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Autor/in: Robert Sommer Seite: 1 2 3 4

Augustin 312 - 01/2012

Ein Märchen aus Südtirol

article_1879_aug_312_cover_120.jpg In Bozen, der Stadt meiner Herkunft, ist etwas passiert, was euch interessieren sollte, meinte die ehemalige Augustin-Mitarbeiterin Elisabeth Malleier. Und machte uns auf das Schicksal des Bozener Originals Giovanni Valentin aufmerksam, in ganz Südtirol als «Hansele» bekannt.

Augustin 311 - 12/2011

MAGMAG MAG uns eben nicht

article_1869_aug_311_cover_120.jpg Manchmal wünschen sich die Augustin-Macher_innen klammheimlich, mehr Macht in dieser Stadt zu haben. Dann träumen sie von der Augustin-Schlagzeile «Boykottiert das Weihnachtsdorf!», und davon, dass am Tag nach dem Erscheinen dieser Schlagzeile der Christkindlmarkt im Alten AKH tatsächlich menschenleer ist.

Auch Plätze mit Märkten sind öffentlich!

Advent in Wien: Christliche Umsätze statt christliche Grundsätze

article_1867_310_tun_christkindl5_2_120.jpg Zwei Dutzend Augustin-Verkäufer_innen demonstrierten am 19. Oktober durch die zentralen Wiener Adventmärkte am Rathausplatz und Maria-Theresien-Platz, und mehr als 200 Unterstützer_innen schlossen sich ihnen an. Das Verbot des Augustin-Straßenverkaufs (einen Tag vor der Demo aufgehoben) und des Verkaufs anderer Straßenzeitungen war Anlass des Protestes. Auch die Aufhebung des Bettelverbots wurde gefordert. In den Wochen vor dem allerheiligst...

Augustin 309 - 12/2011

Glasnost, diesmal von unten

article_1848_aug_309_cover_120.jpg Glasnost ist das russische Wort für Transparenz – an dieser zerbrach das breschnjewsche System, ein Lügengebäude, das so lange nur durch die Abwesenheit von Transparenz halbwegs standfest war. In Österreich kommt Glasnost nicht von oben (von einem Gorbi-Pendant), sondern von unten. Respect.net, eine Plattform, die Menschen mit sozialen Ideen zusammenbringt mit Menschen, die das Geld haben, um die Umsetzung solcher Ideen zu fördern, ist nun...

Augustin 308 - 11/2011

Bernhardsche Verkrümmungen

article_1838_aug_308_cover_120.jpg Gut, dass NEID für uns Intergalaktiker_innen ein germanisches Fremdwort ist. Vielleicht würden wir andernfalls vor lauter Neid zerplatzen, wenn wir sehen, wie viele Leser_innenreaktionen ein halbwegs interessanter Text im Online-Standard auslöst. Zum Beispiel Herrmann Sussitz' Bericht von der AUGUSTIN-Pressekonferenz über die Raiffeisen-Dokumentation von AUGUSTIN TV und über die Endlos-Serie zur nicht ganz koscheren Monopolmacht Raiffeisens...

Augustin 306 - 10/2011

Slowakischer Parallel-Augustin?

article_1819_aug_306_cover_120.jpg Turbulent, diese letzte Septemberwoche. Die Polizei bestätigt einen Bericht der «Niederösterreichischen Nachrichten» (NÖN), wonach in der Slowakei nicht nur Ausweise für Augustin-Verkäufer_innen, sondern auch die Zeitung selbst gefälscht werde. Jemand soll gestanden haben, dass der nachgemachte Augustin um zehn Cent pro Stück zu haben ist. Damit könne die Straßenzeitung mit dem ausgewiesenen Verkaufspreis von 2,50 Euro mit einer verloc...

Gedanken zum «Wandertag»

Das Hanf-Verbot kann nicht funktionieren – es sei denn, Ausschließung ist erwünscht

Drogenprohibition ist vermutlich das quantitativ erfolgreichste Instrument, um «zuverlässigen» Nachschub für den sozialen Rand zu sichern. Zehntausende Menschen mit Vorstrafen nach Drogendelikten wären noch unbescholten (und «am Markt» entsprechend chancenreicher), wenn der Drogenkonsum nicht zu den Verbrechen zählte. Einmal mehr versucht eine NGO, die für die Legalisierung von Cannabis eintritt, mit einem Wiener «Hanf-Wandertag» am 1....

Augustin 305 - 10/2011

Das Recht geht von dir und mir aus

article_1808_aug_305_cover_120.jpg Inspiriert durch die verfassungsgebende Versammlung in Island und den modellhaften basisdemokratischen und völlig transparenten Verlauf der Debatte, die zum Entwurf einer neuen isländischen Verfassung führte (es ist eigentlich die erste, weil die bestehende bloß eine Kopie der dänischen ist), traue ich mich, ebenfalls Vorschläge für eine Verfassung zu machen. Für die österreichische.

Augustin 303 - 09/2011

Zundgeld, Joints, Sofiensäle...

article_1778_cover303_120.jpg Wenn mir fad ist, und das kommt jedes Jahrzehnt einmal vor, stöbere ich in Parlamentsprotokollen. Beim Studium der Budgetdebatte im Parlament, 3. Dezember 1980, stieß ich auf den Begriff des Zundgeldes. Das ist das Geld, das die Polizei für heiße Tipps in der Rauschgiftszene braucht. Die ÖVP regte sich mächtig über die Sparpolitik in Angelegenheit des Zundgeldes auf. Hier zum Beispiel die Ausführungen des Nationalratsabgeordneten Lichal:...

Augustin 302 - 08/2011

Rettungsparodie namens «Rettungspaket»

article_1772_cover302_120.jpg Glauben wir den Hooligans des Neoliberalismus, dann ist es das griechische Volk, das Europa den Krieg erklärt hat. Jahrelang haben es sich die griechischen Pensionisten in Nizza und Kitzbühel gut gehen lassen, und jetzt weigern sie sich, den Gürtel enger zu schnallen, was ihnen so schwer doch nicht fallen dürfte, da sie es ohnedies gewohnt sind, mit weniger als 600 Euro auszukommen. Mit ihrer Weigerung, sich zu Tode zu sparen, attackieren die...

Unser Gelächter wird euch begraben

Dario Fo in der Provinz: viel Applaus im Stift für den Feind der Stifte

article_1767_art-dariofo2©lukaslöcke_120.jpg Emina Eppensteiner ist Hure, Totengräberin, Klosterschwester, Landvermesserin. Merten Gareiss ist Staatssekretär, Patient der geschlossenen Psychiatrie, Dieb, Minister, Arzt. Die jeweils letztgenannte Profession ist die reale. Alles andere sind Rollen. Auch die anderen Mitglieder der Theater-Spiel-Gruppe-Lilien-Feld, zusammen mehr als ein Dutzend, sind Laiinnen und Laien. Mit der mehrmaligen Aufführung des Dario-Fo-Stücks «Siebentens: Stiehl...

Glorit erobert Riviera der Armen

Über Stiftsgründe, Seegründe und gute Gründe, mit dem Widerstand zu beginnen

Am liebsten würden Immobilienhaie naturgemäß auf der Donauinsel investieren. Für das gestopfte Klientel nicht nur «Wohnen am Wasser», sondern sogar «Wohnen auf der Insel» anzubieten, wär´ das Nonplusultra immobilienkapitalistischer Träume.

Augustin 300 - 06/2011

Gemma Monopole auflösen

article_1750_cover300_120.jpg Sollte es in Österreich in nächster Zeit zu einer Revolution kommen, dann könnte es sein, dass sich ihr als erstes Teilchen der SPÖ die Sektion 8 der Alsergrunder Sozialdemokrat_innen anschließt. «Sektionen» nennen sich die Basisgruppen der SPÖ. Meistens der jeweiligen SP-Spitze huldigend, siechen sie dahin; die Sektion 8 aber sieht sich mehr als NGO innerhalb der Sozialdemokratie. Deshalb lebt sie. Ihr Sprecher Niki Kowall ist nicht ohne...

Lisl Ponger spielt Revolte

Vorschläge zur Hinterfragung des Geistes der Biennale von Venedig

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Drei Fotos, drei Gruppen von «Aufständischen». Noch ist ihr Triumph, ihr Protest im prallen Zustand der Würde, von einer Fotokünstlerin inszeniert. Ein Vorschlag von Lisl Ponger für die Biennale in Venedig, derzeit in Linz zu sehen. Drei Fotos, drei Fragen: Wer vertritt Österreich in Venedig? Warum sollte eine Künstlerin eine Nation vertreten? Wann werden in Venedig die nationalen Pavillons zu Commons erklärt?


Grindig? Abgelaufen? Verschimmelt?

Vinzi-Markt-Leiterin wehrt sich gegen Vorwürfe

2013 wird der 20. Geburtstag des Grazer VinziDorfes gefeiert, die bekannteste Obdachlosen-Einrichtung der christlichen Vinzenzgemeinschaft und ihres charismatischen Pfarrers Wolfgang Pucher. Sein persönlicher Einsatz im Kampf gegen das steirische Totalverbot des Bettelns hat die Menge seiner Bewunderer weiter vergrößert. Inzwischen zählen auch Sozialmärkte zum «Sozialimperium» der Gemeinschaft. Hier scheint die Bewunderung nicht ganz so un...

Augustin 298 - 05/2011

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?

article_1730_cover298_120.png Die Griechen haben Probleme. Aber warum? Weil sie nicht genügend arbeiten. Und warum arbeiten sie nicht genügend? Weil sie ein gutes Klima, gute Musik und guten Wein haben. Das ist noch eine relativ freundliche Variante der von den Medien erzeugten und verstärkten Vorurteile gegen die Menschen in Griechenland. Der Einstieg stimmt auch, wenn man die Griechen durch die Portugiesen ersetzt. Obwohl vielleicht die portugiesische Musik für die Lese...

Graz ist anders. Hoc est verum.

Sein letztes schriftliches Zeugnis hat Martin Luther einen Tag vor seinem Tod geschrieben. Die letzten Worte dieses Zettels heißen: «Wir sind Bettler. Hoc est verum (Das ist wahr).» Dieselbe Einsichtigkeit wird jenen zwei Dutzend KünstlerInnen zugeschrieben, die sich am Widerstand der Kunst gegen das steirische Bettelverbot beteiligten. Ihr «Wir sind Bettler» klingt jedoch kämpferischer als das lutherische.

Augustin 297 - 05/2011

Ein Bierlokal weniger …

article_1721_cover297_120.jpg Eine Facebook-Gruppe ruft zum Boykott des bekannten Bierlokals «Stiegl-Ambulanz» im Alten AKH auf. Die Gründe dafür waren im Online-«Standard» vom 28. April zu lesen. Der 30-jährige Unternehmensberater Andreas Marek, bis zu diesem Zeitpunkt Stammgast des Lokals mit dem riesigen Schanigarten, hatte dem «Standard» seine Geschichte erzählt. Die Hauptfiguren sind ein Augustin-Verkäufer, der aus Solidarität mit seinen Salzburger KollegInne...

Augustin 296 - 04/2011

LEXIKON DER GUTEN HOFFNUNG

article_1712_cover296_120.jpg CANNABIS-VOLKSENTSCHEID (Seite12) Kalifornien ist ewiger Vorreiter in Fragen der Entkriminalisierung von Cannabis-BenützerInnen. 1996 wurde hier erstmals in den USA Marihuana für medizinische Zwecke legalisiert, dem folgten 13 weitere US-Staaten. Was die generelle Legalisierung betrifft, ist der US-Bundesstaat in zwei etwa gleich große Lager gespalten. 57 Prozent der WählerInnen sprachen sich in einem Volksentscheid vor fünf Monaten gegen d...

Das Lied ist eine Waffe

Gruppen wie Homens Da Luta oder Deolinda rütteln die «Verlorene Generation» auf

article_1709_portugal_120.jpg In Portugal macht sich wieder einmal eine revolutionäre Stimmung breit, zum ersten Mal seit der «Nelkenrevolution» des Jahres 1974, an der der Faschismus krepierte. MusikerInnen haben im aktuellen Aufstand gegen einen extremen Sparkurs, den die Merkelbande dem Land aufzwingen will, einen Einfluss, von dem die Gebrüder Marx (mit dem Song «Hättma kenntma mochma oba ned» Sieger des Protestsongcontests 2011 im Rabenhof Theater) nicht einmal tr...

Von politischen & botanischen Unkräutern

Wiens Surrealismusversorger mit langen Atem: Reinhold Posch

article_1707_buchhandlung2_120.jpg Man müsse die Toten befragen, bis sie hergeben, «was an Zukunft mit ihnen begraben wurde», sagte Heiner Müller, ein seit 1995 toter Dramatiker. Alle diese Toten geben uns möglicherweise mehr Antidepressiva als irgendwelche Lebenden. In der Lerchenfelder Straße 91–93 führt der von der Biologie kommende Weltbürger Reinhold Posch eine der liebenswürdigsten Buchhandlungen der Welt; mehr als vier Kunden, und es wird eng zwischen den Werken ...

Augustin 295 - 04/2011

Lady Gaga & die Verlorene Generation

article_1701_cover295_120.jpg Im Internet kursiert eine Liste über das Internet. Diese enthält absolute Zahlen, für die unsere Vorstellungskraft zu mickrig ist, auch für jene unter uns, die über die zehn Finger unserer Hände hinaus denken können. Und sie enthält Prozentangaben, mit denen wir was anfangen können – und die gerade deshalb Staunen bis Schock auslösen. Man beachte: 1,97 Milliarden Menschen nutzen das Internet – 28,4 Prozent der Weltbevölkerung....

Augustin 294 - 03/2011

Japan ist (k)ein Thema

article_1696_cover294_120.jpg Verschwörungstheoretisch war es eine reife Leistung, als nach dem Erdbeben in Haiti die Legende aufkam, die Katastrophe sei durch künstliche Beben, ferngesteuert aus den USA, ausgelöst worden. Nämlich zum Zweck, danach «Aufbauhilfe» zu leisten, die erfahrungsgemäß Profite für die westlichen «Helfer» bringe. Der vermeintlich reale Kern dieser Haiti-Legende ist das Phänomen, dass Katastrophen vor allem die Menschen der armen Zonen der E...

Augustin 293 - 03/2011

Wohin mit der Würde des Bettlerstandes?

article_1687_cover293_120.jpg «Es drängen sich neuerdings Gestalten an die Oberfläche der Verarmung, gegen die rechtzeitig und mit allem Nachdruck protestiert werden muss. Der Schreiber dieser Zeilen, seit über dreißig Jahren am Wiener Platz als Schnorrer tätig und in dieser Branche durch rastlose Mühe und ein wohlfundiertes Kapital an Geldbedürfnis groß geworden, sieht sich plötzlich mit einer Sorte neuer Armer in einer Gesellschaft vereint, die durch nichts zu ihr...

Der letzte Franziskus

Pfarrer Pucher: Totales Bettelverbot ist verfassungswidrig

Am Tag des Erscheinens dieser Augustin-Ausgabe tagte in der Steiermark der Unterausschuss des Landtages für Daseinsvorsorge. Dort sollte (falls der Terminplan des Landtags nicht modifiziert wurde) eine Novelle zum steiermärkischen Landes-Sicherheitsgesetz beschlossen worden sein, wonach jede Form von Bettelei an öffentlichen Orten als Verwaltungsübertretung bestraft wird.


Die Narren und die Pfarrer(sfrauen)

Die Ankündigung einer Faschingssitzung der «Obersdorfer Faschingsgilde», die am 27. Jänner im Volksheim der niederösterreichischen Kleinstadt Herzogenburg über die Bühne ging, hatte mein laienethnologisches Interesse erweckt. Faschingsumzüge waren mir, dem aus der Provinz Zugewanderten, vertraut, aber den Fasching in Form von Gilden-Sitzungen assoziierte ich mit dem deutschen Karneval.

Augustin 292 - 02/2011

Das dienerische Wesen des Wienerischen

article_1665_cover_292_120.jpg «Auf Schwarzfahren in Öffis droht Haft», las man kürzlich in einem «Standard»-Bericht über bevorstehende schärfere Gesetze, mit denen die griechische Regierung auf die rasch anwachsende «Ich zahle nicht»-Bewegung reagiert. Nichts gegen den Befund, in Griechenland vereise das soziale Klima! Doch dass irgendwo die Haft bloß «drohe», entlockt den Augustin-VerkäuferInnen ein müdes Lächeln. Manche von ihnen kennen, weil sie schwarzfahr...

Augustin 291 - 02/2011

Wenn das Geschäft nicht läuft, schlagen die Bettler zu

article_1651_cover291_120.jpg «Wie Gott, so lebt auch die Wirtschaft spartanisch, Letztere in einer Kammer, der Wirtschaftskammer, angesiedelt an einem Wirtschaftsstandort, der zum Wallfahrtsort verklärt wird. Die Bevölkerung wird zum Wirtschaftswehrdienst verpflichtet, wobei man sich nicht aussuchen kann, wie man der Wirtschaft am besten dient, ob als aktiver, in Arbeit stehender Kämpfer oder passiv, als Arbeitsloser; oder als jemand, der in Teilzeitarbeit, Kurzarbeit, L...

Hoch die Mehrfachidentitäten

Eine kleine Fred-Sinowatz-Hommage im Bruno-Kreisky-Jahr

article_1644_sinowatz_120.jpg Drei Politiker-Grundmuster könne man unterscheiden: Intellektuelle, Urgesteine und Technokraten. Ich erinnere mich, dieses Schema in einem «Wiener Zeitung»-Essay gelesen zu haben, wo auch festgestellt wurde, dass man mit Intellektuellen in der Regel keine Wahlen gewinnen könne und dass Bruno Kreisky als die große Ausnahme dieser Regel galt.

Augustin 290 - 01/2011

Opernball ohne Antagonisten?

article_1642_cover290_120.jpg Der Opernball findet zwar erst am 3. März statt, aber die Anfragen häufen sich: Gibt’s heuer wieder den Gegenball des Augustin? Ein Bündel von sachlichen (materiellen) und «philosophischen» Gründen macht die Antwort negativ. Die einzigartige Mischung von Durchschnittsmenschen und Freaks, Fremdlingen und Aborigines mit ihrem Meidlinger L machte die sogenannten «Opferbälle» zu Wallfahrtstätten der nach der Seele der Stadt Suchenden....

Augustin 289 - 01/2011

Österreich isst und ist …

article_1632_cover289_120.jpg Fred I. ist langjähriger Zeitungsverkäufer beim Augustin. Er kommt aus Nigeria, wie die meisten seiner schwarzen KollegInnen. Ich erwähne die Hautfarbe an dieser Stelle nicht, weil sie noch irgendeine besondere Rolle spielte in der informellen Hierarchie der Augustin-KolporteurInnen. Offensichtlich spielt sie noch eine Rolle für die beamteten Bewahrer der sicheren Straßen in Wien. Fred I. nahm am 11. Dezember in einem netten Lokal im Stuwerv...

Augustin 288 - 12/2010

Nutzt euch wer aus?

article_1623_cover288_120.jpg Hallo liebes Vertriebsteam vom Augustin, ich war gestern mit einer Gruppe von Freunden am Spittelberger Christkindlmarkt. Dort gingen einige Leute den Augustin verkaufen, so weit, so gut. Ein Kumpel von mir hat einem der Augustinverkäufer das Geld gegeben – und der ist einfach weglaufen, ohne das eine Exemplar zu übergeben. Ist das eure neue Vorgehensweise? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der zu euch gehört. Was uns – dadurch alarmiert...

Augustin 287 - 12/2010

Es gibt keine Alternative zur Alternative

article_1614_cover287_120.jpg «Stückweise kommt es an den Tag: Diese Budgetmaßnahmen sind großteils undurchdacht.» Die «beinharte» Kritik an der Einsparungsorgie der österreichischen Regierung stammt von «Standard»-Vordenker Hans Rauscher. Auch auf die Gefahr, dass er sein Augustin-Klischee («altlinkes Zeitungsprojekt») bestätigt sieht: Man sollte dem Kollegen vom Qualitätsjournalismus ausrichten, dass die Budgetmaßnahmen großteils sehr wohl durchdacht sind.

Augustin 286 - 11/2010

Pöchhacklerregelung abschaffen

article_1606_cover286_120.jpg Zeig mir die großen Bahnhöfe, und ich sage dir, ob die Städte noch frei genug sind, um sich um die Menschen zu sorgen, oder ob sie schon ganz im Griff des großen Geldes sind. Die Stuttgarter Bevölkerung scheint begriffen zu haben, dass der Wechsel der Bahnhofskultur gewissermaßen ein Indikator ist. Der Mönchengladbacher Wirtschaftswissenschafter Tim Engartner schrieb: «Auf dem Weg der Bundes- zur Börsenbahn büßen Bahnhöfe ihren Charak...

Die Mündel der Henriette

Kein Besuchsrecht, kein Gastrecht, kein Sexrecht, kein Recht, sich zu separieren

article_1600_hausordnung_120.jpg Erich Mühsam, der klügste deutsche Anarchist des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts, gelangte zu einer Erkenntnis, mit der er seiner Zeit auf geniale Weise voraus war: die Humanität einer Gesellschaft (sinngemäß zitiert) erkenne man daran, wie in den Gefängnissen mit den sexuellen Bedürfnissen der Gefangenen umgegangen wird. Fast hundert Jahre später ist dieses wichtige Kriterium der Lebensqualität selbst in jenen Institutionen tabu, i...

Augustin 285 - 11/2010

Hausordnung und Wegweiserecht

article_1598_cover285_120.jpg Vorliegende Ausgabe liest sich streckenweise wie die „Gewerkschaftszeitung“ der Subalternen. Wir studierten die Hausordnungen von Obdachlosenheimen und staunen über das Niveau von Entwürdigung und Entrechtung, das sich in diesen ausdrückt (Seite 10); wir dokumentieren eine konkrete Anwendung es Wegweiserechts nach dem Wiener Landessicherheitsgesetz, das unserer Meinung nach ersatzlos abgeschafft werden muss, weil es einseitig den Ärmsten ...

Selektives Come Home Movement

Fast alle Abschiebungen nach wie vor im Schatten medialer Aufmerksamkeit

Komani Come Home, dieser Imperativ ist in Österreich inzwischen sehr populär geworden. Speziell in der oberösterreichischen Stadt Steyr, wo die beiden in den Kosovo abgeschobenen Mädchen Daniella und Dorentina Komani lebten, hat der zivile Widerstand alle sozialen Schichten und alle politischen «Lager» erfasst: eine Art Stuttgarter Klima ist wahrzunehmen. Hier ist der Unternehmer Erich Schlagitweit zum Protagonisten der Heimholaktion geword...

Augustin 284 - 10/2010

Die Kinder sind die Blätter

article_1586_cover284_120.jpg «Die ÖVP will die Familie als Keimzelle der Gesellschaft besonders fördern. Die Familie ist wie ein Baum: Die Wurzeln sind die Großeltern, der Stamm die Eltern und die Kinder sind die Blätter. Die Familie ist die erste Sozialisations- und Erziehungsinstanz, in der Individualität, Gemeinsinn und Werthaltungen vermittelt werden. Die Ehe und die Familie sind als die engsten persönlichen Lebensgemeinschaften jener Ort, an dem das Leben der Men...

Augustin 283 - 10/2010

Die Ostler (u.a.) sind die Unsrigen

article_1577_cover283_120.jpg «Augustin? Hab vor Jahren ein paar gekauft. In letzter Zeit sind nur mehr Ostler zu sehen. Hab also darauf verzichtet. Die sollen lieber daheim betteln.» Nicht alle verstehen das Anliegen des Augustin-Projekts, wie dieser Kommentar auf der ORF-Wien-Website bestätigt. Sein Verfasser kann nicht wissen, dass die «Ostler», die seinen Ekel erregen, «daheim» nicht einmal mit einem Arbeitslohn überleben könnten, geschweige denn durch Betteln. ...

Und morgen auch für die Parkbank?

Jetzt müssen "SandlerInnen" auch noch Mieten fürs nächtliche Notbett zahlen

article_1575_notbetten_120.jpg Neben den StudentInnnen, die eine neue Runde des «audimaxistischen» Aufstandes angekündigt haben, weil ihre Lage im Vergleich zum Vorjahr noch schlechter geworden ist, haben auch die SozialarbeiterInnen Wiens allen Grund, dem Sozialabbau-Regime einen heißen Herbst zu bereiten. Die für die Wohnungslosenhilfe zuständige Gesellschaft «Fonds Soziales Wien» (FSW) – vom Magistrat formell ausgegliedert, aber auf Gemeindekosten agierend – ver...

Augustin 282 - 09/2010

Nimm drei und zahl die Hälfte

article_1571_cover282_120.jpg Ich vertraue dem Verantwortlichen der beiden Magazinseiten des Kulturteils im Augustin. Als mein Kollege also die Tirana-Ausstellung im Ringturm-Erdgeschoß (ging am 17. September zu Ende) empfahl, schrieb ich umgehend «Tirana!» in einen der seltenen terminarmen Oasen meines Kalenders. Ich ging dann wirklich hin. Mich störte, dass den vielen Fotos kaum erklärende Texte beigefügt waren. Es war eine der Ausstellungen, die wie dazu gemacht ersc...

Wenn Marjah eine Stadt ist, ist Grammatneusiedl New York

Ein humanitärer Krieg muss gut vorbereitet sein. Wenn wir auf die Welt kommen, wissen wir lange nichts. Zum ersten Wissen zählt, dass Krieg und Humanität nicht zusammen passen. Das wussten wir, bevor wir die Worte dafür aussprechen konnten wie die Erwachsenen. Dieses Wissen wird man uns austreiben wollen. Denn es lässt uns erkennen, dass der kreuzzughafte Krieg, den wir, also die westlichen Leute, derzeit führen, zwar die Burka in Verruf br...

Wohin aber mit dem Wahnsinn?

Mit dem 500-Schilling-Schein hätte auch gleich die Psychiatrie verschwinden müssen

article_1564_jauregg©oenb_120.jpg Dass eine öffentliche Ader in Wien, und sei es auch nur ein unbedeutender Weg im 14. Bezirk, nach dem Rassenhygieniker Wagner-Jauregg benannt ist, kann als Signal verstanden werden: Auch in dieser Stadt wird, wie fast überall sonst, die alte Psychiatrie betrieben. Zwar in liberalisierter, modernisierter Form, aber im Grunde als Fortsetzung der Technik des Ausschlusses «ökonomie-unverträglicher» Menschen.

Augustin 281 - 09/2010

Antipsychiatrischer Drall

article_1560_cover281_120.jpg Oskar Panizza, seinerzeit der größte Querdenker deutscher Sprache, hat bereits 1898 die „psychiatrische Wissenschaft» als entlarvt abgetan – entlarvt als eine Fabrikationsstätte immer neuer Krankheiten und Diagnosen und als ein System, das weniger den vermeintlich Wahnsinnigen helfe, als vielmehr den Herstellern von Tabletten und den Bewahrern überkommener gesellschaftlicher Verhältnisse: Letzteren werde mit der Psychiatrie ein Instrume...

Fonds der Sozialen Kälte am Werk

Und jetzt der Beitrag der Wirtschaftskammer zum Arme-Leute-Denunzieren

Sie wollen ein konkretes Zeichen setzen gegen die Ausbreitung sozialer Kälte in Wien? Ein Vorschlag: Boykottieren Sie Geschäfte, die in diesen Tagen ihre Auslagen mit violetten Plakaten «dekorieren», auf denen Sie davor gewarnt werden, Bettler zu unterstützen. Die Wirtschaftskammer-Kampagne «Helfen ist wichtig – Aber tun Sie’s richtig» stellt für die junge Menschenrechts-NGO BettelLobbyWien einen Beitrag zur Abstempelung des Bettelns ...

Weitermachen, wo Pelé begann

Der Augustin wird den Fußball, der Fußball wird die Welt nicht ändern. Oder doch?

article_1556_fußball_280_120.jpg Der Augustin lädt zum Fußball-Cup. Zehn Hobby-Teams, soziologisch das Spektrum zwischen Dichtern und Obdachlosen ausfüllend (also eigentlich ein enges Spektrum), wetteifern um den Augustin-Pokal. In der internen Debatte über den Charakter des Fußballfestes feierte das abgehakt geglaubte Zerwürfnis zwischen Realos und Fundis fröhliche Urständ.

Augustin 280 - 08/2010

Den Dingen nicht dienen, an die wir nicht glauben können

article_1552_cover280_120.jpg Ich ersuche Sie, dieses Statement von Bischof Andreas Laun nach der Katastrophe von Duisburg (Quelle: kath.net) entspannt und in Ruhe zu lesen: Loveparade und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde! (…) Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erschein...

Augustin 279 - 08/2010

Wir haben Geburtstag. Schenkt uns Lieder.

article_1546_cover279_120.jpg Seit 15 Jahren kann der Augustin – dank seiner VerkäuferInnen und LeserInnen – im rauhen Wind auf Wiens Straßen bestehen. Nach bald 300 Zeitungsausgaben, über 1000 Radiosendungen, 10 Jahren Stimmgewitter Augustin, 5 Jahren Augustin TV und rund 3.600 Menschen, die über die Jahre hinweg den Augustin verkauft haben, freuen wir uns über Geschenke!

Können Surrealisten regieren?

Island in der Krise: eine zornige Gesellschaft und ein Freund und Feind verblüffendes Wahlresultat

article_1537_island_120.jpg «Eines unserer Hauptthemen war: Adoptieren Sie einen Obdachlosen! Die Menschen haben gesagt, das sei ein furchtbarer und unmenschlicher Witz – aber das war es nicht. Warum kümmert sich niemand um die Obdachlosen? Das ist ein Fehler des Systems. Nachdem wir das erklärt haben, haben die Menschen gemerkt, dass wir Ironie und Witz benutzt haben, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Und das war unser Hauptziel.»

Augustin 278 - 07/2010

Wien muss Reykjavik werden, aber voller Zogajs

article_1535_cover278_120.jpg Einer der schärfsten Kritiker des österreichischen Asylrechts ist Rechtsanwalt Lennart Binder. Die Situation sei unerträglich geworden, sagt er in einem Interview mit Kerstin Kellermann (Seite 14). Empörend sei, dass der Asylgerichtshof sich nicht wie ein oberstes Gericht benehme, sondern Polizeiverhöre durchführe, und dass er prinzipiell davon ausgehe, dass Asylbewerber lügen.

Aktuelle Ausgabe

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