Zur Welt bringen
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Krise ist, wenn das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren ist. Vielleicht ist jetzt die Zeit, um mit etwas Neuem zu beginnen. Denn die Lage ist nicht ungefährlich. Die soziale Krise beginnt erst, die Verteilungskämpfe zeichnen sich ab, die Sozialschmarotzerdebatte wird in Stellung gebracht. Der Druck wird in Krisen meist nach unten weitergegeben, die Krisenkosten nach unten geschoben. Was meist am besten mit Strategien des „Auseinanders...
Zwei Paar Schuh`?
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„Bist eine Schwuchtel?“, fragt der 15-Jährige den Gleichaltrigen beim Blick auf dessen Converse-Schuhe. „Bist deppert“, fährt ihn der an, „was hast?“ Gute Frage. Converse-Träger haben etwas, was er nicht hat: Eltern mit Geld und höherer Bildung, AHS und postmaterialistische „Gutmenschen“-Werte wie Umwelt und Toleranz. Man hört Green Day und gerne FM4. „Sind dir deine Lacoste Schuhe nicht peinlich?“, holt Converse zum Gege...
Mindestsicherung: Mythen, Irrtümer und Vorurteile
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Mit der Mindestsicherung wird jetzt das Sozialsystem armutsfest gemacht. Sagen die einen. Jetzt wird ja keiner mehr arbeiten gehen. Sagen die anderen. Nichts von beiden wird eintreten. Man kann rhetorisch und ideologisch wieder abrüsten. Mit der so genannten Mindestsicherung werden völlig falsche Erwartungen geweckt. Bei den Hilfesuchenden genauso wie bei den prinzipiellen Gegnern von Sozialtransfers für Arme. Es wird über etwas diskutiert, d...
Sozialbereich: Potenziale nicht brach liegen lassen
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Die Finanzkrise wird bereits „abgesagt“. Die Ober-Absageagenturen sind Währungsfonds, dieselben Wirtschafts-“Experten“ von vor der Krise und der Finanzminister. Dabei steht die soziale Krise erst vor der Tür. Praktisch, die Absage: Jetzt braucht es urplötzlich keine sozialen oder konjunkturellen Maßnahmen mehr. Im Gegenteil, noch praktischer: Jetzt ist kein Geld mehr da für Mindestsicherung, Pflegefonds und Schulreform. Und noch viel...
Mindestsicherung: "Klassenkampf von oben"
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Armut macht keinen Urlaub. Die Sozialhilfereform schon. Seit Jahren. Vier Jahre wird das Projekt Mindestsicherung, im Kern eine Reform der Sozialhilfe, nun schon diskutiert. Jetzt präsentierte die Regierung in einem Sommerministerrat neue Einzelheiten. Das bereits ausverhandelte Paket wurde auf Druck des Finanzministers erneut aufgeschnürt. Und verschlechtert. Im Ministerratsprotokoll steht der kryptische Satz, dass in einer „Arbeitsgruppe“...
Herzschmerz
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Harlem, der Stadtteil New Yorks mit größter Armut, weist Sterberaten auf, die so hoch sind wie jene von Bangladesh. Der Hauptgrund für die hohen Sterberaten in Harlem ist nicht die Gewalt, auch nicht die Drogen, sondern Herzerkrankungen. Sprung nach London: 17.000 Beschäftigte in Ministerien werden auf Unterschiede in der Sterberate bei Herzerkrankungen untersucht. Die niederen Dienstränge hatten eine bis zu viermal höhere Sterberate bei He...
Überholmanöver
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Die letzte Zugabe ist gespielt. Die Lichter gehen an. Die Band hinter der Bühne. Wir vor der Garderobe. Es herrscht Kampfstimmung. Entweder eine halbe Stunde in den Massen quetschen oder lieber fünf Minuten Kampf um die Jacke und dann raus auf ein kühles Bier. Die Fünf-Minuten-Variante gibt’s aber nicht umsonst, sie verlangt einiges ab. Drücken, Stoßen, Vorbeizwängen, listige Überholmanöver aushecken, Ellbogen dosiert einsetzen, dabei ...
Pflege - wie weiter?
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Derzeit werden 80 Prozent der Pflegebedürftigen durch Familienangehörige betreut. 25 Prozent werden durch einen mobilen Dienst unterstützt, in stationärer Pflege befinden sich 15 Prozent der Pflegebedürftigen, und in der sogenannten 24-Stunden-Betreuung fünf Prozent. Es fällt auf, dass sich die öffentliche Pflegedebatte fast nur um fünf Prozent der Betroffenen gedreht hat – und dass insgesamt den Großteil die Familie schultert, insbes...
Armselige Dienste für arme Menschen?
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50.000 Menschen bekommen in Österreich bei keiner Bank mehr ein Konto. Da in Zeiten des bargeldlosen Verkehrs ein Leben ohne Bankkonto schwer möglich ist, gibt es die Forderung nach dem Recht auf ein Bankkonto. In einigen Bundesländern wurde bisher eine "Zweite Bank" gegründet, bei der auch Menschen ein Konto bekommen, die sonst keine Bank mehr nimmt. Hier zeigt sich das Problem: Gut, dass es eine solche Initiative als ersten Schritt gibt, es...
Bewegungsfreiheit
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Mobilitätsarmut sperrt aus. Wenn die verkehrsbedingte Anbindung von Arbeitsmärkten nicht erfolgt, stehen Bevölkerungsgruppen im Abseits. Mobilität ist eine Möglichkeit, den Anschluss zu wahren. Mangelnde Möglichkeiten an unterstützender Verkehrsinfrastruktur zementieren Benachteiligungen, engen die Bewegungsfreiheit weiter ein. Menschen in Armutslagen leben wesentlich öfter allein und können seltener auf ein tragfähiges Unterstützungsn...
ArbeitsLos: Altes und Neues
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Neues von der Finanzkrise. Sie wirkt. Neues vom Arbeitsmarkt. Es wird gewirkt. Viele spüren bereits die Wirkung. Jetzt wäre die – seit über zehn Jahren nicht erfolgte – Anpassung des Arbeitslosengeldes an die Teuerung sinnvoll. Höhere Arbeitslosenleistungen vermeiden Armut, entlasten die Sozialhilfe, nehmen die Veränderungen des Arbeitsmarktes ernst und gehen direkt in den Konsum.
Vermögens-Selbsthilfegruppe
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Im Schweizer Nobelschiort Davos haben sich Verantwortliche der gerade an der ökonomischen Wirklichkeit gescheiterten Geld- und Wirtschaftspolitik getroffen. Der Ökonom Stefan Schleicher sprach davon, dass dort in den Bergen die „Abschiedsparty des Neoliberalismus“ gefeiert würde. Die Stimmung sei jedenfalls nicht gut gewesen, berichteten Anwesende. Viel wurde von Werten, Besinnung und Nachhaltigkeit gesprochen.
Patenschafts-Container
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Viele Familien sind seit Jahren da, arbeiten, die Kinder gehen zur Schule – aber die aktuellen Gesetze wollen sie abschieben. Davon können Familie Erhunwunsee in Bruck an der Mur, Frau Berisha und ihre drei Kinder in Vöcklabruck oder Halit Nuha in Linz-Kleinmünchen ein beklemmendes Lied singen.
Privatpersonen oder private NGOs sollen nun für Krankenversicherung oder Lebensunterhalt aufkommen, dann könnte ein humanitärer Aufenthalt gegebe...
Wo ist das Finanzpaket?
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Das Bankenpaket war superschnell auf Schiene. Das Konjunkturpaket kommt gerade so recht und schlecht auf den Weg. Das Finanzpaket ist noch nicht sichtbar. Es fehlt der dritte, entscheidende Schritt, der die Ursachen der Krise bekämpft: die Kontrolle der Finanzmärkte. Das Engagement ist hier deutlich reduzierter als beispielsweise beim Bankenrettungspaket. Mittlerweile versuchen auch Kommentatoren uns glauben zu machen, dass es sich bei der Fina...
Schule, die nicht sozial ausgrenzt
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Ein guter Start am Schulanfang wird sich angesichts der Teuerungen für viele Kinder heuer nicht ausgehen. 100 Euro und mehr kostet der Schulstart. Die Preise für Nachhilfe sind ebenfalls gestiegen. 225.000 Kinder leben in überbelegten Wohnungen ohne eigenen Platz zum Lernen, sich zu konzentrieren – ein Faktor, der in den Bildungsstudien als wichtiger Indikator für Lernerfolg beschrieben wird. Und der Winter kommt: 83.000 Kinder leben in Woh...
Erdöl macht das Leben teuer
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313.000 Menschen im Land können es sich nicht leisten, die Wohnung angemessen warm zu halten. Das sind vier Prozent der Wohnbevölkerung. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, wird diese Zahl im nächsten Jahr auf eine halbe Million Menschen ansteigen. Die Heiz- und Wohnkosten machen bei Haushalten mit weniger als 900 Euro bereits 36 Prozent des monatlich verfügbaren Gesamtbudgets aus. Je weiter das Einkommen sinkt, desto höher der Anteil.
Befremdendes
eingSchenkt
„Ausländerfeindlichkeit“ hat nur indirekt mit „Ausländern“ zu tun. Ob Ottakring oder das „ausländerfreie“ Kaisermühlen in Wien, die Ablehnung ist gleich hoch. Im ehemaligen Ostdeutschland ist Ausländerfeindlichkeit um ein Wesentliches höher als in Westdeutschland. Nur gibt’s im Osten kaum „Ausländer“. Ablehnung und „Ausländerfeindlichkeit“ sind Machtspiele um die Rangordnung in der Gesellschaft. Zum Ausländer wird, ...
Mindestsicherung: Entscheidende Fragen
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Wir bleiben dran. Die Verhandlungen zur so genannten Mindestsicherung werden konkreter. Was steht drinnen? Und was nicht? Was kann diese Mindestsicherung und was kann sie nicht?
Vormoderne Zwangsgemeinschaft
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„Integration“ sagt man. Nicht nur in der Diskussion um Migration, auch bei Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen ist es ein geflügeltes Wort geworden. Allerdings kommen langsam Zweifel an der herrschenden Verwendung des Integrationsbegriffs auf. Denn die Vorstellung einer umfassenden Integration von Menschen in ein Gesellschaftssystem ist eine vormoderne Idee. Hier wurde die Zugehörigkeit von Personen zu einer bestimmten Gesellschaftsf...
Leistbare Pflege
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Das Pflegegeld reicht nicht aus, um die notwendige Pflege zu decken. Bei Pflegestufe IV, das bedeutet mehr als 160 Stunden Pflegebedarf im Monat, liegt der Deckungsgrad zwischen 9 und 26 Prozent. Das hat der Rechnungshof gerade veröffentlicht. Weit mehr als zwei Drittel müssen die Betroffenen also selbst aufbringen. Wer kann sich das leisten?
Kapitale Möglichkeiten
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Republik heißt res publica, unsere gemeinsame Sache. Reichtum ist etwas Privates, was jemandem alleine gehört. Reichtum ist aber auch all das, was einfach da ist. In Texten der Antike war diese Unterscheidung präsent. Die Herde der Tiere als mein privater Reichtum. Und die Tiere, die die Früchte der Erde herbeitragen: Wein, Trauben, Korn, Wasser und duftende Öle.
Abschreckungshilfe
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Wir öffnen die Archive des Schweigens. Eine Studie zur Nicht-Inanspruchnahme von Sozialhilfe wurde vor ein paar Tagen präsentiert. Berichtet wurde darüber wenig. Stellen Sie sich vor, eine Studie zum „Missbrauch von Sozialleistungen“, sie hätten bestimmt darüber in der Zeitung gelesen, im Radio gehört, im TV gesehen. Was heißt gelesen. Aufmacher in der Kronenzeitung, Diskussion im ORF, wilde Forderungen im Radio.
Erste Klasse Leben
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Als die Titanic den Eisberg rammte und sank, waren die Chancen für die Passagiere zu überleben sehr ungleich verteilt. Von den an Bord befindlichen 2200 Personen überlebten in etwa 700. Die Überlebenschancen richteten sich nach der Klassengrenze – je nachdem welche Kabine man sich leisten konnte. Von 100 weiblichen Passagieren der ersten Klasse haben 90 überlebt, von den Frauen der dritten Klasse nur mehr die Hälfte. Von den Männern der ...
Vergessensabschnitte
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Frühförderung betrifft nicht nur Kinder mit Bedarf an Sprachunterstützung, sondern allgemein Kinder aus sozial schwächeren Elternhäusern. Bei den 4- bis 6-Jährigen gehen Kinder armutsgefährdeter Eltern deutlich weniger in den Kindergarten (57 %) als nicht arme Kinder (75 %). Weiters kommen von den zehn Prozent, die beim Lesen am schlechtesten abschneiden, mehr als zwei Drittel (68 %) aus deutschsprachigen österreichischen Familien. Rund 1...
Mindestsicherung: Wo Armutsbekämpfung endet und Hartz IV beginnt
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Das im Regierungsprogramm vorliegende Konzept ist keine Grundsicherung, sondern eine Sozialhilfereform, deren Eckpunkte noch sehr unklar sind. Drauf steht „bedarfsorientierte Mindestsicherung“, drinnen ist eine Reform der Sozialhilfe. Wie diese „Sozialhilfe neu“ ausschauen wird, bleibt relativ vage.
Harry Potter und der Name, den man nicht nennt
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Voldemort, so heißt der mächtige Zauberer, der nach Harry Potters Leben trachtet und am liebsten die ganze Welt beherrschen will. Die Bewohner der Zauberwelt wagen es gar nicht, Voldemorts Namen auszusprechen. Stattdessen sagen sie. „Er, dessen Namen man nicht nennt“ oder „Du weißt schon wer“. Nur wenige, unter ihnen Harry Potter und der Direktor der Zauberschule Hogwarts, Professor Dumbledore, nennen Voldemort so wie er nun mal heißt...
Etikett Grundsicherung
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Grundeinkommen, Basislohn, bedarfsorientierte Grundsicherung, Sozialhilfereform; was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Grob gesagt vier Modelle:
Die Fassade stimmt
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Vor einem Jahr brannten Autos in Paris. September 2005. Schon vergessen. Jugendliche zertrümmern Straßenlaternen, dringen in Schulen ein und liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei. Wir schreiben den September 1911. Auch vergessen. In den Wiener Vorstädten Hernals und Ottakring brennen Feuer vor den Schulen, die von aus den Klassenzimmern geworfenen Katalogen, Büchern und Heften genährt werden.
Eine Bagatelle
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Die eine Meldung: Leute aus dem Armutsnetzwerk der Slowakei berichten von den steigenden Lebenshaltungskosten in ihren Ländern, die viele ins soziale Out treiben. In der Slowakei wurde die Sozialhilfe massiv gekürzt und die Umsatzsteuer erhöht, übrigens gleichzeitig mit der Entlastung für Reiche durch die Einführung der Flat Tax.
Wie aus weniger mehr wird
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„Stilvoll verarmen“, lautet der Buchtitel des Bestsellers Alexander von Schönburgs. Die Botschaft: Mit weniger besser auskommen, sinnvoller leben, „ärmer“ „reicher“ werden. Das Buch ist exzellent geschrieben und trifft einen richtigen Punkt: was brauchen wir alle den Konsumramsch und den „immer mehr, aber nie genug“-Stress.
Das war`s aber auch schon. Wirklich problematisch wird es nämlich, wenn man sich anschaut, was Von Schön...
Kein Halt durch Unterhalt
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Die Plattform der Alleinerziehenden fragte nach. 17 Prozent der Frauen bekommen für ihre Kinder weder Unterhalt noch Unterhaltsvorschuss.
Vielfach muss durch immer wiederkehrende gerichtliche Klagen und Exekutionsanträge um den Unterhalt gekämpft werden. Ein emotionales Schlachtfeld. Für alle Seiten.
Von Wien nach Paris
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Noch einmal die Jugendkrawalle in Frankreich. Kann das bei uns auch passieren? Wenn die soziale Schere weiter auseinander geht, die Jugendarbeitslosigkeit weiter steigt, die sozialen Aufstiegs-chancen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien sich nicht verbessern und ganze Bevölkerungsgruppen in einen Niedriglohnsektor gedrängt werden, aus dem sie nicht mehr rauskommen: ja.
»Sga« oder die Lektion der Banlieus
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Ich richte mich an meine Brüder, die am Existenzminimum leben / Wir dürfen uns nicht weiterentwickeln, weil wir schwarz sind / Du verstehst, dass mein Hass vom Schmerz genährt wird. So rapt Hip-Hopper Monsieur R. auf seinem neuen Album Politiquement Incorrect.
Geistige Selbstverteidigung 2
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Das Essensgeld ist noch immer nicht gezahlt. Sie kommen in der Früh hungrig in den Kindergarten. Im Winter stapfen sie mit Turnschuhen durch den Schnee. Das sind Kinder, die in knappen finanziellen Verhältnissen aufwachsen. Der Schulanfang macht große Probleme, wenn Zirkel, Hefte, Stifte, Einbände und Werksachen gekauft werden müssen. Die Eltern versuchen zuerst einmal sich selbst einzuschränken, um den Kindern weiter ein normales Leben zu ...
Geistige Selbstverteidigung
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Die Initiative »Neue soziale Marktwirtschaft« bezahlt Talkgäste in Fernsehrunden, um für weniger soziale Marktwirtschaft zu werben. Ein Witz? Nein, eine Kampagne, finanziert durch große Geldgeber in Deutschland, darunter neoliberale Think-Tanks und monetaristisch ideologisierte Interessensverbände. Dieselben »Experten«, die dann in den Talkshows hocken und Zeitungen Interviews geben, werden dann praktischerweise gleich von derselben Initi...
»Die«
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Der Sündenbock ist ein wichtiges Vieh im Stall der Mächtigen. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wenn die sozialen Probleme zunehmen, wenn man das Ganze nicht mehr schönreden und wegreden kann, dann bleibt immer noch eins: man öffnet die Stalltür und reitet den Sündenbock.
Acht gute Gründe, die Sozialhilfe zu reformieren
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Immer mehr Menschen fallen in die Sozialhilfe. Die Gründe: zunehmende Zahl an Jobs, die so gering entlohnt sind, dass davon unmöglich eine Familie leben kann, gestiegene Lebenshaltungskosten bei Wohnen und Energie, nicht Existenz sichernde Arbeitslosen- und Notstandshilfeleistungen, nicht ausreichende Pensionen und generell das Auseinanderdriften der Einkommen zwischen oben und unten.
Bloß krank
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Menschen, die kein sozialversicherungspflichtiges Einkommen haben, länger arbeitslos sind, keine Pension kriegen, weil Pensionszeiten nicht ausreichen, bekommen von der Sozialhilfe "Krankenhilfe", -und damit auch keine E-Card. Das sind Zehntausende, 2002 geschätzte 20000, jetzt werden es aufgrund des Anstiegs der SozialhilfebezieherInnen mehr sein. Einbezogen sind da noch gar nicht die 100 000 ohne Krankenversicherung, die eine Studie im Auftra...
Mittelstandsleiche
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Von den in Lissabon beschlossenen politischen Prioritäten »Wachstum«, »Arbeitsplätze«, »sozialer Zusammenhalt« wurde Letzteres beim EU-Frühjahrsgipfel im März von den nationalen Regierungschefs – nicht von »bösen Bürokraten« in Brüssel – gestrichen. Sozialer Ausgleich hat damit keine Priorität in Europa.
Nix
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Zuerst mussten wir alle sparen. Sparen.Sparen.Sparen. Für morgen in erster Linie und für heute in zweiter. Denn damit wir uns das Morgen noch leisten können, müssen wir im Heute bescheidener werden, hieß es. Wir sparen das Jetzt gegen die Zukunft. Sparen hieß Einsparen: Sparpakete und Nulldefizit und Maastricht-Kriterien.
Jetzt sollen wir aber Kaufen. Kaufen.Kaufen.Kaufen. Wir sollen quasi das ausgeben, was wir seit dem Einsparen nicht meh...
Standortnationalismus
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Wenn sich Nationalstaaten auf Steuerdumping einlassen, verlieren alle. Salzburg wirbt Bayern einen Konzern ab, darauf senkt Bayern die Steuern und Bayern wirbt wieder Salzburg einen Konzern ab, worauf die Slowakei noch weiter runterfährt, um den nächsten abzuwerben.
Parallelgesellschaft
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Der Typ Sozialstaat österreichischer wie auch deutscher Prägung schafft es nicht - trotz insgesamt guter sozialer Sicherung-, die Aufstiegschancen einkommensschwächerer SchülerInnen zu verbessern. Wie ein Fahrstuhl („Fahrstuhleffekt“ © Soziologe Ulrich Beck) wird die Gesellschaft in die Höhe gefahren, was auch die unteren Schichten zu höherem Lebensstandard führt, die Unterschiede aber relativ konstant und die soziale Durchlässigkeit...
Gespaltenes Leben
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Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Denen ist das Lachen vergangen. Genieren sich einfach mit kaputten Zähnen den Mund aufzumachen. Das ist auch eine Möglichkeit Menschen zum Schweigen zu bringen. „Wie soll ich mir den Zahnersatz leisten?“, fragen Betroffene in den Beratungsstellen. Die Krankenkasse zahlt auch immer weniger.
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Mythen beinhart
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Aus der Ferne sieht man vieles klarer. George Bush nennt das Pensionssystem der USA „bankrott“. Deshalb sollen die US-BürgerInnen ein Drittel ihrer Beiträge ab jetzt an der Wallstreet in Aktien anlegen. Das bringt keine festen Leistungszusagen mehr und Einbußen bis zu 40 Prozent für den/die Durchschnitts-Pensionisten/in. Nur: Das US-Pensionssystem macht derzeit 1,5 Billionen Dollar Überschüsse. Das hindert Bush nicht daran, vom Pensions...
Vom Untertan zum Kunden?
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Kunde sein ist fein, wenn man Geld hat. Wenn man aussuchen kann, abschlagen kann, informiert ist. Wer aber nicht die Freiheit hat, mit Geld sich auszusuchen, was man will, abzuschlagen, was man nicht will, und alle Informationen einzusehen, die man braucht, dort ist Kundesein nicht fair. Je weniger Geld ich habe und je stärker meine Abhängigkeit in der Dienstleistungs-Beziehung, desto problematischer wird der Kundenbegriff.
Wer sind Sie?
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„Können Sie sich ausweisen?“
„Ja, ich hab eh meine Kreditkarte dabei.“
In den USA hat die Kreditkarte den Personalausweis abgelöst. Kreditwürdigkeit als Identitätsnachweis. Viele haben mehrere solcher kleinen Kärtchen, je nachdem, welche gerade überzogen ist, muss man die andere zücken, um noch bezahlen zu können.
Alles bleibt anders
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Der Sozialbericht wurde präsentiert. Darin sind die jeweils aktuellen Daten über Armut und Einkommen enthalten. Stehen dort schwarz auf weiß und trotzdem wird verharmlost und verdrängt. Oder gerade deswegen. Is’ eh alles super! Wir machen, was wir können! Net jammern, sondern zufrieden sein! Keep smiling!
Zusammengegeneinanderlebenmüssen
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„Integration ist ein Prozess der wechselseitigen Anpassung und Veränderung zwischen einer aufnehmenden und einer aufzunehmenden Gruppe“ (Rainer Bauböck).: „Während MigrantInnen vor allem auf individueller Ebene große Anpassungsleistungen erbringen müssen, fällt der Aufnahmegesellschaft die Aufgabe zu, die politischen, rechtlichen und kulturellen Institutionen so umzugestalten, dass aus Fremden gleichberechtigte Bürger werden.“
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Schlachtruf
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Die Schauspieler Albert Fortell und Barbara Wussov bezogen zwischen ihren Drehs Notstandshilfe. Was eine große Empörung auslöste, weil viele wissen, wie schwierig es ist, Notstandshilfe zu bekommen: Partneranrechnung, jeden Job annehmen, alle Einkommen angeben etc. Und wenn man Notstandshilfe bezieht, dann ist das für die meisten ein Hungereinkommen. Die durchschnittliche Notstandshilfe von Frauen liegt bei 475.-€. Viele haben weniger als 2...