Gibt`s ein Leben nach Stone City?
10 Jahre Trampolin: Mehr als ein Entlassungshilfeverein
Jacques Audiards Thriller «Un prophéte», beim letzten Festival in Cannes vorgestellt und nun in den Pariser Kinos, bekräftigt eine Lieblingsthese der gefängniskritischen Linken: Im Häfen wird mensch nicht besser. Der Held, Kleinverbrecher, wird im Knast zu einem Meister mafiöser Schwerkriminalität. Das Leben im (Film-)Strafvollzug ist die Fortsetzung des gnadenlosen Bandenkriegs mit anderen Mitteln. Audiards Gefängnis ist alles andere a...
Zeitschleife, ein Leben lang
Hineinleuchten ins Dunkel der Langzeithaft
Laut Bundesministerium für Justiz befinden sich in Österreich durchschnittlich rund 7800 Personen in Haft. Fern der Statistiken bedeutet dies: gut 7800 Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Schichten, auf unterschiedlichstem Bildungsniveau, mit unterschiedlichsten Interessen – jedoch mit immerhin zwei Gemeinsamkeiten. Erstens: das Begehen einer Straftat. Zweitens: das Leben in einer der 28 Justizanstalten Österreichs. Aber: Sind das den...
Ein Justizmord?
Selbstmord nach der siebenundzwanzigfachen Anhaltezeit
„In meinen Augen ist das ein besonders zynischer Justizmord.“ Der diesen Verzweiflungsausruf tut, ist kein ungestümer Jugendlicher, sondern ein äußerst bedachter Ordensgeistlicher, nahe seinen Siebzigern, dem der Selbstmord des Maßnahmeinhaftierten Markus Rechberger in der JA Stein im vergangenen März durch Mark und Bein geht wie vielleicht noch keinem anderen zuvor. Und dabei hat der Gefängnisseelsorger in den vielen Jahrzehnten seine...
Drin is a ned bessa ois wia drausd
"Gangster Girls" - ein Kinofilm hilft, eine versiegte Debatte wiederzubeleben
Filmpräsentation im Kino am Spittelberg. Das „graue“ Haus in der „Schwarz“au ist bunt maskiert, und die Masken tun ihr Werk. Sie verhüllen und enthüllen zugleich, verbergen Gesichter, entlarven unsinnige Zwänge zur angeblichen Besserung, machen Personen unkenntlich und Schicksale sichtbar. Siebzig Minuten lang, Szene auf Szene, spielen die Gefängnisfrauen sich selbst in der Glitzerschminke außerirdischer Feen. Tragik im Prunkkleid ...
Nur Barbaren sperren ein
Das Augustin-Manifest gegen das staatliche Strafen
Manifeste werden üblicherweise von Gruppierungen verfasst, die sich ihrer Sache sicher sind. Das Manifest der 2000 Worte etwa war einer der wichtigsten Texte des Prager Frühlings. Das Hackermanifest, das 1986 in einem Untergrundmagazin in den USA erschien, prägte die internationale Hackerkultur. Das Augustin-Manifest wird diese Geschichtsmächtigkeit nie erreichen, schon alleine deswegen, weil es als Work in Progress und als interaktives Proj...
Bekanntschaften
Texte von Frauen aus der Justizanstalt Schwarzau (5. und vorläufig letzter Teil)
Sammy Kovac war von 2003 bis 2007 in der JA Schwarzau inhaftiert. Sie ist eine der Protagonistinnen in Tina Leischs Film „Gangster Girls“. Im Laufe der Arbeit an dem Film begann sie zu schreiben. Hier Teil 5 ihrer Erinnerungen. Im ersten Teil („Der Tag“) erzählte Sammy, wie sie wegen eines Spielzeugpistolenüberfalls auf eine Trafik ins Gefängnis kam. Im zweiten Teil („Das Leben in der Haft“) berichtete sie über Konflikte unter den...
Der Wasserkocher
Texte von Frauen aus der Justizanstalt Schwarzau
Sammy Kovac war von 2003 bis 2007 in der JA Schwarzau inhaftiert. Sie ist eine der Protagonistinnen in Tina Leischs Film „Gangster Girls“. Im Laufe der Arbeit an dem Film begann sie zu schreiben. Der Augustin veröffentlicht Sammys Berichte über ihre Zeit hinter Gittern. Im ersten Teil erzählte Sammy, wie sie wegen eines Spielzeugpistolenüberfalls auf eine Trafik verurteilt wurde. Im zweiten Teil berichtete sie über Konflikte unter den ge...
Der Tag
Texte von Frauen aus der Justizanstalt Schwarzau (1)
Sammy Kovac war von 2003 bis 2007 in der JA Schwarzau inhaftiert. Sie ist eine der Protagonistinnen in Tina Leischs Film „Gangster Girls“. Im Laufe der Arbeit an dem Film begann sie zu schreiben. Der Augustin veröffentlicht in den nächsten Ausgaben Sammys Berichte über ihre Zeit hinter Gittern. Hier der erste Teil.
Die perfekte Schönheit der Gangster Girls
Tina Leisch zeigt üppige Bilder statt grauer Häfen-Tristesse
Kunst? Für Tina Leisch war die Kunst nie ein Heiligtum ästhetischer Perfektion, sondern viel mehr ein nützliches Werkzeug für Interventionen im sozialen oder politischen Raum. Mit ihrem Film „Gangster Girls“ wird sie bei der diesjährigen Viennale zweifellos Aufsehen erregen (Anm. d. Red.: Die Aufführungen erfolgten knapp nach Redaktionsschluss). Erstens weil sie ein weitgehend tabuisiertes Thema aufgriff: das Leben von weiblichen Straf...
Für Euch
Rappers in Prison
Talentförderung – der einzig denkbare Bonus des Einsperrens
Wenn der Hip-Hop ins Gefängnis geht: entsteht da Gangsta-Rap? Nichts dergleichen auf der Vinylscheibe “Rappers in Prison” (auf den Markt gebracht durch das Label Hoanzl). Stattdessen eher Texte zum Thema Liebe. Auf den folgenden Seiten werden die textlichen Resultate eines von Beate Göbel geleiteten Kunstprojekts in der JA Favoriten vorgestellt. Ein Tagebuch gibt außerdem Ein...
Mehr Detektive - mehr Diebstahl
Das populistische Spiel mit den Kriminalitätszahlen
„Kinderkriminalität erreicht eine erschreckende Dimension. Zunahme um 29 Prozent im 1. Halbjahr 2008“ (Innenministerin Fekter) – „30 Prozent kriminelle Ausländer“ – „Jugendgewalt nimmt zu“ – „Linzer Kinder- und Jugendbande begeht 700 Straftaten“. Wahlkampf ist. Die Stunde der Populisten und „Law and Order“-Politiker. Mit Kriminalität und innerer Sicherheit lassen sich Stimmen maximieren und Handlungsstärke demonstri...
Tierfreunde bei Aktionärs-Hauptversammlung
Der Schutz der großen und der kleinen Tiere - ein Widerspruch
Die Verhaftung von zehn Österreichern, denen vorgeworfen wird, Tierrechtsaktivisten zu sein, sonst nichts, weil es ein Gesetz gibt, dass jede Person in Österreich eingesperrt werden kann, wenn man nur behauptet, sie gehöre einer kriminellen Organisation an, war ein tiefer Schlag in die Magengrube des Rechtsbewusstseins, vor allem der jungen Staatsbürger, wovon sich die Demokratie voraussichtlich lange nicht erholen wird. Die Justiz macht sic...
Sie können Obama nicht wählen
USA: Mehr junge Schwarze im Gefängnis als im College
In fast allen US-Bundessaaten wird verurteilten Straftätern mehr oder weniger umfassend das Wahlrecht entzogen. In zehn Bundesstaaten werden diese Menschen lebenslang vom Wahlrecht ausgeschlossen, in manchen Staaten sind aus diesem Grund 10 Prozent der schwarzen Bevölkerung von demokratischer Beteiligung ausgeschlossen. Wenn Obama die kommenden Wahlen doch noch verliert, kennt er den Grund ...
Schein / Sein / Stein
Ein Brief aus dem sprichwörtlichsten Häfen Österreichs
Viele emotionale Schreie nach höheren Strafen. Viele wollen die Anlassfälle verwenden, um die Schraube anzuziehen. Rechte jubeln, links, zwo, drei, vier. Wir führen euch wieder in ein besseres Leben, volkt! Strache will, dass ihr euch gegen die Kriminellen bewaffnet, um Heim und Herd zu schützen. Im Wahlkampf wetterte er, dass Gefangene Saunazellen hätten und ob man ihnen nicht noch ein Whirlpool nachreichen wolle.
Mit dem Nationalteam im Knast
Gilbert Prilasnig und der Homeless-Fußball
Einmal im Jahr erklingt für Österreichs Nationalmannschaft die Hymne beim
Homeless-Worldcup. Sportlicher Leiter des Homless-Teams ist der Ex-Sturm-Abwehrrecke und Ex-Internationale Gilbert Prilasnig. Mit ihm musste der ganze Kader jüngst in den Knast …
Revolte in der Erziehungsanstalt
Zurichtung der Jugend: Die harte Tour ist schon einmal gescheitert
Am 19. November 1952 rebellierten 400 Jugendliche in der „Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige“ in Kaiser-Ebersdorf gegen die unmenschlichen Zustände in dieser Verwahranstalt für nicht angepasste Kinder und Jugendliche. Sie setzten damit ein Zeichen und gaben den Anstoß für den Beginn eines sehr mühsamen Reformprozesses im Jugendstrafrecht. Der Beginn der Bewährungshilfe ist eng mit diesem einzigartigen Ereignis der Nachkriegsjahre ...
Zügelung "krimineller" Energien
Frauenhäfen Schwarzau: Viel Kunst zum Geburtstag (1)
„Zwischen 18 und 30 Jahren ist die kriminelle Energie bei Frauen am höchsten“, sagt der Anstaltsleiter. „Na ja, da ist die Energie wohl überhaupt am größten.“ Im Frauengefängnis Schwarzau wurde den Gefangenen der Kinofilm „Vier Minuten“ vorgeführt.
Politische Nervenentzündung
Nach vielen Stationen der Flucht erwies sich Österreich nicht gerade als G´mahde Wies´n.
Die Welt des iranischen Theaterregisseurs Bahram Parsa ist voll skurriler Einfälle und philosophischer Ideen. Leider stört die Real-Politik immer wieder. Und die flache Niere – so flach, wie sie dem behandelnde Arzt noch nie bei einem Patienten begegnet waren. Auch der Nierenschaden ist Real-Politik. Er stammt aus Bahrams Haftjahren.
Wer drin ist, stellt nix an
"Resozialisierung" ist kein Ziel der Kriminal- und Justizpolitik mehr
Wer drinnen ist, kann draußen nichts anstellen. Das scheint die Devise der Kriminalpolitik vieler westlicher Länder, darunter leider auch Österreich zu sein. Dabei weiß jede/r, dass die Gefängnisse die Universitäten der Kriminalität sind. Der Sicherheits-Kult überdeckt alles. „Sehr kurzsichtig! Die Häftlinge, die früher in den Genuss von vorzeitigen Entlassungen oder diversen anderen Vollzugsockerungen gekommen wären, „gehen irgend...
Bala bala für Unvermittelbare
Gestrandete in der Maschinerie des AMS? Tagebuch eines Kursteilnehmers
Wie Recht hatte Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen, als er im Parlament Kritik an "vollkommen sinnlosen und geradezu entwürdigenden AMS-Kursen ohne Ausbildungswert" übte, die zum Teil mehr an Strafvollzug als an aktive Arbeitsmarktpolitik" erinnerten? Das AMS dementiert. Es könne natürlich unbefriedigende Einzelfälle geben, meint AMS-Vorstand Herbert Böhm. Aber 60 Prozent aller SchulungsteilnehmerInnen hätten nach sechs Monat...
Versöhnung statt Strafe
Im „Häferl“ steht die Vision der gefängnisfreien Gesellschaft zur Debatte
Die Gefängnisse sind voll. Der Diskurs über die Möglichkeit einer gefängnislosen Gesellschaft scheint vom Zeitgeist erstickt zu sein. Der Augustin scheint mit einer verstockten Beharrlichkeit gegen den Strom zu schwimmen, wenn er den Sinn des staatlichen Strafens grundsätzlich in Frage stelllt und Alternativen dazu in die (fehlende!) Debatte wirft, die weit über die bloß reformerische Forderung nach mehr Menschlichkeit im Strafvollzug hina...
Willkür und Selbstkontrolle
Ein Abend im „Häferl“ zum Thema „Fehlverhalten der Justiz“
Ein Mann klagt nach unfassbaren Fehlhandlungen die Republik. Sein Anwalt erhält die Ladung zur Verhandlung. Der Richter Dr. V., LG f. ZRS Wien, weist den Anwalt an, den Saal zu verlassen. Dann weist er die Klage mit der „Begründung“ ab, der Kläger sei nicht anwaltlich vertreten. Offensichtlich ein Fehlverhalten der Justiz. Die Frage ist nur: Handelt es sich um eine seltene Entgleisung?
Gefängnisse abschaffen?
Leider kein Koalitionsverhandlungsthema
"Ohne Gefängnis - eine Utopie?" fragen die Referenten einer Publikumsdiskussion in der Passage-Galerie des Künstlerhauses, und Robert Sommer vom Augustin moderiert. Das Thema scheint in Zeiten explodierender Häftlingszahlen out zu sein, dennoch füllt sich der Ausstellungssraum. Jedenfalls gehen den VeranstalterInnen des Events die Sitzgelegenheiten aus, und die Diskussion verläuft vom Start weg so angeregt, dass sie selbst kaum zu Wort komme...
"Greif keine Stoßkarten mehr an"
Post, Unterwelt, Knast, Gruft, Augustin: Die Etappen des Christian "Snoopy" M.
Christian kommt aus der Post. Der Vater arbeitete 35 Jahre lang in der Postdirektion, also trat auch Christian den Postdienst an, der sieben Jahre lang sein Auskommen sicherte. Ein Autounfall beendete diesen Lebensabschnitt. Fersenbeinzertrümmerung und anderes. Zwölf Schrauben im Bein. Sein Körper war arbeitsmarktnonkonform geworden, dann wurde es auch sein Wille. Snoopy, wie Christian M. von seiner Umgebung genannt wird, tauchte in die Welt d...
Der Wunsch nach Beichte wird jedem Häftling erfüllt. Doch der nach einem Tanzkurs...
KultursorgerInnen und Seelenskulpteure
Plädoyer für eine Gleichberechtigung von Göttern und Musen, zumindest was ihre Funktion als Kas (Kaiserlicher Arrestschließer) betrifft. Tina Leisch, Textarbeiterin und Regisseurin – zuletzt realisierte sie ein Theaterprojekt mit Insassen der Jugendstrafanstalt Gerasdorf – sammelt Argumente für kulturelle Arbeit in den Gefängnissen.
Da draussen wartet niemand auf so einen wie mich
Ich bin ein 59jähriger Exhäftling, der im Februar bedingt entlassen wurde. Meine Strafe hätte noch 18 Monate gedauert, insgesamt waren es fünf Jahre. Ich habe dabei zwei Weisungen bekommen, die ich einhalten muss. Die eine lautet, dass ich bei der Heilsarmee wohnen soll, da ich mir sonst keine andere Wohnmöglichkeit besorgen konnte. Aus finanziellen Gründen. Die andere: ich muss eine Alkoholtherapie während der drei Bewährungsjahre absolv...
Wem gehört der öffentliche Raum?
Die Jagd auf den Zettelpoeten Seethaler wirft eine Frage auf
Wie nennt man in der Sprache Brechts eine Justiz, die Helmuth Seethalers Zettelgedichte sowohl als öffentliches Ärgernis als auch als Verkehrssicherheitsstörung verfolgt und die Aufdringlichkeit der kommerziellen Rolling Boards für stadtgemäß hält?
Schrei um Würde aus Garsten
Als Strafgefangener sind meine Möglichkeiten, Kontakte mit rechtschaffenen Menschen zu knüpfen, fast unmöglich. Zumal ich 20 Jahre Freiheitsstrafe (unter Umständen danach SV) zu verbüßen habe. Die Freiheitsstrafe endet mit 15. Jänner 2018. Nun wirft sich für mich nach acht Jahren Haft die Frage auf, wie ich mich nach der Strafe unter jenen Menschen integrieren soll, die mich naturgemäß kategorisch ablehnen!
Frau Hainisch im Gesperre
Für die k. und k. Kerkermeisterin war "Fürsorge" suspekt
Als Sozialarbeiterinnen noch Fürsorgerinnen hießen, betreute Cornelia Hainisch 300 gefangene Frauen, darunter 40 Mörderinnen. Für den Augustin erinnerte sie sich an die Frauenstrafanstalt Maria Lankowitz, die Vorgängerin des Frauengefängnisses Schwarzau.
Kunsthaft und Strafkultur
Warum überall Seelsorger im Häfen und (fast) nirgends RegisseurInnen?
Date your Destiny. Theaterprojekt mit Insassen der Justizanstalt Gerasdorf. Konzept und Regie: Tina Leisch. Text: Alma Hadzibeganovic. Choreografie: Zoran Bogdanovic. WIR_HIER, Frauenkunst unter Strafe. Kunstprojekt Theater, Film, Hörbuch, T-Shirts, Coverbags mit Insassinnen der Justizanstalt Favoriten. Projektleitung: Beate Göbel. Zwei Beispiele von Kunstarbeit im Strafvollzug. Punktuell, temporär, nicht in jedem Häfen geduldet. August...
Ein Justizskandal und seine Verdoppelung
Aus der Niederschrift des Gefangenen Franz Schmidt (5)
Franz Schmidt ist ein „Lebenslanger“ in Stein. Seine Lebensgeschichte sollte Pflichtlektüre im Erziehungs- und Justizbereich werden. Die ganze Kausalkette der „Härte statt Sinnhaftigkeit“-Mentalität, die ausschließlich zu Verlierern auf allen Seiten führt, wird an seiner Biografie sichtbar.
Schau dass du heimkommst
Aus der Niederschrift des Gefangenen Franz Schmidt (4)
Zur Erinnerung: Franz Mayr durchlebt eine Kindheit im ländlichen Elend der Dreißiger Jahre. Aus existentieller Not seiner Mutter wird er zum Gemeindekind, später zum Adoptivkind in einer Umgebung die ihn vom frühesten Kindesalter an anfeindet. Aus Hunger und Angst wird er zum Wursträuber, aus Loyalität zum ersten platonischen Schwarm und aus Unachtsamkeit zum Brandstifter. Der zum Tatzeitpunkt noch nicht 14-jährige wird dafür zu 8 Jahren ...
Die Scheune des Teufels
Aus der Niederschrift des Gefangenen Franz Schmidt (3)
Zur Erinnerung: Franz Schmidt verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in Stein. Er hat dort seine Memoiren geschrieben, um der Nachwelt die volle Wahrheit über Schuld und Unschuld seines Handelns zu hinterlassen. Es ist ein Vermächtnis an seine Familie, die seit all den Jahrzehnten seiner Inhaftierung zu ihm hält.
Du bist ab heute nicht mehr der Mayr...
Aus der Niederschrift des Gefangenen Franz Schmidt (2)
„Es sind meine 21. Weihnachten, die ich unverschuldet im Gefängnis und ohne Familie verbringen muss. Diese Tage sind die furchtbarsten im ganzen Jahr, denn Weihnachten ist das Fest der Familie“.
Dieser Satz des Franz Schmidt erreichte uns am 11. Dezember 2005. Er hat uns gebeten, den Satz dem nächsten Auszug aus seinen Memoiren voranzustellen.
Zur Erinnerung an den Beginn dieser Serie: Der Autor wird 1931 als einjähriges Kind dem Bürgerme...
Sie können ja den Freitod wählen
Aus der Niederschrift des Gefangenen Franz Schmidt (1)
Wenn die Justiz ein schlechtes Gewissen bekommt, empfiehlt sie ihrem Opfer den Selbstmord. So jedenfalls liest es sich in den Memoiren des Franz Schmid. Es ist aber nicht die einzige Unglaublichkeit in seiner Leidensgeschichte.
Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)
Die Zelle und der Markt
Wenn sich der Neoliberalismus mit dem Konservativismus verbandelt, führt das auf dem Feld des Strafvollzugs zu explodierenden Häftlingszahlen und zur Übertragung des Gefängniswesens an die Privatwirtschaft. Ersteres passiert in Österreich seit der blauschwarzen Wende, Letzteres gewinnt – zunächst nur als Idee – auch hierzulande Anhänger. Deren Vorbild sind die USA: 163 privat gemanagte Knäste gibt es dort bereits. Marktführer unt...
Schon 163 Privathäfen in den USA
Das globale Geschäft mit dem Verbrechen (1)
Würden in Österreich so viele Menschen wie in den USA eingesperrt werden, wären derzeit nicht 9.060, sondern 57.000 Personen hinter Gittern. Viele davon in Knästen privater Unternehmungen. Denn wäre der Neoliberalismus hier schon ausgereift wie drüben, gäbe es in Österreich bereits etliche Privatgefängnisse ...
Aus den "Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität" in die Gefängniszelle
Staat bietet Schmalz statt Jobs
Menschen aus verarmten Länden werden bei uns in die Arme von Sozial- und Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität getrieben. Denn der Staat lässt sie nicht regulär arbeiten – und an Projekten nach Art des Augustin, die Überlebenschancen außerhalb der Kriminalität bieten, herrscht großer Mangel. Über diese und weitere Ursachen der Überfüllung der österreichischen Gefängnisse und über Alternativen zur Haft (wien...
Der Kriminalsoziologe Dr. Arno Pilgram im Augustin-Gespräch ? Teil 1
Als Erstes den Strafvollzug für Jugendliche abschaffen ...
Dr. Arno Pilgram, Leiter des Wiener Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, sprach mit dem Sozialexperten Martin Schenk über die Gründe der Explosion der Häftlingszahlen und über die Inaktivität der österreichischen Rechtspolitik. Das Gespräch ist eine Aufzeichnung eines Interviews für Radio Augustin.
Verrohte Uniformierte
Die Sprache der amtlichen Handschellen ist derb, aber deutlich
Der Augustin ist längst (auch) zur Westerweiterung der osteuropäischen VerliererInnengemeinschaft geworden. Jozef Katona ist einer der zahlreichen slowakischen VerkäuferInnen der Wiener Straßenzeitung (viele davon sind Roma). Wir kennen Jozef also und wissen, dass seine Geschichte nicht erfunden ist. Es ist eine schreckliche Geschichte, die zeigt, wie weit die Verrohung in unserem Land gediehen ist, wenn es um Armuts-MigrantInnen geht. Wir w...
Das "Wunder" von St. Pölten
Ich wanderte nach Emmaus...
1949 wurde die internationale Emmaus-Gemeinschaft vom französischen Armenpriester Abbeé Pierre gegründet. Er war während der Zeit des Faschismus im Widerstand aktiv. In St. Pölten hat seine Idee kräftige Wurzeln geschlagen. Dass in Niederösterreichs Hauptstadt kaum wer auf der Straße übernbachten muss, ist dem Non-Profit-Unternehmen mit dem biblischen Namen zu verdanken.
Die Wiener Internetaktivistin Sabine Scheibel korrespondiert mit US-Häftlingen
Meine Freunde vom Todestrakt
Noch wissen wir nicht, wer der neue Präsident der Vereinigten Staaten ist. Von einer bestimmten Warte aus betrachtet ist das auch ziemlich wurscht. Sowohl George Bush als auch Al Gore befürworten die Todesstrafe, weil sie eine abschreckende Wirkung habe. Während der letzten Fernsehdebatte zwischen beiden versuchte freilich der republikanische Bewerber den Eindruck zu zerstreuen, er sei stolz auf die wöchentlichen Hinrichtungen in Texas. Als G...
Enthumanisierung des Strafvollzugs - Beispiel Schwarzau
Die unerwünschten Frauen
Dieser Staat will als Staat des scharfen Strafens und des scharfen Sparens in die Geschichte eingehen. Wer in die Mühlen der Justiz gerät, ist dadurch leider doppelt blöd dran. Wer die Verschlechterungen von Haftbedingungen registriert, kann sich die Ursache aussuchen: Ist der Sparterror im Strafvollzug schuld oder die rechte Ideologie der Härte gegenüber unerwünschten Menschen?
Häftlinge trainieren für den Marathon 2001
Laufen macht frei -Ein Gesundheitsprojekt für Strafgefangene der Justizanstalt Favoriten.
Dienstag, 17 Uhr. Martin, Peter und Robert melden sich ab beim Wachhabenden. Der weiß bereits Bescheid: Das Lauf-Team. Für drei Stunden lacht den Dreien die eingeschränkte Freiheit. Sie sind sich ihrem Glück bewußt, wöchentlich 9 Stunden mehr Ausgang als andere zu haben. Seit 16. Juni trainieren sie dreimal pro Woche abwechselnd im Prater oder auf der Donauinsel. Einmal davon mit einem professionellen Trainer. Ihr Ziel: Der Wien-Marathon im...
3. Brief aus der - nun bereits ein Jahr dauernden - U-Haft
Ich habe einen Traum
Emmanuel Chukwujekwu, Asylbewerber aus Nigeria, weiß nicht, wie er das Stigma "ranghoher Drogenhändler" wieder los wird. Der österreichische Polizei- und Justizapparat tut alles, um sein Misstrauen zu fördern. Das Sicherheitsbüro wirft ihm beispielsweise vor, sich "an vorderster Front" an einer Demo gegen Rassismus beteiligt zu haben. Was für eine Anklage. "Die Demonstration diente der Tätergruppe lediglich zu dem Zweck ... als Dealer leic...
SPERR STUNDE - Nachdenken über das Versagen des Strafsystems
'Das Gefängnis produziert Delinquenten'
AUGUSTIN-Autor und -Verkäufer B. verbrachte diesen Winter nicht mehr auf der Donauinsel. Die Liebe findet selten zu Obdachlosen, zu B. fand sie. Die Beziehung, nach der er sich so gesehnt hatte, das damit verbundene Dach über dem Kopf, das Engagement beim AUGUSTIN (B. ist einer der Aktivisten der Kampagne "Freie Fahrt für Obdachlose") und in der "Neunerhaus"-Initiative (B. versuchte, Sponsoren für dieses alternative Obdachlosen-Wohnprojekt au...
Erschreckende Unkenntnis der Materie
Mehr ATA statt weniger ATA!
Die Einführung des außergerichtlichen Tatausgleichs zunächst im Jugendstrafrecht und - am 1. Jänner 2000 - auf für Erwachsene galt als einer der wichtigsten und zukunftsträchtigsten Schritte der Justizpolitik der letzten Jahre. Die von ÖVP und FPÖ geplante Einschränkung des ATA stößt bei den zuständigen Einrichtungen auf Unverständnis.