel-Stadion-Skandal heraufbeschwor, beinahe ungehört blieb.

Augustin 270 - 03/2010

Omofumas Lieblingsbürgermeister

cover270.jpg Keine sehr positive Meinung über die Möglichkeiten des Internet, die Unteren mit mehr Macht, zumindest mit überlegener Lässigkeit im Kampf gegen die Oberen auszustatten, hat der Autor des Beitrags «Ein Klick macht niemanden satt» auf Seite 10 dieses Blattes. Karl Berger könnte dagegen halten: «Das Internet hat mir immerhin erspart, mit Kleisterkübel und Plakatrollen durch das nächtliche Purkersdorf zu streifen.» Der Layouter des August...

Augustin 269 - 02/2010

Vom Titel-Schwund zum Drall-Titel

cover269.jpg Kleine Titelkunde. Das Wort hat bekanntlich mehrere Bedeutungen. Zum Beispiel bezeichnet es den akademischen Grad, den eine Person erreicht hat, oder irgendeine besondere Würdigung. In dieser Hinsicht herrscht im Augustin ein gewollter Titelschwund vor. Ein Herr Dreifachdoktor wird nur seinen nackten Namen im Augustin finden, eine Frau Hofrat wird gleich aus zwei Gründen um ihre Eminenz gekürzt: weil ihr Titel nämlich noch dazu genderverkehrt...

Der Fall Abate Ambachev

Was befindet sich zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum? Wie heißen die Wohnungen, die von der Stadt Wien gebaut wurden und von Wiener Wohnen vermietet werden? Wo wohnte Erzherzogin Maria Theresia im Sommer? Wann wurde die zweite Türkenbelagerung abgewehrt? Was war eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses 1814/15? Woran erkannt man UNO-Soldaten? Und jetzt eine andere Frage: Spinnt das Innenministerium? Die zitierten Fragen s...

Die Sozialunion? Ein Wintermärchen

Für "Unterschicht" der EU-BürgerInnen ist Bewegungsfreiheit nicht vorgesehen

eubürgersozi.jpg Menschen aus Polen, Ungarn, der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien sind BürgerInnen der EU. Nach Artikel 18 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) steht ihnen das Recht zu, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Anders hätte das Versprechen, aus der Wirtschaftsunion auch eine Sozialunion zu machen, keine Glaubwürdigkeit. Das Studium des «Kleingedruckten» im EGV führt freilich zur...

Augustin 268 - 02/2010

Ja. Was ist los mit diesem Land

cover268.jpg Das immer gleiche Procedere. Von Peking bis Vancouver. Städte rüsten sich für ihre Olympiaden. Sie operieren sich ihre Falten weg. Die Falten der Stadt – das sind z.B. die Obdachlosen. Die Falten der Olympia-Region – das sind die Indigenen, die um ihr Land betrogen wurden. Unsere MitarbeiterInnen Elke Krasny (Seite 10) und Jürgen Plank (Seite 11) berichten aus Vancouver. In Wien herrscht immer Olympiade. Die Anti-Falten-Operationstische s...

Victor, schau owa!

bettelverbot.jpg «Da liegen in einem einzigen Raum 40, 50 bis 70 Personen. Holzpritschen, elendes, altes Stroh, darauf liegen sie Körper an Körper hingeschlichtet. In einem solchen Raum, der etwa 10 Meter lang, 8 Meter breit und höchsten 2,2 Meter hoch ist, liegen über 40 Personen, für deren jede also kaum 4 Kubikmeter Luft bleiben. Da liegen sie denn, diese armen Menschen, ohne Betttuch, ohne Decke. Alte Fetzen bilden die Unterlage, ihre schmutzigen Kleide...

Wenn die Kameras verschwinden ...

Dass Haiti das ärmste Land ist, ist nur die halbe Wahrheit.

haiti.jpg Im Augenblick gebe Haiti eine »dramatische Story« im Fernsehen ab, sagte die in Miami lebende haitianische Schriftstellerin Edwidge Danticat, »aber wenn die Kameras verschwinden, blicken die Menschen wieder weg«. Ähnlich die Journalistin und Haiti-Expertin Amy Wilentz: Die Haitianer seien »nur beliebt, wenn sie sterben«. Tatsächlich lauten die gängigen Klischees, die von dem verarmten und zerstörten karibischen Nachbarland gepflegt werd...

Der Palast, der nicht Palast bleiben durfte

Heute kann Udo Lindenberg hier nur mehr auf die Wiese pinkeln

palastrepublik.jpg «So deutsch ist das höchste Haus der Welt», titelt Anfang Jänner der „Spiegel“. Das Haus, das fast einen Kilometer hoch ist. Der Burj Chalifa in Dubai. Was hat das mit Mario Langs Fotochronik vom Abriss des Palastes der Republik im ehemaligen Ostberlin zu tun. Man ahnt es. Die Stahlträger des Palastes, in dem die DDR-Volkskammer tagte und in dem sich das Volk (Ausnahme: die Punks der DDR) vergnügte, z. B. beim legendären Udo-Lindenberg...

Augustin 267 - 01/2010

Information minus Emotion = 0

cover267.jpg «Ich habe das Gefühl, dass der Augustin des Öfteren aus reinem Mitleid gekauft wird. Das Nicht-Wahrnehmen des intellektuellen und sozialen Werts dieser Straßenzeitung ist wirklich beschämend und arrogant», sagt eine Studentin. Das sei auch als Selbstkritik zu verstehen. Sie nimmt an einem Seminar über Bewusstseinsbildung und Alltagsverstand teil. Gerald Faschingeder hat als Lehrbeauftragter des Projektes Internationale Entwicklung der Uni ...

Augustin 266 - 01/2010

WienerInnen ohne Eigenschaften

cover266.jpg Ich habe es mir abgewöhnt, skeptisch zu sein, ob Uwe Mauch seine Porträts von «Lokalmatadoren» oder «-madatorinnen» endlos fortsetzen kann. Wien hat fast zwei Millionen LokalmatadorInnen, denn der „Kurier“-Journalist, der nebenbei auch Coach der Augustin-Ballesterer und eben unermüdlicher Menschen-Porträtist ist, findet auch in den «unscheinbaren» BewohnerInnen dieser Stadt Dispositionen, die die journalistische Aufmerksamkeit recht...

Die akademische Gruft

Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

uniobdachlos.jpg Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.

An eurer "Ordnung" ersticken wir

Im Kampf gegen das Betteln beweisen Justiz und Exekutive Fantasie

ordnung.jpg Während der Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP von der «Stürmung des Christkindlmarktes durch Bettlerbanden» halluziniert, verhängte ein Richter des Unabhängigen Verwaltungssenats eine 20-stündige Polizeihaft gegen den Bettler und Augustinverkäufer Markus H. Sein Delikt: Beim Sitzen an der Hauswand ragten die Beine minutenlang einen (!) Meter in den mehr als zehn Meter breiten Gehsteig der Mariahilfer Straße.

Augustin 264 - 12/2009

Die Kunst der Widerspiegelung

cover264.jpg Das gelb gekleidete «Ordnungs- und Sauberkeits»-Personal der Wiener Linien weiß besser, was «uns» lästig ist. Es scheint die Order zu haben, auch gegen singende Menschen vorzugehen. Aus dem Bericht über das Aha-Erlebnis einer im U-Bahn-Bereich jodelnden Fahrgästin, Seite 4.

Augustin 263 - 11/2009

Anmerkungen zum Winkelzugprinzip

cover263.jpg «Wie auch die Lüge uns schmähend umkreist …» Vor 1000 ZuhörerInnen im besetzten Audimax der Wiener Uni lässt das Stimmgewitter Augustin in der Nacht vom 6. zum 7. November eine Vergangenheit lebendig werden, in der die Arbeiterbewegung noch ähnlich kämpferisch und systemkritisch war wie heute die Bewegung des Unistreiks. Die zitierte Strophe ist aus dem Lied «Die Arbeiter von Wien». Der Einsatz der Lüge im politischen Konkurrenzkampf...

Welche Geste gilt?

Über die Schwierigkeiten, die Gebärdensprache zu vereinheitlichen

Können Menschen mit Gebärdensprache einander verstehen, wo immer sie leben auf diesem Planeten? «Ein Drittel der Gebärden sind international leicht verständlich. Ein Drittel kann man aus dem Zusammenhang heraus verstehen. Und das letzte Drittel ist regionaltypisch, darunter besonders die Zeichen für abstrakte Begriffe wie Glück», sagt Monika Haider, die Leiterin des Wiener Gebärdensprache-Schulungszentrums equalizent. Selbst innerhalb d...

Gibt`s ein Leben nach Stone City?

10 Jahre Trampolin: Mehr als ein Entlassungshilfeverein

Jacques Audiards Thriller «Un prophéte», beim letzten Festival in Cannes vorgestellt und nun in den Pariser Kinos, bekräftigt eine Lieblingsthese der gefängniskritischen Linken: Im Häfen wird mensch nicht besser. Der Held, Kleinverbrecher, wird im Knast zu einem Meister mafiöser Schwerkriminalität. Das Leben im (Film-)Strafvollzug ist die Fortsetzung des gnadenlosen Bandenkriegs mit anderen Mitteln. Audiards Gefängnis ist alles andere a...

Die Lenikus-Lücke

"Ein Gieriger bleibt ein Gieriger, auch wenn er tausendmal Ute Bock sagt"

«Bei geschlossenen Fenstern und gedecktem Dach steht das Haus noch locker weitere hundert Jahre», sagte der Denkmalschutzbeamte vor dem Haus Wien 7, Sigmundsgasse 5. Leider hat jemand ein paar Ziegel aus dem Dach entfernt und die Fenster herausgerissen. Leider könnte da bald eine Baulücke klaffen.

Alt sein nicht leicht gemacht

Der Fonds Soziales Wien sorgt einmal mehr für Verwirrung

Der Fonds Soziales Wien (FSW) gliedert die Sozialarbeit aus den Beratungszentren für Pflege und Betreuung in eigene GmbH aus. Damit wird eine unbürokratische, leicht zugängliche Anlaufstelle für ältere Menschen und deren Angehörige, die bisher durch SozialarbeiterInnen und SeniorenberaterInnen nicht nur Beratung, sondern auch Unterstützung geboten hat, zerstört. Intern machen sich Unzufriedenheit und Ohnmachtsgefühle breit. Die ungenann...

Wir sind klein, doch sind wir Opel

Der Versuch, ein (chauvinistisches) Wir-Gefühl in Zeiten der Finanzkrise heraufzubeschwören, muss zwangsläufig scheitern. Ich hab den Chefkommentar aus „Österreich“ herausgerissen und kann nun nirgends ein Erscheinungsdatum finden. Es wäre identisch mit einem Erleuchtungsdatum gewesen, denn die plötzliche Einsicht in die Jämmerlichkeit dessen, was sich österreichischer Journalismus nennt, empfand ich als eine Art profaner Erleuchtung...

Der Aufstand der Titellosen

Neues aus dem Großgrundbesitz des Stifts Klosterneuburg

Gegen die Augustiner Chorherren zieht sogar Gott den Kürzeren, sagt Gerd Teply. Der Charme der Resignation liegt in diesem Sager aus dem Mund des eben neu gewählten Obmanns des „Pächtervereins Langenzersdorf“, dem 600 der rund 1000 PächterInnen von Chorherren-Grund angehören. Ihre gemeinsame Wahrnehmung: Der Grundeigentümer, das Stift Klosterneuburg, streicht die letzten Reste klösterlicher Barmherzigkeit aus dem Konzept seiner Liegen...

Sozialarbeit in der Quotenfalle

Wiener Jobmesse am 10. Juni im Zeichen der Krise der staatlichen Arbeitsmarktpolitik

Warum das AMS heuer seine KlientInnen nicht mehr – unter Androhung von Sanktionen – zur Jobmesse schicken darf. Und warum die Sozialarbeit sich immer mehr zum Kasperl machen lässt, der wider besseres Wissen den Mythos aufrechterhält, Ex-Häftlingen, Ex-Alkis, Ex-Junkies, Ex-Sandlern oder Behinderten stehe der reguläre Arbeitsmarkt offen.

Sprechblasen-Guerilla

"Bubble Project" macht selbst Gewista-Flächen lesenswert

Ji Lee lebt in New York als Designer und Künstler. Das ergibt ein paradoxes Leben: Er entwirft Werbung – und kämpft gegen Werbung an. Letzteres gelang ihm am bemerkenswertesten mit seinem Bubble Project. Er druckte tausende leere Sprechblasen aus und klebte sie auf New Yorker Plakatwände, so dass die Passanten die Möglichkeit hatten, auf die Reklame zu reagieren. Wenn es stimmt, dass Wien die Hauptstadt des Wiener Schmähs ist, sollte die ...

Was dagegen ist unsereins?

Postjugoslawische Synthese: Jelena Popržan und Rina Kaçinari

Gitarre spielen und dabei singen, das ist banal. Tausendmal gesehen und gehört. Jedoch streichen oder singen – beides zusammen geht kaum, meint der Laie. Tatsächlich sieht man selten eine Geigerin, die streichend singt. Jelena Popržan macht das mühelos. Sie bratscht und wechselt parallel, wenn es sich ergibt, von der Opern- zur Pop-Stimme. Rina Kaçinari hätte ihre Partnerin nie kennen gelernt, wenn es damals in Prishtina einen Cello-Lehr...

Blauer Schmied, roter Schmiedl?

Statement der BettelLobbyWien zu Häupls "Wiener Hausordnung"

Eine Symbiose von Strache und Boulevard sorgt in diesen Tagen für die Konstruktion immer neuer „Skandale“, als deren VerursacherInnen aber nicht, wie man meinen sollte, die FinanzkapitaljongleurInnen, sondern deren ärmste Opfer hingestellt werden: die BettlerInnen aus den Ländern Osteuropas. Nun will auch „der Chef persönlich“, nämlich Bürgermeister Häupl, „für Ordnung sorgen“. Die BettelLobbyWien, eine vor kurzem gegründete...

KRONE gegen BILD, das ist Trash

Wie die Revolverblätter plötzlich das Interesse an Kramar verloren

„Pension F.“, die anarchistische Mischung aus Revue, Mediensatire und Trash, in der – entgegen den Ankündigungen und Erwartungen des voyeuristischen Boulevards – keine einzige Szene im Keller des Inzesttäters Josef F. aus Amstetten spielt, wird vom 15. bis 18. April wiederaufgeführt. Da jeder Abend seine eigene Dynamik hat, ist auch ein Mehrfachbesuch empfehlenswert.

Lieber Herr Chefredakteur Richard Schmitt!

Betriff:: Kommentar in der Gratiszeitung "HEUTE" vom 2. Jänner 2009

Selbst wenn Ihnen die Schlagzeile Wien muss Athen werden" oder ein feuilletonistischer Beitrag des „Einbrecherkönigs“ E. W. St. in der Weihnachts- und Neujahrsausgabe des Augustin aufgefallen ist, wollen wir Ihnen nicht abnehmen, dass Sie ein eifriger Leser unseres Blattes waren. Ihr Urteil, die sympathische Zeit des Augustin sei vorbei, die Straßenzeitung habe sich nun „ein bisserl viel geändert“, und zwar in Richtung „Steinzeitkom...

WIR sind die Kunden!

Sigmund Freud und die BettelLobbyWien zu den U-Bahn-Durchsagen

Sollte den Wiener Linien daran gelegen sein, ihre Lautsprecheranlagen mit Hilfe einer Durchsagenkampagne in Schuss zu halten, wüssten wir einen besseren Text: „Die Wiener Linien bedauern, sich an den unter dem Namen Cross-Border-Leasing bekannten Scheingeschäften mit einem US-Investor beteiligt zu haben. Das Verleasen des Wiener U- und Straßenbahnnetzes an einen US-Versicherungskonzern stellte sich im Zuge der Finanzkrise als risikoreiches ...

Niemand rollt so schnell wie ich

Ein "versteckter" Spitzensportler im Pool der AugustinverkäuferInnen

Am 15. September des Jahres 2007 brach Mircea Tănase auf, um westwärts zu rollen. Er erregte kein Aufsehen. Keine JournalistInnen versammelten sich rund um den Rollstuhl Mirceas auf jenem Bukarester Platz, den der Abreisende seither nie wieder betreten hat. Dabei hätte das Unterfangen des Behinderten-Spitzensportlers Mircea Tănase mediale Aufmerksamkeit verdient.

Mit Kraus spotten lernen

Das zweite Leben einer Augustin-Serie

Erinnern Sie sich, dass der Augustin die Zumutungen des Mozartjahres überstand, indem er das Jahr 2006 zum Karl-Kraus-Jahr erklärte? Richard Schuberths (fast) unendliche Serie zu seinem Lieblings-Satiriker ist seit kurzem kompakt in Buchform zu genießen. Die „30 Anstiftungen zum Wiederentdecken von Karl Kraus“ beginnen mit dem Thema Sprache. Denn Worte leisten zuweilen eine tödliche Arbeit, wenn sie nicht beobachtet werden

Überall nur Karlsplätze ....

Ist die Polizei unprofessionell? Oder ist die Profession selbst strukturell gefährlich?

„Hast du Angst, du dreckiger Zigeuner?“ Der Augustin-Bericht dieses Titels, in der letzten Ausgabe erschienen, hat in praktisch allen größeren Medien Österreichs seinen Niederschlag gefunden. Die beiden Polizeibeamten vom Karlsplatz, Adressaten schwerer Diskriminierungsvorwürfe von Seiten slowakischer AugustinverkäuferInnen, sind in den Innendienst versetzt worden. Die Behauptung des Anwalts eines der beschuldigten Polizisten, die Vorwü...

2009 wird schaurig

Die an- und aufregendsten WWW-Adressen zum Begreifen der Krise

Wenn der Augsburger Unternehmerberater Egon W. Kreutzer in der Rubrik „Paukenschlag am Donnerstag“, dem Aushängeschild seiner Website, in eine Diskussion mit Albrecht Müller einsteigt, der mit den „Nachdenkseiten“ die wichtigste deutschsprachige Medienkritik im Internet betreibt, sitzt unsereins vor dem Schirm mit ambivalenter Faszination.

Traktat zum Lattentreffer

Wo, wenn nicht beim Augustin Cup, herrschen neue Fußballregeln?

Zwei „Regelverstöße“ beim ersten Fußballturnier um den Augustin Cup Mitte September in Wien: Erstens gewann nicht das siegreiche Team diesen vom Augustin gestifteten Pokal (die Mannschaft des Fußballmagazins Ballesterer), sondern die bestplatzierte Mannschaft aus dem Obdachlosenbereich (Tageszentrum Josefstädter Straße); zweitens wurde erstmals in der Geschichte des Fußballs jene Mannschaft prämiert, die die meisten Stangen- und Latt...

Pfarrer Hennefeld und die "Fremden"

Besser ein stummes Minarett als der Lärmterror der Christenkirchenglocke?

Faymanns Versprechen, mit FPÖ-Strache keine Koalition einzugehen, hat den Wert von Wahlversprechen. Der selbst ernannte Retter Wiens vor dem Islam kann, wenn überhaupt, nur von unten gebremst werden. Zum Beispiel bräuchte es mehr Kirchenführer vom Schlage Thomas Hennefelds, des Landessuperintendenten der Evangelisch reformierten Kirche. Im Augustin-Gespräch betonte Hennefeld das absolute Recht der Muslime, Moscheen samt Minarette zu bauen. ...

Gönn dir einen Schluck Freiheit

Zwei Wiener Kurden irritieren mit ihrem Bier den türkischen Staat

Ali Can, Journalist, und Nurettin Keske, Gastronom, stammen aus derselben Gegend des Kurdengebiets im Osten der Türkei. In Wien, wo die kurdische Diaspora „nur“ etwa 30.000 Seelen umfasst, lernt man einander rasch kennen, wenn man aus denselben Bergen kommt. Die Berge trägt man auf der Zunge wie bei uns die Täler, so ist das immer noch mit den Dialektfärbungen. Nurettin Keske, der in Wien aufwuchs, und Ali Can, der 1988 emigrierte, hatte...

Soziale Arbeit als Geben & Nehmen

Sonja Hopfgartner bringt "Ganslwirt"-Erfahrungen in den Augustin ein

Donauabwärts, von Linz nach Wien. Biografisch folgte Sonja Hopfgartner der Stromrichtung. In anderen Belangen schwimmt sie gegen den Strom. Darum fühlt sie sich beim Augustin, wo sie seit 1. Mai dieses Jahres als Sozialarbeiterin tätig ist, gut aufgehoben. In einem selbst organisierten, nicht von der Gemeinde Wien ausgehaltenen und deshalb autonomen Projekt wie dem Augustin könne ein sozialarbeiterisches Konzept verwirklicht werden, das selb...

Hammel- oder Schweinsniere?

Kurz vor dem Bloomsday 2008 mit Bloomsday-Wallfahrern geplaudert

Weder Santiago de Compostela noch Mariazell heißen die Destinationen der jährlichen Wallfahrten von Gerfried Höfferer und Ernst Hugo Kouba. Die beiden gehören nämlich der winzigen Religionsgemeinschaft der James-Joyce-Verehrer an. Was den ChristInnen der 24. Dezember bedeutet, so schwer wiegt den beiden Freunden der 16. Juni.

Der Trauner Beitrag zu "68"

Maler, Dichter, Behindertenbetreuer: Der oberösterreichische Andreas Hofer

Die 68er-Revolte begann in einigen Ländern schon Ende der 50er Jahre, während sie in Österreich mit der landesüblichen Verspätung und mit der landesüblich reduzierten Wildheit in der zweiten Hälfte der 70er Jahre. Gemessen am Konformismus der MitbürgerInnen war der aus Traun stammende Künstler, Gesundheitsmanager und psychiatrische Krankenpfleger Andreas Hofer dennoch ein „wilder Hund“.

Ein suspekter Freund der Alliierten

Die Faszination des Sammelns (1)

Möglicherweise weiß niemand in Kanada, dass im vielleicht seltsamsten Privatmuseum Österreichs, der Sammlung Erwin Prauses im Weinviertler Dorf Kleinebersdorf, in einer speziellen Ausstellungseinheit ein junger kanadischer Soldat geehrt wird. Er saß in einem B24-Bomber der US Air Force, der am 12. März 1945 von einer deutschen Flak im nördlichen Weinviertel zum Absturz gebracht wurde. Das Pfeifenmundstück des Soldaten, die roten Socken, d...

Kampf dem Qualitätsjournalismus

Rauschers "Wir" und Szemelikers "Alle"

Wenn ich an Samstagen den „Standard“ aus einer öffentliche Tasche fladere, und wenn ich dann auch noch Zeit habe, ihn durchzulesen, durchzuckt mich jedes Mal ein wie von Karl Kraus gesandter Imperativ: Kontrolliert die MeinungsmacherInnen! An Ideen dazu mangelt´s ja nicht: wir könnten diesen Blog als Raum für Medienbeobachtung und für die Auseinandersetzung mit den alltäglichen Lügen der Medien nutzen; wir könnten eine ständige Rubri...

Kurs-Trägerverein plant Klage

AMS schloss Sprachkurs für Migrantinnen wegen "Substandard"

Das siebente Jahr seiner Existenz ist das schwärzeste Jahre des Vereins „Zentrum Döbling“. Dabei hatte das sechste Jahr so vielversprechend geendet: Im Dezember 2007 war das AMS an den auf Fremdsprachenvermittlung spezialisierten Verein herangetreten, ob er nicht als Partner für seine „Integrationsinitiative Deutsch 08“ zu Verfügung stünde. „Zentrum Döbling“ stand zur Verfügung: Schon am 14. Jänner 2008 startete, im Auftrag d...

Kunst seziert Wirklichkeit

3Raum-Anatomietheater: Hubsi Kramar hilft der "obdachlosen" Theaterszene

Das wichtigste Theaterstück von Alberto Moravia ist ohne Zweifel das 1968 geschriebene „Il dio Kurt“ („Der Gott Kurt“).“ Für manche KritikerInnen ist es d i e Ödipustragödie der modernen Zeit. Saul, ein jüdischer Auschwitz-Häftling, wird zur Ödipus-Rolle gezwungen. Dass der Wiener Theatermacher Hubsi Kramar die seit vier Jahrzehnten überfällige deutschsprachige Erstaufführung dieses großen Wurfs von Weltliteratur realisierte...

Brausebäder, Lakritzengläser, Halskrawatten

Mit der geborgten Hasselblad flanierte R. Niedermeyer durch "mein Wien"

Zeugnisse eines Verlustprozesses, die Schauplätze vor ihrer Zu-Tode-Modernisierung, der Zustand vor dem Verlöschen der für wertlos erklärten städtischen „Altlasten“ vor dem Hintergrund der Angleichung der Weltstädte in der Ästhethik des Neoliberalismus – das Thema vergangener und zukünftiger Fotoreportagen im Augustin ist auch jenes von Ronnie Niedermeyer. Mit einer ausgeliehenen Hasselblad unterwegs, hat der Wienbeobachter die Suj...

Erinnern Sie sich an das Schneechaos?

„Osteuropäer verursachen Schneechaos“, diese Botschaft macht im vergangenen November die Runde, verbreitet von Klatschmedien und Politikern aller Coleurs. „Kronen Zeitungs“-Ostfrontberichterstatter Gregor Brandl läuft zu seiner Hochform auf: „Tausende Lenker stundenlang im Schneesturm gefangen, weinende Kinder und Kälte – der Schrecken rund um das Schneechaos vorletzte Woche auf der Außenringautobahn in Niederösterreich steckt...

Die Unterschicht, die Musil liest

Die sozialen Kategorien und die Selbstdegradierung der Menschen

Wer gerne sammelt, könnte uns einmal den Gefallen tun, die journalistischen Begriffe für den größer werdenden Rand der Gesellschaft – bzw. für die Menschen, für die der Augustin als soziales Projekt gegründet wurde – zu sammeln, die in der Geschichte dieses Blattes verwendet wurden. Neben poetischen Wörtern wie Gestrandete und Erniedrigte (ich kann mich sogar an eine Anleihe bei Frantz Fanon erinnern: Die Verdammten dieser Erde) kame...

Klub der Problem-Pinkler

Nach John Irving kriegt auch Thomas Bernhard sein Pissoir

Den Pissoirs im Haus der Volkshochschule Hietzing fehlten die üblichen Männerbotschaften an den Wänden. Wiener Häusl-Graffiti-Forscher wie Northoff und Siegl hassen solche Blanko-Flächen. Kein Wunder, dass die Männerklowände in „seinem“ Hause unberührt bleiben, sagt Robert Streibel, VHS-Leiter. Die institutionalisierte Erwachsenenbildung ziehe nämlich vor allem Frauen an. Vor einigen Wochen hat der Herr Direktor selber d...

Gemeindewohnungsvergabe: 5 Jahre Leben auf der Straße sind ...

... "kein anrechenbarer Umstand"

Attila M., 47 Jahre alt, Augustinverkäufer vor der Volkstheaterpassage, lebt nach der dritten Scheidung seit fünf Jahren auf der Straße. Eine Bucht in der Lobau oder die Toilette eines türkischen Copa-Kagrana-Wirten auf der Donauinsel waren seine „Adressen“, der Schlafsack sein „Dach überm Kopf“. Zur Zeit übernachtet er in der längst winterlich überfüllten „Gruft“ unter der Mariahilfer Kirche. Aus Platzmangel schläft er sit...

In einer Weltstadt ist es wurscht, ob man sich anpasst oder nicht

Die kronenzeitungsförmigen Instanzen der Volkspädagogik belehren uns, dass der Unwille von Minderheits-Vertetern, sich an die Mehrheitsgesellschaften anzupassen, zu den größten Sünden zähle. Muslime, die unter ihresgleichen bleiben, und die sprichwörtliche türkische (kinderreiche) Gastarbeitergattin, die seit 20 Jahren in Wien lebe und kein deutsches Wort kenne, sind bekannte Klischees, die die Xenophopie der Gesellschaft teils widerspieg...

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