ico_youare10g.gif AUGUSTIN
Autor/in: Robert Sommer Seite: 1 2 3

Feiern mit Leopold Bloom

Palm macht Urlaub von Mozart und zelebriert James Joyce

Die freie Kunstrepublik „AugartenStadt“ hat den 16. Juni zu ihrem ersten offiziellen Feiertag erklärt. Den weltweit als Bloomsday bekannten Termin erklärt sie zum Tag der Freiheit der Kunst. James-Joyce-Kenner, Autor, Regisseur und Aktionist Kurt Palm skizziert im Folgenden die Entstehung und Bedeutung des Feiertages. Palm ist einer der Zeremonienmeister der Bloomsday-Rituale, die an den Schauplätzen Gaußplatz 11 (Wien 20) und Bunkerei (Aug...

Kunsthaft und Strafkultur

Warum überall Seelsorger im Häfen und (fast) nirgends RegisseurInnen?

Date your Destiny. Theaterprojekt mit Insassen der Justizanstalt Gerasdorf. Konzept und Regie: Tina Leisch. Text: Alma Hadzibeganovic. Choreografie: Zoran Bogdanovic. WIR_HIER, Frauenkunst unter Strafe. Kunstprojekt – Theater, Film, Hörbuch, T-Shirts, Coverbags – mit Insassinnen der Justizanstalt Favoriten. Projektleitung: Beate Göbel. Zwei Beispiele von Kunstarbeit im Strafvollzug. Punktuell, temporär, nicht in jedem Häfen geduldet. August...

Notizen zur Ohrfeige

Darf man Machtausübende schlagen?

Wann immer Hubsi Kramar sich öffentlich an Hermann Schürrer erinnert, den vor 20 Jahren verstorbenen Wiener Boheme-Schriftsteller, ist von zwei biografischen und folgenreichen Ohrfeigen die Rede. Die eine empfing ein Polizist, die andere ein Repräsentant der vormundschaftlichen Psychiatrie. Als kürzlich eine der seltenen Hommagen an Schürrer angesagt war, kam neben Kramar und weiteren überlebenden Begleitern des „schwierigen“ Dichters auc...

Mozart für die Würscht´

Rudi Hübl, Volkskundler und Wildplakatierer, lobt den optischen Skandal

Im Augustinbüro holt Rudi Hübl seine mitgebrachten Würste aus dem Rucksack. Hauswurst geräuchert, luftgetrocknete sizilianische Salami, Kantwurst, Polnische, Speckwurst, Cacciatore, Dürre. Kein entsprechendes Aroma verbreitet sich im Raum. Hübl ist kein Fleischhacker und Pappmaché riecht nicht nach Geräuchertem. Die Ingredenzien seiner Würste sind die Drucksorten des Mozartjahres: Plakate, Werbefolder, Zeitungsartikeln. Mit seinen „Moza...

Heit los i des Gschloda schdee

Stimmgewitter lehrte Deutschen das Wienerlied

40 Weiterbildungsgeneigte besuchten den zweistündigen intensiven Wienerliedkurs, darunter ein Drittel Piefke. Diese waren das primäre Zielpublikum der Veranstaltung im Rahmen des Aktionsradius Augarten-Projekts „"Ösis und Piefke".

Pension ohne Frühstück

Arbeiter-Samariter-Bund als Neuling in der Obdachlosenhilfe

Die meisten WienerInnen, nehme ich an, kennen das Otto-Haus. Das größte Schutzhaus der Rax ist von der Seilbahnbergstation aus selbst mit Sandalen und Stöckelschuhen zu erreichen. Der Weg, sehr eben, gilt als die leichteste aller alpinen Familienwanderrouten. Wer hingegen das Haus Otto erklimmen will, kann leicht ins Keuchen kommen. Zumal unter den Gästen auffallend viele lädierte Körper vertreten sind –– Folgen des Straßenlebens oder d...

In Timişoara lief ein Gerücht herum...

Kolportage für kranken Angehörigen: Mihaela und Elena Boti

Hin und wieder haben Augustin-VerkäuferInnen schlechte Tage. Der Zufall sorgt manchmal dafür, dass eine Mischung von Trübsinn, Hypochondrie, Weltschmerz, Zanksucht und Gereiztheit sich im Vertriebsbüro ablagert, wenn sich die schlechten Launen der Einzelnen multiplizieren. Wenn Mihaela und Elena Boti in diese Stimmung platzen, bringen sie mit ihrem Lächeln und ihrer Freundlichkeit einen Moment Sonnenschein in den Verdruss.

I flick di wieda zaum

"Wo ist der Augustin?", fragen alle, wenn Adi Buchgraber fehlt

„Standortentscheidungen sind im Handel von großer Bedeutung, da sie den Grundstein für den späteren Unternehmenserfolg bilden. So stellt die Qualität eines Standortes ein wichtiges Wettbewerbsparameter dar, was die Zukunft des Unternehmens mitprägt. Die Wahl des Standortes ist zudem eine strategische Unternehmensentscheidung, da hier meist längerfristige und aufwändige Bindungen eingegangen werden.“ Auch ohne das Wirtschaftsfachbuch (dem...

Die Sachzwangsvollstreckung

Beispiel Hohenau a. d. March: Wenn eine Region die letzte Fabrik verliert

Was geschieht mit der Seele einer Marktgemeinde, die nach der Schließung der Fabrik, mit der sie bisher symbiotisch verbunden schien, endgültig zur Pendlergemeinde geworden ist? Was hat Coca-Cola damit zu tun? Und was die Raiffeisengruppe? Ist gegen die „Sachzwänge“ Globalisierung und Liberalisierung kein Kraut gewachsen? Und warum sind die jungen Familien, die hochverschuldet in der Falle ihrer kreditierten Einfamilienhäuser sitzen, hunder...

Kurts Kampf gegen die Sucht

Ich bin Pole, ätzt der Tiroler, der ein Wiener ist

Neben den „Hauptsprachen“ im Augustinvolk –– Wienerisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschetschenisch nebst den diversen Sprachen Nigerias –– vernimmt man vereinzelt auch Idiome, wie man sie von den österreichischen SchifahrerInnen kennt. Einer der „Tiroler“ beim Augustin ist aber in Wirklichkeit ein Wiener. Kurt Baumgartner, 1968 geboren, lebte 15 Jahre in Innsbruck. Seit rund zwei Monaten verkauft er die Wiener Straßenzeitung. Derzeit ve...

Die "Walls of Fame" im Winter

Graffitiforscher Norbert Siegl lud zum Flanieren ein

Zuerst entschlossen wir uns zu einem Umherschweifen in der Website www.graffitieuropa.org. Ausgestattet mit Basiswissen verlagerten wir das Umherschweifen in die städtische Realität, was einerseits unangenehm war (die Kälte an diesem Vormittag verfluchte jedes Flanieren), andererseits absolut informativ. Denn unser Guide durch die Welt der Tags und Pieces war der Betreiber der Website, der auch international bekannte Graffitiforscher und -doku...

"Was kriegst du?" "Ka Luft!"

Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire verkauft seit 2002 den Augustin

Soziologisch betrachtet ist die „Berufsgruppe“ der AugustinverkäuferInnen ein Wunder der Divergenz, eine Vielfaltsverdichtung, wie sie sonst nirgends vorstellbar ist. Das Spektrum reicht vom Analphabeten bis zum Akademiker. Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire, bei uns als Elfenbeinküste bekannt, kommt mit dieser Situation gut zurecht. Dass zugewanderte Intellektuelle wie er im reichen Europa „Sandlerzeitungen“ verkaufen müssen, um ...

Zwischen Galata und Galway

"Nim Sofyan" als Botschafter des rotweißroten Musiklebens

"Edelweiß, Edelweiß..." Es soll ja immer noch Menschen auf diesem Planeten geben, die den kitschigsten Song aus der Geschichte des Kitsches, bekannt durch die Hollywood-Verfilmung der Trapp-Familiengeschichte „"The Sound of Music"“, für die österreichische Nationalhymne halten, genauso wie die AustralierInnen fälschlich mit „"Waltzing Matilda“" identifiziert werden. Dabei ist „Edelweiߓ nicht einmal Musik aus Österreich. Aber düm te...

Der Zweite von rechts

Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden

Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.

Augustin-Verkäuferin Petra will in die Mitte, doch ...

"Es gibt nur mehr Reich und Arm"

Dominic wird am 23. Oktober vier Jahre alt. Um ihn dreht sich zunächst das Gespräch, als Petra die Augustin-Redaktion besucht. Um Dominic, den Unerreichbaren, der schon mehr alpenländisch als wienerisch spricht. Die 33-jährige Augustinverkäuferin sehnt sich nach ihrem fernen Sohn. Aber um ihn zurückzuholen, müsste ihr und ihrem Mann das Kunststück gelingen, einem veritablen Teufelskreis zu entkommen –– ausgerechnet in einer Zeit, in de...

Ohne Franz Sedlak wäre die Obdachlosenhilfe in Wien einfallsloser

Arbeit ohne Winkelzüge

Zuerst war er Elektriker. Dann elektrisierte ihn das soziale Thema. Er zählt zu den MitbegründerInnen des WUK. Er löste die ARGE Nichtsesshaftenhilfe, deren Obmann er nach wie vor ist, aus dem Rahmen der Caritas. Er leitet heute ein Beschäftigungsprojekt für Exhäftlinge. Er unterrichtet zukünftige SozialarbeiterInnen. Gerne würde er sie wieder etwas aufmüpfiger sehen. Aber er weiß auch, dass die herrschende soziale und ökonomische Lage...

Zuerst fiel er tief, jetzt fällt er auf: Kolporteur Gerhard Hostniker

Packerl für paffe Passanten

Wenn Bankangestellte schrille Gummistiefel und ein Blinklicht tragen müssten, würde Gerhard Hostniker wieder seine Krawatten hervorholen. Wenn er sie noch hätte. Wenn der Augustin ein Kochbuch wäre, würde Gerhard nicht Omas Rezepte unter seiner Stammkundschaft verbreiten. Porträt eines „im Alter“ doch noch zum Hippie gewordenen Augustinkolporteurs.

Kafkaeske Reglementierungen für Straßenmusik

Freiheit für die Nervensäge!

Für einen Straßenmusikanten wie mich ist Rotterdam eine Traumstadt, sagt Tullipan. Dort spielte er –– von Behörden jeglicher Art unbehelligt –– exakt am geografischen Mittelpunkt der Stadt, an einer als solchen markierten Stelle in einer zentralen U-Bahn-Station. In der „Musikstadt“ Wien macht zurzeit die Exekutive (in welchem Auftrag eigentlich?) den im öffentlichen Raum Musizierenden das Leben schwer wie nie zuvor.

Der Theologe und Schriftsteller Adolf Holl im Augustin-Gespräch

Jenseits der Pfarrhofsjause

Neben dem „Schmerzensmann“ Jesus gibt es auch den ironischen, lachenden. Das ist keine Erfindung des eben 75 Jahre alt gewordenen Adolf Holl, sondern das Christusbild eines in Oberägypten entdeckten frühchristlichen Textes. Der Wiener Theologe und Schriftsteller, dem 1976 das Priesteramt entzogen wurde, erzählte dem Augustin, wieso die nichts ernst nehmenden Nonkonformisten, die er in seinem jüngsten Buch „"Der lachende Christus"“ (Zsolna...

Sie tun, was kaum wer tut, am wenigsten der, der es tun müsste

Mit ZARA verschwände die Kontrolle von unten

ZARA ist die Abkürzung für „Zivilcourage und Antirassismus-Arbeit“. Als Beratungsstelle für Einzelpersonen, die ZeugInnen oder Opfer rassistischer Vorfälle wurden, ist ZARA einzigartig in Österreich. Ihr jährlicher Rassismusreport ist für alle, die an einer ungeschminkten Darstellung soziologischer Realitäten interessiert sind, eine Pflichtlektüre. Verena Krausneker und Dieter Schindlauer vom ZARA-Vorstand berichteten dem Augustin, wie...

"Warum sollte man die schönen Lieder des Balkan mit US-Jazz mischen?"

Musik ist, was das Herz flattern lässt

Slavko Ninic, die Wiener Stimme des Balkans, bekannt durch seine Gründungen „"Wiener Tsuchschenkapelle"“ und "„Tschuschen a capella"“, liebt –– falls ihm die Zeit bleibt –– Seitensprünge in andere musikalische Kontexte. Am 30. April widmet er sich, zusammen mit Überraschungsgästen, im Porgy & Bess dem traditionellen bosnischen Liedgut. Ein schöner Anlass, um ihn mit seinem Ruf, er verabscheue modernistische Experimente mit der ...

Muttis kleiner Sexueller

"Alle unsere Vorbilder haben Teller gewaschen": Branko Andric, Urbanist

In Wien ist er eher als Zeichner bekannt, in Novi Sad als unangepasster Literat und als grau gewordenes Faktotum des dortigen experimentierfreudigen PunkRockJazz-Schmelztiegels. Vielleicht wird ihn Europa bald als Filmstar kennen. Als einen, der einen obdachlosen „Gastarbeiter“ in Wien spielt– und in vielen Aspekten auch sich selbst.

Das "Neunerhaus" füllt sich mit Leben

Zwang ist entbehrlich

Das ehemalige Salesianer-Lehrlingsheim Ecke Hagenmüllergasse/ Lechnerstraße im 3. Bezirk ist zum "Neunerhaus" mutiert - zu Wiens freiestem Obdachlosenquartier. Noch gerät man mitten in eine Baustelle, wenn man das Haus betritt. Doch der Großteil der Zimmer ist bereits bezogen. Die Anmeldeliste übersteigt die Kapazität. Bewohner Hans Rauscher und Hausleiter Hannes Lorenz boten dem AUGUSTIN Einblicke in eine Bleibe ohne Zwangsbetreuung.

Wiens "Gastarbeitermannschaften" (1)

Die Partisanen vom FavAC-Platz

Was haben Sakarya Wien, Aytac SV, Fenerbahce Wien, Suryoyo, Partizan Wien und FC Cairo gemeinsam? Als ausgesprochene Ausländerteams sind sie die (vertrauten) "Exoten" des Wiener Fußballverbands. Die "Ausländerregel" des ÖFB – in einer Zuwanderer-Stadt wie Wien ohnehin eine Absurdität – erscheint für diese Clubs doppelt paradox. Alexander Rakowitz, Manager und Trainer der Jugo-Elf Partizan Wien, hält den Fußball in Wien dennoch für ei...

Marta Halpert, Leiterin des Wien-Büros derAnti-Defamation League

Hoffnungsvoll unoptimistisch

"Ich bin schon eine alte Kämpferin. Ich habe immer wieder Rückschläge bekommen und denk´ mir oft: Es hat keinen Sinn. Trotzdem, ein bisschen Hoffnung habe ich schon. Nur, optimistisch bin ich nicht." Ich mag uneindeutige Selbstcharakterisierungen. Diese hier habe ich aus dem Radio Augustin-Interview (siehe Kasten unten) mit Marta Halpert, der Wiener Vertreterin der Bürgerrechtsorganisation "Anti-Defamation League" (ADL) aufgeschnappt.

Unterwegs mit Eselsgeduld

Oft monatelang nomadisiert Engelbert

Engelbert ist der saisonalste aller saisonalen AUGUSTIN-Verkäufer. Seine Wien-Aufenthalte sind freilich - unabhängig von ihrer Dauer und der Jahreszeit - quasi die Nebensaisonen. Den Sinn seines Lebens finder er eher in Südfrankreich. Dort nomadisiert er - oft monatelang - mit seinen Eseln durch die Täler und über die Berge. Die Eseln heißen Fripon, Rosalie und Gazelle ("das Fohlen nenne ich deswegen so, weil es auch von zwei Meter hohen Ma...

Verteidiger kritisierte Staatsanwalt, nun droht ihm Berufsverbot

Keine Milde für Schwarze?

Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, Pflichtverteidigern mangle es an Engagement für ihre Mandanten. Hätte der Wiener Rechtsanwalt Markus Petrowsky diesem Klischee gemäß gehandelt, als er John Achu (angebliches Mitglied der afrikanischen Drogenmafia) verteidigte, hätte er nun kein Disziplinarverfahren am Hals. So aber wird Markus Petrowsky die Weihnachtsfeiertage mit gemischten Gefühlen verbringen: "Ich hoffe sehr, dass das Disziplinarve...

Die Wiener Internetaktivistin Sabine Scheibel korrespondiert mit US-Häftlingen

Meine Freunde vom Todestrakt

Noch wissen wir nicht, wer der neue Präsident der Vereinigten Staaten ist. Von einer bestimmten Warte aus betrachtet ist das auch ziemlich wurscht. Sowohl George Bush als auch Al Gore befürworten die Todesstrafe, weil sie eine abschreckende Wirkung habe. Während der letzten Fernsehdebatte zwischen beiden versuchte freilich der republikanische Bewerber den Eindruck zu zerstreuen, er sei stolz auf die wöchentlichen Hinrichtungen in Texas. Als G...

Warum ein Richter bei einem Obdachlosen nicht Milde walten liess

Herabgesetzte Einordnungsfähigkeit

Die Freiheitsstrafe als Fangnetz für Arme - das war das Thema der vergangenen AUGUSTIN-Ausgabe. Diesmal wird´s konkret: Ein Obdachloser ignorierte eine auf Rot stehende Ampel, ein Richter statuierte ein Exempel.

Lacknergasse neu

Michael Gassmann kämpfte erfolgreich für die Rettung eines Obdachlosenwohnheims

Ein bisschen hat auch die Berichterstattung des AUGUSTIN mitgeholfen, dass sich die Wiener Caritas-Führung doch entschloss, das Obdachlosenwohnheim Lacknergasse nicht zuzusperrren. Der "Held der Lacknergasse" ist freilich Hausleiter Michael Gassmann....

Eineinhalb Jahre nach einer Amtshandlung...

Rund 15 Menschen, die auf die Straßenbahn warteten, haben eine "Amtshandlung" zweier Polizisten gegen einen Menschen mit dunkler Hautfarbe miterlebt. Fünf dieser Augenzeugen haben der Staatsanwaltschaft den Vorfall – aus ihrer Sicht ein rassistisch motivierter Übergriff – angezeigt. Eineinhalb Jahre sind seither vergangen. Den Polizisten blieb ein Strafverfahren erspart. Dafür standen dieser Tage zwei der AugenzeugInnen vor Gericht: wegen...

In der "Sozialmissbrauchs"-Debatte ist der Spiess umzudrehen

Scham, Angst und Unwissenheit

Wer von Missbrauch in Bezug auf die Sozialhilfe reden und dabei seriös bleiben will, muss den Spieß umdrehen. Die Gemeinde Wien erspart sich zig Millionen Schilling, weil sie es unterlässt, offensiv aufzuklären, welche Menschen anspruchsberechtigt wären. Warum spricht hier niemand von kommunalem Sozialbetrug? Unter anderem, weil es schwierig scheint, die verdeckte Armut in Wien statistisch zu erfassen.

Zwischen den Zeilen liegt der Sinn

Walter Pichler, literarisches AUGUSTIN-Urgestein

Walter, du Lump. Wie stellst du dir das eigentlich vor. Jetzt hast du schon monatelang nichts mehr für den AUGUSTIN geschrieben. Hat dir jemand die Lust aufs Schreiben ausgetrieben?

Schreibt seit 5 Jahren im AUGUSTIN: Hömal

Das Flair des Scheiterns

Laut, stoak, volla Gwoit is des Lebn draußn um mi, in den i wiara Gschpenst umadumschleich zwischn fremde Keapa vo de i maunchmoi wos brauch und wü. Oiso straf i maunchmoi a bissl au sichaheitshoiba aun de eha Hoamlosn loß de mit da Paua bessa auglant. Bini nämlich zu eana frech vaspottns mi, i kriag ane aufs Aug und ziag mi wieda zruck, eingschnoppt. Naujo, de samma Schuachnumman zgroß und zagn...

Afrikanerprozesse: Wiener Richter unter Beobachtung

Eingeschränkte Verteidigungsrechte

Zum zweiten Mal veröffentlichen wir hier das Protokoll eines "Afrikanerprozesses", notiert von einer Prozessbesucherin. Ein Vergleich dieser Protokolle (bei der Menschenrechtsinitiative GEMMI, die diese Verfahren systematisch beobachtet, haben sich mittlerweile viele solcher Protokolle angesammelt) macht sicher: Ein bestimmtes Muster ist erkennbar. Den mutmaßlichen Drogendealern schwarzer Hautfarbe werden jene grundsätzliche Verteidigungsrecht...

Über den Kult des öffentlichen Frühstückens

Wem gehört die Stadt?

Im Volkskundemuseum ist eben eine Ausstellung über das "nichts tun" angelaufen. Sie ist nach den verschiedenen Spielarten des Nichtstuns gegliedert: Spazieren, Promenieren, Flanieren, Herumfahren, "Drahn", Blaumachen, Pausieren, Warten, Entspannen, "Entschleunigen", Genießen, Ruhen, Sinnieren und Müßiggehen (mehr darüber übrigens im nächsten AUGUSTIN). Eine Erscheinungsweise des Nichtstuns ist noch zu jung, um in dieser Liste Platz zu find...

SPERR STUNDE - Nachdenken über das Versagen des Strafsystems

'Das Gefängnis produziert Delinquenten'

AUGUSTIN-Autor und -Verkäufer B. verbrachte diesen Winter nicht mehr auf der Donauinsel. Die Liebe findet selten zu Obdachlosen, zu B. fand sie. Die Beziehung, nach der er sich so gesehnt hatte, das damit verbundene Dach über dem Kopf, das Engagement beim AUGUSTIN (B. ist einer der Aktivisten der Kampagne "Freie Fahrt für Obdachlose") und in der "Neunerhaus"-Initiative (B. versuchte, Sponsoren für dieses alternative Obdachlosen-Wohnprojekt au...

Neulich in einem Wagen der Linie D:

Vogliamo tutto e subito

Sechster Tag der freien Fahrt: Die Stadt kam der Habenichts-Lobby bisher keinen Schritt entgegen. Ein Mitarbeiter des Bürgermeisters zu den TeilnehmerInnen der jüngsten symbolischen Schwarzfahrt: Woher 50 Millionen nehmen?

SOS aus der Lacknergasse

Caritas schliesst ein Obdachlosenheim - ein richtiges Signal in schwarzblauen Zeiten?

Nach einem gemeinsamen Plan der kirchlichen und öffentlichen Träger von Sozialeinrichtungen wird die Wiener Wohnungslosenhilfe modernisiert. "Im Sinne der Betroffenen", lautet die Propaganda: Ein- und Zweibettzimmer in Obdachloseneinrichtungen sollen Standard werden. Aus dieser Sicht ist das Haus St. Josef in der Lacknergasse (Wien 18), in dem rund 60 Obdachlose leben, nicht mehr fit genug. Es soll gesperrt werden. Die erste Reaktion der betrof...

Was lockt den Exekutor in die Meldemannstrasse?

Der absurdeste Amtsweg des Universums

Die Meldemannstraße 25 ist mehr als eine Adresse, sie ist eine Metapher. Weiter hinunter geht´s nicht mehr - dafür steht sie. Der ultimative Rand-Ort für den Habenichts. Ein Ort mit 337 Betten, von denen meistens nicht alle belegt sind (weil selbst die Sandler diese Adresse scheuen). Hier gibt´s absolut nichts zu holen, sollte man meinen. Was soll also der regelmäßige Besuch des Exekutors im Obdachlosenasyl Meldemannstraße? Was kann der h...

Ernst Pacolt und die Idee der gemäßigten Kleinschreibung

Gott & die lieben Genossen

Die Freizügigkeit der AUGUSTIN-Redaktion in Sachen Rechtschreibung ist legendär. Neben der reformierten, neuen Rechtschreibung wird nicht nur das alte Regelwerk toleriert, sondern auch jedes originelle individuelle Experiment abseits jeder Regel. Wenn unser Lektor urgiert, zumindest innerhalb eines Textes keine Mischkulanz von alter und neuer Rechtschreibung zuzulassen - geschenkt. Wenn aber einer hergeht und sagt, die Rechtschreibreform zerstÃ...

Karl-Marx-Dorf

Nur ein paar Fragen vor dem Geburtstagsfest des roten Paradebaus...

Einmal hab ich vom Balkon einen Opa mit seinem Enkerl belauscht, die gerade am Karl-Marx-Hof entlang gingen. Auf die Frage, warum die Anlage Karl-Marx-Hof heiße, antwortete der Opa: "Da Karl Marx war der Heilige von die Roten, und darum heißt´s da auch Heiligenstadt." (Zitat aus "Der Karl-Marx-Hof" von Susanne Reppé, Picus Verlag).

Vom Vertreiben und von Trieben

Die meisten seiner Kunden sind Frauen

Der "Gentleman vom Keplerplatz" hat (Verkaufs-)Erfolg bei Frauen. "Natürlich kaufen auch Männer den AUGUSTIN, aber die meisten meiner Kunden sind Frauen", sagt Franz Horvath, einer der längstdienenden AUGUSTIN-Kolporteure. Den Kopf unter dem AUGUSTIN-Kapperl, auf den Lippen immer ein aufmunterndes, die PassantInnen zum Lachen bringendes Wort, beweist Franz, daß Österreichs erste Boulevardzeitung auch im Arbeiterbezirk Favoriten punkten kann....

Rollstuhlfahrer Groll deckt Porno-Mafia auf

Ein stetiger Strom von Brüsten

Die Rebellion des Lesenden gegenüber dem Buchautor besteht darin, daß er, der Lesende, das Buch liest wie er will. Egal, wie der Autor sein Buch angelegt hat, er hat auf die Lesart keinen Einfluß. Die Freiheit der Lektüre ist grenzenlos. Sie kann sich auf die Geschichte, die das Buch erzählt, konzentrieren, oder auf den Bau der Sätze (es soll auch Spezialisten des Einstiegs geben: Leserinnen und Leser, die sich hauptsächlich dafür interes...

Manches in dieser Stadt ist sozial obszön...

Hepatitis-Impfung: Die Ärmsten blechen

Immer mehr Fälle von Hepatitis werden bekannt. Hepatitis ist eine Krankheit der "Straßenmenschen" - besonders jener, die illegale Drogen intravenös gebrauchen. Während ihre Sozialarbeiter Zugang zu einer kostenlosen Impfung haben, müssen die armen Teufeln in der "Sozialstadt Wien" die Hepatitis-Prävention selber blechen.

Kein Justizirrtum

Billa & Polizei zerschlagen Knacker-Mafia

Habsburli, der blaublütige Jongleur karitativer Spendengelder (NEWS zufolge sollen mindestens 1,1 Millionen Schilling von "World Vision" an Karl H.´s Paneuropa-Bewegung geflossen sein), wird deswegen wohl keine Stunde hinter Gittern verbringen. Denn das Platzangebot in Österreichs Gefängnissen ist für andere bestimmt. Für Leute wie Günter H. zum Beispiel (vollständiger Name der Redaktion bekannt), den 36jährigen Obdachlosen. Seit zwölf ...

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