Weitermachen, wo Pelé begann
Der Augustin wird den Fußball, der Fußball wird die Welt nicht ändern. Oder doch?

Der Augustin lädt zum Fußball-Cup. Zehn Hobby-Teams, soziologisch das Spektrum zwischen Dichtern und Obdachlosen ausfüllend (also eigentlich ein enges Spektrum), wetteifern um den Augustin-Pokal. In der internen Debatte über den Charakter des Fußballfestes feierte das abgehakt geglaubte Zerwürfnis zwischen Realos und Fundis fröhliche Urständ.
Augustin 280 - 08/2010
Den Dingen nicht dienen, an die wir nicht glauben können

Ich ersuche Sie, dieses Statement von Bischof Andreas Laun nach der Katastrophe von Duisburg (Quelle: kath.net) entspannt und in Ruhe zu lesen:
Loveparade und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde! (…) Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erschein...
Augustin 279 - 08/2010
Wir haben Geburtstag. Schenkt uns Lieder.

Seit 15 Jahren kann der Augustin – dank seiner VerkäuferInnen und LeserInnen – im rauhen Wind auf Wiens Straßen bestehen. Nach bald 300 Zeitungsausgaben, über 1000 Radiosendungen, 10 Jahren Stimmgewitter Augustin, 5 Jahren Augustin TV und rund 3.600 Menschen, die über die Jahre hinweg den Augustin verkauft haben, freuen wir uns über Geschenke!
Wer schmiert, schafft an
Obama sollte die 77.000 Dollar, die er vom "Öl" bekam, den BP-Opfern überweisen

Laut Center for Responsive Politics hat der republikanische Politiker Joe Barton seit 1990 rund 1,4 Mio. Dollars von Lobbygruppen der Öl- und Gasindustrie erhalten. Damit bezog Barton 94 Prozent seiner Spenden aus dem Umfeld der Energiekonzerne – mehr als jeder andere Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Aus dem Umfeld von BP erhielt Barton im selben Zeitraum 27.350 Dollars, womit er auf Platz acht der Empfänger innerhalb des US-Kongresses lan...
Können Surrealisten regieren?
Island in der Krise: eine zornige Gesellschaft und ein Freund und Feind verblüffendes Wahlresultat

«Eines unserer Hauptthemen war: Adoptieren Sie einen Obdachlosen! Die Menschen haben gesagt, das sei ein furchtbarer und unmenschlicher Witz – aber das war es nicht. Warum kümmert sich niemand um die Obdachlosen? Das ist ein Fehler des Systems. Nachdem wir das erklärt haben, haben die Menschen gemerkt, dass wir Ironie und Witz benutzt haben, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Und das war unser Hauptziel.»
Augustin 278 - 07/2010
Wien muss Reykjavik werden, aber voller Zogajs

Einer der schärfsten Kritiker des österreichischen Asylrechts ist Rechtsanwalt Lennart Binder. Die Situation sei unerträglich geworden, sagt er in einem Interview mit Kerstin Kellermann (Seite 14). Empörend sei, dass der Asylgerichtshof sich nicht wie ein oberstes Gericht benehme, sondern Polizeiverhöre durchführe, und dass er prinzipiell davon ausgehe, dass Asylbewerber lügen.
Augustin 277 - 06/2010
Good News für Freunde des Schlaglochs

Unter den modernen Industriegesellschaften sind nicht die reichsten Gesellschaften die gesündesten, sondern diejenigen mit den geringsten Unterschieden zwischen Arm und Reich. Sagt der Londoner Epidemiologe Richard Wilkinson. Er richtet seine Neugier nicht nur auf die Gesundheits-Aspekte der Ungleichheit. «In Gesellschaften mit größerer Ungleichheit fällt besonders das Vertrauensniveau geringer aus», zitiert Wilkinson aktuelle Studien. Mens...
Ohne Muslime kein Europa
Das goldene Wienerherz und die hyperemotionale Islam-Debatte

Die meisten Medien unterscheiden nicht ausreichend zwischen Islam als Religion und Islamismus als politische Ideologie. Beim Thema Integration wird eher polarisiert und emotionalisiert als informiert. Das Internetportal Qantara bietet sich als Gegenlektüre an. Wenn auch zu befürchten ist, dass die «Mutter» der Brigittenauer MoscheegegnerInen, Hannelore Schuster, andere «Informationsquellen» vorzieht: Für die Auseinandersetzung mit der gras...
Augustin 276 - 06/2010
Alles wird teurer. Bloß der Augustin nicht?

Kolleginnen, die an den jüngsten internationalen Straßenzeitungstreffen teilnahmen, waren nicht wenig überrascht, als sie als Vertreterinnen eines in mehrfacher Hinsicht «modellhaften» Mediums dieses Typs begrüßt wurden. Die Aufmerksamkeit der KollegInnen aus aller Welt galt der Auflagenhöhe und der unüblich differenzierten Zusammensetzung der VerkäuferInnen. Mehr noch galt sie der Organisationskultur des Projekts Augustin: 15 Jahre lan...
Ein Übergang – aber wohin? Mit wem?
Holländische Künstlerinnen gründen Markt Akademie Naschmarkt (MAN)
Lucia Babina und Henriette Waal, zwei Künstlerinnen aus den Niederlanden, gründen die Markt Akademie Naschmarkt (MAN). Der polnische Künstler Pawel Althamer, Mitarbeiter der MA48 und KunststudentInnen laden MarktbesucherInnen ein, gemeinsam den Naschmarkt zu reinigen. Und in der Langen Nacht am Naschmarkt läutet das Stimmgewitter Augustin (als Vorgruppe von Ret Marut) lautstark seine Punk-Phase ein. «Im Paradiesgarten» nennt sich Wolfgang S...
Für eine City ohne Straßenkunst?
Vom Himmel stürzende Diabolos bedrohen TouristInnen und StadtbewohnerInnen!
Wann haben Sie den letzten Pflastermaler im Zentrum Wiens gesehen? Und wissen Sie, dass auch die Genies in Sachen Jonglage demnächst vielleicht aus dem Bild der Innenstadt gelöscht werden? Abraham Thill, unter dem Namen El Diabolero als Profi und Showmaster der Jongleurszene bekannt, will nach langjährigen Umtrieben von Stadt zu Stadt seinen Brotberuf, die Kunst des Diabolowerfens, in Wien ausüben. Hier lebt die Familie, hier lebt sein einjä...
Augustin 275 - 05/2010
Platz nehmen! Platznahmen benennen!

Ich hatte in Kempten zu tun. Was genau, wird spätestens auf Seite 30 klar. Zunächst möchte ich eine Kollateralwahrnehmung loswerden, eine Erfahrung abseits des Themas, das mich in dieser südwestbayrischen Provinzstadt interessierte. Kempten, so stellte sich heraus, ist keine Stenzel Town im Allgäu. Denn während meines Aufenthalts, wie um den Wiener Reporter zu beschämen, beschloss der so genannte Ordnungsausschuss im Kemptener Rathaus, das...
Bei uns Damen sind Sie sehr beliebt
Unerhörter Flirt im Geriatriezentrum Liesing

Diese Frau liegt im Sterben, denke ich mir. Den Einzug der beiden Clowns in das geräumige Vierbettzimmer der Pflegeanstalt hat die scheinbar nicht registriert. Dr. Edeltraud Kalawatzi tritt an die Seite der apathisch Liegenden. Als sie sich zum fahlen Gesicht der Frau hinabbeugt, erschrickt mich fast das Eindringen der Clownin in den Kokon eines Menschen, der nicht mehr ganz unserer Realität zuzugehören scheint.
Augustin 274 - 05/2010
Wir meinen es gebrochen ernst...

Vielleicht können Sie sich an die Cover-Illustration der vorvorigen Nummer erinnern. «Fat Princess“, die superdicke, weil gemästete Prinzessin, ist Figur eines von einer Amerikanerin entwickelten Strategy Video Games, das als Gegenmodell zu den maskulinen, an Killerinstinkte rührenden Military-Spielen konzipiert war. Aber ist nicht auch das Mästen eines Menschen (spielimmanent verfolgt dieses den Zweck, die Flucht der Prinzessin aus der Ge...
Wenn die Justiz versagt
Das Bankentribunal traf den Nerv der Zeit
Das Interesse der Menschen war überwältigend – das von Attac Deutschland veranstaltete «Bankentribunal» traf augenscheinlich einen Nerv. Die 800 Karten der Berliner Volksbühne, dem Ort der Veranstaltung, waren innerhalb kürzester Zeit verkauft, weitere 100 Videoplätze wurden nachträglich noch angeboten. Nahezu konstant waren 700 Computer eingeloggt, um die Veranstaltung im Livestream zu verfolgen; an vielen Orten organisierten kleinere ...
"Jetzt geht uns die Luft aus"
Das Viertel boomt, aber der Ort des Aufbruchs kämpft ums Überleben. Amerlinghaus schlägt Alarm

Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus ist der Rest beziehungsweise das Erbe der wilden 70er Jahre, als eine Besetzungsaktion ein Stadtviertel für das Baukapital interessant machte, das von der Stadt dem Verfallsprozess preisgegeben schien. Die Stadt aber schmückt sich mit den Federn des Spittelberg-Revitalisierung-Vorzeige-Modells und lässt das Kulturzentrum, für dessen Pionierrolle sie sich eigentlich bedanken müsste, sukzessive ver...
Augustin 273 - 04/2010
Outlaw Legends, Outlaw Visions

SCHANI BREITWIESER:
IRRE BIS WEISE NACHT,
IST WIRSCH, ABER EINE
SCHWEBE IRISIERT. AN
EISERN BAR WIE TISCH:
SIECHRAST(BIER + WEIN)
WAS IST, (I) EINBRECHER?
WIE IST EIN ERB=ARSCH?
WIE BIST(E) REIN? RASCH
REICH, BIST EIN AS?- WER,
ICH? STAR! WER? EIN SIEB!:
SCHANI BREITWIESER
STARB WIE EIN SCHREI!
Dieses Anagramm schickte uns Jakob Lediger als unbeantragte Draufgabe zu seinem ersten Porträt der kommenden Artikelfolge »Out...
Banlieues vertschüssen sich
In Clichy-sous-Bois, einer Gemeinde, die in ganz Europa in die Schlagzeilen geriet, als dort vor fünf Jahren die großen Jugendunruhen ausbrachen, leben laut offiziellen Angaben 9650 Wahlberechtigte. Bei den kürzlich erfolgten französischen Regionalwahlen gingen 6656 von ihnen nicht zu den Urnen. In Prozentzahlen: Fast 70 Prozent pfiffen auf ihr Wahlrecht.
Wenn nur mehr 30 Prozent der Menschen wählen gehen, kriegt das parlamentarisches System...
Würden Sie um 70 Cent pro Stunde jobben?
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden

Da staunten die Blauen, als die Roten die Initiative ergriffen, das Wiener Sicherheitsgesetz so zu ändern, dass die Polizei nunmehr praktisch jede Form von Betteln verhindern kann.
Augustin 272 - 04/2010
Städtewettbewerb: Bettlerheimschicken

«Die Anwesenheit auf dem Bürgersteig sitzender Menschen, die in Not geraten sind und an das Mitleid und an die Hilfsbereitschaft von Passanten appellieren, müsse von der Gemeinschaft jedenfalls in Zonen des öffentlichen Straßenverkehrs als eine Erscheinungsform des Zusammenlebens hingenommen werden und könne folglich nicht generell als ein sozial abträglicher und damit polizeiwidriger Zustand gewertet werden.» Legte man Ursula Stenzel, de...
Betteln im Club 2
> Beispiel Bettelverbots-Debatte: ORF drückt das Club 2-Format unter Stammtischniveau
> Moral und Emotion dominieren Diskussion im ORF
> Wo sind die ExpertInnen geblieben
Unruhe am Abstellgleis
Kampagne «Postler zur Polizei» ist eine Missgeburt

MitarbeiterInnen-Information der Fraktion sozialistischer Gewerkschaftler an die «freigesetzten» KollegInnen: Die Kampagne «Postler zur Polizei» ist eine große Chance! Nutzt sie! Nicht lange überlegen, ist die Devise, denn die «Schnellentscheider», so nennt die SP-Gewerkschaftsfraktion die Unnachdenklichen, erhalten eine Prämie von 10.000 Euro. «Die Mistelbacherprämie», ätzt ein Ex-Postler im Team der freien Augustin-MitarbeiterInnen...
Personalabbau bedroht Medienpluralismus
Wenn Marjah eine Stadt ist, ist Grammatneusiedl New York

Wer einen Krieg im Zeichen der «Humanität» führt, muss zuerst den Kampf um die öffentliche Meinung gewinnen. Die Gewinnchancen sind groß, weil dem militärisch-politisch-industriellen Komplex die Gegen-Player in Form von unabhängigen Medien zunehmend abhanden kommen. Das Märchen von der Stadt Marjah im Süden Afghanistans sagt einiges aus über die reale Situation der Publizistik – auch der österreichischen.
Augustin 271 - 03/2010
Es kommt darauf an, WAS verpfiffen wird

Whistleblower sind Verpfeifer. Der englische Begriff ist positiv besetzt. Er meint mutige Menschen, die als Insider Missstände aufdecken, zumeist anonym, um sich vor der Rache der Ertappten zu schützen. Hierzulande sind dieses Wort und seine positive Bedeutung ungebräuchlich. Menschen, die aus sozialem oder ökologischem Gewissen interne Informationen weitergeben, um die Öffentlichkeit über unsoziale oder umweltschädliche Machenschaften auf...
Sozis erlauben Jagd auf "Verwahrloste"

1939 begann das nationalsozialistisch verwaltete Wien mit dem Aufbau gigantischer Karteien im Rahmen der «Erbbiologischen Bestandsaufnahme». Neben Geisteskranken, Alkoholikern, allen Arten von «Asozialen» wurde die Kategorie der «Verwahrlosten» einschließlich aller lebenden Vorfahren und Nachkommen («Sippschaft») aufgenommen. In der Wiener Zentralkartei waren bis 1943 bereits 700.000 Personen erfasst, wie aus Materialien des Dokumentatio...
Der Mann mit dem Messer

Wie gefährlich ist der Wienerwald bei Nacht? Die Künstlerin Monika Kribusz gibt sich in einem Jahres-Experiment des Schlafens im Freien ihren unausweichlichen Phobien hin.
Die "Töchter" liessen Krankl unbewegt
Zu den Versuchen, die Hymne durch Textmodernisierungen zu retten

Der Rechtsstreit um die in die Bundeshymne eingeschmuggelten «Töchter» hat einen Lärm gemacht, in dem die Kunst-Guerilla-Aktion der Sängerin Tini Kainrath, die vor acht Jahren wegen eben dieser «Töchter» einen Ernst-Happel-Stadion-Skandal heraufbeschwor, beinahe ungehört blieb.
Augustin 270 - 03/2010
Omofumas Lieblingsbürgermeister

Keine sehr positive Meinung über die Möglichkeiten des Internet, die Unteren mit mehr Macht, zumindest mit überlegener Lässigkeit im Kampf gegen die Oberen auszustatten, hat der Autor des Beitrags «Ein Klick macht niemanden satt» auf Seite 10 dieses Blattes. Karl Berger könnte dagegen halten: «Das Internet hat mir immerhin erspart, mit Kleisterkübel und Plakatrollen durch das nächtliche Purkersdorf zu streifen.» Der Layouter des August...
Augustin 269 - 02/2010
Vom Titel-Schwund zum Drall-Titel

Kleine Titelkunde. Das Wort hat bekanntlich mehrere Bedeutungen. Zum Beispiel bezeichnet es den akademischen Grad, den eine Person erreicht hat, oder irgendeine besondere Würdigung. In dieser Hinsicht herrscht im Augustin ein gewollter Titelschwund vor. Ein Herr Dreifachdoktor wird nur seinen nackten Namen im Augustin finden, eine Frau Hofrat wird gleich aus zwei Gründen um ihre Eminenz gekürzt: weil ihr Titel nämlich noch dazu genderverkehrt...
Der Fall Abate Ambachev
Was befindet sich zwischen Naturhistorischem und Kunsthistorischem Museum? Wie heißen die Wohnungen, die von der Stadt Wien gebaut wurden und von Wiener Wohnen vermietet werden? Wo wohnte Erzherzogin Maria Theresia im Sommer? Wann wurde die zweite Türkenbelagerung abgewehrt? Was war eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses 1814/15? Woran erkannt man UNO-Soldaten?
Und jetzt eine andere Frage: Spinnt das Innenministerium? Die zitierten Fragen s...
Die Sozialunion? Ein Wintermärchen
Für "Unterschicht" der EU-BürgerInnen ist Bewegungsfreiheit nicht vorgesehen

Menschen aus Polen, Ungarn, der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien sind BürgerInnen der EU. Nach Artikel 18 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) steht ihnen das Recht zu, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Anders hätte das Versprechen, aus der Wirtschaftsunion auch eine Sozialunion zu machen, keine Glaubwürdigkeit. Das Studium des «Kleingedruckten» im EGV führt freilich zur...
Augustin 268 - 02/2010
Ja. Was ist los mit diesem Land

Das immer gleiche Procedere. Von Peking bis Vancouver. Städte rüsten sich für ihre Olympiaden. Sie operieren sich ihre Falten weg. Die Falten der Stadt – das sind z.B. die Obdachlosen. Die Falten der Olympia-Region – das sind die Indigenen, die um ihr Land betrogen wurden. Unsere MitarbeiterInnen Elke Krasny (Seite 10) und Jürgen Plank (Seite 11) berichten aus Vancouver.
In Wien herrscht immer Olympiade. Die Anti-Falten-Operationstische s...
Victor, schau owa!

«Da liegen in einem einzigen Raum 40, 50 bis 70 Personen. Holzpritschen, elendes, altes Stroh, darauf liegen sie Körper an Körper hingeschlichtet. In einem solchen Raum, der etwa 10 Meter lang, 8 Meter breit und höchsten 2,2 Meter hoch ist, liegen über 40 Personen, für deren jede also kaum 4 Kubikmeter Luft bleiben. Da liegen sie denn, diese armen Menschen, ohne Betttuch, ohne Decke. Alte Fetzen bilden die Unterlage, ihre schmutzigen Kleide...
Wenn die Kameras verschwinden ...
Dass Haiti das ärmste Land ist, ist nur die halbe Wahrheit.

Im Augenblick gebe Haiti eine »dramatische Story« im Fernsehen ab, sagte die in Miami lebende haitianische Schriftstellerin Edwidge Danticat, »aber wenn die Kameras verschwinden, blicken die Menschen wieder weg«. Ähnlich die Journalistin und Haiti-Expertin Amy Wilentz: Die Haitianer seien »nur beliebt, wenn sie sterben«. Tatsächlich lauten die gängigen Klischees, die von dem verarmten und zerstörten karibischen Nachbarland gepflegt werd...
Der Palast, der nicht Palast bleiben durfte
Heute kann Udo Lindenberg hier nur mehr auf die Wiese pinkeln

«So deutsch ist das höchste Haus der Welt», titelt Anfang Jänner der „Spiegel“. Das Haus, das fast einen Kilometer hoch ist. Der Burj Chalifa in Dubai. Was hat das mit Mario Langs Fotochronik vom Abriss des Palastes der Republik im ehemaligen Ostberlin zu tun. Man ahnt es. Die Stahlträger des Palastes, in dem die DDR-Volkskammer tagte und in dem sich das Volk (Ausnahme: die Punks der DDR) vergnügte, z. B. beim legendären Udo-Lindenberg...
Augustin 267 - 01/2010
Information minus Emotion = 0

«Ich habe das Gefühl, dass der Augustin des Öfteren aus reinem Mitleid gekauft wird. Das Nicht-Wahrnehmen des intellektuellen und sozialen Werts dieser Straßenzeitung ist wirklich beschämend und arrogant», sagt eine Studentin. Das sei auch als Selbstkritik zu verstehen. Sie nimmt an einem Seminar über Bewusstseinsbildung und Alltagsverstand teil. Gerald Faschingeder hat als Lehrbeauftragter des Projektes Internationale Entwicklung der Uni ...
Augustin 266 - 01/2010
WienerInnen ohne Eigenschaften

Ich habe es mir abgewöhnt, skeptisch zu sein, ob Uwe Mauch seine Porträts von «Lokalmatadoren» oder «-madatorinnen» endlos fortsetzen kann. Wien hat fast zwei Millionen LokalmatadorInnen, denn der „Kurier“-Journalist, der nebenbei auch Coach der Augustin-Ballesterer und eben unermüdlicher Menschen-Porträtist ist, findet auch in den «unscheinbaren» BewohnerInnen dieser Stadt Dispositionen, die die journalistische Aufmerksamkeit recht...
Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
An eurer "Ordnung" ersticken wir
Im Kampf gegen das Betteln beweisen Justiz und Exekutive Fantasie

Während der Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP von der «Stürmung des Christkindlmarktes durch Bettlerbanden» halluziniert, verhängte ein Richter des Unabhängigen Verwaltungssenats eine 20-stündige Polizeihaft gegen den Bettler und Augustinverkäufer Markus H. Sein Delikt: Beim Sitzen an der Hauswand ragten die Beine minutenlang einen (!) Meter in den mehr als zehn Meter breiten Gehsteig der Mariahilfer Straße.
Augustin 264 - 12/2009
Die Kunst der Widerspiegelung

Das gelb gekleidete «Ordnungs- und Sauberkeits»-Personal der Wiener Linien weiß besser, was «uns» lästig ist. Es scheint die Order zu haben, auch gegen singende Menschen vorzugehen.
Aus dem Bericht über das Aha-Erlebnis einer im U-Bahn-Bereich jodelnden Fahrgästin, Seite 4.
Augustin 263 - 11/2009
Anmerkungen zum Winkelzugprinzip

«Wie auch die Lüge uns schmähend umkreist …» Vor 1000 ZuhörerInnen im besetzten Audimax der Wiener Uni lässt das Stimmgewitter Augustin in der Nacht vom 6. zum 7. November eine Vergangenheit lebendig werden, in der die Arbeiterbewegung noch ähnlich kämpferisch und systemkritisch war wie heute die Bewegung des Unistreiks. Die zitierte Strophe ist aus dem Lied «Die Arbeiter von Wien».
Der Einsatz der Lüge im politischen Konkurrenzkampf...
Welche Geste gilt?
Über die Schwierigkeiten, die Gebärdensprache zu vereinheitlichen
Können Menschen mit Gebärdensprache einander verstehen, wo immer sie leben auf diesem Planeten? «Ein Drittel der Gebärden sind international leicht verständlich. Ein Drittel kann man aus dem Zusammenhang heraus verstehen. Und das letzte Drittel ist regionaltypisch, darunter besonders die Zeichen für abstrakte Begriffe wie Glück», sagt Monika Haider, die Leiterin des Wiener Gebärdensprache-Schulungszentrums equalizent. Selbst innerhalb d...
Gibt`s ein Leben nach Stone City?
10 Jahre Trampolin: Mehr als ein Entlassungshilfeverein
Jacques Audiards Thriller «Un prophéte», beim letzten Festival in Cannes vorgestellt und nun in den Pariser Kinos, bekräftigt eine Lieblingsthese der gefängniskritischen Linken: Im Häfen wird mensch nicht besser. Der Held, Kleinverbrecher, wird im Knast zu einem Meister mafiöser Schwerkriminalität. Das Leben im (Film-)Strafvollzug ist die Fortsetzung des gnadenlosen Bandenkriegs mit anderen Mitteln. Audiards Gefängnis ist alles andere a...
Die Lenikus-Lücke
"Ein Gieriger bleibt ein Gieriger, auch wenn er tausendmal Ute Bock sagt"
«Bei geschlossenen Fenstern und gedecktem Dach steht das Haus noch locker weitere hundert Jahre», sagte der Denkmalschutzbeamte vor dem Haus Wien 7, Sigmundsgasse 5. Leider hat jemand ein paar Ziegel aus dem Dach entfernt und die Fenster herausgerissen. Leider könnte da bald eine Baulücke klaffen.
Alt sein nicht leicht gemacht
Der Fonds Soziales Wien sorgt einmal mehr für Verwirrung
Der Fonds Soziales Wien (FSW) gliedert die Sozialarbeit aus den Beratungszentren für Pflege und Betreuung in eigene GmbH aus. Damit wird eine unbürokratische, leicht zugängliche Anlaufstelle für ältere Menschen und deren Angehörige, die bisher durch SozialarbeiterInnen und SeniorenberaterInnen nicht nur Beratung, sondern auch Unterstützung geboten hat, zerstört. Intern machen sich Unzufriedenheit und Ohnmachtsgefühle breit. Die ungenann...
Wir sind klein, doch sind wir Opel
Der Versuch, ein (chauvinistisches) Wir-Gefühl in Zeiten der Finanzkrise heraufzubeschwören, muss zwangsläufig scheitern.
Ich hab den Chefkommentar aus „Österreich“ herausgerissen und kann nun nirgends ein Erscheinungsdatum finden. Es wäre identisch mit einem Erleuchtungsdatum gewesen, denn die plötzliche Einsicht in die Jämmerlichkeit dessen, was sich österreichischer Journalismus nennt, empfand ich als eine Art profaner Erleuchtung...
Der Aufstand der Titellosen
Neues aus dem Großgrundbesitz des Stifts Klosterneuburg
Gegen die Augustiner Chorherren zieht sogar Gott den Kürzeren, sagt Gerd Teply. Der Charme der Resignation liegt in diesem Sager aus dem Mund des eben neu gewählten Obmanns des „Pächtervereins Langenzersdorf“, dem 600 der rund 1000 PächterInnen von Chorherren-Grund angehören. Ihre gemeinsame Wahrnehmung: Der Grundeigentümer, das Stift Klosterneuburg, streicht die letzten Reste klösterlicher Barmherzigkeit aus dem Konzept seiner Liegen...
Sozialarbeit in der Quotenfalle
Wiener Jobmesse am 10. Juni im Zeichen der Krise der staatlichen Arbeitsmarktpolitik
Warum das AMS heuer seine KlientInnen nicht mehr – unter Androhung von Sanktionen – zur Jobmesse schicken darf. Und warum die Sozialarbeit sich immer mehr zum Kasperl machen lässt, der wider besseres Wissen den Mythos aufrechterhält, Ex-Häftlingen, Ex-Alkis, Ex-Junkies, Ex-Sandlern oder Behinderten stehe der reguläre Arbeitsmarkt offen.
Sprechblasen-Guerilla
"Bubble Project" macht selbst Gewista-Flächen lesenswert
Ji Lee lebt in New York als Designer und Künstler. Das ergibt ein paradoxes Leben: Er entwirft Werbung – und kämpft gegen Werbung an. Letzteres gelang ihm am bemerkenswertesten mit seinem Bubble Project. Er druckte tausende leere Sprechblasen aus und klebte sie auf New Yorker Plakatwände, so dass die Passanten die Möglichkeit hatten, auf die Reklame zu reagieren. Wenn es stimmt, dass Wien die Hauptstadt des Wiener Schmähs ist, sollte die ...
Was dagegen ist unsereins?
Postjugoslawische Synthese: Jelena Popržan und Rina Kaçinari
Gitarre spielen und dabei singen, das ist banal. Tausendmal gesehen und gehört. Jedoch streichen oder singen – beides zusammen geht kaum, meint der Laie. Tatsächlich sieht man selten eine Geigerin, die streichend singt. Jelena Popržan macht das mühelos. Sie bratscht und wechselt parallel, wenn es sich ergibt, von der Opern- zur Pop-Stimme. Rina Kaçinari hätte ihre Partnerin nie kennen gelernt, wenn es damals in Prishtina einen Cello-Lehr...