Eine Art Orgien-Mysterien-Spiel
Von der Angst (des Toreros) über die Würde (des Stiers) zum Tod (von beiden)

Vor den Recherchen zu seinem Dokumentarfilm «Arena» (seit 5. März im Kino) hatte Günter Schwaiger wie die meisten Menschen ein eher distanziertes Verhältnis zum Stierkampf. Der in Neumarkt/Salzburg geborene Regisseur, der seit 18 Jahren in Madrid lebt, begann sich aus ethnologischen Gründen für die Corrida zu interessieren und stieß dabei auf archaische Instinkte, die vor allem TierschützerInnen sehr schwer zu erklären sind. Ein Augusti...
Herzausreissen oder wie man weglässt

Karin Berger praktiziert eine Form der respektvollen Annäherung an die Frauen, die man in ihren Filmen kennen lernt. Sie eröffnet zugleich auch einen Erfahrungszusammenhang, der über die jeweiligen individuellen Biografien hinausweist. Karin Berger gehört somit zu jener Generation heimischer Dokumentarfilmschaffender, die sich den Film nutzbar machte, im Sinne einer Gegenöffentlichkeit und für eine kritische Auseinandersetzung mit österrei...
Trickfilmleckerbissen
Innovatives Animationsfilmschaffen von Frauen
Das mittlerweile siebte und weltweit einzigartige Animationsfilmfestival, das sich dem Trickfilmschaffen von Frauen widmet, zeigt von 4. bis 8. März, was wir Frauen mit Pixeln, Puppen und Knetfiguren bisweilen Komisches, Bissiges oder Kritisches auf dem (Trick-)Kasten haben. Die Vorauswahl für den internationalen Wettbewerb zu treffen wird mit jedem Jahr schwieriger. Diesmal waren es über 500 Einsendungen, von denen es 39 Arbeiten in den Wettb...
Alltag einer besonderen Flüchtlingshelferin
Filmporträt über Ute Bock

Seit 2002 versorgt die ehemalige Erzieherin Ute Bock mit dem gleichnamigen Verein Menschen, um die sich eigentlich die öffentliche Hand kümmern müsste – AsylwerberInnen, traumatisierte Menschen, darunter viele Kinder, die auf der Straße stehen. Die Folgen der Ignoranz der Zivilgesellschaft und der Politik fluten täglich das Vereinslokal im 2. Wiener Gemeindebezirk. Von sieben Uhr früh bis zwei Uhr nachts hat Ute Bock, mit einem großen Te...
Women of Rock
Borgers` Film über Nomadinnen widersteht der Versuchung, mit Mitleid zu punkten

Mit ihrem Film über die “Kronen Zeitung” löste die belgische Regisseurin Nathalie Borgers im Jahr 2002 ein Flut von Diskussionen über die „wichtigste“ Zeitung in diesem Land und ihre Macher aus. In „Die Frauenkarawane“, ihrer aktuellen Dokumentation, zeigt Nathalie Borgers eine Gruppe von Frauen vom Nomadenvolk der Toubou, die einmal im Jahr durch die Sahara zieht, um sich damit ein Stück Freiheit zu erwirtschaften. “Winds of Sa...
Nimm`s Geld und renn weg
Franco Nero: Erinnerungen einer Italowestern-Legende
Franco Nero ist ein Schauspieler von Weltrang. Der 68-jährige Italiener hat mit den größten Stars und Regisseuren zusammengearbeitet. Claudia Cardinale, Anthony Quinn oder Bruce Willis waren seine Filmpartner. Als «Django» ging er in die Filmgeschichte ein. Er prägte das Genre des Italowestern ähnlich stark wie Clint Eastwood. Mit dem Augustin sprach er über Österreich-Bezüge – und über seine Projekte abseits des «Django»-Kultes, ...
"Für mich ist es ein Film übers Leben"
Beruf, Familie, Spital: Bilder vom Alltag mit Brustkrebs
Sabine Derflingers neuer Film zeigt ein Porträt zweier an Brustkrebs erkrankter Frauen: der Schauspielerin Frederike von Stechow und der Straßenbahnfahrerin Marijana Gavric. Ein Gespräch über „Eine von 8“.
Bilder der Liebe
Über eine nicht alltägliche Form, Film und Musik gemeinsam zu erleben
„Universalove“ ist eine neue Art von Musikfilm. Erarbeitet von der Band Naked Lunch mit dem Regisseur Thomas Woschitz – der den Film als „große Liebesgeschichte“ verstanden wissen will.
Drin is a ned bessa ois wia drausd
"Gangster Girls" - ein Kinofilm hilft, eine versiegte Debatte wiederzubeleben
Filmpräsentation im Kino am Spittelberg. Das „graue“ Haus in der „Schwarz“au ist bunt maskiert, und die Masken tun ihr Werk. Sie verhüllen und enthüllen zugleich, verbergen Gesichter, entlarven unsinnige Zwänge zur angeblichen Besserung, machen Personen unkenntlich und Schicksale sichtbar. Siebzig Minuten lang, Szene auf Szene, spielen die Gefängnisfrauen sich selbst in der Glitzerschminke außerirdischer Feen. Tragik im Prunkkleid ...
Gegen jede Banalisierung
Bogdan Bogdanović und seine Flucht ins Surreale: Interview mit Reinhard Seiß
Dem Belgrader Architekten, Urbanisten, Literaten und Philosophen Bogdan Bogdanović ist derzeit eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien gewidmet. Der Wiener Raumplaner, Filmemacher und Fachpublizist Reinhard Seiß hat einen zweistündigen Dokumentarfilm über den nun in Wien lebenden großartigen Nonkonformisten gedreht, Roman Seidl, ebenfalls Raumplaner und Fotograf, sprach für den Augustin mit Seiß über den Film, über Bogdanović und de...
"Wir sind medial verblödet"
Experimenteller Film als Alternativvorschlag zum Mainstreamkino
Das Österreichische Filmmuseum zeigt demnächst Filme von Gustav Deutsch. Warum die Beschäftigung mit Film und generell mit Kunst auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch haben sollte, erklärt er im Gespräch.
Geld arbeitet nicht
Banken krachen wie bestellt für Wagenhofers neuen Film
Nach seiner Aufsehen erregenden filmischen Bestandsaufnahme zur Welternährung „We Feed The World“ legt Filmmacher Erwin Wagenhofer mit seiner neuen Dokumentation „Let’s Make MONEY“ den Finger in die nächste Wunde von Weltkonzernen, die anonym und ausbeuterisch agieren. Im Gespräch mit dem Augustin nennt er einiges, was stinkt, beim Namen.
Die perfekte Schönheit der Gangster Girls
Tina Leisch zeigt üppige Bilder statt grauer Häfen-Tristesse
Kunst? Für Tina Leisch war die Kunst nie ein Heiligtum ästhetischer Perfektion, sondern viel mehr ein nützliches Werkzeug für Interventionen im sozialen oder politischen Raum. Mit ihrem Film „Gangster Girls“ wird sie bei der diesjährigen Viennale zweifellos Aufsehen erregen (Anm. d. Red.: Die Aufführungen erfolgten knapp nach Redaktionsschluss). Erstens weil sie ein weitgehend tabuisiertes Thema aufgriff: das Leben von weiblichen Straf...
Sturm & Drang und andere Schubladen
Dank Klaus Hundsbichler geht die Weltrevolution von Wien aus
„Weltrevolution“. So bombastisch der Titel seines Films klingt, so angenehm bescheiden wirkt der Filmemacher selbst. Die Premiere des vom Stefan-Weber-Fanclub lang ersehnten Drahdiwaberl-Films ist der zweite große Höhepunkt in Klaus Hundsbichlers beruflicher Laufbahn. Der erste, 30 Jahre vorher, bahnte sich im Keller von Frank Zappa an.
Die Film-Offensive der Diagonale
Neben Schreiben, Lesen, Rechnen: Film-sehen-Lernen!
Es gibt ein großes Thema, das die Diskussionen auf der kommenden Diagonale, dem Festival des österreichischen Films, prägen oder durchwachsen soll. Es geht um die Medienbildung, um Filmvermittlung an österreichischen Schulen. Soll Film ein Hauptfach werden, soll das Medium Film in allen seinen Facetten aufgewertet werden? Sollen die Kids , sollen alle Menschen sehen lernen? Diagonale-Intendantin Birgit Flos argumentiert in folgendem Beitrag ...
Hermetische Seelenfinsternis
Phettbergiaden, dritter Teil
Hermes Phettbergs Schreiben ist Literatur, ohne Zweifel. Zugleich finden wir darin eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswirklichkeit, ja, der Wirklichkeit überhaupt, die jene Art der Fiktionalisierung, die Literatur üblicherweise leistet, verunmöglicht. Die unter dem Titel „Hundert Hennen“ versammelten Predigtdienste sind das Dokument eines neuen Existenzialismus, dessen Form der Selbstbeobachtung die Differenz zwischen Realität...
Das Lachen der Putzfrauen
Veronika Franz und Ulrich Seidl im Familienverband
Nach dem Erfolg von „Import Export“ bat der Augustin die beiden Hauptverantwortlichen Veronika Franz und Ulrich Seidl zu einem Gespräch über Menschenverachtung und Sozialpornografie, Demütigungen und Machtverhältnisse in der Sexualität sowie über die Liebe zum Osten.
An einem bestimmten Punkt der Grausamkeit ...
Zum Kinostart des Dokumentarfims über die Palmers-Entführung
Vor 30 Jahren wurde Walter Michael Palmers, Seniorchef des traditionellen Wäschekonzerns, vor seiner Wiener Villa entführt. In den Kommentaren zur Aktion häufen sich Begriffe wie „Treppenwitz der Geschichte“ oder „österreichische Operette“. Ein Aspekt des „Treppenwitzes“ blieb unerwähnt: Ausgerechnet die (in der Selbstdefinition) radikalsten Antikapitalisten der Stadt haben das Bild des zynischen, aalglatten, menschenfeindlichen...
Zügelung "krimineller" Energien
Frauenhäfen Schwarzau: Viel Kunst zum Geburtstag (1)
„Zwischen 18 und 30 Jahren ist die kriminelle Energie bei Frauen am höchsten“, sagt der Anstaltsleiter. „Na ja, da ist die Energie wohl überhaupt am größten.“ Im Frauengefängnis Schwarzau wurde den Gefangenen der Kinofilm „Vier Minuten“ vorgeführt.
Außerhalb der Zeit
Zur Ausstellung ‚In The Middle Of The Way’ von Anna Konik im Künstlerhaus
Für die mehrteilige Videoarbeit „In The Middle Of The Way“ begleitet die junge polnische Künstlerin Anna Konik (geb. 1974, lebt in Warschau) einzelne Obdachlose verschiedener Städte über mehrere Stunden. So sind bis jetzt folgende Teile entstanden: „Thaddeus“ in Warschau (2001), „Hermann“ in Berlin (2002), „Svetlana“ in Moskau (2005), eine nicht genannte Person in Cleveland (2005), „Gerard“ in Cork (2006), „Hans-Dieter...
Brücke der Freundschaft
Entdeckt beim AtelierRundgang: Der bulgarische Filmemacher K. Stoyanov
Gegebene Strukturen für neue Zwecke nutzen: Bei freiem Eintritt konnten ein sonniges Wochenende lang vor allem im zweiten Wiener Gemeindebezirk 86 Spielorte zeitgenössischer Kunst besucht werden. Ein Lokalaugenschein.
Lust am Widerstand
Über Schlurfkatzen, Zazous, Swings und Potapki
„Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei,
zuerst geht der Hitler, und dann die Partei.
Es geht alles vorüber, die HJ wird vergeh´n,
doch der Schlurf, der wird immer und ewig besteh ´n!“
Spottlied der Schlurfs
Mit dem Film „Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt“ wird nur einer nachtaktiven – Sendetermin 23 Uhr! – Öffentlichkeit die Gelegenheit geboten, sich zu den Wurzeln der Halbstarken, Hippies oder Punks zu beg...
"Exoten-Status"
Claudia Kogler sitzt im alten Baumgartner Kino
Software statt Cinemascope: Im ehemaligen Baumgartner Kino in der Hütteldorfer Straße Nr. 253 läuft heute der Film Moderne Arbeitswelt. Nur der ursprüngliche, von den Holz-Sitzreihen befreite Kinosaal erinnert noch an das vorvirtuelle Zeitalter. Die Hauptdarsteller hingegen sind durch die Bank Protagonisten einer schnelllebigen Welt, in der es schon lange nicht mehr Pragmatisierung und Pensionsvorsorge spielt.
Zwischen Kolportage und Drehtermin
Als erstes spielte Francis Okpata das "arme und hungrige Volk"
Das hier bin ich bei den Dreharbeiten zu "Afrika mon amour" - und hier mit Lilian Klebow vom "SoKo Donau" - und das ist meine Szene in der "Medea" am Burgtheater. Francis präsentiert seine Fotos. Moment, das hier sollte doch das Portrait eines Augustin-Verkäufers werden!?
Europa ist nicht rosig
Es ist keine Lösung, wenn dein Kind in Europa seinen Körper verkaufen muss...
Kunst spricht, meint Joanna, die über Zwangsprostitution aufklären möchte. Sie drehte einen Film gegen Frauenhandel und zeigte ihn in Nigeria. Ein Spielfilm und ein Buch sind in Planung.
Keine Minute Lohnarbeit
Branko Andric (1942–2005)
Branko Andric ist tot. Jener Branko Andric, dessen Augen noch vor neun Monaten von der Titelseite des Augustin schlau herunterlächelten. Als Headline hatten die Redakteure den Titel eines von Brankos Gedichten "Mamin mali seksualnac" gewählt, dessen deutsche Übersetzung "Mamas kleiner Sexueller" sich etwas holprig ausnahm, aber – den Gesetzen des Sensationsjornalismus folgend – neugierig machte.
Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" weitete sich aus
Brot für alle, Spiel für alle
Die Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" ist eine Kooperation der österreichischen Armutskonferenz mit diversen VeranstalterInnen im kulturellen Bereich. Sie ermöglicht sozial Schwachen einen Gratiszugang zu Theater, Musik, Film oder Museum. Wenn der Staat seiner Pflicht nachkäme und sich darum kümmern würde, dass nicht immer mehr Menschen draußen aus dem Spiel bleiben, würde sich die Aktion erübrigen ...
Jesus Christus am Mexikoplatz
Als ich geboren wurde, wusste ich noch nicht, dass ich bin. Aber kaum, dass ich ein bissl laufen konnte, lernte ich, dass ich in einer Welt geboren war, die ich nicht ganz begreifen konnte.