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Eine Art Orgien-Mysterien-Spiel

Von der Angst (des Toreros) über die Würde (des Stiers) zum Tod (von beiden)

filmarena.jpg Vor den Recherchen zu seinem Dokumentarfilm «Arena» (seit 5. März im Kino) hatte Günter Schwaiger wie die meisten Menschen ein eher distanziertes Verhältnis zum Stierkampf. Der in Neumarkt/Salzburg geborene Regisseur, der seit 18 Jahren in Madrid lebt, begann sich aus ethnologischen Gründen für die Corrida zu interessieren und stieß dabei auf archaische Instinkte, die vor allem TierschützerInnen sehr schwer zu erklären sind. Ein Augusti...

Im Ballsaal tanzen noch die Reichen

Der Globalisierungskritiker Jean Ziegler im Augustin-Gespräch (Teil 2)

jeanziegler.jpg Die letzte Frage an den Menschenrechtsaktivisten und Globalisierungskritiker Jean Ziegler im ersten Teil des Augustin-Interviews (Ausgabe Nr. 266): Gibt es Staaten der so genannten Dritten Welt, die der Erste-Welt-Walze, die ökonomisch über sie drüberfährt, etwas entgegenzusetzen haben? Ziegler berichtete über die Zähmung der Konzerne durch die neue bolivianische Linksregierung. Afrikas Eliten könnten sich ein Beispiel an diesem Widerstand...
TUN & LASSEN - Andreas Kövary 01/2010 mehr lesen »»

Women of Rock

Borgers` Film über Nomadinnen widersteht der Versuchung, mit Mitleid zu punkten

frauenkarawane.jpg Mit ihrem Film über die “Kronen Zeitung” löste die belgische Regisseurin Nathalie Borgers im Jahr 2002 ein Flut von Diskussionen über die „wichtigste“ Zeitung in diesem Land und ihre Macher aus. In „Die Frauenkarawane“, ihrer aktuellen Dokumentation, zeigt Nathalie Borgers eine Gruppe von Frauen vom Nomadenvolk der Toubou, die einmal im Jahr durch die Sahara zieht, um sich damit ein Stück Freiheit zu erwirtschaften. “Winds of Sa...

Linksrustikaler Demonstratenser

Vincenz Wizlsperger vom Kollegium Kalksburg über Musik und Politik

wizlsperger.jpg Einmal im Monat, bis zu Sommerpause, steht im Porgy ein musikalisches Pantscherl zwischen begnadeten Jazzern und den drei Wienerlied-Dadaisten des „Kollegium Kalksburg“ auf dem Programm. Der nächste Termin: Freitag, 29. Jänner. Kalksburg-Sänger Vincenz Wizlsperger, Meister des Understatements: «Ausnahmemusiker werden in dieser Reihe den schwierigen Versuch unternehmen, uns drei Vorstadtschlurfe behutsam in die Welt des Jazz und der Musik ...
ARTISTIN - E.M. Hinterwirth, Sabina König, Vene Mayr 01/2010 mehr lesen »»

Gefallene mit Flügeln wie Engel

Aus Anlass von "Gender Check": Gespräch mit Tadej Pogacar, Slowenien

chendercheck2.jpg Es sei noch zu früh, um Kunst zum Thema Krieg zu erwarten, meint der slowenische Künstler Tadej Pogacar, der auf verschiedenen Biennalen zum Thema «Sexarbeit» ausstellte und gerade bei der „Gender Check“-Ausstellung im Wiener MUMOK dabei ist. Seine Kunst, in der Prostituierte und Obdachlose den Ton angeben, steht im lebendigen Gegensatz zu den im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien verbreiteten militärischen Helden-Denkmälern der Kirche. ...

Von den zerstörerischen Selbstheilungskräften des Marktes

Wirtschaftskrise? Hauptsache, die Geschäfte laufen (2)

krise2.jpg Für unsere Serie zur Weltwirtschaftskrise haben wir uns zuletzt mit einem Banker in einem Beisl zu einem Interview getroffen. Nachdem er plötzlich weg war, sind wir mit Arbeitern am Nebentisch ins Gespräch gekommen. Uns hat der von ihnen erwähnte „französische Brauch“ interessiert, der den Abgang unseres Gesprächspartners offensichtlich beschleunigt hatte. Hier ihre Erklärung:

Kapitalismus schlich sich in die Subjekte

Oskar Negt im Augustin-Gespräch: Warum uns die Gesellschaft depressiv macht

Anlässlich der Selbstmorde bei der Telecom France und des Skandals um die Sammlung von ÖBB-Krankenstandsdaten weist der Soziologe Oskar Negt auf die Überforderung der Abeitnehmer hin, die zunehmend nach innen gedrückt wird. Negt tritt für den Ausbau des „sozialen Gemeinwesens“ ein, um zunehmender Bindungslosigkeit der Menschen im Arbeitsleben entgegenzutreten, denn derzeit profitieren die Rechtsextremen davon.

Nimm`s Geld und renn weg

Franco Nero: Erinnerungen einer Italowestern-Legende

Franco Nero ist ein Schauspieler von Weltrang. Der 68-jährige Italiener hat mit den größten Stars und Regisseuren zusammengearbeitet. Claudia Cardinale, Anthony Quinn oder Bruce Willis waren seine Filmpartner. Als «Django» ging er in die Filmgeschichte ein. Er prägte das Genre des Italowestern ähnlich stark wie Clint Eastwood. Mit dem Augustin sprach er über Österreich-Bezüge – und über seine Projekte abseits des «Django»-Kultes, ...
ARTISTIN - Michael Lippitsch 10/2009 mehr lesen »»

Gage an den Sachwalter

Von Tokyo bis Wien: Art brut auf Tisch` und Bänk`

Im Kunsthaus Wien läuft zur Zeit die Ausstellung „Art brut du Japon“ (bis 18. Oktober) und im renommierten Verlag Holzhauser liegt eine umfassende Publikation mit dem Titel „Kunst von innen. Art brut in Austria“ vor. Grund genug, mit der Herausgeberin Angelica Bäumer und dem Kurator Andreas Hirsch ein Gespräch zu führen.

Ein paar Fragen an Adolf Holl ...

... über Klappentexte, Befreiungstheologie, Gott, Strache und türkische Hendlgrammel

„Wie gründe ich eine Religion“ ist Ihr bisher letztes Buch. Das wievielte? Das dreißigste. Von Jesus heißt es: „... der dreiunddreißig Jahr im Fleisch gehorsam war.“ Also werde ich wahrscheinlich noch drei weitere Bücher schreiben. Im Klappentext des Buches werden Sie zweimal als „großer Freigeist“ bezeichnet. Sehen Sie sich als solchen? Klappentexte sind dumm. J. P. Sartre meinte, dass einem immer ie ander...

"Willst du mit mir spielen?"

Interview zu Pawel Althamers Secessions-Projekt

Kurz vor Eröffnung seiner Ausstellung fand Pawel Althamer Zeit für ein Interview. Während des Projekts war er nicht in Wien.
ARTISTIN - Marlene Gölz 06/2009 mehr lesen »»

Gegen jede Banalisierung

Bogdan Bogdanović und seine Flucht ins Surreale: Interview mit Reinhard Seiß

Dem Belgrader Architekten, Urbanisten, Literaten und Philosophen Bogdan Bogdanović ist derzeit eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien gewidmet. Der Wiener Raumplaner, Filmemacher und Fachpublizist Reinhard Seiß hat einen zweistündigen Dokumentarfilm über den nun in Wien lebenden großartigen Nonkonformisten gedreht, Roman Seidl, ebenfalls Raumplaner und Fotograf, sprach für den Augustin mit Seiß über den Film, über Bogdanović und de...
ARTISTIN - Roman Seidl 03/2009 mehr lesen »»

Wie kann eine Frau von ihrem Job leben?

In der "Wirtschaftskrise" ist männliche Existenzsicherung wichtiger

Die gläserne Decke, die Frauen auf der Jobsuche zu durchbrechen haben, liege inzwischen schon so niedrig, dass sie existenzgefährdend ist, meint Barbara Pickl, Unternehmenskontakterin des mittlerweile eingestellten sozialökonomischen Betriebes „abz* office service“, im Augustin-Gespräch. In neun Jahren gelang es Pickl und ihren Kolleginnen, Hunderte existenzsichernde Jobs für langzeitarbeitslose Frauen zu finden.

200 Meter für alle!

Autofreie Stadt: Günther Emberger, TU Wien, vermisst politische Fantasie

Hartnäckig verteidigt die Mehrheit der StadtbewohnerInnen das, was ihre Lebensqualität nachträglich beeinträchtigt: das eigene Auto vor der Tür und die Möglichkeit, es ständig zu benutzen. StadtplanerInnen haben längst erkannt, dass eine autolose Stadt eine vernünftige Alternative ist. Längst sind auch Modelle entwickelt, die auch AutofanatikerInnen überzeugen könnten. Die in Spanien lebende Austauschstudentin Maria Garcia Blasco hat...

Pfarrer Friedl beichtet

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert"

Pfarrer Josef Friedl ist seit der Causa Arigona Zogaj jedem ein Begriff. Die einen lieben ihn für sein Engagement für die Familie aus dem Kosovo, anderen missfällt er, da er sich in Bereiche einmischt, die ihn als Geistlichen angeblich nichts angingen. Doch wer ist dieser Pfarrer Friedl aus Ungenach in Oberösterreich? Der Augustin besuchte ihn und lernte Seiten seiner Persönlichkeit kennen, die von den anderen Medien nicht beleuchtet wurden....
TUN & LASSEN - Suzan Aytekin-Alavi 12/2008 mehr lesen »»

"Wir spürten beide Irritation"

Vater Bruno Kreisky und Sohn über die Sozialdemokratie...

Das „Doppeldilemma“, das „Dilemma schlechthin“ nennt Peter Kreisky die mangelnde Auseinandersetzung der Sozialdemokratie mit Rechtspopulismus und Neoliberalismus und ihren jeweiligen Verknüpfungen. Er erinnert sich an das große Engagement seines Vaters Bruno Kreisky und dessen Verzweiflung über die „Androschisierung“ seiner Partei. Heute wirke Haiders „rabiater Österreich-Chauvinismus“ tief in SPÖ und ÖVP hinein, sagte er i...

Geld arbeitet nicht

Banken krachen wie bestellt für Wagenhofers neuen Film

Nach seiner Aufsehen erregenden filmischen Bestandsaufnahme zur Welternährung „We Feed The World“ legt Filmmacher Erwin Wagenhofer mit seiner neuen Dokumentation „Let’s Make MONEY“ den Finger in die nächste Wunde von Weltkonzernen, die anonym und ausbeuterisch agieren. Im Gespräch mit dem Augustin nennt er einiges, was stinkt, beim Namen.

Zur Erfindung des "Asylbetrugs"

Augustin-Gespräch mit Abschiebungs-Kritiker Klaus Ottomeyer

Große Plakate mit der Warnung vor „Asylbetrug“ überall. Doch welche Mechanismen stecken hinter der menschlichen Taktik, Probleme auf eine andere Ebene zu verschieben? Der Psychotherapeut Klaus Ottomeyer spricht über die Verschleppungen und Menschenrechtsverletzungen gegen tschetschenische Flüchtlinge in Kärnten. Und auch über BZÖ und ÖVP.

Miederstand! Profest!

Augarten: Rajas Schutzengel werden für privaten Investor zum Problem

Für die Augarten-AktivistInnen ist nach jahrelangen Scharmützeln um die Nutzung des so genannten Augarten-Spitzes ein vorläufiger Erfolg erreicht: Seitens des Denkmalamtes und der Wiener Sängerknaben ist entschieden worden, das barocke Pförtnerhäuschen mit umliegender Mauer nicht abzureißen und die Pläne für die Errichtung einer Sängerknaben-Konzerthalle (knapp hinter dem Barockensemble) völlig neu einzureichen. Die Künstlerin Raja Sc...

"Wir haben die Wahlmöglichkeit"

Warum Josef F. für seine Taten verantwortlich ist ...

Erzeugt Gewalt automatisch Gewalt? Ob Überlebende von Gewalt in der Kindheit wieder zu Tätern werden, hängt davon ab, ob sie sich von den Übergriffen distanzieren oder das Modell der Ausbeutung von Schwächeren übernehmen. Die Psychotherapeutin Rotraud A. Perner analysiert die Mythenbildung rund um Josef F.

Schwerkraft auflösen

Meina Schellander besetzt den öffentlichen Raum

Die Verspannungs-Künstlerin Meina Schellander hängte einen steinernen „Findling“ im Krastal zwischen Felsen in die Luft. Sie umnähte, umschlängelte und verspannte Kirchen in Wien und Maria Saal mit gelben und hellgrauen Seilen und Wörtern aus Holz und Metall. Die Installation „Raum Omega: Ruhe sanft du blaues Land“ mit einem riesigen blauen Polyesterei wird im Sommer in Kärnten zu sehen sein. Im Augustin-Gespräch gewährte sie Ein...

Ich arbeite als Prostituierte

Stephanie Klee über die Hurenbewegung in Deutschland und über ihren "Test" im Stuwerviertel

Seit 1976 wird alljährlich der internationale Hurentag begangen. Damals besetzte eine große Gruppe von Sexarbeiterinnen eine Kirche in Paris, um auf ihre fehlenden Rechte bezüglich ihrer Arbeitssituation aufmerksam zu machen. Über die derzeitigen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen führten wir ein Gespräch mit Stephanie Klee.
TUN & LASSEN - Claudia Dietl 06/2008 mehr lesen »»

Gespräch ohne Ratzer

Harri Stojka und der reinkarnierte Geist von Gipsy Love

Wenn Karl Ratzer und Harri Stojka, die zwei größten Guitarreros dieser Stadt, nach jahrzehntelanger Abstinenz wieder einmal gemeinsam auf der Bühne musikalisch aufeinanderprallen, erwartet eingefleischte Fans ein außerordentliches Ereignis. Da Karl Ratzer in seiner unkonventionellen Art generell auf Schmierfinken im Blätterwald ein fröhliches Liedchen pfeift, hat Harri Stojka kurzerhand seine Frau Valerie zum Interview mitgenommen – bei ...

Sturm & Drang und andere Schubladen

Dank Klaus Hundsbichler geht die Weltrevolution von Wien aus

„Weltrevolution“. So bombastisch der Titel seines Films klingt, so angenehm bescheiden wirkt der Filmemacher selbst. Die Premiere des vom Stefan-Weber-Fanclub lang ersehnten Drahdiwaberl-Films ist der zweite große Höhepunkt in Klaus Hundsbichlers beruflicher Laufbahn. Der erste, 30 Jahre vorher, bahnte sich im Keller von Frank Zappa an.

In manchen Pässen: Vermerk "Bettlerin"

Betteln als Beruf? Teil 2

Ist Betteln Arbeit? Oder gar ein Beruf, der spezifisches Wissen und kontinuierliches Lernen erfordert? Der Augustin brachte in der vorigen Ausgabe, 226, den ersten Teil des Interviews mit der Bildungswissenschafterin Marion Thuswald, das hier fortgesetzt wird. Sie sprach mit Bettlerinnen auf Wiens Straßen. Eine Erkenntnis: Nicht eine imaginäre „Mafia“, sondern die Polizei nimmt den Bettlerinnen das Geld ab. Thuswald entwickelte eine ungew...

Betteln als Beruf?

Frauen mit Überlebenskompetenz und "Habitus des selbstbewussten Leidens"

Ist Betteln Arbeit? Oder gar ein Beruf, der spezifisches Wissen und kontinuierliches Lernen erfordert? Marion Thuswald sprach mit Bettlerinnen auf Wiens Straßen und entwickelte eine neue und ungewöhnliche Forschungsperspektive auf das Thema, die die Frauen nicht nur als passive Opfer ihrer sozialen Schieflage wahrnimmt.

Nestroyhof: Interview mit Erica Lindenstraus

Erica Lindenstraus ist eine Enkelin Anna Steins, die bis 1940 Besitzerin des Nestroyhofs war. Durch Arisierung kam die Industriellenfamilie Polsterer in Besitz des Gebäudes in der Praterstraße 34. Ein Rückstellungsverfahren an die Kinder Anna Steins konnten die Polsterers 1951 durch einen fragwürdigen Vergleich abwenden. In einem Exklusivinterview für den Augustin am 3. Jänner 2008 in New York sprach Erica Lindenstraus über ihre Großmutte...

Die verletzten Zusammenhänge

"Hanna und ich": Andrea Winkler und ihr neues Buch

Arme Närrchen im Selbstgespräch, eine stumme Hauptfigur, Sätze von rätselhafter Klarheit: Das poetische Universum der Schriftstellerin Andrea Winkler verführt und entzieht sich zugleich. Ihr neues Buch „Hanna und ich“ erzählt von einer immer unwirklicher werdenden Realität.

Panorama ist auch eine Art zu denken

Palästinenser, Beduinen oder Hirten, ganz klein am Horizont ...

Den Blick von weitem oder von oben auf bestimmte Menschen herab, die als Teil der Landschaft dargestellt werden, liebten europäische Panorama-Fotografen im 19. Jahrhundert in Palästina. Dem israelischen Künstler Tal Adler schauen seine Foto-Subjekte genau ins Auge. Dem Augustin erzählte er über seine Arbeit in den offiziell nicht anerkannten Beduinendörfern in Israel.

Das Lachen der Putzfrauen

Veronika Franz und Ulrich Seidl im Familienverband

Nach dem Erfolg von „Import Export“ bat der Augustin die beiden Hauptverantwortlichen Veronika Franz und Ulrich Seidl zu einem Gespräch über Menschenverachtung und Sozialpornografie, Demütigungen und Machtverhältnisse in der Sexualität sowie über die Liebe zum Osten.

Asyl-Heime sind Pulverfässer

Nach dem Fall Maklele: "Ich stelle die derzeitige Flüchtlingsbetreuung in Frage"

Maklele Dennis wollte nicht mehr leben, „weil die Österreicher die Afrikaner hassen“. Eine ehemalige Flüchtlingsbetreuerin des 18-jährigen afrikanischen Asylwerbers, der in Steyr lebt, kritisiert eindringlich, dass die derzeitigen Zustände in den Flüchtlingsheimen für AsylwerberInnen und BetreuerInnen nicht aushaltbar sind. Ihre Wunschvorstellung beinhaltet direkte Kontakte zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung, um Rückhalt zu geben...

"Weil du die Leut so lieb gewinnst"

Über die Schwierigkeiten, im Altenheim eine böse Rolle zu spielen ...

Leidenschaftlich, verletzlich und ausbaufähig, wenn er eine große Rolle kriegt, wie als Glücksspielsüchtiger im Kinofilm „Spiele Leben“. Immer mit einer gewissen Vielfältigkeit, aber gleichzeitig eigenständiger Distanz unterwegs, spielt Georg Friedrich derzeit in „Welcome Home“ einen Kieberer, der sich in Ghana an sein Aufnahmegerät klammert, und in „Import, Export“ einen Pfleger, der fröhlich seine Alten ärgert.

"Ich bin auf die Nerven gegangen"

Interview mit Dr. Werner Vogt (Teil 1)

„Alles, was hier gesagt wurde, ist eine Lüge. Wurscht, welchen Zipfel Sie zusammenpacken, es ist alles falsch, was da gesagt wurde. Auch was kommen soll – alles falsch.“ Der Unfallchirurg Dr. Werner Vogt, bis Ende 2006 Pflegeombudsmann der Stadt Wien und Mitinitiator des Sozialstaatsvolksbegehrens, über Ärztestreik, Pflegeskandale, Ökonomiediktat, freien Markt und Zudrehen der von ihm gegründeten Wiener Pflegeombudsstelle.

Augustin im Jelinek-Dilemma?

Thomas Maurer ist zuversichtlich: Die Lächerlichkeit stirbt nicht aus

In seinem Programm „Menschenfreund“ spielte Thomas Maurer Thomas Maurer. Die beiden sind nicht unbedingt identisch. So ist es auch kein Widerspruch, dass der eine Maurer auf der Bühne über die Augustinverkäuferinflation am Naschmarkt lästert und ihre Zeitung verspottet, während der andere Maurer sich gagenlos für die „Nacht des Augustin“ im Wien-Museum am Karlsplatz zur Verfügung stellt.

Von "Ganz unten" ins Call-Center

Günter Wallraff im Wien Museum

Vor etwa 20 Jahren ist es um den Aufdeckungsjournalisten Günter Wallraff still geworden. Nun macht er wieder Schlagzeilen: Als er eingeladen wurde, in einer Moschee zu lesen, kündigte er an, dass er die Einladung annehmen werde, um aus Salman Rushdies „Satanische Verse“ vorzutragen. Und er erkundete am Telefon die neue Arbeitswelt der Call-Centers. Der Augustin traf ihn im Rahmen der Ausstellung „Ganz unten“ im Wien Museum.

Gerade sitzen und Schultern vor

Stefan Weber über sein Projekt „Weltrevolution. Der Film“ und über das Leben mit Parkinson

Der stürmische Wind hat Rock-Viech und Polit-Trash-Guru Prof. Stefan Weber ins Planet Music geweht, zu einer Probe von Roman Gregorys „Alkbottle“, wo er auch zwei Nummern interpretieren wird. Ja, der Frühpensionist und Szenealtmeister ist wirklich äußerst umtriebig: Stargast bei vielen Events, zertrümmert er hier ein Saxophon, dort eine Gitarre, erscheint bei Tochter Monis Modeschauen, hält Lesungen im Rathaus und kümmert sich ums Dra...

Barrieren überwinden

Dr. Gerald Matt, Kunsthalle, über Chen Zhen, das Museumsquartier und die Kunst überhaupt

Dr. Gerald Matt ist nicht nur Leiter der Kunsthalle (im Museumsquartier und am Karlsplatz) in Wien, sondern auch ungewöhnlicher Denker zu Tendenzen in der Kunst und zum Kunstbetrieb. Anlässlich der aktuellen Ausstellung des chinesischen Künstlers Chen Zhen diskutierte er mit dem Augustin über Erscheinungen des Kunstbetriebes.

"Was ich mir erträumte, fand statt"

Airan Berg: Auch Theater, das versucht, unpolitisch zu sein, ist Politik

Airan Berg verlässt nach sechs Jahren das Wiener Schauspielhaus, um in Linz als künstlerischer Leiter für darstellende Kunst für die „Kulturhauptstadt 09“ zu arbeiten. Und schweigt nach wie vor über interessante Projekte – denn „Dinge, die man zu früh verrät, kommen dann nicht“, erklärt er im Augustin-Gespräch.

Wie ein halber Bus - aber brutto!

Ein Interview mit Sozialminister Erwin Buchinger

Der Stellenwert dieses Interviews wurde uns bereits vor Beginn des Gesprächs klar gemacht: Nach zwanzig Minuten vertrösteter Wartezeit wurden wir freundlich empfangen und ins allgemeine Händeschütteln mit der sich verabschiedenden Vizebürgermeisterin Brauner einbezogen. „Sie müssen schon entschuldigen“, meint Buchinger dann zu uns, „aber jede Minute mit der Frau Vizebürgermeisterin ist 10.000 Euro Wert.“ Wir wussten das zu schätze...
TUN & LASSEN - Heide Hammer, Kurto Wendt 05/2007 mehr lesen »»

Der Ballredner

Steffen Hofmanns Augustin-Connection

„Den kenn ich – der kommt oft zu uns“, sagt Steffen Hofmann und deutet aufs Coverfoto des Augustin, das die Gewinner des Obdachlosen-Cups in Jubelpose zeigt, genauer: auf Willy Gröschl, den Erzesten aller Erzgrünweißen im schwarzweißen Augustindress.

Kolonialware Mädchen

Es ist keine Lösung, wenn Dein Kind in Europa seinen Körper verkaufen muss ...

Kunst spricht, meint Joanna, die über Zwangsprostitution aufklären möchte. Sie drehte einen Film gegen Frauenhandel und zeigte ihn in Nigeria. Ein Spielfilm und ein Buch sind in Planung.

Irgendeine Identität zu haben ist üblich: als Türke, als Mann...

„Ein Mann hat wie ein Mann zu sein“

Seine „Gastarbeiterji-Fotos“ stellt er in der Türkei aus, die Bilder, die er im Zeitraum von 20 Jahren in seinem türkischen Dorf machte, in Österreich. Der Künstler und Sozialarbeiter Mehmet Emir, der mit einem Kunst-Studium an der Akademie begann, zum Thema Männlichkeit in drei Generationen.

Systemische Gewalt im Heim

Ex-Pflege-Ombudsmann Vogt: Großanstalten neigen zur Entgleisung

Am 31. Dezember vergangenen Jahres wurde entsprechend einer politischen Entscheidung in Wien das trotz seines kurzen Bestehens äußerst erfolgreiche Amt des Pflege-Ombudsmanns abgeschafft. Werner Vogt, Inhaber dieses Amtes, war als kompromissloser Kritiker des Systems der Altenpflege zum Störfaktor geworden. Zwei Wochen vor dem Finaltag kündigte Vogt in einem Gespräch mit Augustin-Mitarbeiter Martin Schenk an, dass die Politik ihn nicht hinde...

Über die Ohnmacht des kritischen Journalismus

„Ich schaue mir an, wo die Festung bröckelt“

Der illegale Arbeitsmarkt wird so tot geschwiegen, als gäbe es diese Millionen in Europa gar nicht... Für ihr Reportagenbuch „Gestürmte Festung Europa“ verfolgte die Journalistin Corinna Milborn die gefährlichen Wege der illegalisierten Migration. Vom Augustin wurde sie zu ihren Arbeitsmethoden befragt.

Thomas Frankls Erinnerungen

Chanukka im „Bunker“

Am 28. September 1944 wurde die Familie Frankl von den Nazis verhaftet. Während der Vater, der Maler Adolf Frankl (1903 – 1983), zum Waggon nach Auschwitz-Birkenau gedrängt wurde, gelang es seiner Frau Renée und den Kindern Thomas, damals 10 und Erika 8 Jahre alt, sich noch in letzter Sekunde zu retten. Die Kinder verbrachten Chanukka („Lichterfest“, in der Regel im Dezember) 1944 im „Bunker“ versteckt. Thomas Frankl erinnert sich in...

Reinhard Liebe macht es wie die Samen

Einst Liedermacher, jetzt Geschichtenerzähler

Reinhard Liebe war Liedermacher und Bewährungshelfer. Im Jahr 2000 erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er noch immer leidet. Nun arbeitet er wieder als Psychotherapeut. Zuweilen lädt er zu einem Abend ein, an dem er Stehgreifgeschichten erzählt. Zum Beispiel am 13. Juli in der Alten Schmiede.

Neugierig, was als Nächstes kommt ...

Eine Alliierte für erniedrigte soziale Gruppen: Verena Krausneker

Verena Krausneker ist ein Original. Kreative Sprachwissenschaftlerin. Selbstbewusste Aktivistin gegen Rassismus. Solidarische Kämpferin für Gehörlose. Original Wienerin mit originalem Stammbaum aus Ungarn, Slowenien, Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen. Dass die 33-Jährige heute in Wien lebt, ist vielleicht ihrer jüdischen Großmutter zuzuschreiben, die, vor den Nazis geflüchtet, später als Kommunistin nach Wien zurückkehrte, u...

Die Sensibilität der Clochards

Robert Hammerstiel im Leopold-Museum

Robert Hammerstiel, geboren 1933 in Werschetz (Vrfiac) im Banat, ist der erste zeitgenössische Künstler, dem eine Ausstellung im Leopold-Museum gewidmet ist. Sein Frühwerk ist von Kindheitserinnerungen in jugoslawischen Internierungslagern geprägt. Nach einem New-York-Aufenthalt 1988 entwickelte sich seine Malerei zu einer neuen Form der Pop-Art. Robert Hammerstiel erzählte Gerald Grassl von seiner Kindheit und seiner Kunst.

Kleine Antworten, große Antworten

Wo Mozart aufhörte, beginnen wir. Ein Gespräch mit Peter Sellars (2.Teil)

Peter Sellars, der Ende dieses Jahres das Festival „New Crowned Hope“ im Rahmen des Mozartjahres verwirklichen wird, sieht Mozarts Werke als Ansatzpunkte für ein sozialkritisches Statement in Form von zeitgenössischen Werken aus vielen Kunstsparten. Stattfinden wird das Festival nicht, wie üblich, nur in Hochkulturburgen, sondern auch im „Integrationshaus“ oder an öffentlichen Plätzen. Dabei sollen soziale Randgruppen wie Flüchtling...

Die Ironie der Verlorenen: L.A.Poverty Department

Wo Mozart aufhörte, beginnen wir. Ein Gespräch mit Peter Sellars (1.Teil)

Als Peter Sellars anlässlich des Mozartjahres eingeladen wurde, ein groß angelegtes Festival zu leiten, rechnete man wahrscheinlich kaum damit, dass sein Konzept keine einzige Note Mozarts beinhalten würde. Stattdessen plant Sellars ein Projekt im Sinne des visionären Mozart, der am Ende seines Lebens von einer neuen, sozialeren Gesellschaft träumte. „Darum wird es Projekte an Plätzen wie Obdachlosenquartieren, Drogenzentren und an den Or...

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