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Kategorie: Thema :: Armut Seite: 1 2 3

Die Polizei im Kompetenz-Test

Große Busse, dunkle Hintermänner: Salzburger Bettlerphobien

Salzburg. In der Stadt, wo alljährlich der „Jedermann“ unter den Augen der finanzkräftigen Weltelite von seiner Geldgier und Habsucht abschwört, ist Betteln seit den 70er Jahren verboten. Warum ein Theaterstück so gar keine Auswirkungen auf das Leben, die Gesellschaft und die Gegenwart hat, ist wohl darauf zurück zu führen, dass die Salzburger Festspiele seit jeher kein Kunst-, sondern ein Selbstdarstellungsevent der Eliten sind: Wer in...

Ein Kinofilm für Nagl

Koalitionspartner der Grünen will Behinderten das Betteln verbieten

Schwarz und Grün regieren die steirische Landeshauptstadt. Wer färbt ab? Der Koalitionspartner der Grünen in Graz, die ÖVP, bleibt jedenfalls in Angelegenheit „Betteln in Graz“ streng auf Rechtskurs. Nun will Bürgermeister Siegfried Nagl sogar ein generelles Bettelverbot für Behinderte durchsetzen. Drehen die Politiker durch? ...

Geld für die Bettlerin, Äpfel für die Redaktion!

Versuch einer Antwort auf einen Leserbrief

Liebes Augustin-Team! Ich schreibe Euch, weil ich mir denke dass ich bei Euch vielleicht eine Antwort auf eine Frage finden könnte, die mich seit ein paar Monaten verwirrt (oder zumindest einen Hinweis, wo ich eine Antwort finden könnte): Ich habe sehr oft kein Bargeld eingesteckt. Wenn ich dann Menschen sehe, die sich ihren Lebensunterhalt erbetteln müssen kam mir daher schon ein paarmal die Idee, beim Nahrungsmittel einkaufen zum Beisp...

"Bitte, danke, alles Gute!"

Vier Statements zur Arbeitssituation von PendlerbettlerInnen in Wien

Im Visier von Politik, Medien und Polizei sind seit Monaten die Menschen aus der Slowakei, Rumänien, Bulgarien oder anderen südosteuropäischen Ländern, die es – von unvorstellbarer Armut angetrieben – nach Wien zieht, um hier die Lebensgrundlage ihrer Person, meist ihrer gesamten Familie, zu erbetteln. Da sie in der Regel nicht auf Dauer in Österreich bleiben wollen, sondern je nach Herkunftsland im Wochenrhythmus oder für einige Monat...

Blauer Schmied, roter Schmiedl?

Statement der BettelLobbyWien zu Häupls "Wiener Hausordnung"

Eine Symbiose von Strache und Boulevard sorgt in diesen Tagen für die Konstruktion immer neuer „Skandale“, als deren VerursacherInnen aber nicht, wie man meinen sollte, die FinanzkapitaljongleurInnen, sondern deren ärmste Opfer hingestellt werden: die BettlerInnen aus den Ländern Osteuropas. Nun will auch „der Chef persönlich“, nämlich Bürgermeister Häupl, „für Ordnung sorgen“. Die BettelLobbyWien, eine vor kurzem gegründete...

... röchelnde Sandler

Nach Hofer-Biotonnen-Skandal: Jetzt bräuchten die Quotenjäger ...

Gegen die Iden des März hat sich der Himmel zwischen Simmering und Sattledt bedrohlich verdunkelt – so viel Staub hat unsere Recherche über die vergifteten Lebensmittelabfälle beim Hofer aufgewirbelt. Im Folgenden ein Bericht, was nach der Augustin-Veröffentlichung über die gefährlichen „Obdachlosenfallen“ in Wien geschah. ...

Achtung! Keine Satire

Hundert Stunden Polizeiarrest wegen Füße-Ausstreckens

Herbert S., Chefinspektor, ist bekannt für seine allgemein verständlichen und durchaus eloquent formulierten Sachverhaltsdarstellungen. Er ist einer der PolizistInnen, die – in wessen Auftrag eigentlich? – das “Bettlerunwesen“ in der Mariahilfer Straße einzudämmen haben: eine Sisyphos-Arbeit. Als Instrumentarium dafür stehen ihm z. B. das Landesicherheitsgesetz und die Straßenverkehrsordnung zur Verfügung. ...

Die Biotonnenvergifter

Hofer - Container als Obdachlosenfalle

In Wien werden, im wahrsten Sinne des Wortes, biotonnenweise intakte Lebensmittel einer Supermarktkette weggeschmissen, anstatt diese an Bedürftige oder an Sozialmärkte weiterzugeben. Dies ist allerdings nur der kleinere Teil des Skandals. Denn, sobald Obst, Gemüse und Brot in der Mülltonne sind, werden sie vom Personal mit Reinigungsmitteln vergiftet, damit sie ungenießbar werden. Dass dadurch Menschen gesundheitlich gefährdet werden, mus...

Stellungnahmen von BürgerInnen gegen die Anti-Bettler-Durchsagen

Wiener Linien und Bettler

Wiener Linien und Bettler (1) Die Durchsage erfolgt stündlich Mit großem Interesse las ich heute Ihren Artikel "WIR sind die Kunden" über das Bettelverbot der Wiener Linien. Zu Ihrer Information: Vor einer Woche schrieb ich diesbezüglich eine E-Mail an die Wr. Linien: „Einerseits verstehe ich das Bettelverbot in den U-Bahn-Stationen, andererseits zeigen Bettler nur die große Schere, die es leider zwischen Arm und Reich in unserer Gesellsc...

Künstler sein heisst Not leiden

Eine Studie belegt: Im Kunstbetrieb ist die Krise vorweggenommen

In welchem Ausmaß Kulturschaffende zu den „working poor“ zählen, zu denen, die trotz intensiver Arbeit sich nichts leisten können, zeigt die Studie „Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich“. Das mittlere Monatseinkommen der KünstlerInnen liegt mit rund 1000 Euro deutlich unter dem der österreichischen Gesamtbevölkerung (2006: monatlich 1.488 Euro). Unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze leben 37 Prozent de...

3 Verkörperungen einer Statistik

37 Prozent der Kulturschaffenden leben unter der Armutsgrenze

Gottfried Helnwein, DJ Ötzi und Adi Hirschal finden, dass Kunst ertragreich ist. Susi Schelepa, Petra Wetzel und Gerhard Wohlfahrt werden dem kaum widersprechen. Seit die SozialforscherInnen aber – im Auftrag der Kunstministerin – ihre Studie „Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich“ abgeschlossen haben, wissen sie, in welchem Ausmaß Kulturschaffende zu den Gestrandeten zählen. Ihr mittleres Monatseinkommen li...

Niemand rollt so schnell wie ich

Ein "versteckter" Spitzensportler im Pool der AugustinverkäuferInnen

Am 15. September des Jahres 2007 brach Mircea Tănase auf, um westwärts zu rollen. Er erregte kein Aufsehen. Keine JournalistInnen versammelten sich rund um den Rollstuhl Mirceas auf jenem Bukarester Platz, den der Abreisende seither nie wieder betreten hat. Dabei hätte das Unterfangen des Behinderten-Spitzensportlers Mircea Tănase mediale Aufmerksamkeit verdient.

Argentiniens Piqueteros

Arbeitslose machen Politik, damit Politik nicht arbeitslos macht

Impulse für soziale Veränderungen kommen in Argentinien nicht mehr von den oft korrumpierten Gewerkschaften, sondern von Arbeitslosenbewegungen. Die Piqueteros begannen mit Straßen- und Fabriksblockaden und betreiben heute soziale Einrichtungen und Volksversammlungen. Sie sind für die zu erwartende Krise gerüstet und raten der europäischen Zivilgesellschaft, dasselbe zu tun. ...

Würde und Wellblech

Otjivero, Namibia: Erstes Grundeinkommen weltweit

Für den herkömmlichen Journalismus sind Informationen aus Afrika nur dann interessant, wenn sie Katastrophen, Kriege und Machtmissbrauch betreffen. Eine Inflation von Bildern weißer Retter, umringt von schwarzen Geretteten, komplettiert das Afrika-Image, das die Medien erzeugen. Dass die BewohnerInnen von Otjivero, Namibia, seit Jänner 2008 ein Grundeinkommen in der Höhe von monatlich umgerechnet 8 Euro ausbezahlt bekommen, langweilt den Mai...

"3 Monate nur für die Polizei gearbeitet!"

Cristina N. bettelt in Wien, um sich die Augenoperation zu leisten

Cristina N. aus Rumänien hat ein auf fünf Jahre befristetes Aufenthaltsverbot erhalten, das nach dreimaligem Verstoß gegen den § 2 WSLG – das ist der Wiener Bettelei-Paragraph – verhängt wird. Ein Aufenthaltsverbot für eine EU-Bürgerin ist zumindest kurios. Wäre die „öffentliche Sicherheit“ tatsächlich durch eine Bettlerin gefährdet, müsste der gesellschaftliche Zustand als krank beschrieben werden. Weiteres Kuriosum im Krieg...

In manchen Pässen: Vermerk "Bettlerin"

Betteln als Beruf? Teil 2

Ist Betteln Arbeit? Oder gar ein Beruf, der spezifisches Wissen und kontinuierliches Lernen erfordert? Der Augustin brachte in der vorigen Ausgabe, 226, den ersten Teil des Interviews mit der Bildungswissenschafterin Marion Thuswald, das hier fortgesetzt wird. Sie sprach mit Bettlerinnen auf Wiens Straßen. Eine Erkenntnis: Nicht eine imaginäre „Mafia“, sondern die Polizei nimmt den Bettlerinnen das Geld ab. Thuswald entwickelte eine ungewÃ...

Betteln als Beruf?

Frauen mit Überlebenskompetenz und "Habitus des selbstbewussten Leidens"

Ist Betteln Arbeit? Oder gar ein Beruf, der spezifisches Wissen und kontinuierliches Lernen erfordert? Marion Thuswald sprach mit Bettlerinnen auf Wiens Straßen und entwickelte eine neue und ungewöhnliche Forschungsperspektive auf das Thema, die die Frauen nicht nur als passive Opfer ihrer sozialen Schieflage wahrnimmt. ...

Was treibt die Roma auf die Straßen Wiens?

Wenn die Massenmedien in Österreich zum journalistischen Brauch übergingen, Hintergrundinformationen zu laufenden Aufreger-Themen zu liefern, z. B. zur Debatte um die Kinder der BettlerInnen, würde die Neuauflage des verwurzelten Antiziganismus („Zigeunerhass“) auf Schwierigkeiten stoßen: auf eine aufgeklärte Öffentlichkeit. Diese würde auch durchschauen, dass wer von Bettlermafia oder Kindermissbrauchern redet, die Roma meint.

Was hat Fußball mit Betteln zu tun?

SP, VP, FP einig gegen die Ärmsten der Armen

Am 28. März beschloss der Wiener Landtag eine Novelle des Wiener Landes-Sicherheitsgesetzes. SPÖ, ÖVP und FPÖ stimmten geschlossen dafür, allein die Grünen sprachen sich dagegen aus. Die Stadt hatte es eilig – es wurde sogar eigens ein Sonderausschuss einberufen, um die Umsetzung bis Anfang Juni hinzukriegen. Ist die öffentliche Sicherheit in Gefahr?

Hocknstad

Ich teile die Leute nur noch ein in Stade und in Hocknstade. Die Stad’n haben eine Arbeit, aber sie halten die Pappen. Die Hock’nstadn haben keine Arbeit, aber sie halten auch die Pappen. Also, wo ist da der Unterschied?
Man hat es nicht leicht als Hocknstader, aber leicht hat es einen. Das AMS hat keine Hockn für mich, aber ich soll ihnen die Hockn abnehmen und mir selbst eine Hockn suchen.

Lieber kein Schutz vor dem Todesengel

Kunstprojekte für Ausgeschlossene. Ein Bericht aus Jerusalem

Religiöse Bettler und fromme Obdachlose bevölkern die „heilige Stadt“ Jerusalem. Kinder aus der Westbank und Hebron tragen Einkaufskörbe, packen Gemüse oder verkaufen Feuerzeuge, weil ihre Eltern ihr Gebiet nicht verlassen dürfen. In der Galerie „Barbur“ in Jerusalem wurden Kunstprojekte für arabische Straßenkinder durchgeführt. Eine Reportage von Kerstin Kellermann. ...

"Das Glück liegt nicht in unserer Hand"

Ganze Familien notlanden beim Augustin – z. B. die Familie Boti

Treffpunkt Augustin-Vertrieb. Auf meine Begrüßung und die allgemein gehaltene Einstiegsfrage, wie es denn so gehe, eine traurige Antwort: „Wissen Sie, wir wollen uns nicht beklagen, auch wenn es viel Grund zur Klage gäbe, das kommt nicht gut an, nie.“ Ich frage nach. Die gegenübersitzende junge Frau erklärt mir aufgelöst, wie ihr vor ein paar Tagen bei Hofer die Geldbörse gestohlen wurde, selbstredend mitsamt dem Inhalt, 250 Euro und ...

Die Unterschicht, die Musil liest

Die sozialen Kategorien und die Selbstdegradierung der Menschen

Wer gerne sammelt, könnte uns einmal den Gefallen tun, die journalistischen Begriffe für den größer werdenden Rand der Gesellschaft – bzw. für die Menschen, für die der Augustin als soziales Projekt gegründet wurde – zu sammeln, die in der Geschichte dieses Blattes verwendet wurden. Neben poetischen Wörtern wie Gestrandete und Erniedrigte (ich kann mich sogar an eine Anleihe bei Frantz Fanon erinnern: Die Verdammten dieser Erde) kame...

Acht Stufen tiefer

In den Gewölben der "Gruft" unter der Mariahilferkirche

„Jeder Tag, jeder Atemzug ist ein Geschenk. Das Unbarmherzigste, das es gibt, ist die Uhr: Alles was links vom Zeiger ist, kommt nie, nie wieder.“ Worte, die ohne weiteres dem Lebensgefühl des Barock zugeschrieben werden können, welches sich durch eine stete Ambivalenz auszeichnet. Ein Schwanken zwischen Lebensgier und Todesangst. Zwischen Streben nach Prunk und Pomp in der herrschenden Oberschicht und der erschütternden Armut in großen ...

Wegen Solidarität in den "Untergang"

Traumschiff, Zug und Straße – Stationen des Christian Meischl

In den letzten Monaten bekam Christian Meischl öfters zu hören, er sei wieder aufgeblüht. Die Talsohle, das Betteln in der Mariahilfer Straße, hat der ehemalige Kellner eines Haubenrestaurants durchschritten. Nun steht auf seinem Plan, wieder eine Wohnung zu finden und sich als Betroffener aktiv für die Armutsbekämpfung einzusetzen. ...

Gemeindewohnungsvergabe: 5 Jahre Leben auf der Straße sind ...

... "kein anrechenbarer Umstand"

Attila M., 47 Jahre alt, Augustinverkäufer vor der Volkstheaterpassage, lebt nach der dritten Scheidung seit fünf Jahren auf der Straße. Eine Bucht in der Lobau oder die Toilette eines türkischen Copa-Kagrana-Wirten auf der Donauinsel waren seine „Adressen“, der Schlafsack sein „Dach überm Kopf“. Zur Zeit übernachtet er in der längst winterlich überfüllten „Gruft“ unter der Mariahilfer Kirche. Aus Platzmangel schläft er sit...

Von "Ganz unten" ins Call-Center

Günter Wallraff im Wien Museum

Vor etwa 20 Jahren ist es um den Aufdeckungsjournalisten Günter Wallraff still geworden. Nun macht er wieder Schlagzeilen: Als er eingeladen wurde, in einer Moschee zu lesen, kündigte er an, dass er die Einladung annehmen werde, um aus Salman Rushdies „Satanische Verse“ vorzutragen. Und er erkundete am Telefon die neue Arbeitswelt der Call-Centers. Der Augustin traf ihn im Rahmen der Ausstellung „Ganz unten“ im Wien Museum. ...

Die Urlaubs-Schwindel-Börse

Mit unseren zwei Wochen "Balkonien" (allerdings ohne Balkon) sind wir noch gut dran

Nichtreisende, outet euch! Ihr seid nicht allein! Einer aktuellen Umfrage zufolge bleibt fast jede/r Zweite im Urlaub daheim. Zeitnot oder Geldnot, so beantworten die Betroffenen die Frage, warum sie nicht verreisten. Aber Geldnot führt mit Abstand vor Zeitnot.


Grundkeinkommen? Derzeit Nein, danke!

Und welche Leistungen würde der Staat dann noch übernehmen?

„Stellen Sie sich vor, es gibt im Jahr 2015 schon ein bedingungsloses Grundeinkommen“ - unter diesem Titel organisierte das Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt eine Publikumsumfrage (siehe auch Augustin Nr. 203/ 07). Dieter Schrage folgte dieser Aufforderung und stellte sich die Einführung des bedingungslosen und existenzsichernden Grundeinkommens in den nächsten Jahren – „und eventuell auch unter politisch fortschrittlic...

Nördlich der Penntütengrenze

Als Ösi-Gast beim elften Berbertreffen

Der Arbeitslosen-Aktivist und Augustin-Autor Peter Gach nahm Anfang Juli in Offenburg (Baden-Württemberg) am 11. Berbertreffen teil. Sein mehrdeutiger Titel: „Klimawandel 07“. Allen war sofort klar, dass die engagierten Berber – ein deutsches Synonym für den österreichischen Sandler – auch die Verschlechterung des sozialen und politischen Klimas im Sinn hatten. ...

Zwischen den Schaufensterpuppen

Vom Zeitschriftenabo- zum Straßenzeitungsverkäufer

Mit „die Kinder kommen nockert auf die Welt“ erklärt Augustinverkäufer Hans Edlmayr einem ihm bekannten Passanten, warum er schon wieder bei der Arbeit sei. Unmittelbar vorher begrüßte ihn dieser ältere Bekannte, indem er mit seinem Spazierstock gegen die Krücke von Hans klopfte. „Die Leute in der Mariahilfer Straße sehen mich nicht als den armen Behinderten, sondern als einen lebenslustigen Menschen“, so kommentiert der Untersche...

"Betteln ist kein soziales Problem"

Über Augustin-VerkäuferInnen und andere großstädtische Gefahren. Ein Landtags-Protokoll

Die wörtlichen Protokolle der Sitzungen unserer VolksvertreterInnen im Wiener Rathaus, aus dem Internet leicht verfügbar, sind Lehrmaterial für die Populismusforschung. Im Folgenden Ausschnitte aus der Landtagsdebatte zum Bettelverbot, die vor einigen Wochen stattfand. Die Beiträge von Rechtspolitikern suggerieren, Wien zähle zu den unsichersten Großstädten der Welt. Als ob die No-Future-Situation insbesondere für slowakische und rumänis...

Der Engel aus dem Schacht

Ein Leben ohne Wohnung fordert ein Arrangement nach dem anderen

Rudolf Engel ist ein Augustinverkäufer, der in reger Interaktion mit seinen KundInnen steht. Er und sein Hund Gipsy geben den Menschen auf dem Weg zum Arbeitsplatz, der in den meisten Fällen ein Magistratsbüro ist, frühmorgens ein freundliches Wort und die Möglichkeit, ein Fell zu streicheln, mit. Im Gegenzug erhält der Kolporteur Geld- und Sachspenden und Informationen, die keine noch so aufwändige Medienanalyse ausspucken würde. Die Inf...

Lohnarbeit? Kein Lebenszweck!

Die Gewerkschaftsreform erfordert neues Denken

Bei der Stilisierung der Arbeit als Lebenszweck der Menschheit dürfte die Arbeiterbewegung dem Kapital auf den Leim gegangen sein. Die Unternehmer sind " aus ein und demselben Grund " zwar an der Arbeitsmoral, nicht aber an der Vollbeschäftigung der Lohnabhängigen interessiert. Kann vom bevorstehenden Bundeskongress des ÖGB (22. bis 24. Jänner) eine Wende in dieser Frage erwartet werden?

Generation sechsundsechzig

Damals kam er (wie) gerufen: Kamer Arslan, Gastarbeiter-Urgestein

Was er sich mit 73, nach einem arbeitsreichen und nicht immer leichten Leben noch wünsche, frage ich Kamer Arslan. Gesundheit natürlich, antwortet der schwer Zuckerkranke, vor allem aber ein beheizbares Badezimmer. Dann könne er es sich im Winter ersparen, mehrmals wöchentlich die Arbeiterduschen des nahen Glanzstoffwerkes zu frequentieren, wozu er als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter dieser Chemiefabrik noch immer das Recht habe.

„Kein Bettler nimmt uns etwas weg“

Editorial

Was ist der Unterschied zwischen einer als seriös geltenden Tageszeitung und eines täglich mit vielfach größerer Auflage erscheinenden Revolverblatts? Die Distanz bzw. Nähe zum Superlativ. „Ruf nach Bettelverbot wird laut“, titelt das Großformat „Die Presse“. „Ruf nach Bettelverbot wird lauter“, informiert das Kleinformat „Kronenzeitung“. Die vornehme Zurückhaltung der ersteren Version widerspiegelt die Beherrschtheit des B...

Eine Bagatelle

Eing`SCHENKt

Die eine Meldung: Leute aus dem Armutsnetzwerk der Slowakei berichten von den steigenden Lebenshaltungskosten in ihren Ländern, die viele ins soziale Out treiben. In der Slowakei wurde die Sozialhilfe massiv gekürzt und die Umsatzsteuer erhöht, übrigens gleichzeitig mit der Entlastung für Reiche durch die Einführung der „Flat Tax“.

„Man kann alles fotografieren“

Leo Kornherr kennt die Kellergasse als Verführerin zum Suff – und zur Kunst

Mit 13 Jahren hatte er die erste Alkoholvergiftung. Vor ein paar Jahren versoff er eine Erbschaft von 10.000 Euro binnen kurzer Zeit. Kalksburg und der Schäfermischling Triggo brachten das Wunder zuwege: Leo Kornherr wurde trocken. Er entdeckte seine Liebe zur Fotografie. Seine Ausstellung „Lichtblicke eines verpfuschten Lebens“ ist derzeit in Wien zu sehen.

Schulden durch Schwarzfahren

Frau Bocks Schützlinge werden zu Opfern der Inkassobüros

Ute Bock wurde für ihr soziales Engagement schon mehrfach ausgezeichnet, doch die Krönung war bis dato eine Anzeige wegen Bandenbildung und Drogenhandels. Die Anklage wurde fallen gelassen, ihre Suspendierung als Heimleiterin aufgehoben, doch die Gemeinde Wien verbietet Ute Bock weiterhin, afrikanische AsylwerberInnen in ihrem Heim unterzubringen. Also organisiert sie private Wohngemeinschaften, die mittlerweile über 300 Menschen aus Afrika Un...

Wie aus weniger mehr wird

Eing´SCHENKt

„Stilvoll verarmen“, lautet der Buchtitel des Bestsellers Alexander von Schönburgs. Die Botschaft: Mit weniger besser auskommen, sinnvoller leben, „ärmer“ „reicher“ werden. Das Buch ist exzellent geschrieben und trifft einen richtigen Punkt: was brauchen wir alle den Konsumramsch und den „immer mehr, aber nie genug“-Stress. Das war`s aber auch schon. Wirklich problematisch wird es nämlich, wenn man sich anschaut, was Von Schön...

Pension ohne Frühstück

Arbeiter-Samariter-Bund als Neuling in der Obdachlosenhilfe

Die meisten WienerInnen, nehme ich an, kennen das Otto-Haus. Das größte Schutzhaus der Rax ist von der Seilbahnbergstation aus selbst mit Sandalen und Stöckelschuhen zu erreichen. Der Weg, sehr eben, gilt als die leichteste aller alpinen Familienwanderrouten. Wer hingegen das Haus Otto erklimmen will, kann leicht ins Keuchen kommen. Zumal unter den Gästen auffallend viele lädierte Körper vertreten sind –– Folgen des Straßenlebens oder d...

"Ich schicke kein Kind ins Nirwana"

Norbert Ceipek kriegt von der Polizei hundert Mädchen pro Monat

Zehnjährige als Taschendiebinnen verhaftet, Vierzehnjährige um 750 Euro verkauft. Karin Hirschl und Norbert Ceipek vom Krisenzentrum „Drehscheibe“ schlagen sich mit den unmenschlichen Auswüchsen der Verarmung in Bulgarien und Rumänien herum. Doch Österreich bietet nicht viel mehr als Rückführung an.

Hab nix, bin aber jemand

„Schwarzfahren. Hast nix. Gratis.“ Das waren kürzlich die Themen eines Treffens der Augustin-Schreibwerkstatt.
Hast nix, kannst nix, bist nix. Oft gehörter Schwachsinn. So müsste auch der Umkehrschluss stimmen: Hast du was, bist du was! Noch öfter gehörter, noch größerer Schwachsinn.

DICHTER INNENTEIL - Christa P. 03/2006 mehr lesen »»

Kurts Kampf gegen die Sucht

Ich bin Pole, ätzt der Tiroler, der ein Wiener ist

Neben den „Hauptsprachen“ im Augustinvolk –– Wienerisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschetschenisch nebst den diversen Sprachen Nigerias –– vernimmt man vereinzelt auch Idiome, wie man sie von den österreichischen SchifahrerInnen kennt. Einer der „Tiroler“ beim Augustin ist aber in Wirklichkeit ein Wiener. Kurt Baumgartner, 1968 geboren, lebte 15 Jahre in Innsbruck. Seit rund zwei Monaten verkauft er die Wiener Straßenzeitung. Derzeit ve...

Sechste Armutskonferenz zeigt auf: Armut ist vermeidbar

Mythen blockieren Herz und Hirn

Solange ökonomische Mythen wie "Jeder kann gewinnen, wenn er nur will", "Sozial ist nur, was Arbeit schafft" oder „"Soziales schadet der Wirtschaft"“ nicht vom Tisch sind, wird es zur keiner Verbesserung der Lebenssituation sozial Benachteiligter kommen. Auf der 6. Armutskonferenz stellten sich die fast 500 TeilnehmerInnen die Aufgabe, all die ökonomischen Märchen, die Menschen arm machen, zu entzaubern.

Ein Gespräch am Rande des Wiener Grundeinkommen-Kongresses

Die Würde des Willkommenseins

Der Unterschied war eklatant. Während der Mann bei der Schlussveranstaltung des Wiener Grundeinkommen-Kongresses von 180 Millionen BrasilianerInnen sprach, für die das Grundeinkommen geplant sei, erzählte die Frau von ihren zwei Enkelkindern, denen sie ein gutes Leben wünscht. Und natürlich redete der Mann fünfmal so lang wie die Frau. Mindestens. Der Augustin sprach während des Kongresses mit der Schweizer Theologin und Labyrinth-Denkerin...

"Was kriegst du?" "Ka Luft!"

Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire verkauft seit 2002 den Augustin

Soziologisch betrachtet ist die „Berufsgruppe“ der AugustinverkäuferInnen ein Wunder der Divergenz, eine Vielfaltsverdichtung, wie sie sonst nirgends vorstellbar ist. Das Spektrum reicht vom Analphabeten bis zum Akademiker. Sylla Alpha aus der Republik Côte d'Ivoire, bei uns als Elfenbeinküste bekannt, kommt mit dieser Situation gut zurecht. Dass zugewanderte Intellektuelle wie er im reichen Europa „Sandlerzeitungen“ verkaufen müssen, um ...

Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" weitete sich aus

Brot für alle, Spiel für alle

Die Aktion „"Hunger auf Kunst und Kultur"“ ist eine Kooperation der österreichischen „Armutskonferenz“ mit diversen VeranstalterInnen im kulturellen Bereich. Sie ermöglicht sozial Schwachen einen Gratiszugang zu Theater, Musik, Film oder Museum. Wenn der Staat seiner Pflicht nachkäme und sich darum kümmern würde, dass nicht immer mehr Menschen „draußen aus dem Spiel“ bleiben, würde sich die Aktion erübrigen ...

Der Zweite von rechts

Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden

Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.

neunerHaus Nummer 2: Obdachlose finden in Döbling zur inneren Ruhe

Unkonventionelle Liberalität

Der Verein neunerHaus eröffnete am 5. September feierlich sein zweites Haus. Hausleiter Johannes Lorenz und Geschäftsführer Markus Reiter führten den Augustin durch die billige, aber mitnichten grindige Absteige für Männer in akuter Wohnungslosigkeit.

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