Wir sind uns selbst fremd
Mehmet Emirs Brief an die Mama
Hallo Mama!
Ich weiß, Dir geht es nicht besonders gut. Wie geht es Vater? Solltest Du nach meinem Befinden fragen – Allah sei Dank – ich kann nicht wirklich klagen, aber arbeiten muss ich viel! Und verliebt habe ich mich auch schon lange nicht mehr. Heutzutage ist es schwer, sich in meinem Alter zu verlieben.
Flamenco auf einer kurdischen Hochzeit
Das nackte Leben spezial:

Mehmet Emir ist Sozialarbeiter beim Augustin. Daneben beschäftigt er sich intensiv mit der Kunst des Fotografierens. Von seinen Heimatbesuchen im kurdischen Teil der Türkei kehrt er immer mit Fotoserien zurück – darunter auch Dokumentationen von Hochzeitsfesten.
Die Hüte meines Vaters
Der Gastarbeiter der ersten Generation erinnert sich an ein schönes Wien
"Briefe an den Vater" heißt eine Monatskolumne unseres Mitarbeiters Mehmet Emir. Es sind fiktive Briefe des in Wien gebliebenen Sohnes nach Elazig, wohin der Vater nach 30 Gastarbeiterjahren in Österreich zurückgekehrt ist. Im Sommer hat Mehmet seine Familie im Osten der Türkei besucht. Der Adressat der Serienbriefe wird durch Mehmets Notizen aus der alten Heimat "greifbarer". Wie lebt einer, der von sich sagen kann, er habe die Straßen Wie...
Kölnisch Wasser vermischt mit Schweiß
Briefe an den Vater
Hallo Vater! Wie geht es dir? Wie geht es dir mit meinen Geschwistern? Hast du dich an sie gewöhnen können? Oder suchst du wieder nach deiner Einsamkeit, indem du dich in deinen Obstgarten zurückziehst? Du hast dir wahrscheinlich deine Pensionszeit sehr leicht vorgestellt. Du hast dir gedacht, ich fange dort an, wo ich alles stehen lassen habe. Die ersten Jahre deiner Pensionierung waren sowohl für dich als auch für mich, meine Mutter, aber ...
Im letzten Zimmer der Baracke
Briefe an den Vater
Hallo Vater! Wie geht es dir? Wenn du nach meinem Befinden fragst gut. Es ist wieder ein Jahr vom Leben abgezogen. Immer noch die Fragen Überleben, Arbeit usw. ... Als ich noch in der Türkei war, bis zu meinem 16. Lebensjahr, habe ich mir solche Fragen überhaupt nicht gestellt. Je älter man wird, desto mehr beschäftigt man sich wahrscheinlich damit.
Jagd im Mandelbaumgarten
Briefe an den Vater
Hallo Vater! Es ist Freitagabend. Nach einem anstrengenden Tag nach der Arbeit gehe ich noch fort. Mit einem Freund treffe ich mich. Es wird sehr spät. Zu Fuß möchte ich nach Hause gehen. In dem Moment kommt der Nachtbus. Es sind viele junge Leute drin. Nach 3 Stationen steige ich aus. Viele steigen aus. In der Dunkelheit durch die raschelnden Herbstblätter, ein bisschen durch Alkohol angeheitert, schlendere ich stadtauswärts. Hinter mir Sch...
Deine trügerischen Fotos aus Wien
Briefe an den Vater
Hallo Vater! Es ist wieder fast ein Monat vergangen seit meinem letzten Brief. Das Leben ist in Wien gleich geblieben. Was sich geändert hat: Es gibt sehr viele Hochhäuser mit sehr viel Glas, und es gibt U-Bahn-Verlängerungen. Ansonsten ist Wien immer noch für mich eine museale Stadt. Viel Geld wird in die Museen und in alte Theaterstücke und in die Oper hineingepumpt. Auch die amerikanischen Musicals verschlingen ganz schön viel Geld. Aber...
Die Briefe des "Deutschen"
Briefe an den Vater
Nach langer Zeit gehe ich wieder in ein Konzert. Es spielt eine bulgarische Jazzgruppe. Ich tanze. Anschließend wird Balkan-Musik aus der Dose gespielt. Gegen 5 Uhr verlasse ich das Lokal. Über den Schwarzenbergplatz und den Ring komme ich gegenüber der Oper an. Es hat viel geregnet. Über das nasse Grün gehe ich weiter. Eine Bratwurst bestelle ich. Bei diesem Würstelstand wird auch Pizza und Kebap verkauft. Die beiden in der Würschtelbude ...
Die Geschichte deines Überlebens
Briefe an den Vater
Hallo Vater!
Wie geht es dir? Ich hoffe, gut. Ich bin immer noch in Wien. Gestern war ich im Café Leopold. Ich stand an der Bar. Eine Touristengruppe von fünfzehn Leuten stürmte herein. Das Lokal war voll. Nachdem die Touristen weggegangen waren, schrie eine Frau durchs ganze Lokal; Wie geht es dem Vater? Ich verstand sie nicht. Sie schrie noch lauter: Wie gehts dem Vater? Darauf antwortete ich: Gut. Sie hatte unsere Geschichte ...
Mir sieht man es nicht mehr an
Briefe an den Vater
Hallo Vater!
Es ist 2 Uhr in der Früh. Ich kann nicht schlafen. In der Küche sitze ich, neben mir der Kühlschrank, wie in jeder modernen Wienerwohnung. Ich lausche dem Rauschen der Wienernacht. Die anderen sind schon eingeschlafen. Mir gehen so viele Sachen durch den Kopf. Übrigens, bei mir sind es auch am 18. März 25 Jahre geworden, seit ich in dieser Mozartstadt bin. Glaube mir, mir sieht man nicht mehr an, dass ich einer von euch bin. Ic...