Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
Statt zerstören vergolden
Ein Wiener Bahnhof in den letzten Zügen
Warum wurde der Südbahnhof immer so schnell zu einem unbeliebten Ort, dass er in seiner Geschichte dreimal komplett abgerissen wurde? War „der Süden“ früher Ort der Sehnsucht, so wird er heute – ähnlich „dem Osten“ – mit Flüchtlingen, Roma, Wanderarbeitern und Armut verbunden. Was folgt: ein riesiger „Haupt-“ oder „Zentralbahnhof“ mit integrierter Shopping-Meile.
"Willst du mit mir spielen?"
Interview zu Pawel Althamers Secessions-Projekt
Kurz vor Eröffnung seiner Ausstellung fand Pawel Althamer Zeit für ein Interview. Während des Projekts war er nicht in Wien.
Im Nadelstreif in die Meldemannstraße
Rüstiger Rentner und Augustin-Verkäufer
Der Augustin-Verkäufer Norbert Gaggl fühlt sich trotz Rentenalters topfit. Sein Rezept, um agil zu bleiben, beinhaltet viel Bewegung und vor allem Kontakt zu Menschen. Beides ließe sich mit dem Straßenzeitungverkaufen verbinden. Dieser Kolporteur scheint mit der mühsamen und nicht angesehenen Tätigkeit mehr als zufrieden zu sein – solange nicht die Polizei dazwischenfunkt.
Lieber kein Schutz vor dem Todesengel
Kunstprojekte für Ausgeschlossene. Ein Bericht aus Jerusalem
Religiöse Bettler und fromme Obdachlose bevölkern die „heilige Stadt“ Jerusalem. Kinder aus der Westbank und Hebron tragen Einkaufskörbe, packen Gemüse oder verkaufen Feuerzeuge, weil ihre Eltern ihr Gebiet nicht verlassen dürfen. In der Galerie „Barbur“ in Jerusalem wurden Kunstprojekte für arabische Straßenkinder durchgeführt. Eine Reportage von Kerstin Kellermann.
Die Unterschicht, die Musil liest
Die sozialen Kategorien und die Selbstdegradierung der Menschen
Wer gerne sammelt, könnte uns einmal den Gefallen tun, die journalistischen Begriffe für den größer werdenden Rand der Gesellschaft – bzw. für die Menschen, für die der Augustin als soziales Projekt gegründet wurde – zu sammeln, die in der Geschichte dieses Blattes verwendet wurden. Neben poetischen Wörtern wie Gestrandete und Erniedrigte (ich kann mich sogar an eine Anleihe bei Frantz Fanon erinnern: Die Verdammten dieser Erde) kame...
Gemeindewohnungsvergabe: 5 Jahre Leben auf der Straße sind ...
... "kein anrechenbarer Umstand"
Attila M., 47 Jahre alt, Augustinverkäufer vor der Volkstheaterpassage, lebt nach der dritten Scheidung seit fünf Jahren auf der Straße. Eine Bucht in der Lobau oder die Toilette eines türkischen Copa-Kagrana-Wirten auf der Donauinsel waren seine „Adressen“, der Schlafsack sein „Dach überm Kopf“. Zur Zeit übernachtet er in der längst winterlich überfüllten „Gruft“ unter der Mariahilfer Kirche. Aus Platzmangel schläft er sit...
Nicht ohne meinen "Arco"
Wenn man keine Wohnung, aber einen Hund hat
Nur wenige Einrichtungen für Wohnungs- oder Obdachlose erlauben das Nächtigen mit Haustieren. Der Augustin befragte Betroffene zu Herbergssuche mit Hund und VertreterInnen von progressiven Obdachloseneinrichtungen, warum sie Tiere erlauben würden. Darüber hinaus sollen noch zwei Beispiele das Vorurteil, Obdachlose könnten unmöglich gut für einen Hund sorgen, widerlegen.
Von "Ganz unten" ins Call-Center
Günter Wallraff im Wien Museum
Vor etwa 20 Jahren ist es um den Aufdeckungsjournalisten Günter Wallraff still geworden. Nun macht er wieder Schlagzeilen: Als er eingeladen wurde, in einer Moschee zu lesen, kündigte er an, dass er die Einladung annehmen werde, um aus Salman Rushdies „Satanische Verse“ vorzutragen. Und er erkundete am Telefon die neue Arbeitswelt der Call-Centers.
Der Augustin traf ihn im Rahmen der Ausstellung „Ganz unten“ im Wien Museum.
Wärme für eine Nacht …
Antonia Schubert hat vor 10 Monaten die Notschlafstelle „VinziBett“ gegründet
… steht auf dem Türschild beim Hauseingang. Meist werden daraus mehrere. Wer hier herkommt, soll sich wohl fühlen. Das ist die Philosophie von Antonia Schubert. Die Leiterin von „VinziBett“ geht dabei unkonventionelle Wege in der Arbeit mit Obdachlosen.
Die Urlaubs-Schwindel-Börse
Mit unseren zwei Wochen "Balkonien" (allerdings ohne Balkon) sind wir noch gut dran
Nichtreisende, outet euch! Ihr seid nicht allein! Einer aktuellen Umfrage zufolge bleibt fast jede/r Zweite im Urlaub daheim. Zeitnot oder Geldnot, so beantworten die Betroffenen die Frage, warum sie nicht verreisten. Aber Geldnot führt mit Abstand vor Zeitnot.
Grundkeinkommen? Derzeit Nein, danke!
Und welche Leistungen würde der Staat dann noch übernehmen?
„Stellen Sie sich vor, es gibt im Jahr 2015 schon ein bedingungsloses Grundeinkommen“ - unter diesem Titel organisierte das Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt eine Publikumsumfrage (siehe auch Augustin Nr. 203/ 07). Dieter Schrage folgte dieser Aufforderung und stellte sich die Einführung des bedingungslosen und existenzsichernden Grundeinkommens in den nächsten Jahren – „und eventuell auch unter politisch fortschrittlic...
Außerhalb der Zeit
Zur Ausstellung ‚In The Middle Of The Way’ von Anna Konik im Künstlerhaus
Für die mehrteilige Videoarbeit „In The Middle Of The Way“ begleitet die junge polnische Künstlerin Anna Konik (geb. 1974, lebt in Warschau) einzelne Obdachlose verschiedener Städte über mehrere Stunden. So sind bis jetzt folgende Teile entstanden: „Thaddeus“ in Warschau (2001), „Hermann“ in Berlin (2002), „Svetlana“ in Moskau (2005), eine nicht genannte Person in Cleveland (2005), „Gerard“ in Cork (2006), „Hans-Dieterâ...
Mein größter Gegner – bin ich selbst
Aus den Aufzeichnungen eines Augustin-Verkäufers
Thema des vorigen Abschnitts war das Flüchtlingsheim, in dem ich wohne. Ich möchte noch auf die Verhaltensregeln im Heim zurückzukommen. Wir dürfen beispielsweise nicht öfter als 3 Nächte pro Woche auswärts übernachten. Wenn du nach 22 Uhr abends heimkommst, musst du 2 Euro bezahlen. Es ist nicht erlaubt, Alkohol oder Drogen im Heim zu konsumieren. Keine Raufereien, Streitereien oder laute Musik nach Mitternacht und so weiter und so fort....
Der doppelte Blick auf Obdachlosigkeit
Vom beengenden Kärnten ins befreiende Wien
Der Augustinverkäufer Josef Geric kennt Obdachlosigkeit von zwei Seiten. Einerseits hat er für ein paar Jahre ehrenamtlich an der Seite von Pater Georg Sporschill Menschen ohne Wohnung betreut, andererseits verlor er allmählich den Boden unter den Füßen und wurde selbst obdachlos. Seit zwei Jahren erlebe er aber einen „starken zweiten Frühling“, denn die Alkoholsucht habe er Dank seiner Freundin erfolgreich bekämpft.
Hinter mir die Sintflut
Wie Weiland Smoky verachtet auch Hans-Dieter das "Affentheater"
Bist du Lebenskünstler? Sandler? Weltstreicher? Clochard? Aussteiger? „Mia is des wuascht, wia ana sogt. Ich bin einer, der leben will. Ich steig ein ins Leben, drum bin ich eigentlich kein Aussteiger.“ Ein Gespräch mit Hans-Dieter, 56, der vor fünfeinhalb Jahren zum Augustin kam und einer der erfolgreichsten Kolporteure ist, –weil er beim Verkauf in den Beisln nicht weniger den Komödianten hervorkehrt als in der Theatergruppe des Augustin...
"Du kannst nichts. Also geh zur Post"
Erwin Lechner – noch einer aus dem "Augustin"-Urgestein
Erwin Lechner, 44, ist seit 1998 „Augustin“-Verkäufer, also Mitglied des „Urgesteins“, wie sich die Langjährigen selber nennen, um scherzhaft ihren Elite-Status hervorzukehren. Erwin redet in einer Stuttgarter Färbung, wie KennerInnen der deutschen Dialekte unschwer diagnostizieren. Wie das klingt, ist am Montag, 16. Oktober, in Radio Augustin zu hören. Auch „Augustin“-Urgesteine zeigen Nerven. Erwin jedenfalls hat sich eine Bierdose zu...
Großstadtinseln für "Könige"
Europas jüngste Straßenzeitung:Augustin Besuch im subkulturellen Ljubljana
So schön kann Sommer sein: In Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, tanzen die Punks in der „Metelkova mesto“. KünstlerInnen und antirassistische Aktivisten besetzten eine riesige, alte Fahrradfabrik und die Verkäufer der neuen Straßenzeitung „Kralji ulice“ verfügen über wirklich viel Auslauf, um sich zu amüsieren.
Medienprofi Michi
Das Mozartjahr ist für ihn geschäftsschädigend
26 Jahre ist er jung, doch auf mehrere Jahre Obdachlosigkeit, teilweise gemeinsam mit der Mutter, muss Michael Sturm schon zurückblicken. Aber im letzten Winter sagte der Augustinverkäufer mit Arbeitsplatz nahe dem Musikverein dem Leben auf der Straße adieu.
Pension ohne Frühstück
Arbeiter-Samariter-Bund als Neuling in der Obdachlosenhilfe
Die meisten WienerInnen, nehme ich an, kennen das Otto-Haus. Das größte Schutzhaus der Rax ist von der Seilbahnbergstation aus selbst mit Sandalen und Stöckelschuhen zu erreichen. Der Weg, sehr eben, gilt als die leichteste aller alpinen Familienwanderrouten. Wer hingegen das Haus Otto erklimmen will, kann leicht ins Keuchen kommen. Zumal unter den Gästen auffallend viele lädierte Körper vertreten sind –– Folgen des Straßenlebens oder d...
Kurts Kampf gegen die Sucht
Ich bin Pole, ätzt der Tiroler, der ein Wiener ist
Neben den „Hauptsprachen“ im Augustinvolk –– Wienerisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschetschenisch nebst den diversen Sprachen Nigerias –– vernimmt man vereinzelt auch Idiome, wie man sie von den österreichischen SchifahrerInnen kennt. Einer der „Tiroler“ beim Augustin ist aber in Wirklichkeit ein Wiener. Kurt Baumgartner, 1968 geboren, lebte 15 Jahre in Innsbruck. Seit rund zwei Monaten verkauft er die Wiener Straßenzeitung. Derzeit ve...
Oma bin ich ja auch schon
Augustinverkäuferin Susi über Frauen der Straße und deren Extra-Probleme
Im cremefarbenen Pullover und dunklen Rock steht die 45-jährige Kärntnerin auf ihrem Stammplatz vor dem Supermarkt. Eine schwarze Tasche daneben auf dem Fußboden, rundum ein gepflegter Auftritt. Sie braucht nichts anzupreisen, denn ihre StammkundInnen kaufen regelmäßig bei ihr ein, bei Susi, der Augustinverkäuferin. Die an.schläge, eine der Wiener feministischen Zeitungen, nahmen den 10. Geburtstag des Augustin zum Anlass, um sich mit eine...
Seit 10 Jahren für einen Journalismus des Unspektakulären
Den Leuten Mut zum Schreiben machen?
Begeistert war er überhaupt nicht, von der Idee eines Interviews im Augustin. Aber der Augustin ist ja schließlich kein autoritär geführter Betrieb. Dort entscheidet nicht das Diktat des Einzelnen, sondern das des Plenums –– und das genehmigte das Unterfangen. Ein Gespräch mit dem Redakteur und Zeitungsgründer Robert Sommer anlässlich 10 Jahre Augustin.
Der Zweite von rechts
Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden
Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.
neunerHaus Nummer 2: Obdachlose finden in Döbling zur inneren Ruhe
Unkonventionelle Liberalität
Der Verein neunerHaus eröffnete am 5. September feierlich sein zweites Haus. Hausleiter Johannes Lorenz und Geschäftsführer Markus Reiter führten den Augustin durch die billige, aber mitnichten grindige Absteige für Männer in akuter Wohnungslosigkeit.
Vor der Wende waren sie "Lumpenproleten" und "Arbeitsscheue"
Die Geächteten von "Fedel nelkül"
In Ungarn gibt es seit der Wende in der Politik neue Gruppen von Obdachlosigkeit Betroffener. In der Budapester Straßenzeitung „Fedel nelkül / Ohne Dach“ schreiben ausnahmslos Obdachlose, deren Texte von einer Jury ausgesucht und mit Preisen bedacht werden.
Ohne Franz Sedlak wäre die Obdachlosenhilfe in Wien einfallsloser
Arbeit ohne Winkelzüge
Zuerst war er Elektriker. Dann elektrisierte ihn das soziale Thema. Er zählt zu den MitbegründerInnen des WUK. Er löste die ARGE Nichtsesshaftenhilfe, deren Obmann er nach wie vor ist, aus dem Rahmen der Caritas. Er leitet heute ein Beschäftigungsprojekt für Exhäftlinge. Er unterrichtet zukünftige SozialarbeiterInnen. Gerne würde er sie wieder etwas aufmüpfiger sehen. Aber er weiß auch, dass die herrschende soziale und ökonomische Lage...
"Klub jüdischer Gastarbeiter" blieb Episode
Der Wiederaufbau des Ottakringer Settlements nach 1945
Von London aus verbreitete sich vor 100 Jahren die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlement als eine Art frühe NGO für Obdachlose und andere VerliererInnen. Die Folgegeschichte in Nr. 150 behandelte die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis. Um den Wiederaufbau nach dem Krieg und d...
Die Folgen der Diktatur für ein Sozialprojekt und seine Menschen
So starb das Settlement
Von London aus verbreitete sich die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlements als eine Art frühe NGO, wie wir heute sagen würden, für Obdachlose und andere VerliererInnen. Der Folgetext behandelt die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis.
Zur Geschichte eines frühen internationalen Sozialprojekts
Das Ottakringer Settlement
„Else, ich habe dir aus England etwas mitgebracht, das musst du machen.“ So erinnerte sich Else Federn Mitte der 30er Jahre, anlässlich des Todes ihrer Freundin Marie Lang (1858-1934), an ihre erste Bekanntschaft mit der Settlement-Idee im Jahr 1898. Marie Lang hatte als Vertreterin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins, der frühen Wiener Feministinnen, an einem Kongress in London teilgenommen und dort die Einrichtung der Settleme...
Briefe an Dr. Sommer
Sehr verehrter Herr Dr. Sommer,
am 13. März versuchte eine Gruppe von Obdachlosen und AUGUSTIN-Verkäufern, in mein Büro vorzudringen, um mich von ihrer Forderung "Freie Fahrt für Obdachlose" zu überzeugen. Mein Mitarbeiter konnte im Roten Salon, dessen sich die Gruppe bemächtigte, nur mühsam eine Eskalation verhindern. Vergebens machte er den Demonstranten klar, dass ich nicht in Wien sei und die Gruppe deshalb nicht empfangen könne. Di...