Der Mann mit dem Messer

Wie gefährlich ist der Wienerwald bei Nacht? Die Künstlerin Monika Kribusz gibt sich in einem Jahres-Experiment des Schlafens im Freien ihren unausweichlichen Phobien hin.
Ein See, der "blubb" macht
Gert Jonkes kleine Schwester Bella Ban ist eine große Künstlerin

Bella Ban will luftige Textschachteln für Gert Jonke schaffen, arbeitet den Kärntner Nationalsozialismus ab und schafft neue Räume in Wortskizzen, Performances und Bildern. Das politisch-ästhetische Kunstprojekt „Cafe OM“ in Klagenfurt durchlebte sie mit Viktor Rogy, dem letzten Dadaisten Kärntens. Viktor Rogy starb 2004, Gert Jonke vor einem Jahr. Bella Pan im Augustin-Gespräch.
Alltag einer besonderen Flüchtlingshelferin
Filmporträt über Ute Bock

Seit 2002 versorgt die ehemalige Erzieherin Ute Bock mit dem gleichnamigen Verein Menschen, um die sich eigentlich die öffentliche Hand kümmern müsste – AsylwerberInnen, traumatisierte Menschen, darunter viele Kinder, die auf der Straße stehen. Die Folgen der Ignoranz der Zivilgesellschaft und der Politik fluten täglich das Vereinslokal im 2. Wiener Gemeindebezirk. Von sieben Uhr früh bis zwei Uhr nachts hat Ute Bock, mit einem großen Te...
Minarette sind keine Bajonette
Eine Stadt in Niederösterreich schaffte, was die Mehrheit des Schweizer Wahlvolks deutlich ablehnt: ihre Muslime ein Minarett bauen zu lassen. Das Psychogramm einer Entscheidungsfindung anhand von Gesprächen mit dem Projektleiter Selfet Yilmaz und dem FPÖ-Bezirksobmann Peter Gerstner.
Women of Rock
Borgers` Film über Nomadinnen widersteht der Versuchung, mit Mitleid zu punkten

Mit ihrem Film über die “Kronen Zeitung” löste die belgische Regisseurin Nathalie Borgers im Jahr 2002 ein Flut von Diskussionen über die „wichtigste“ Zeitung in diesem Land und ihre Macher aus. In „Die Frauenkarawane“, ihrer aktuellen Dokumentation, zeigt Nathalie Borgers eine Gruppe von Frauen vom Nomadenvolk der Toubou, die einmal im Jahr durch die Sahara zieht, um sich damit ein Stück Freiheit zu erwirtschaften. “Winds of Sa...
Linksrustikaler Demonstratenser
Vincenz Wizlsperger vom Kollegium Kalksburg über Musik und Politik

Einmal im Monat, bis zu Sommerpause, steht im Porgy ein musikalisches Pantscherl zwischen begnadeten Jazzern und den drei Wienerlied-Dadaisten des „Kollegium Kalksburg“ auf dem Programm. Der nächste Termin: Freitag, 29. Jänner. Kalksburg-Sänger Vincenz Wizlsperger, Meister des Understatements: «Ausnahmemusiker werden in dieser Reihe den schwierigen Versuch unternehmen, uns drei Vorstadtschlurfe behutsam in die Welt des Jazz und der Musik ...
"Wie Exoten"
Lokalmatadorin Nr. 214

Ulrike Kramer studiert die Sprachnuancen, die anzeigen, dass der Wiener kein Deutscher ist. „Lokalmatadore“ nennt sich auch der Sammelband dieser Porträt-Serie – erhältlich bei gut sortierten Augustin-VerkäuferInnen sowie im Buchhandel.
Das Lerchenfeld ist ein Begriff
Über eine Strasse, die kein Identitätsmarketing und kein Branding braucht
"Im Ort liegt auch ein Mehrwert. Das Lerchenfeld ist ein Begriff", sagt Estela Tschernutter, die seit vielen Jahren eine derjenigen ist, die das Gesicht des Weltladens an der Lerchenfelder Straße mitbestimmt. Heuer feiert der Weltladen sein 20-jähriges Jubiläum. An einer Straße wie dieser seinen 20er begehen zu können, dazu gehört einiges: Durchhaltevermögen, Energie, Kreativität, Veränderungsbereitschaft, Kommunikation, nicht zuletzt e...
Ein Jahr Rentner
6. 7.
Es ist geschafft. Mein letzter Arbeitstag. Ich bin endlich Rentner. Jetzt geht mein Leben richtig los. Ich will einfach das machen, woran mich diese verdammte Arbeit immer gehindert hat. Möchte weiter kreativ sein und Bienen züchten.
7. 7.
Ich stehe früh auf, und weiß gar nicht, was ich zuerst tun soll. Der Rasen muss gemäht werden, ich will das Dach reparieren, ich muss die Wasserhähne entkalken, ich will ein Vogelhäuschen bauen un...
Ritter, Tod und Teufel
Die Kaffeehaus-Falle im Mietrechtsgesetz
Wenn das Café Ritter – 1867 woanders gegründet und 1905 in die Mariahilfer Straße übersiedelt – zusperren müsste, ginge ein weiteres denkmalschutzwürdiges Beispiel der klassischen Wiener Gastronomie den Weg aller Spekulationsobjekte.
Statt zerstören vergolden
Ein Wiener Bahnhof in den letzten Zügen
Warum wurde der Südbahnhof immer so schnell zu einem unbeliebten Ort, dass er in seiner Geschichte dreimal komplett abgerissen wurde? War „der Süden“ früher Ort der Sehnsucht, so wird er heute – ähnlich „dem Osten“ – mit Flüchtlingen, Roma, Wanderarbeitern und Armut verbunden. Was folgt: ein riesiger „Haupt-“ oder „Zentralbahnhof“ mit integrierter Shopping-Meile.
Ein paar Fragen an Adolf Holl ...
... über Klappentexte, Befreiungstheologie, Gott, Strache und türkische Hendlgrammel
„Wie gründe ich eine Religion“ ist Ihr bisher letztes Buch. Das wievielte?
Das dreißigste. Von Jesus heißt es: „... der dreiunddreißig Jahr im Fleisch gehorsam war.“ Also werde ich wahrscheinlich noch drei weitere Bücher schreiben.
Im Klappentext des Buches werden Sie zweimal als „großer Freigeist“ bezeichnet. Sehen Sie sich als solchen?
Klappentexte sind dumm. J. P. Sartre meinte, dass einem immer ie ander...
Impressionen aus Georgien
"CCCP" - Auf diese Buchstabenkombination stieß Christian Sturm während seiner Reise nur ein einziges Mal
Marktstand in der Stadt
Schafärsche
... eben auf Rädern leben
Vom mühsamen Kampf um ein alternatives Wohnen in Wägen
Eine bunt gemischte Gruppe empfängt mich am Donnerstag, dem 23. Juli, freundlich in der Hafenzufahrtstraße im 2. Bezirk, auf ihrem brandneuen Wagenplatz. In der Mitte des mit Wohnwägen und umgebauten LKW gestellten Kreises gibt es Kaffee, kalte Getränke und Snacks. Doch die Camping-Atmosphäre trügt, denn mensch will hier nicht Urlaub machen, sondern längerfristig wohnen – „alternativ wohnen“ (Lena). Bis vor kurzem war ihr Platz noch...
"Die Mischkulanz"
Beppo Beyerl ist ein Flaneur vom alten Schlag, der detailliert den Ost-Charme Wiens skizziert
Der Be-Be aus Meidling, Jahrgang 1955, damit so alt wie der Staatsvertrag, gehört noch einer Generation an, die nicht x-mal mailen, smsen und mobiltelefonieren muss, um sich zum vereinbarten Zeitpunkt am vereinbarten Ort einzufinden. Ein Anruf, eine Zusage – und der Be-Be ist gestellt.
Zum Beispiel auf der Kennedybrücke. Mit dem 60er geht es heute wieder einmal raus nach Rodaun. So wie damals, als ihn die Frau Mama noch Bepperl rufen durft...
Das verschwundene Gedächtnis einer Stadt
Wienbibliothek zeigt Kurzbiographien von Frauen
Orte in der Stadt, wo berühmte Männer wohnten oder tätig waren, sind unübersehbar. Man stößt unweigerlich auf Straßen- und Platznamen, Denkmäler, Statuen oder Gedenktafeln, die zu einem großen Teil als männlich geprägte Orientierungspunkte und Erinnerungshilfen fungieren. Doch, wo bleiben die Verewigungen der „berühmten“ Frauen – mit dieser Frage beschäftigte sich die Stadttheoretikerin Elke Krasny und liefert Antworten in ein...
"Im Gasthaus wird soziales Leben gelebt"
Geselligkeit ist politisch
Das neue Lokal „Lokativ“ im Stuwerviertel entwickelt gerade seine eigene Szene. Und betreibt die Erfindung einer Spirituosenmarke von null weg bis zur Logistik und Verteilung. Ob die MusikerInnen-Partie vom Gaußplatz hinter die Venediger Au übersiedeln wird?
Als Ort des Begehrens und Aufbegehrens, als Ort der politischen Meinungsbildung und des Widerstandes, der aber nur für Männer funktioniere, beschreibt Beatrix Beneder in ihrem Buc...
Schluss mit "good for nothing"
Joana Adesuwa Reiterer gegen Frauenhandel und Aberglauben
In dem mehrfach ausgezeichneten Sachbuch „Ware Frau“ beschreiben Corinna Milborn und Mary Kreutzer anhand konkreter Geschichten vom Handel mit afrikanischen Frauen das perfide Zusammenwirken von Geschäftemacherei, sexueller Ausbeutung und Rassismus. Die Idee zum Buch stammte von der in Wien lebenden Nigerianerin Joana Adesuwa Reiterer, die die AutorInnen auch bei der Recherche in Europa und Nigeria unterstützte.
Gegen jede Banalisierung
Bogdan Bogdanović und seine Flucht ins Surreale: Interview mit Reinhard Seiß
Dem Belgrader Architekten, Urbanisten, Literaten und Philosophen Bogdan Bogdanović ist derzeit eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien gewidmet. Der Wiener Raumplaner, Filmemacher und Fachpublizist Reinhard Seiß hat einen zweistündigen Dokumentarfilm über den nun in Wien lebenden großartigen Nonkonformisten gedreht, Roman Seidl, ebenfalls Raumplaner und Fotograf, sprach für den Augustin mit Seiß über den Film, über Bogdanović und de...
Marias Kampfansage
Faltungen, Quetschungen, Zerrungen, Druckpunkte, Spannungen in Farbe
Dem Tode, in Kärnten als „Sensenmann“ bezeichnet, den angeblich verminderten Vergnügungen im Alter und den „Kinderschändern“ kündet die Künstlerin Maria Lassnig ihren Widerstand an. Mit viel Kraft, Energie und Härte reflektiert sie in knalligen Farben geschlechtliche Themen.
Aufgeklärtes Wien
Verhütungsmuseum ist weltweit einzigartig
Unweit des Westbahnhofs ist nicht nur die Abtreibungsklinik Gynmed des Gynäkologen DDr. Christian Fiala beheimatet, sondern auch Wiens einzigartiges Verhütungsmuseum. Nach vier Jahren Vorarbeit wurde das bislang noch eher unbekannte Museum 2007 mit fast 1000 Ausstellungsobjekten, die Schwangerschaftskontrolle zwischen Verhütung und Abbruch zeigen, eröffnet.
Pfarrer Friedl beichtet
"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert"
Pfarrer Josef Friedl ist seit der Causa Arigona Zogaj jedem ein Begriff. Die einen lieben ihn für sein Engagement für die Familie aus dem Kosovo, anderen missfällt er, da er sich in Bereiche einmischt, die ihn als Geistlichen angeblich nichts angingen. Doch wer ist dieser Pfarrer Friedl aus Ungenach in Oberösterreich? Der Augustin besuchte ihn und lernte Seiten seiner Persönlichkeit kennen, die von den anderen Medien nicht beleuchtet wurden....
Niemand rollt so schnell wie ich
Ein "versteckter" Spitzensportler im Pool der AugustinverkäuferInnen
Am 15. September des Jahres 2007 brach Mircea Tănase auf, um westwärts zu rollen. Er erregte kein Aufsehen. Keine JournalistInnen versammelten sich rund um den Rollstuhl Mirceas auf jenem Bukarester Platz, den der Abreisende seither nie wieder betreten hat. Dabei hätte das Unterfangen des Behinderten-Spitzensportlers Mircea Tănase mediale Aufmerksamkeit verdient.
"Wir spürten beide Irritation"
Vater Bruno Kreisky und Sohn über die Sozialdemokratie...
Das „Doppeldilemma“, das „Dilemma schlechthin“ nennt Peter Kreisky die mangelnde Auseinandersetzung der Sozialdemokratie mit Rechtspopulismus und Neoliberalismus und ihren jeweiligen Verknüpfungen. Er erinnert sich an das große Engagement seines Vaters Bruno Kreisky und dessen Verzweiflung über die „Androschisierung“ seiner Partei. Heute wirke Haiders „rabiater Österreich-Chauvinismus“ tief in SPÖ und ÖVP hinein, sagte er i...
Neun Stunden "Tauziehen" auf der Brücke
Tagebuch einer Befreiungsaktion. Teil 3
Die Medizinstudentin Barbara aus Wien hatte im Jänner 1979 auf einer USA-Rundreise die Vereinigungskirche, besser bekannt als Mun-Sekte, in San Francisco (SF) kennen gelernt und wurde Mitglied. Ihre Eltern, Johanna und Roman, und Barbaras Freund Fritz reisten, kurz nachdem sie davon erfahren hatten, nach San Francisco, mit der Absicht, sie zur Rückkehr zu bewegen. Je länger jemand Mitglied der Mun-Bewegung ist, hatten sie erfahren, desto schwi...
Erfolglose Suche in San Francisco
Tagebuch einer Befreiungsaktion. Teil 2
Die Medizinstudentin Barbara aus Wien war im Jänner 1979 auf einer USA-Rundreise in die Fänge der Mun-Sekte in San Francisco (SF) geraten. Ihre Eltern, Johanna und Roman, und Barbaras Freund Fritz reisten, nachdem sie davon erfahren hatten, kurz entschlossen nach San Francisco, mit der Absicht, Barbara nach Österreich zurückzuholen. Denn je länger jemand Mitglied der Mun-Sekte ist, desto schwieriger sei es, unbeschadet wieder davon los zu ko...
Fliegende Gummistiefel
Vor dem Finale des Ersten Wiener Bauerngolf-Cups
Wer sich seine Lebensmittel vom Bio-Bauernmarkt auf der Freyung holt, dem und der kommt ja vieles unter. Berge von bemalten Ostereiern ebenso wie haufenweise Kürbisse oder Burgen aus Strohballen. Aber tief fliegende Gummistiefel waren es bisher noch nie.
Im Nadelstreif in die Meldemannstraße
Rüstiger Rentner und Augustin-Verkäufer
Der Augustin-Verkäufer Norbert Gaggl fühlt sich trotz Rentenalters topfit. Sein Rezept, um agil zu bleiben, beinhaltet viel Bewegung und vor allem Kontakt zu Menschen. Beides ließe sich mit dem Straßenzeitungverkaufen verbinden. Dieser Kolporteur scheint mit der mühsamen und nicht angesehenen Tätigkeit mehr als zufrieden zu sein – solange nicht die Polizei dazwischenfunkt.
Meine Tochter war ein Munie
Tagebuch einer Befreiungsaktion.Teil 1
Die Mun-Sekte oder Vereinigungskirche war in den 70er Jahren eine der am aggressivsten agitierenden Jugendsekten. Sie wurde 1954 vom Koreaner Sun Myung Mun gegründet, der sich als zweiter Messias feiern lässt. Mun konnte sich mit den Fundraising-Aktivitäten seiner JüngerInnen ein großes Wirtschaftsimperium aufbauen. Auch Waffen befinden sich in seinem Sortiment. Heute ist die Mun-Vereinigung keine Jugendbewegung mehr. Mun und viele seiner An...
Schwerkraft ausser Kraft
Für den Auftritt verlässt Dergin Tokmak seinen Rollstuhl
Wieder hat der „Cirque du Soleil“ sein weißes Grand Chapiteau in Wien aufgeschlagen und mit ihm einer der spannendsten Artisten mit einer einzigartigen Lebensgeschichte: Dergin Tokmak hat sich mit dem Engagement bei der glamourösen Zirkustruppe einen Lebenstraum erfüllt. Seinen gesamten Soloauftritt tanzt er auf Krücken und ist fast so etwas wie ein Star geworden im aktuellen Programm „Varekai“, das noch bis 2. November am Rotundenpl...
Die Hüte meines Vaters
Der Gastarbeiter der ersten Generation erinnert sich an ein schönes Wien
"Briefe an den Vater" heißt eine Monatskolumne unseres Mitarbeiters Mehmet Emir. Es sind fiktive Briefe des in Wien gebliebenen Sohnes nach Elazig, wohin der Vater nach 30 Gastarbeiterjahren in Österreich zurückgekehrt ist. Im Sommer hat Mehmet seine Familie im Osten der Türkei besucht. Der Adressat der Serienbriefe wird durch Mehmets Notizen aus der alten Heimat "greifbarer". Wie lebt einer, der von sich sagen kann, er habe die Straßen Wie...
Einordnungsuntauglich
Peter Dworak, Menschmaler zwischen Nasch- und Flohmarkt
Einst hatte der Aufzug, der in Peter Dworaks Himmelsatelier hinaufführte, eine gepolsterte Sitzbank aus Mahagoniholz. Heute ist er ersetzt durch einen Lift der üblichen Art, in genormter Ausführung, steril, funktionell, glatt. Da oben, im letzten Stock eines bürgerlichen Hauses in der Kettenbrückengasse im 5. Wiener Gemeindebezirk wohnt er, der ernsthaft arbeitende Zeichner und Maler Peter Dworak. Man kennt ihn im Grätzel. Er ist tatsächl...
Macht Sandsäcke blühen
Wenn Wam Kat kocht, beginnt der Krieg zu stottern
„Wam Kat kocht im Fluc. Er stellt dort sein neues Kochbuch vor. Schreib was drüber.“ – Kann nicht so schwer sein, denkt die Sparköchin. Schlägt das Buch auf, wenige Stunden vor dem Interview-Termin. Schlägt es gleich wieder zu – und fühlt sich völlig überfordert: Das ist nicht irgendein Kochbuch. Und das ist nicht irgendein Autor.
Das war einer von uns
"Viele Wege sind zu wandern..."
„... ob es dunkelt oder nicht ... (Metropolis)“ Hansi Lang, Rocksänger, Schauspieler, aber auch das Idol meiner Jugend, verstarb am Sonntag, dem 24. August, im Alter von 53 Jahren überraschend an einem Schlaganfall. Der Versuch eines persönlichen Rückblicks.
Wer löscht den Brand?
Die Geschichte des Gert Hoffmann: leben und kämpfen für eine bessere Gesellschaft
Enttäuscht über den gegenwärtigen Zustand der Welt, aber immer noch zuversichtlich, dass die Zukunft dem Sozialismus gehört – in diesem Wechselbad der Gefühle traf der Augustin den 91-jährigen Gert Hoffmann an. Den Sozialismus, den e r meine, könne man aber nicht mit Menschen, die so sind, wie sie jetzt sind, errichten. Gert Hoffmann ist einer der letzten überlebenden österreichischen „Spanienkämpfer“.
Pfarrer Hennefeld und die "Fremden"
Besser ein stummes Minarett als der Lärmterror der Christenkirchenglocke?
Faymanns Versprechen, mit FPÖ-Strache keine Koalition einzugehen, hat den Wert von Wahlversprechen. Der selbst ernannte Retter Wiens vor dem Islam kann, wenn überhaupt, nur von unten gebremst werden. Zum Beispiel bräuchte es mehr Kirchenführer vom Schlage Thomas Hennefelds, des Landessuperintendenten der Evangelisch reformierten Kirche. Im Augustin-Gespräch betonte Hennefeld das absolute Recht der Muslime, Moscheen samt Minarette zu bauen. ...
"Ich such die zweite Fremde`"
Erst im anatolischen Wien kam Kamer zu seiner Saz
28 Jahre lebt Kamer in Wien. Viele kennen ihn als Wirt des Lokals „Epos“. Manche kennen seine Liebe zur Saz. Wer ihn singen und spielen hört, muss denken, dass Kamer mit den Saiten der Saz aufgewachsen sei. Weit gefehlt. Erst in der großen anatolischen Stadt namens Wien erwarb Kamer sein erstes Instrument.
Flanieren in Havanna
Jeden Morgen zwischen 7 Uhr und 7.30 Uhr höre ich einen Reisigbesen über den Asphalt kratzen. Es ist der Straßenkehrer, ein junger Mann, der jeden Abfall, jedes Stückchen Papier penibel auf seine große Schaufel aus Pappkarton kippt. Noch habe ich Zeit, im Bett zu bleiben, denn das Frühstück wird mir nicht vor 8.30 Uhr serviert. Ich wohne bei Estrella und Lourdes in einer ehemaligen Kolonialvilla in Havanna.
Als Maler Fantast – als "Patient" Aufklärer
Anton Blitzstein
Augustin-VerkäuferInnen bieten seit ein paar Wochen ein so genanntes Postkarten-Book an. In das Cover sind zehn herausnehmbare Karten geklebt. Es kostet vier Euro, davon bleibt, wie es bei Augustin-Produkten üblich ist, die Hälfte der Kolporteurin bzw. dem Kolporteur. Der restliche Gewinn wandert in die Tasche Anton Blitzsteins, da Bilder von ihm die Postkarten schmücken. Höchste Eisenbahn, den Künstler, dessen Werke auch im Augustin unter...
Gönn dir einen Schluck Freiheit
Zwei Wiener Kurden irritieren mit ihrem Bier den türkischen Staat
Ali Can, Journalist, und Nurettin Keske, Gastronom, stammen aus derselben Gegend des Kurdengebiets im Osten der Türkei. In Wien, wo die kurdische Diaspora „nur“ etwa 30.000 Seelen umfasst, lernt man einander rasch kennen, wenn man aus denselben Bergen kommt. Die Berge trägt man auf der Zunge wie bei uns die Täler, so ist das immer noch mit den Dialektfärbungen. Nurettin Keske, der in Wien aufwuchs, und Ali Can, der 1988 emigrierte, hatte...
Der Fußball, die Weltpolitik und der liebe Gott
Wiener Ausfahrten
(In der letzten Folge erzählte Groll vom Aufstieg des FC Voest Alpine Krems).„Leider dauerte die große Zeit der Mannschaft nur kurz. Die Kubaner emigrierten nach den USA weiter, die Tschechen wechselten zum Tennisverein und feierten dort Seriensiege, einzig die Zeppelzauers hielten dem Verein die Treue und taten, was sie am besten konnten, gegnerische Stürmer an der Mittellinie niedersäbeln. Sie nannten das ‚taktische Fouls’ im Gegensa...
Soziale Arbeit als Geben & Nehmen
Sonja Hopfgartner bringt "Ganslwirt"-Erfahrungen in den Augustin ein
Donauabwärts, von Linz nach Wien. Biografisch folgte Sonja Hopfgartner der Stromrichtung. In anderen Belangen schwimmt sie gegen den Strom. Darum fühlt sie sich beim Augustin, wo sie seit 1. Mai dieses Jahres als Sozialarbeiterin tätig ist, gut aufgehoben. In einem selbst organisierten, nicht von der Gemeinde Wien ausgehaltenen und deshalb autonomen Projekt wie dem Augustin könne ein sozialarbeiterisches Konzept verwirklicht werden, das selb...
Sex am Rande
Die neue Augustin-Serie: Über die Grenzen von Lust & Liebe
Wie es amerikanische Bobos treiben, wissen wir seit „Sex and the City“. Doch die Wege von Lust & Liebe kennen keine Grenzen und führen manchmal an den Rand der Legalität, der Moral, der Gesellschaft. Oft mit psychosozialen Folgen für jene, die abseits des Mainstreams lieben. Johannes Wahala und Elisabeth Cinatl von der Sexualberatungsstelle Courage klären auf.
Der Trauner Beitrag zu "68"
Maler, Dichter, Behindertenbetreuer: Der oberösterreichische Andreas Hofer
Die 68er-Revolte begann in einigen Ländern schon Ende der 50er Jahre, während sie in Österreich mit der landesüblichen Verspätung und mit der landesüblich reduzierten Wildheit in der zweiten Hälfte der 70er Jahre. Gemessen am Konformismus der MitbürgerInnen war der aus Traun stammende Künstler, Gesundheitsmanager und psychiatrische Krankenpfleger Andreas Hofer dennoch ein „wilder Hund“.
Betteln als Beruf?
Frauen mit Überlebenskompetenz und "Habitus des selbstbewussten Leidens"
Ist Betteln Arbeit? Oder gar ein Beruf, der spezifisches Wissen und kontinuierliches Lernen erfordert? Marion Thuswald sprach mit Bettlerinnen auf Wiens Straßen und entwickelte eine neue und ungewöhnliche Forschungsperspektive auf das Thema, die die Frauen nicht nur als passive Opfer ihrer sozialen Schieflage wahrnimmt.
Nestroyhof: Interview mit Erica Lindenstraus
Erica Lindenstraus ist eine Enkelin Anna Steins, die bis 1940 Besitzerin des Nestroyhofs war. Durch Arisierung kam die Industriellenfamilie Polsterer in Besitz des Gebäudes in der Praterstraße 34. Ein Rückstellungsverfahren an die Kinder Anna Steins konnten die Polsterers 1951 durch einen fragwürdigen Vergleich abwenden. In einem Exklusivinterview für den Augustin am 3. Jänner 2008 in New York sprach Erica Lindenstraus über ihre Großmutte...
Die verletzten Zusammenhänge
"Hanna und ich": Andrea Winkler und ihr neues Buch
Arme Närrchen im Selbstgespräch, eine stumme Hauptfigur, Sätze von rätselhafter Klarheit: Das poetische Universum der Schriftstellerin Andrea Winkler verführt und entzieht sich zugleich. Ihr neues Buch „Hanna und ich“ erzählt von einer immer unwirklicher werdenden Realität.
Panorama ist auch eine Art zu denken
Palästinenser, Beduinen oder Hirten, ganz klein am Horizont ...
Den Blick von weitem oder von oben auf bestimmte Menschen herab, die als Teil der Landschaft dargestellt werden, liebten europäische Panorama-Fotografen im 19. Jahrhundert in Palästina. Dem israelischen Künstler Tal Adler schauen seine Foto-Subjekte genau ins Auge. Dem Augustin erzählte er über seine Arbeit in den offiziell nicht anerkannten Beduinendörfern in Israel.
Ein suspekter Freund der Alliierten
Die Faszination des Sammelns (1)
Möglicherweise weiß niemand in Kanada, dass im vielleicht seltsamsten Privatmuseum Österreichs, der Sammlung Erwin Prauses im Weinviertler Dorf Kleinebersdorf, in einer speziellen Ausstellungseinheit ein junger kanadischer Soldat geehrt wird. Er saß in einem B24-Bomber der US Air Force, der am 12. März 1945 von einer deutschen Flak im nördlichen Weinviertel zum Absturz gebracht wurde. Das Pfeifenmundstück des Soldaten, die roten Socken, d...
Die "Mamsch" vom Slovan
Mit 80 als Zeugwartin am Heimplatz des FC SW Augustin
Beim Slovan HAC sorgen gleich drei Frauen für einen reibungslosen Spielbetrieb: Präsidentin Tatjana May, Vizepräsidentin und Kantineurin Jutta Burg und Zeugwartin Gertrude Friedrich. Letztere ist eine „Institution“ beim Verein und wurde nun mit dem silbernen Ehrenzeichen für ihre Verdienste um den Fußball ausgezeichnet. 40 Jahre Fußballplatz – das Porträt einer Frau.