ico_youare10g.gif AUGUSTIN
Autor/in: Martin Schenk Seite: 1 2 3

Taschenspielertrick

eingSCHENKt

Wir öffnen die Archive des Schweigens. Zwei Zitate. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat Folgendes gesagt: «Die finanziellen Probleme in der Eurozone sind gleichermaßen ein Ergebnis der steigenden außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und auseinanderlaufender Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Kernländern der Eurozone und den sogenannten Peripheriestaaten.

Ausgrenzung durch Arbeit

eingSCHENKt

Eine aktuelle Studie mit Bezieher_innen von Sozialhilfe hat auf eindrückliche Weise die schwindende soziale Integrationskraft von Erwerbsarbeit gezeigt. Der Soziologe Manfred Krenn berichtet von Menschen, die zwischen letztem sozialen Netz und schlechten, desintegrativen Jobs hin und her pendeln.


Die Energiearmutsfalle

eingSCHENKt

Auch heuer müssen viele in ihren Wohnungen frieren. Insgesamt können es sich 237.000 Menschen nicht leisten, ihre Wohnung im Winter warm zu halten, davon 52.000 Kinder und Jugendliche. Die Lage verschärft sich: Haushaltsenergie ist um 12 % zum Vorjahr gestiegen; Brennholz um 4,5 %, Fernwärme um 9,9 %, Gas um 13,1 %, Heizöl um 21,4 %.

Die Wahrheits- und die Denkbremse

eingSCHENKt

Ich geh mit den Kindern ins Kino und schau den Potter-Film. Die Finanzmärkte sind nervös. Jugendarbeitslosigkeit auf Höchststand in Europa. Und ich bin auch schon ganz unruhig. Zum Glück war ich zuerst im Kino.

Finanzmärkte: Business as usual

eingSCHENKt

Die Situation für Jugendliche verschärft sich in Folge der Finanzkrise in ganz Europa. In Griechenland, Irland und den baltischen Ländern klettert die Jugendarbeitslosigkeit auf über 30 Prozent, in Spanien ist mittlerweile nahezu jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Insgesamt weisen 11 von 27 Mitgliedsländern der EU eine Jugendarbeitslosenquote von mehr als 25 Prozent auf, 2007 war dies noch in keinem einzigen Land der Fall. Gab es schon eur...

Die Pflegelücke

eingSCHENKt

Pflegende Angehörige stehen unter psychischem und physischem Dauerstress. Sie bekommen rhetorische Anerkennung für ihre «aufopfernde Arbeit», mit der Arbeit selbst aber werden sie alleingelassen. Erst bei massiver Überlastung wird nach Unterstützung gesucht, und nicht schon vorher.

Kinder mit Statushintergrund

eingSCHENKt

Es ist nicht die Leistung, die zählt, es sind nicht die Kompetenzen, die honoriert werden. Noten werden nach Herkunft vergeben. Schüler_innen aus Haushalten mit geringer Bildung erhalten bei gleicher Leistung die schlechteren Noten. Bei gleicher Lesekompetenz fassen sie die deutlich schlechteren Noten aus. Und umgekehrt bekommen Schüler aus universitärem Elternhaus bei gleichen Kompetenzen die besseren Beurteilungen.


So schaut's aus

EingSCHENKt

Was stimmt? Einkommensarme gehen lieber zum Facharzt – oder lieber ins Krankenhaus. Sie bekommen mehr – oder weniger Medikamente verschrieben. Sie beziehen Mindestsicherung dauerhaft – oder eher kurzfristig?

Gefesselter Genuss – versagte Freiheit

eingSCHENKt

Warum sind Ideen, die den Schwachen die Schwächsten zum Opfer darbringen, so erfolgreich? Weil sie Angst nehmen? Möglich, aber vielmehr noch, weil sie die Person, die andere abwertet, in eine Position der Stärke bringt. Wir ermächtigen uns damit selbst, über andere zu verfügen. Es geht um die Kontrolle des sozialen Abstands zu den anderen. Das muss man verstehen, damit man nicht bloß moralisch korrekt, sondern auch gesellschaftlich wirkung...

Stahlgewitter der Erlösung

eingSCHENKt

«Lieber bessere Zeiten und schlechte Musik», sagt der Sänger Bernd Begemann. Ich persönlich hätte auch nichts gegen bessere Zeiten und gute Musik. Auf die besseren Zeiten müssen wir aber noch warten.

England: Brennende Probleme

eingSCHENKt

Auf Englands Strassen brennt es. Das kommt nicht aus dem Nichts. Um gegenzusteuern gilt es Zusammenhänge zu sehen, Kontext begreifen, Gewalt nicht entschuldigen.

Ein Garten voller Äpfel

eingSCHENKt

Bei Pflege gibt es eine 100-Prozent-Erbschaftssteuer auf Ärmere und die Mittelschichten. Während vermögensbezogene Steuern als Beitrag der obersten 10 Prozent nicht eingeführt werden, ist es offenbar kein Problem, die mittleren und unteren Haushalte bei der Pflege voll zu belasten.

Giftcocktail

eingSCHENKt

In Österreich werden innerhalb eines Jahres von rund 900.000 Menschen Leistungen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch genommen. Damit stieg die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Diagnosen österreichweit von 2007 bis 2009 um 22 %, die Zahl der Krankenstände wegen körperlich bedingter Krankheiten hingegen nur um 10 %. Wurden im Jahr 2009 rund 900.000 Patienten auf Kassenkosten wegen psychischer Beschwerden versorgt, waren es im Ja...

Lost Generation?

eingSCHENKt

«Ich hab keinen Lehrabschluss, mein Leben ist sowieso gelaufen.» Dieser Satz eines 16-Jährigen war es, der die Leute aus dem Jugendzentrum in Dornbirn veranlasste, etwas zu unternehmen. Die offene Jugendarbeit machte das, was in ihrem Namen steht, sie öffnete sich. Auch für Bildung und Ausbildung. Seither gibt es Hauptschulabschlusskurse «auf der Straße» und Hilfe bei der Lehre. Fast 100.000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren haben kei...

Phantomschmerzen

Der mächtigste Banker in Österreich beschimpft die Politik. «Im Stil nicht gut, aber inhaltlich richtig», sagen die Chefredakteure. Ich sage: «Stil könnte besser sein, aber inhaltlich falsch.» Der Bankensektor spürt den Druck einer stärkeren Kontrolle und möglichen Regulierung. Die sog. Basel-III-Regeln zur Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften werden Spekulationsrisken vermindern. Mit ihren Fremdwährungskrediten samt Investmentze...

Vom Geschmack des Vertrauens

eingSCHENKt

Lerne ich den Geschmack vom zukünftigen Leben als Konkurrenz, Misstrauen, Verlassensein? Oder habe ich die Erfahrung qualitätsvoller Beziehungen, Vertrauen und Einfühlung gemacht? Werde ich schlecht gemacht und beschämt oder geschätzt und erfahre Anerkennung? Ist mein Leben von großer Unsicherheit und Stress geprägt oder von Vertrauen und Planbarkeit?

Sackgasse Billigjobs

eingSCHENKt

Frau Salzer schlägt sich als Ich-AG und Armutsunternehmerin mit Gebrauchsgrafiken durch den Alltag. Ihr dreijähriger Sohn leidet seit seiner Geburt an schwerem Asthma. Er braucht viel Zeit. Der Lohn ihre Arbeit ist unregelmäßig und gering. Loch auf, Loch zu. So muss sie rechnen, einmal die Miete, einmal das Heizen, einmal das Telefon. Immer gibt es eine offene Rechnung. Kaputt werden darf nichts: kein Boiler und keine Waschmaschine. Mit dem E...

Behindert und sprachlos?

eingSCHENKt

Max wird im November sechs Jahre alt. Wenn es nach ihm gehen würde, hätte er gerne jeden Tag Geburtstag. Leider kann er diesen Wunsch nicht selbst äußern, da er aufgrund seiner Behinderung, einer spastischen Tetraplegie, auch keine Lautsprache hat. Sein Laut- bzw. Wortverständnis ist jedoch kaum eingeschränkt. Er ist ein sehr aufgeweckter Bub, der aber seine Arme und Beine nur schwer bewegen kann. Das Schreiben und Rechnen soll Max nun mit ...

Wir kaufen uns die Welt

eingSCHENKt

100.000 Euro hätte Ernst Strasser gerne genommen, dafür, dass er als Abgeordneter Gesetze für seinen Auftraggeber beeinflusst. Britische Undercover-JournalistInnen haben diese Art von gekaufter Politik aufgedeckt. Strasser wird jetzt als Sündenbock durchs Dorf getrieben. Hinter Strasser versteckt sich aber ein grundlegenderes Problem, nämlich das von Machtungleichgewichten in der Demokratie. Auf Ebene der europäischen Kommission sind aktuel...

Teuerung

eingSCHENKt

Wenn die soziale Schere zwischen Arm und Reich aufgeht, dann wird es teuer. Mehr soziale Probleme verursachen volkswirtschaftliche Kosten. Eine höhere Schulabbrecher-Quote beispielsweise bringt durch steigende Sozialausgaben, höhere Gesundheitskosten und entgangene Steuereinnamen Kosten von 3 Milliarden Euro bei 10.000 Drop-outs. Oder wird Kinderarmut nicht bekämpft, entstehen Kosten von 4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr. Ihre Bekä...

Was wir tun und sein können

eingSCHENKt

Samstagnachmittag im Treffpunkt der Kontaktstelle für Alleinerziehende. Gut zwanzig Frauen kommen hier monatlich zu einem Austausch zusammen. Als Thema steht heute die Frage nach dem guten Leben auf dem Programm. Für Maria zum Beispiel gehören gute Bus- und Bahnverbindungen unbedingt dazu, weil sie sonst nicht mobil genug wäre und kaum mehr Freiräume hätte. Anna kann sich ein gutes Leben nicht ohne Musik und Kerzen vorstellen, Susanne falle...

Fekter mach süchtig

eingSCHENKt

Wieder einmal ein Gesetz von Innenministerin Fekter: 18 Monate Schubhaft ohne unabhängige Haftprüfung. Und Schubhaft für Kinder ist jetzt ein «Angebot für Eltern». Wenn sie es nicht annehmen, verlieren sie das Sorgerecht ans Amt. Und: Wer ein Kind bekommt und dadurch unter die Einkommensgrenze gerät, wird abgeschoben. «Verfahrensfrei». Der frühere Mitarbeiter der europäischen Grundrechts¬agentur Alexander Pollak hat zu diesem Gesetz e...

Fliegendes Klassenzimmer

eingSCHENKt

Schulräume sind Container, in denen Fächer unterrichtet werden, keine SchülerInnen. Die Räume, in denen wir lernen und lehren, haben sich seit über hundert Jahren kaum verändert. Nach wie vor ist das Klassenzimmer im Format von 9 x 7 m der vorherrschende Ort eines im Stundenrhythmus getakteten Unterrichts. Der Geist der Schule sitzt zwischen den Wänden. Nicht zufällig steht das Wort Schule für das Gebäude und das, was in ihm "gehalten"w...

Die Zivilgesellschaft

eingSCHENKt

Alles soll anders werden, aber nichts darf sich ändern. Eine aufmüpfige Resignation prägt seit Jahren das Land. Die Auflehnung gegen «die Mächtigen» erscheint als Sehnsucht nach Anerkennung durch sie. Das depressive Bewältigungsmuster des Raunzens statt der Frechheit von unten, Millionen Wohnzimmer-Kommentatoren mit Senf zu allem, ohne selbst Verantwortung zu tragen; der Wohlfahrtsstaat als fürsorglicher Übervater mit ewig pubertierenden...

Vermögenssteuer auf Arme

eingSCHENKt

In der Steiermark wird der Regress in der Sozialhilfe und in der Pflege wieder eingeführt. Das wirkt wie eine Vermögenssteuer auf Arme und die Mittelschichten. Während vermögensbezogene Steuern als Beitrag der obersten, reichsten 10 Prozent nicht eingeführt werden, ist es offenbar kein Problem, die mittleren und unteren Haushalte mittels Regress voll zu belasten.

Vater Staat?

eingSCHENKt

Was sind die Stärken und was sind die Schwächen, fragt man sich, wenn man etwas verbessern will. Im besten Fall wird man dann die Schwächen korrigieren und die Stärken optimieren. Das gilt auch für den Sozialstaat. Wir können eine Reihe von Fehlentwicklungen und Problemstellen des österreichischen Wohlfahrtsstaates identifizieren, um die herum auch die höchsten Armutsrisken auftreten. Reformstrategien für sozialen Ausgleich lassen sich a...

Es geht

eingSCHENKt

Wie geht’s? Es geht so. «Bei uns in Jerusalem geht man immer ein wenig wie ein Trauernder bei einer Beerdigung oder wie jemand, der verspätet einen Konzertsaal betritt. Zunächst setzt man tastend die Schuhspitze auf, um vorsichtig das Terrain zu sondieren», lese ich bei Amos Oz. «Aber in Tel Aviv! Die ganze Stadt ist ein einziger Grashüpfer. Die Menschen springen vorbei und die Häuser und die Straßen und die Plätze und der Meereswind u...

Die Mittelschichtslüge

eingSCHENKt

Eine Linie. Am einen Ende stehen die Ärmsten, am anderen die Reichsten. Wenn man nun fragt, auf welcher Position dieser Linie sich die Reicheren einschätzen würden, dann zeigen sie auf die Mitte. Fragt man die Ärmeren, wo sie sich selbst sehen, ordnen sie sich ebenfalls ein: in der Mitte. Das ist der Grund, warum sich die Figur der Mitte so gut eignet, die wahren Verhältnisse zu vernebeln.

Kluge Finanzminister & Zukunftsgeld

eingSCHENKt

Auf was sollte ein kluger Finanzminister achten, wenn er das Budget konsolidiert? Erstens darauf, dass er damit die Konjunktur nicht abwürgt, besser noch sie mittelfristig befördert. Dann geht es darum, die Nachfrage nicht zu demolieren, besser noch sie zu erhöhen; besonders nach gesellschaftlich sinnvollen Gütern und Dienstleistungen. Weiters zeichnet sich unsere kluge Finanzministerin darin aus, in Zukunftssektoren zu investieren; in jene B...

Ein Pflegenetz, das trägt

eingSCHENKt

«Ein guter Tag beginnt mit einem gerechten Budget. Budgetkonsolidierung und Zukunftsinvestitionen sind kein Widerspruch, sondern gemeinsame Notwendigkeit und Gebot der Stunde. Es ist höchste Zeit, Überfluss zu besteuern und in die Zukunft zu investieren. Fangen wir gleich bei der Pflege an», so könnte die Rede eines klugen Finanzministers beginnen. Wenn Pflegedienstleistungen nicht leistbar oder nicht vorhanden sind, trifft das Personen mit ...

Gegensteuern

eingSCHENKt

Die soziale Ungleichheit wird in und nach Wirtschaftskrisen größer, wie der renommierte britische Sozialwissenschafter Tony Atkinson anhand von vierzig Wirtschaftskrisen beobachtet hat. Wir sehen eine zunehmende Ungleichheit innerhalb der Arbeitseinkommen und gleichzeitig eine wachsende Schere durch wieder steigende Vermögenseinkommen bei wenigen ganz oben. Der World Wealth Report berichtet bereits wieder von einem Anstieg des Reichtums der Re...

Guter Schulstart

eingSCHENKt

Wenn das Schuljahr beginnt, beginnen auch die Sorgen. Sorgen, wenn es finanziell sehr, sehr eng ist. Um die 100.000 Kinder leben in Österreich in akuter Armut. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur...

Potemkinsche Sicherung

eingSCHENKt

Der russische Fürst Potemkin hat, so heißt es, der Zarin Katharina auf einer Inspektionsreise durch die Krim nur blühende Dorfattrappen gezeigt. Potemkinsche Dörfer schauen auf den ersten Blick also ganz passabel aus, verbergen aber, was sich eigentlich dahinter verbirgt.

Spitzenbanker im Finanzdistrikt

eingSCHENKt

Die Fragestellung der Analyse hat es in sich: Experten der New Economics Foundation, einer unabhängigen Denkfabrik mit Sitz in London, wollten wissen, welche Jobs mehr zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen. Im Falle der Banker verglichen sie deren Einkommen mit der Wirtschaftsleistung der Finanzexperten, also mit ihren Steuerzahlungen und der Anzahl der geschaffenen Jobs. Das Ergebnis fällt negativ aus: Für jedes Pfund, das die Spitzenbanke...

Das Zwischenreich: neue soziale Risken

eingSCHENKt

Frau S. schlägt sich als Ich-AG und Armutsunternehmerin mit Gebrauchsgrafiken durch den Alltag. Ihr dreijähriger Sohn leidet seit seiner Geburt an schwerem Asthma. Er braucht viel Zeit. Der Lohn ihrer Arbeit ist unregelmäßig und gering. Loch auf Loch zu. So muss sie rechnen, einmal die Miete, einmal das Heizen, einmal das Telefon. Immer gibt es eine offene Rechnung. Kaputt werden darf nichts: keine Boiler und keine Waschmaschine. Mit dem Eink...

Abschiebende Wirkung

eingSCHENKt

Üblicherweise wird eine Schule für Kinder ohne Behinderung gebaut, und Kinder mit Behinderung werden dann in diese Schule integriert. „Bei uns ist es umgekehrt“, erzählt die Schuldirektorin Silvia Gehrmann. „Bei der Planung dieser Schule gingen wir von den Bedürfnissen von Kindern mit schwersten Behinderungen aus. Was architektonisch für Kinder mit schwersten Behinderungen notwendig ist, bietet auch für Kinder ohne Behinderung optimal...

Ungleichgewichte und das Finanzdesaster

eingSCHENKt

Hinter den Problemen rund um Griechenland steckt mehr als nur gefälschte Statistiken. Es geht um die Ungleichgewichte im Euroraum, die bestimmten Interessengruppen in den reicheren Ländern jahrelang äußerst recht waren. Das Konsumwachstum betrug seit 2000 in Griechenland 74 Prozent, in Deutschland im gleichen Zeitraum jedoch nur 16 Prozent. Österreich lag mit 31 Prozent in der Mitte. Ähnlich hoch wie in Griechenland war das Konsumwachstum i...

Arena der Anerkennung

eingSCHENKt

Früher hatten die Eltern zu ihren Kindern gesagt, du sollst es einmal besser haben. Jetzt sagen sie, hoffentlich hast du es nicht schlechter. Schichten, die bislang für sich und ihre Kinder nur die Perspektive des Aufstiegs kannten, sind nun plötzlich mit dem Abgrund des Abstiegs konfrontiert. In Interviews mit männlichen angelernten Arbeitern und Facharbeitern sowie prekär beschäftigten Frauen in der Steiermark kommen all die Begleitfolgen...

Geniessen verboten

eingSCHENKt

Ein E-Mail landet in meinem Postfach. „Meine Meinung ist, wer immer genug eingezahlt hat, bekommt auch im Alter genug zum Leben“, schreibt Frau Waltraud V. „Ist ja nur gerecht, wer immer brav arbeiten war und immer eingezahlt hat.“ Und weiter: „Bei mir war es so: Ich hatte eine Operation, wurde gekündigt und dann in die Pension geschickt. Man hatte keine Verwendung mehr für mich. Der Gipfel war dann, man hat mir noch Pension abgezogen...

Ein ungeheurer Mythos: das Abstandsgebot

eingSCHENKt

„Nur wenn der Abstand zwischen Erwerbsarbeit und Sozialleistung möglichst groß ist, gehen die Leute arbeiten.“ Das ist das so genannte Abstandsgebot. Die empirische Forschung hegt an dieser Annahme seit Jahren große Zweifel, was ihrer Popularität und mythischen Wiederholung jedoch keinen Abbruch tut. Eine Mischung aus gesundem Vorurteil und neoklassischer Modelltheorie hat sich zu einer stabilen Seinsgewissheit verbunden, die sozialempiri...

Soziale Schere schadet (fast) allen

eingSCHENKt

Noch mehr soziale Ungleichheit heißt noch mehr Krankheiten und noch geringere Lebenserwartung, mehr Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen, mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos. Das Interessante: Eine sozial polarisierte Gesellschaft bringt Nachteile nicht nur für die Ärmsten, sondern auch für die Mitte. Es stehen nicht nur die unterprivilegierten Mitglieder schlechter da, sondern auch die Wohlhabenderen. Die sozial...

Achtzehn Jahr - und niemand mehr da?

eingSCHENKt

Geburtstagstorte – achtzehn Kerzen brennen. Das heißt für viele Jugendliche Kerzen ausblasen und gehen. Familien setzen ihre Kinder üblicherweise nicht mit 18 Jahren plötzlich auf die Straße, sondern fördern im besten Fall ihre Entwicklung zu reifen, selbstständigen Erwachsenen. Der Staat Österreich beendet seine Fürsorge jenen Kindern gegenüber, die ihm anvertraut sind. Und zwar mit 18. Einfach so.

Verliererbeschimpfung

eingSCHENKt

Die Missbrauchsdebatte ist eine Debatte der Krise. Dass die Missbrauchsdiskussion gerade in Zeiten steigender Erwerbslosigkeit auftritt und es speziell bei Konjunktureinbrüchen wie Anfang der 80er Jahre, Mitte der 90er und Anfang der 2000er Jahre besonders viele „Unwillige“ geben soll, ist politisches Kalkül. Offensichtlich wird die Missbrauchsdebatte nicht geführt, um die „Treffsicherheit“ von Unterstützungen zu erhöhen, sondern Kü...

Schule, die allen nützt

eingSCHENKt

Bei gleichen Leistungen bekommen ärmere Kinder schlechtere Noten. Bei gleichen Noten treten ärmere Kinder seltener in die AHS über. Zwei aktuelle Ergebnisse aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung. Bettina Kellner muss genau rechnen mit ihrem kleinen Einkommen und den drei Kindern. Schulanfang und Kosten sind immer ein Problem. Nachhilfestunden sind da ohnehin nicht mehr drin. Zu Hause ist es auch sehr eng in der kleinen Wohnung. „All...

Krank und keine Versicherung

eingSCHENKt

Im Süden von Wien, weit draußen zwischen dröhnenden Autobahnen und trostlosen Gewerbeparks, hat eine kleine Ambulanz geöffnet für all jene, die durch das Netz der Gesundheitsversorgung fallen. Bei Amber-Med arbeiten Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Gynäkologen, derzeit unentgeltlich. Die PatientInnen werden mehr. Insgesamt sind über 100.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert, das sind fast zwei Prozent der Wohnbevölkerung...

Von Schlüsseln und Schlössern

eingSCHENKt

„Arbeit ist die beste Form der Armutsbekämpfung“, sagen die einen. „Eine Grundsicherung würde die Armut abschaffen“, sagen die anderen. „Bildung ist der Schlüssel“, sagen die dritten. „Arme bekämpfen statt der Armut“, sagen die vierten zwar nur leise, drücken es aber durch ihre Vorschläge laut aus. Was hilft nun wirklich? Nehmen wir einmal die „Klassenkämpfer von oben“ beiseite, deren Maßnahmen offensichtlich der Produ...

Das Problem mit der "Treffsicherheit"

eingSCHENKt

Länder, die ihre Sozialleistungen hauptsächlich auf die Ärmeren konzentrieren, gehören zu den Ländern mit der höchsten Armut. Das hört sich seltsam an. Je „treffsicher“ Sozialleistungen sind, desto geringer müsste doch die Armut sein. Ist sie aber nicht. Diejenigen Staaten, deren Sozialsysteme sich in erster Linie an "Treffsicherheit" orientieren wie England oder die USA haben höhere Armutsquoten als Staaten mit egalitärem Bildungss...

Die Leistungslüge

eingSCHENKt

In Österreich verdienen zwei Millionen Menschen so wenig, dass sie nicht einmal Steuern zahlen. Wer Steuern zahlt, so der Finanzminister wortwörtlich, ist ein „Geber“, ein „Leistungsträger“. Die anderen sind die „Nehmer“. Die Tausenden in prekären Jobs und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sind also offensichtlich keine „Leistungsträger“. Wenn als „Leistungsträger“ stets die Bezieher hoher und höchster Einkommen ...

Scheren und Abscheren

eingSCHENKt

Betrachtet man die Verteilung der Einkommen privater Haushalte, so zeigt sich die größte Ungleichverteilung bei den Markteinkommen mit einem Ungleichheitswert von 0,46. Dieser Gini-Koeffizient ist ein Maß für Ungleichheit, je näher O desto gleicher, je näher 1 desto polarisierter. Die Einkommensunterschiede weiteten sich vor allem seit Mitte der 1990er Jahre merklich aus. Die Gini-Koeffizienten stiegen rasch: Er erhöhte sich für alle Steu...

Zur Welt bringen

eingSCHENKt

Krise ist, wenn das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren ist. Vielleicht ist jetzt die Zeit, um mit etwas Neuem zu beginnen. Denn die Lage ist nicht ungefährlich. Die soziale Krise beginnt erst, die Verteilungskämpfe zeichnen sich ab, die Sozialschmarotzerdebatte wird in Stellung gebracht. Der Druck wird in Krisen meist nach unten weitergegeben, die Krisenkosten nach unten geschoben. Was meist am besten mit Strategien des „Auseinanders...

Aktuelle Ausgabe

article_1888_aug_313_cover_180.jpg

Spenden

Aktuelles