ico_youare10g.gif AUGUSTIN
Autor/in: Reinhold Schachner Seite: 1

Insekt mit Knallkörper

Beim Betreten des Gebäudes mit der repräsentativen Anschrift Wollzeile 1 wird das Auge unweigerlich irritiert: alu-gerahmte Glastüren, also Stangenware aus den 1970er-Jahren, im Gründerzeithaus! Die Portierlogen sind auch nicht mehr bemannt. In der einen hängen von Miriam Visaczki bemalte und beschriftete Glaskacheln, in der anderen steht ein offenes Pentagondodekaeder von Simone Klien. Dem Körper fehlt die zwölfte und schließende Platte,...

Stellung beziehen im Licht der Öffentlichkeit

Künstler und Künstlerinnen gaben im Zuge der Angelobung der schwarz-blauen Regierung vor genau zehn Jahren kräftige, politisch konnotierte Lebenszeichen von sich. Sie halfen mit, neue Protestformen zu kreieren. Darüber hinaus erreichten auch so manche explizit politische Arbeiten Nachhaltigkeit. Klein, aber oho war beispielsweise der von der Malerin Johanna Kandl gestaltete so genannte Widerstandsbutton. Oder die "Soundpolitisierung" der Plat...

Kannibale und Liebe

Chor der Schweinegrippe-Hysteriker in der Drachengasse

Die Persönlichkeit des Schweinegrippe-Hysterikers bildet sich durch den Konsum von Boulevard-Medien heraus. Mit existenziellen Mini-Dramen, in denen die großen Themen Liebe, Sexualität, Geld, Leben und Tod vorherrschen, sättige sich der Schweinegrippe-Hysteriker, heißt es einleitend zu "4 Gossip Operas", dem Werk des Komponisten, Autors und Regisseurs Alexander Kukelka, das im Theater Drachengasse im Jänner uraufgeführt wird. Zuffällig se...

Quer durch den Bezirk - Quer durch die Stadt

Hauptsache Kultur in der vorweihnachtlichen Zeit

vember.jpg Keine Sorge, in beiden ist nicht viel Weihnachtliches drin: Zum einen der Margaretener Kulturadventkalender (MAKAK), zum anderen "Der musikalische Adventkalender".

Die Wiener Linien produzieren akustischen Müll

Der guten Ordnung halber sei erwähnt:

Mit dem Motto "Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme" zieht Vizebürgermeisterin Renate Brauner für die aktuelle Sauberkeits- und Sicherheitsoffensive (die per se zu hinterfragen wäre, Anm.) der Wiener Linien ins Feld. Dieses Motto hat allem Anschein nach aber nur für das gemeine Volk der Fahrgäste im Umgang miteinander zu gelten, denn gerade die Geschäftsführung der Wiener Linien zeigt sich mit dieser Kampagne ungemein respekt- und rüc...

Die "Nicht-Befürwortung" einer Theaterform

Was der Kulturbeamte nicht kennt, subventioniert er nicht ...

Forumtheater ist die zentrale Methode im Theater der Unterdrückten. Es beschäftigt sich unter Mitwirkung des Publikums mit Ungerechtigkeiten in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Nach 1993 in Rio de Janeiro und 1997 in Toronto wird das WeltForumTheaterFestival heuer erstmals in Europa durchgeführt, auf sechs österreichische Städte verteilt – und die Kulturabteilung der Stadt Wien scheint mit dieser (politischen) Form des...

Wien ohne Chauvinismus

"Roter Oktober" legt im Kabelwerk an

„Roter Oktober“ heißt ein Gerstensaft einer Dresdner Brauerei. Gleichen Namens ist ein Atom-U-Boot, das im Bestseller-Roman von Tom Clancy gejagt wird. Dem nicht genug, tauchte auch noch im Herbst 2007 in Wien ein genreübergreifendes Literaturfestival unter „Roter Oktober“ auf.

Heterogenes Tal in der Stadt

Raumplaner auf der Suche nach Unorten am Wienfluss

Das Wiental soll an Attraktivität zulegen bzw. stärker ins Bewusstsein der AnwohnerInnen gerückt werden – das sind Vorhaben der Wiental ArbeitsGruppe Gebietsbetreuungen (WAGG). Seit zwei Jahren arbeitet sie als Vernetzungsstelle und wünscht sich, dass die Bevölkerung das Angebot des niederschwelligen Zugangs (sowohl physisch als auch online) auch nützt und sich in der Gestaltung des eigenen Lebensraumes einbringt.

Talkmaster Johnny

"Auf der Flucht"- Eine dreiteilige Fernsehshow auf der Theaterbühne

Aus Österreich nach Afrika flüchten!? Ja, das führte Johnny im Schilde, doch er schaffte es nicht einmal ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Aber, er traf Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, und solche, die diesen unter die Arme greifen. Für Johnny lautet daher das Gebot der Stunde: die Gesellschaft verändern – er wird daher Fernsehmoderator für prekäre Lebenssituationen.

Im Nadelstreif in die Meldemannstraße

Rüstiger Rentner und Augustin-Verkäufer

Der Augustin-Verkäufer Norbert Gaggl fühlt sich trotz Rentenalters topfit. Sein Rezept, um agil zu bleiben, beinhaltet viel Bewegung und vor allem Kontakt zu Menschen. Beides ließe sich mit dem Straßenzeitungverkaufen verbinden. Dieser Kolporteur scheint mit der mühsamen und nicht angesehenen Tätigkeit mehr als zufrieden zu sein – solange nicht die Polizei dazwischenfunkt.

Als Maler Fantast – als "Patient" Aufklärer

Anton Blitzstein

Augustin-VerkäuferInnen bieten seit ein paar Wochen ein so genanntes Postkarten-Book an. In das Cover sind zehn herausnehmbare Karten geklebt. Es kostet vier Euro, davon bleibt, wie es bei Augustin-Produkten üblich ist, die Hälfte der Kolporteurin bzw. dem Kolporteur. Der restliche Gewinn wandert in die Tasche Anton Blitzsteins, da Bilder von ihm die Postkarten schmücken. Höchste Eisenbahn, den Künstler, dessen Werke auch im Augustin unter...

Katastrophe Wohnungsmarkt

Über Mietrechts- und wohnpolitische Fragen …

Leistbares und zeitgemäßes Wohnen wird immer öfter zur Traumvorstellung vieler Menschen. Teuerungen bei Lebensmitteln und Energie sind nicht ohne, aber regelrechte Preis-Explosionen gab es in den letzten gut 15 Jahren am Wohnungsmarkt. Zu verdanken ist es der Mietrechtsreform aus dem Jahr 1994 und dem fehlenden öffentlichen Wohnbau. Doris Schlager und Josef Iraschko von der überparteilichen MieterInnen-Initiative berichteten dem Augustin Ha...

Der Sog der Bilder

Wegzeichnungen

„Himmel“ nennt Heimo Wallner seine aktuelle Ausstellung in der Galerie mel contemporary, weil ihm das Schriftbild dieses Wortes so gut gefalle, und es würde sich – soweit er wisse – kein positives Wort auf Himmel, wenn man die Pferde-Bedeutung von Schimmel ausnimmt, reimen. Himmel gibt es aber keinen zu sehen, lediglich eine Wolke, in die man mit dem Kopf auch eintauchen kann, und jede Menge Pimmel.

Wegen Solidarität in den "Untergang"

Traumschiff, Zug und Straße – Stationen des Christian Meischl

In den letzten Monaten bekam Christian Meischl öfters zu hören, er sei wieder aufgeblüht. Die Talsohle, das Betteln in der Mariahilfer Straße, hat der ehemalige Kellner eines Haubenrestaurants durchschritten. Nun steht auf seinem Plan, wieder eine Wohnung zu finden und sich als Betroffener aktiv für die Armutsbekämpfung einzusetzen.

Nicht ohne meinen "Arco"

Wenn man keine Wohnung, aber einen Hund hat

Nur wenige Einrichtungen für Wohnungs- oder Obdachlose erlauben das Nächtigen mit Haustieren. Der Augustin befragte Betroffene zu Herbergssuche mit Hund und VertreterInnen von progressiven Obdachloseneinrichtungen, warum sie Tiere erlauben würden. Darüber hinaus sollen noch zwei Beispiele das Vorurteil, Obdachlose könnten unmöglich gut für einen Hund sorgen, widerlegen.

"Die Behäbigkeit der Stadt aussitzen"

Ein Haus für Punks ist kein Geschenk, sondern ein Sozialprojekt

Die Initiative Pankahyttn, eine Gruppe von zirka 50 Punks, verhandelt seit zwei Jahren mit der Stadt Wien, um ein Haus auf Betriebs- und Energiekostenbasis als Untermieter zu bekommen. Laut der von beiden Parteien unterzeichneten Zielvereinbarung sollte mit Ende September 2007 ein Objekt bereit stehen, doch das Magistrat agiere „behäbig“, meint eine Punk-Aktivistin im Gespräch mit dem Augustin.

Zwischen den Schaufensterpuppen

Vom Zeitschriftenabo- zum Straßenzeitungsverkäufer

Mit „die Kinder kommen nockert auf die Welt“ erklärt Augustinverkäufer Hans Edlmayr einem ihm bekannten Passanten, warum er schon wieder bei der Arbeit sei. Unmittelbar vorher begrüßte ihn dieser ältere Bekannte, indem er mit seinem Spazierstock gegen die Krücke von Hans klopfte. „Die Leute in der Mariahilfer Straße sehen mich nicht als den armen Behinderten, sondern als einen lebenslustigen Menschen“, so kommentiert der Untersche...

Die Hüterin des Hauses

Eine weitere Biografie gegen die Parole "AsylantIn gleich Wirtschaftsflüchtling"

Elena Kimshiashvili war gezwungen, am Beginn des „Abends ihres Lebens“ neu anzufangen. Sie hat hier Land und Leute schätzen gelernt, doch die Asylbehörde hält sie schon seit vier Jahren hin, Land und Leute auch in vollen Zügen genießen zu können.

Lust am Widerstand

Über Schlurfkatzen, Zazous, Swings und Potapki

„Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, zuerst geht der Hitler, und dann die Partei. Es geht alles vorüber, die HJ wird vergeh´n, doch der Schlurf, der wird immer und ewig besteh ´n!“ Spottlied der Schlurfs Mit dem Film „Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt“ wird nur einer nachtaktiven – Sendetermin 23 Uhr! – Öffentlichkeit die Gelegenheit geboten, sich zu den Wurzeln der Halbstarken, Hippies oder Punks zu beg...

Der Engel aus dem Schacht

Ein Leben ohne Wohnung fordert ein Arrangement nach dem anderen

Rudolf Engel ist ein Augustinverkäufer, der in reger Interaktion mit seinen KundInnen steht. Er und sein Hund Gipsy geben den Menschen auf dem Weg zum Arbeitsplatz, der in den meisten Fällen ein Magistratsbüro ist, frühmorgens ein freundliches Wort und die Möglichkeit, ein Fell zu streicheln, mit. Im Gegenzug erhält der Kolporteur Geld- und Sachspenden und Informationen, die keine noch so aufwändige Medienanalyse ausspucken würde. Die Inf...

Über die Schliessungen eines Musiklokals und einer Mülldeponie

Die Grillgasse, ein Zentrum des Absurden Theaters

Das nicht kommerzielle kleine Kulturzentrum „Movimento“ wurde aus finanziellen Gründen gerichtlich geschlossen. Von Anfang an stieß es bei den AnrainerInnen und der lokalen Politik auf wenig Gegenliebe, verkehrten dort doch auch Punks und so genannte Oi!-Skinheads, die sich explizit gegen die neonazistisch geprägten Skinheads positionieren.

Liedermacherinnen (noch) in der „Vorstadt“

Der Song in der weiblichen Form

Als Vorprogramm zum Internationalen Frauentag am 8. März wird in Wien Künstlerinnen aus dem Bereich Singer/Songwriting eine genderspezifisch ausgewiesene konzertante Plattform geboten. Etwas spät, aber immerhin. Der elektronische Musikbereich war diesbezüglich - was in der VorreiterInnenrolle der elektronischen Kunstsache liegen dürfte – um Lichtjahre voraus.

Der doppelte Blick auf Obdachlosigkeit

Vom beengenden Kärnten ins befreiende Wien

Der Augustinverkäufer Josef Geric kennt Obdachlosigkeit von zwei Seiten. Einerseits hat er für ein paar Jahre ehrenamtlich an der Seite von Pater Georg Sporschill Menschen ohne Wohnung betreut, andererseits verlor er allmählich den Boden unter den Füßen und wurde selbst obdachlos. Seit zwei Jahren erlebe er aber einen „starken zweiten Frühling“, denn die Alkoholsucht habe er Dank seiner Freundin erfolgreich bekämpft.

Ein Biotop aus 212 Büchern

Verschrobene Künstlerlogik – „Quantität vor Qualität“

Durch den Verzicht auf Leistungszwang brach bei Markus Kircher die Arbeitswut aus und hielt zwölf Jahre lang an. Das Resultat war die „Völlige Bibliothek“, ein aus über zweihundert Büchern bestehendes Werk mit bildender Kunst und Literatur, das sich ab Ende Jänner nicht nur sportlichen Kunstinteressierten offenbaren wird.

Das Café Ritter ist Ahmadous zweites Zuhause

„Die ZeitungskäuferInnen geben mir eine Chance“

Er mache immer das Beste aus seiner Situation, lautet der einhellige Tenor, wenn man Ahmadou Sow von Menschen aus seiner näheren Umgebung charakterisieren lässt. Darüber hinaus gilt er beim Augustin als Pionier: Er war der zweite Schwarze, der die Straßengazette Augustin unter die Wiener Bevölkerung brachte, und der erste, der Fußbälle für die Mannschaft der Straßenzeitung ins Tor versenkte.

Medienprofi Michi

Das Mozartjahr ist für ihn geschäftsschädigend

26 Jahre ist er jung, doch auf mehrere Jahre Obdachlosigkeit, teilweise gemeinsam mit der Mutter, muss Michael Sturm schon zurückblicken. Aber im letzten Winter sagte der Augustinverkäufer mit Arbeitsplatz nahe dem Musikverein dem Leben auf der Straße adieu.

Nikolaus Dimmel stellt der Sozialarbeit ein schlechtes Zeugnis aus

Im Bermuda-Dreieck abgetrieben

Das Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit veranstaltete am 6. April 2006 einen Nachmittag zum Thema „Der Sozialstaat am Ende? Für die Sozialarbeit die Wende?“. Für die Rolle des Agent Provocateurs wurde der Salzburger Jurist und Politikwissenschafter Nikolaus Dimmel engagiert. Der zweifache Doktor, Uni-Professor und Nicht-Sozialarbeiter Dimmel wurde den Erwartungen voll gerecht, indem er im Rahmen eines Vortrags der Sozialarbeit attestierte,...

"Auch unsere Leute lachen"

Zeitungmachen als "sinnvolle" Alternative zum erzwungenen Nichtstun?

Die Straßenzeitung „Kupfermuckn“ beschreibt die Schnittstelle zwischen Randgruppensprachrohr und gesellschaftskritischem Journalismus auf virtuose Weise. Oder anders ausgedrückt: Die Kupfermuckn (Vagabundenslang für: Unterschlupf, Abbruchhaus) ist ein Sozialprojekt für und von Armut und Obdachlosigkeit Betroffene(n), von dem auch die von kritischen Zeitungen nicht gerade verwöhnte oberösterreichische LeserInnenschaft profitieren kann.

Das große Testen

Straßenzeitungskicker als Schuhexperten

Frostiger Montagabend in Transdanubien: Fünfzehn erschrockene SW-Augustin-Fußballer stehen drei Bergen von Fußballschuhen gegenüber, die nur so darauf warten, durchprobiert und getestet zu werden. Drei große Sportartikelhersteller wünschten sich Expertisen über ihre „Hallenböcke“.

neunerHaus Nummer 2: Obdachlose finden in Döbling zur inneren Ruhe

Unkonventionelle Liberalität

Der Verein neunerHaus eröffnete am 5. September feierlich sein zweites Haus. Hausleiter Johannes Lorenz und Geschäftsführer Markus Reiter führten den Augustin durch die billige, aber mitnichten grindige Absteige für Männer in akuter Wohnungslosigkeit.

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