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Von Anders bis Herzl

Alphabet der Aufklärung aus Wien, 1. Teil

Was wäre Wien und die Welt, wenn es Günther Anders, Bruno Bettelheim, Elias Canetti, Valie Export, Auguste Fickert und die Kaffeehäuser nie gegeben hätte? Eine wienlastige Enzyklopädie der Aufklärung hat uns Hubert Cristian Ehalt, der Wissenschaftsreferent der Stadt Wien, freundlicherweise zum Abdruck überlassen. Wir publizieren sie in Fortsetzungen. ...

Als Maler Fantast – als "Patient" Aufklärer

Anton Blitzstein

Augustin-VerkäuferInnen bieten seit ein paar Wochen ein so genanntes Postkarten-Book an. In das Cover sind zehn herausnehmbare Karten geklebt. Es kostet vier Euro, davon bleibt, wie es bei Augustin-Produkten üblich ist, die Hälfte der Kolporteurin bzw. dem Kolporteur. Der restliche Gewinn wandert in die Tasche Anton Blitzsteins, da Bilder von ihm die Postkarten schmücken. Höchste Eisenbahn, den Künstler, dessen Werke auch im Augustin unter...

Schwerkraft auflösen

Meina Schellander besetzt den öffentlichen Raum

Die Verspannungs-Künstlerin Meina Schellander hängte einen steinernen „Findling“ im Krastal zwischen Felsen in die Luft. Sie umnähte, umschlängelte und verspannte Kirchen in Wien und Maria Saal mit gelben und hellgrauen Seilen und Wörtern aus Holz und Metall. Die Installation „Raum Omega: Ruhe sanft du blaues Land“ mit einem riesigen blauen Polyesterei wird im Sommer in Kärnten zu sehen sein. Im Augustin-Gespräch gewährte sie Ein...

Hammel- oder Schweinsniere?

Kurz vor dem Bloomsday 2008 mit Bloomsday-Wallfahrern geplaudert

Weder Santiago de Compostela noch Mariazell heißen die Destinationen der jährlichen Wallfahrten von Gerfried Höfferer und Ernst Hugo Kouba. Die beiden gehören nämlich der winzigen Religionsgemeinschaft der James-Joyce-Verehrer an. Was den ChristInnen der 24. Dezember bedeutet, so schwer wiegt den beiden Freunden der 16. Juni. ...

Der Trauner Beitrag zu "68"

Maler, Dichter, Behindertenbetreuer: Der oberösterreichische Andreas Hofer

Die 68er-Revolte begann in einigen Ländern schon Ende der 50er Jahre, während sie in Österreich mit der landesüblichen Verspätung und mit der landesüblich reduzierten Wildheit in der zweiten Hälfte der 70er Jahre. Gemessen am Konformismus der MitbürgerInnen war der aus Traun stammende Künstler, Gesundheitsmanager und psychiatrische Krankenpfleger Andreas Hofer dennoch ein „wilder Hund“. ...

Hemmungsloses Wildern

AMPE Geusau macht Theater dort, wo nicht "Theater" draufsteht

Mit „Polkadots“ funktionierten AMPE Geusau vor sieben Jahren eine Wiener Abbruchswohnung für einige Tage zur Theaterbühne um. Oliver Hangl, Spezialist für Umsetzungen von Alltagskultur in öffentlichen Räumen, lud kürzlich die Theatergruppe zur Wiederaufnahme einer skurrilen Neurosen-Versammlung in seinen „k48“ in Neubau. ...

Der Szene-Wien-Schwindel

Ohne Josef Sopper nahe treten zu wollen ...

SzeneWien.jpgMit Juli 2008 wird Planet-Music-Macher Josef Sopper der Szene Wien vorstehen. Die Hintergründe lassen tief blicken, wie in Wien Entscheidungsprozesse ablaufen.


Sturm & Drang und andere Schubladen

Dank Klaus Hundsbichler geht die Weltrevolution von Wien aus

„Weltrevolution“. So bombastisch der Titel seines Films klingt, so angenehm bescheiden wirkt der Filmemacher selbst. Die Premiere des vom Stefan-Weber-Fanclub lang ersehnten Drahdiwaberl-Films ist der zweite große Höhepunkt in Klaus Hundsbichlers beruflicher Laufbahn. Der erste, 30 Jahre vorher, bahnte sich im Keller von Frank Zappa an. ...

Panorama ist auch eine Art zu denken

Palästinenser, Beduinen oder Hirten, ganz klein am Horizont ...

Den Blick von weitem oder von oben auf bestimmte Menschen herab, die als Teil der Landschaft dargestellt werden, liebten europäische Panorama-Fotografen im 19. Jahrhundert in Palästina. Dem israelischen Künstler Tal Adler schauen seine Foto-Subjekte genau ins Auge. Dem Augustin erzählte er über seine Arbeit in den offiziell nicht anerkannten Beduinendörfern in Israel.

Kunst seziert Wirklichkeit

3Raum-Anatomietheater: Hubsi Kramar hilft der "obdachlosen" Theaterszene

Das wichtigste Theaterstück von Alberto Moravia ist ohne Zweifel das 1968 geschriebene „Il dio Kurt“ („Der Gott Kurt“).“ Für manche KritikerInnen ist es d i e Ödipustragödie der modernen Zeit. Saul, ein jüdischer Auschwitz-Häftling, wird zur Ödipus-Rolle gezwungen. Dass der Wiener Theatermacher Hubsi Kramar die seit vier Jahrzehnten überfällige deutschsprachige Erstaufführung dieses großen Wurfs von Weltliteratur realisierte...

Lieber kein Schutz vor dem Todesengel

Kunstprojekte für Ausgeschlossene. Ein Bericht aus Jerusalem

Religiöse Bettler und fromme Obdachlose bevölkern die „heilige Stadt“ Jerusalem. Kinder aus der Westbank und Hebron tragen Einkaufskörbe, packen Gemüse oder verkaufen Feuerzeuge, weil ihre Eltern ihr Gebiet nicht verlassen dürfen. In der Galerie „Barbur“ in Jerusalem wurden Kunstprojekte für arabische Straßenkinder durchgeführt. Eine Reportage von Kerstin Kellermann. ...

Gratwanderungen eines "Halbbluts"

Die Taktwechsel im Leben des Roma-Multitalents Willi Horvath

Über das Klischee, dass Roma angeblich „Musik im Blut“ haben, kann man streiten – über die vielseitige Begabung von Willi Horvath nicht. Er ist nämlich ein Vorzeige-Multitalent. Der Schlagzeuger, Eventmanager, Sicherheitstechniker und nicht zuletzt politische Aktivist der Roma-Volksgruppe hat viel zu tun, besonders seit er den ersten Verein für die Lovara Österreichs gegründet hat. Er plant, die Roma-Szene aufzumischen – natürlich...

Hermetische Seelenfinsternis

Phettbergiaden, dritter Teil

Hermes Phettbergs Schreiben ist Literatur, ohne Zweifel. Zugleich finden wir darin eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswirklichkeit, ja, der Wirklichkeit überhaupt, die jene Art der Fiktionalisierung, die Literatur üblicherweise leistet, verunmöglicht. Die unter dem Titel „Hundert Hennen“ versammelten Predigtdienste sind das Dokument eines neuen Existenzialismus, dessen Form der Selbstbeobachtung die Differenz zwischen Realität...

Der Sog der Bilder

Wegzeichnungen

„Himmel“ nennt Heimo Wallner seine aktuelle Ausstellung in der Galerie mel contemporary, weil ihm das Schriftbild dieses Wortes so gut gefalle, und es würde sich – soweit er wisse – kein positives Wort auf Himmel, wenn man die Pferde-Bedeutung von Schimmel ausnimmt, reimen. Himmel gibt es aber keinen zu sehen, lediglich eine Wolke, in die man mit dem Kopf auch eintauchen kann, und jede Menge Pimmel. ...

Das Lachen der Putzfrauen

Veronika Franz und Ulrich Seidl im Familienverband

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Nach dem Erfolg von „Import Export“ bat der Augustin die beiden Hauptverantwortlichen Veronika Franz und Ulrich Seidl zu einem Gespräch über Menschenverachtung und Sozialpornografie, Demütigungen und Machtverhältnisse in der Sexualität sowie über die Liebe zum Osten.


Die Würde des Irreseins

"Patiëntenvertegenwoordiging Uilenspiegel": Der Bund der Verrückten

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MindFreedom, eine Bürgerbewegung für die Rechte psychisch Kranker, kommt über Amerika und Afrika langsam nach Europa. In Brüssel fand die erste kontinentaleuropäische Mad-Pride-Parade statt.


TUN & LASSEN - Klaus Federmair 11/2007 mehr lesen »»

"Mit Menschen"

Lokalmatadorin

vor_Lokal.Wegerer__mario.jpg Beate Wegerer verhilft zur Allgemeinbildung,
als Bibliothekarin in der Hauptbücherei Wien.

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"Weil du die Leut so lieb gewinnst"

Über die Schwierigkeiten, im Altenheim eine böse Rolle zu spielen ...

Leidenschaftlich, verletzlich und ausbaufähig, wenn er eine große Rolle kriegt, wie als Glücksspielsüchtiger im Kinofilm „Spiele Leben“. Immer mit einer gewissen Vielfältigkeit, aber gleichzeitig eigenständiger Distanz unterwegs, spielt Georg Friedrich derzeit in „Welcome Home“ einen Kieberer, der sich in Ghana an sein Aufnahmegerät klammert, und in „Import, Export“ einen Pfleger, der fröhlich seine Alten ärgert. ...

Dass es uns gibt, hat keinen Sinn!

Günther „Gunkl“ Paal findet – wider den Zeitgeist – die Antworten wichtiger als die Fragen

„Also, der ist ja unnötig. Der hat die ganze Zeit nur geredet – ich hab überhaupt nicht verstanden, was der will.“ Eines ist klar: Wer Gunkl einen Abend lang in seinem Programm folgen will, muss bestimmte Grundvoraussetzungen mitbringen. Zwischendurch an die neuen Winterreifen zu denken oder den Begleiter zu küssen ist nicht drin. Hält man aber durch, eröffnen sich neue Welten. Der Augustin genoss ein Privatissimum bei Günther Paal....

Augustin im Jelinek-Dilemma?

Thomas Maurer ist zuversichtlich: Die Lächerlichkeit stirbt nicht aus

In seinem Programm „Menschenfreund“ spielte Thomas Maurer Thomas Maurer. Die beiden sind nicht unbedingt identisch. So ist es auch kein Widerspruch, dass der eine Maurer auf der Bühne über die Augustinverkäuferinflation am Naschmarkt lästert und ihre Zeitung verspottet, während der andere Maurer sich gagenlos für die „Nacht des Augustin“ im Wien-Museum am Karlsplatz zur Verfügung stellt. ...

Brücke der Freundschaft

Entdeckt beim AtelierRundgang: Der bulgarische Filmemacher K. Stoyanov

Gegebene Strukturen für neue Zwecke nutzen: Bei freiem Eintritt konnten ein sonniges Wochenende lang vor allem im zweiten Wiener Gemeindebezirk 86 Spielorte zeitgenössischer Kunst besucht werden. Ein Lokalaugenschein.

"Unter den Zwei Linden"

Toni Sudy, Wirt und Reiki-Meister

Betritt ein Gast das Wirtshaus am Schüttel 5 im 2. Bezirk, unweit der Franzensbrücke neben dem Donaukanal, befindet sich links der Stammtisch mit Leuten aus dem Gemeindebau. Sie sitzen fast täglich hier.

Verhasste Handelsgesellschaft

Richards Schuberths Piratenkomödie ?Wartet nur, bis Captain Flint kommt!?

Nach „Freitag in Sarajevo“ hat Richard Schuberth eine weitere Komödie zum Thema Gott und Welt vorgelegt, diesmal in Form einer Piratenburleske, bei der die Lesenden (später die ZuschauerInnen) lange Zeit nicht checken, ob die Handlung in einer – sagen wir – Pötzleinsdorfer Bobo-Wohnung oder in einem anarchistischen Sektor des Ozeans spielt. Ein angehängtes, aber ungewohnt eigen-artiges Glossar und ein angehängter Essay machen Schuberths ...

Kriegerdenkmalsaversion

Helmut Kraus, Peter Wagner, Wolfram Kastner, Josef Schützenhöfer etc. haben was gemeinsam:

Österreich ist übersät mit "Heldendenkmälern". Manche würdigen die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (natürlich nur die "Unseren"), die meisten die Gefallenen beider Weltkriege (natürlich nur die "Unseren"). Eine der Botschaften solcher Denkmäler lautet: Wer sich der "Heldenpflicht" entzog, etwa durch Desertion, war ein Feigling - milde ausgedrückt. Der Wiener Lehrer Helmut Kraus versuchte, ein in seinem Gymnasium unhinterfragt überdauen...

Seelsorge muss stören

Bischof Krenn ist Geschichte. Dem Pfarrer von Paudorf ist trotzdem nicht fad

In der Aschermittwochs-Messe hatte der Pfarrer den Offenen Brief an einen der reichsten österreichischen Steinbruchunternehmer und an einen der größten Grundbesitzer des Landes vorgelesen. Die Gläubigen hatten nicht Amen dazu gesagt, sondern heftig applaudiert. Für den Karfreitag und den Ostersonntag war die Fortsetzung dieser hierzulande nicht eben üblichen Fusion von Liturgie und Revolte, von Gottesdienst und Bürgerinitiative angesagt. D...

Mit Hammer und Meisel

Die Bildhauerin Ulrike Truger sieht sich gerne als linke Künstlerin

Kein Material passt besser in den öffentlichen Raum als der Stein. Und so wird das scheinbar starre Medium zu einem extrem politischen Feld. Ulrike Truger hat etwa mit ihrem Marcus-Omofuma-Stein vor dem Museumsquartier einen gesellschaftlich marginalisierten Platz an der Schnittstelle von Kunst und Kommerz geschaffen. Heuer feiert sie 30 Jahre als freischaffende Künstlerin. Und der Augustin feiert ihr Engagement.

Back to the Lovara-Roots

"Was wolltet ihr immer schon über die Roma wissen?", fragt Gilda Horvath keck

Neben den Burgenland-Roma bilden die ursprünglich aus Ungarn stammenden Lovara die österreichische Volksgruppe der Roma. Die Gesamtzahl der in Österreich lebenden Roma ist wahrscheinlich zehnmal größer. Als Dunkelziffer wird 45.000 kolportiert. Roma aus Ex-Jugoslawien bilden die Mehrzahl. Die Mitglieder der Familie Stojka zählen zu den international bekannten VIPs der Wiener Lovara. Vielleicht ist übermorgen ein anderer Lovara-Name, der gl...

Rettet Fannys Grab

FLANERIE abseits der Tourismusrouten (11): Währinger Friedhof

2006 –in Österreich feiern „wir“ das Mozartjahr. TausendeTouristInnen klappern die Mozart-Sehenswürdigkeiten ab. Das Mozartgrab im St. Marxer Friedhof gehört dazu, der als „der letzte erhaltene Biedermeier-Friedhof von Wien“ bekannt ist. Dass es in Wien einen zweiten, ebenso historisch wertvollen Friedhof aus dieser Zeit gibt, ist weder vielen Einheimischen noch den BesucherInnen bekannt. Es ist der Jüdische Friedhof in Währing.
VORSTADT - Lisa Berwald 10/2006 mehr lesen »»

Mit dem Arsch durch die Wand

Über geheime Überlebensstrategien in der weiblichen Kunstszene

„Schön sei´s nicht gewesen, aber die Entlohnung hätte gestimmt und überhaupt "–Augen zu und durch", –man müsse dankbar für jede sich bietende Überlebenshilfe sein“, spricht sie und meint es auch so, wenn sie über einen ihrer „Nebenjobs“ erzählt. Nathalie P. übt sozusagen einen Doppelberuf aus. Sie ist lebendiges Kreativitätsbündel, begabte Bildhauerin auf der einen und eine mehr oder weniger lustvolle geheime Liebesdienerin auf ...
TUN & LASSEN - Anna Neruda 09/2006 mehr lesen »»

Serengeti für null Cents

Anton Klein, Ex-Kieberer und Lobaumuseumsdirektor, mag Gelsen eigentlich

Was hat die alte Vervielfältigungsmaschine, in den siebziger Jahren um 4.000 Schilling gekauft, mit der Lobau zu tun? Und der Film "Serengeti darf nicht sterben"? Und die geschlagenen Hussiten? Und der verschollene Hundsfisch? Und der begnadigte "Wilde"? Und die "Franzosenkugeln", die entweder für Franzosen gedacht waren oder von Franzosen verschossen wurden? Und der brasilianische Bischof und Befreiungstheologe Kräutler? Und der Plakatspruch ...

Train-Bombing-Tour

FLANERIE abseits der Tourismusrouten (9): Welt der SprayerInnen

Zu einer Stadtführung der anderen Art lud der Augustin am Fronleichnamstag ein. Eine Gruppe Interessierter begleitete Graffiti-Forscher Norbert Siegl auf seiner Entdeckungsreise durch die Welt der Styles und Pieces zwischen Kunst und Protest, Geduldetem und Verbotenem. Die Bereitschaft vorausgesetzt, manche „Betreten verboten“-Tafel zu ignorIeren: Solche Exkursionen lassen sich auch in Eigenregie unternehmen.
ARTISTIN - Rosemarie Stöckl-Pexa 07/2006 mehr lesen »»

Feiern mit Leopold Bloom

Palm macht Urlaub von Mozart und zelebriert James Joyce

Die freie Kunstrepublik „AugartenStadt“ hat den 16. Juni zu ihrem ersten offiziellen Feiertag erklärt. Den weltweit als Bloomsday bekannten Termin erklärt sie zum Tag der Freiheit der Kunst. James-Joyce-Kenner, Autor, Regisseur und Aktionist Kurt Palm skizziert im Folgenden die Entstehung und Bedeutung des Feiertages. Palm ist einer der Zeremonienmeister der Bloomsday-Rituale, die an den Schauplätzen Gaußplatz 11 (Wien 20) und Bunkerei (Aug...

Kiosk under construction

Über Marktfahrer, höfliche Kunden und Hütchenspieler

Indische TextilverkäuferInnen wünschen sich Umkleidekabinen, Parkplätze für die Kunden und überhaupt mehr Geschäft. Der Brunnenmarkt in Wien Ottakring wird gerade großzügig umgebaut. Die Bauphase 1 soll bereits Ende Juni abgeschlossen sein. Ein Report aus Anlass des am 20. Mai startenden Kunstprojekts SOHO IN OTTAKRING, dessen heuriges Thema die Entwicklung des Straßenmarktes ist.

Notizen zur Ohrfeige

Darf man Machtausübende schlagen?

Wann immer Hubsi Kramar sich öffentlich an Hermann Schürrer erinnert, den vor 20 Jahren verstorbenen Wiener Boheme-Schriftsteller, ist von zwei biografischen und folgenreichen Ohrfeigen die Rede. Die eine empfing ein Polizist, die andere ein Repräsentant der vormundschaftlichen Psychiatrie. Als kürzlich eine der seltenen Hommagen an Schürrer angesagt war, kam neben Kramar und weiteren überlebenden Begleitern des „schwierigen“ Dichters auc...

Mozart für die Würscht´

Rudi Hübl, Volkskundler und Wildplakatierer, lobt den optischen Skandal

Im Augustinbüro holt Rudi Hübl seine mitgebrachten Würste aus dem Rucksack. Hauswurst geräuchert, luftgetrocknete sizilianische Salami, Kantwurst, Polnische, Speckwurst, Cacciatore, Dürre. Kein entsprechendes Aroma verbreitet sich im Raum. Hübl ist kein Fleischhacker und Pappmaché riecht nicht nach Geräuchertem. Die Ingredenzien seiner Würste sind die Drucksorten des Mozartjahres: Plakate, Werbefolder, Zeitungsartikeln. Mit seinen „Moza...

Heit los i des Gschloda schdee

Stimmgewitter lehrte Deutschen das Wienerlied

40 Weiterbildungsgeneigte besuchten den zweistündigen intensiven Wienerliedkurs, darunter ein Drittel Piefke. Diese waren das primäre Zielpublikum der Veranstaltung im Rahmen des Aktionsradius Augarten-Projekts „"Ösis und Piefke".

Die Bildfläche gehört jeder

Jeden ersten Freitag zeigen Becker Mayer Stangl ihre Gemeinschaftsarbeiten

Am Anfang stand der Zufall –– ein geglückter Versuch, gemeinsam ein Bild zu malen. Schritt für Schritt hat sich daraus ein in der Malerei ungewöhnliches, seit nunmehr zehn Jahren bestehendes Kunstprojekt entwickelt, das die Künstlerinnen so beschreiben: „Die Leinwand ist die Freifläche, auf der Becker Mayer Stangl Formen der Zusammenarbeit in der Malerei erproben.“ Statt Selbstverwirklichung und persönlicher Handschrift der Abschied vo...
ARTISTIN - Sissy Holzinger 04/2006 mehr lesen »»

ZuschauerInnen beim Zuschauen beobachten

David Maayan vermittelt ungewöhnliche Theatererlebnisse

Das Stück „Der Familientisch“ war erstmals 2005 bei den Wiener Festwochen zu sehen. Seit 21. März –– und nur noch bis 8. April –– servieren Regisseur David Maayan und sein Ensemble eine veränderte Version: „Der Familientisch –– 9 Monate später“. Wie schon beim ersten Mal führen die DarstellerInnen ihr Publikum durch die Stadt und geben dabei Einblicke in ihre Lebens- und Familiengeschichte. Danach kehren alle gemeinsam, Schauspi...
ARTISTIN - Annemarie Lammer 04/2006 mehr lesen »»

Neugierig, was als Nächstes kommt ...

Eine Alliierte für erniedrigte soziale Gruppen: Verena Krausneker

Verena Krausneker ist ein Original. Kreative Sprachwissenschaftlerin. Selbstbewusste Aktivistin gegen Rassismus. Solidarische Kämpferin für Gehörlose. Original Wienerin mit originalem Stammbaum aus Ungarn, Slowenien, Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen. Dass die 33-Jährige heute in Wien lebt, ist vielleicht ihrer jüdischen Großmutter zuzuschreiben, die, vor den Nazis geflüchtet, später als Kommunistin nach Wien zurückkehrte, u...

Mit bulgarischem Bazillus

G. Gospodinov über aufgewertete Machos und den Kampf ums eigene Joghurt

Wie passten in Bulgarien Machotum und Sozialismus zusammen? Und Männlichkeit und Turbo-Kapitalismus heute? Der bulgarische Autor Georgi Gospodinov sinniert im Augustin-Gespräch über Machos und Nationalismus im Schatten der EU - und warum Gott und die EU ein Synonym darstellen.

Vom Charme der Peripherie

Wie M. und G. Wild gegen die Kultur-was-brauch-ma-des-Mentalität ankämpften

Nicht, dass früher keine(r ) gelesen, gemalt oder musiziert hätte im 21. Bezirk. Doch noch in den Achtzigern hatten die es verdammt schwer, ein Publikum zu finden. Umgekehrt: FloridsdorferInnen, die Kunst & Kultur suchten, begaben sich „in die Stadt hinein“. In den vergangenen zehn Jahren haben einige Unbeirrte sich als resistent gegen das Vorurteil, in der „Kulturwüste“ Floridsdorf könne man nichts zum Gedeihen bringen, erwiesen. Mariett...

Sie lesen, als ob sie beteten

Nigerianische Dichter in Wien und (unfreiwillig) in den Bergen

Das literarische Klima in Wien und Graz wird im letzten halben Jahr ziemlich aufgeheitert dank nigerianischer Dichter, die hier leben, aber in der eigenen Tradition schreiben. Sie schreiben auf Englisch, Poetry, manchmal auch Kurzgeschichten –– und es wäre schade um diese Gedichte, wenn man sie inkompetent ins Deutsche übertrüge.

Darf ich ihnen noch einen Toten anbieten?

Arbeitsjournal eines Theaterexperiments, Teil 5

Am 4.2.1995 wurden vier Männer ermordet, weil sie Roma waren. Eine Sprengfalle, wenige Meter von der Oberwarter Romasiedlung entfernt, tötete Karl und Erwin Horvath, Peter Sarközy und Josef Simon. Mit der Inszenierung von Elfriede Jelineks „"Stecken, Stab und Stangl“" möchte ein interkulturelles Ensemble unter der Leitung von Tina Leisch an dieses Attentat erinnern.

Zwischen Galata und Galway

"Nim Sofyan" als Botschafter des rotweißroten Musiklebens

"Edelweiß, Edelweiß..." Es soll ja immer noch Menschen auf diesem Planeten geben, die den kitschigsten Song aus der Geschichte des Kitsches, bekannt durch die Hollywood-Verfilmung der Trapp-Familiengeschichte „"The Sound of Music"“, für die österreichische Nationalhymne halten, genauso wie die AustralierInnen fälschlich mit „"Waltzing Matilda“" identifiziert werden. Dabei ist „Edelweiߓ nicht einmal Musik aus Österreich. Aber düm te...

Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" weitete sich aus

Brot für alle, Spiel für alle

Die Aktion „"Hunger auf Kunst und Kultur"“ ist eine Kooperation der österreichischen „Armutskonferenz“ mit diversen VeranstalterInnen im kulturellen Bereich. Sie ermöglicht sozial Schwachen einen Gratiszugang zu Theater, Musik, Film oder Museum. Wenn der Staat seiner Pflicht nachkäme und sich darum kümmern würde, dass nicht immer mehr Menschen „draußen aus dem Spiel“ bleiben, würde sich die Aktion erübrigen ...

Der Zweite von rechts

Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden

Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.

Dieter Schrage zur umstrittenen Sommer-Ausstellung in der Neuen Galerie Graz

Die Rote Armee Fraktion als Kunst-Werk

Bis 28. August ist in der Neuen Galerie in Graz die aus Berlin kommende Kunstschau „"Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung"“ zu sehen. Dieter Schrage, der in der zweiten Hälfte der 70er Jahre im Zusammenhang mit der Ermordung des deutschen ArbeitgeberInnenpräsidenten H. M. Schleyer in eine österreichische RAF-Sympathisanten-Diskussion verwickelt war, hat die Berliner Ausstellung besucht. Für den Augustin berichtet er über die te...

Das Schweigen der Jenischen.

Meister der Unauffälligkeit

Franz K., Gemeindebediensteter im niederösterreichischen Loosdorf, hatte sein Erweckungserlebnis als Jenischer im Urlaub in Oberitalien. Auf einem Straßenmarkt in einer Kleinstadt kam er mit einem italienischen Händler ins Gespräch. Erst nach einer Viertelstunde intensiver Verhandlungen und durchaus gelungener Kommunikation stellte Franz K. mit einigem Erstaunen fest, dass er ja kein Wort Italienisch könne und sein Gesprächspartner kein Deu...

Postkommunistischer Groove im charmanten Labyrinth: der Konzertclub OST

Demnächst vielleicht ein Kasachstan-Boom?

Die russischen Besatzungssoldaten hätten sich anno 1945 sicher gefreut über einen “Kalaschnikow-Club” in Wien, gleich neben dem Russendenkmal am Schwarzenbergplatz. Eher erstaunt hätten vermutlich die Einheimischen reagiert. Umso mehr, wenn sie gewusst hätten, dass ihresgleichen dort fünfzig Jahre später den für viele damals “ungezähmten” Osten enthusiastisch huldigt und das Tanzbein zu Livemusik aus Moskau, Kiew oder Belgrad schwingt...

Harald Krassnitzer als Augustin-Kolporteur

Die Erfahrung des Restlessens

Auch als Eintags-Augustin-Verkäufer hatte der Schauspieler Harald Krassnitzer Erfolg. Der drückte sich nicht in TV-Quoten, sondern in einem überdurchschnittlichen Zeitungsabsatz aus. Das Vorhaben, seine Popularität für eine PR-Aktion zugunsten der Straßenzeitung einzusetzen, geriet nebenbei zu einer „soziologischen“ Feldforschung über die Verbreitung des Nicht-in-die-Augen-schauen-Könnens. Alexandra Reisinger, Hubsi Kramer und Fotograf ...

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