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Die beste Band der Welt

Musikarbeiter unterwegs – mit Naked Lunch auf den Pop-Gipfel

Naked Lunch veröffentlichen dieser Tage ihr fünftes Album. „This Atom Heart Of Ours“ ist eine musikalische Offenbarung.

Das Café Ritter ist Ahmadous zweites Zuhause

„Die ZeitungskäuferInnen geben mir eine Chance“

Er mache immer das Beste aus seiner Situation, lautet der einhellige Tenor, wenn man Ahmadou Sow von Menschen aus seiner näheren Umgebung charakterisieren lässt. Darüber hinaus gilt er beim Augustin als Pionier: Er war der zweite Schwarze, der die Straßengazette Augustin unter die Wiener Bevölkerung brachte, und der erste, der Fußbälle für die Mannschaft der Straßenzeitung ins Tor versenkte.

Das Buch singt

Ein außergewöhnlicher Blick auf Dora Schimankos Vorfahren

Das blond gelockte, etwa dreijährige Mädchen auf dem Gemälde des Buchcovers schaut uns direkt ins Auge. Eine untypische, dennoch die passendste Einladung, Dora Schimankos Lebensgeschichte in Form eines außergewöhnlichen Blickes auf ihre Vorfahren zu lesen. Das Buch, das die Leopoldstädterin heuer im Eigenverlag unter dem Titel „Warum so und nicht anders / Die Schiffs: Eine Familie wird vorgestellt“ herausgab, kommt sicher keiner Lesersc...

Generation sechsundsechzig

Damals kam er (wie) gerufen: Kamer Arslan, Gastarbeiter-Urgestein

Was er sich mit 73, nach einem arbeitsreichen und nicht immer leichten Leben noch wünsche, frage ich Kamer Arslan. Gesundheit natürlich, antwortet der schwer Zuckerkranke, vor allem aber ein beheizbares Badezimmer. Dann könne er es sich im Winter ersparen, mehrmals wöchentlich die Arbeiterduschen des nahen Glanzstoffwerkes zu frequentieren, wozu er als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter dieser Chemiefabrik noch immer das Recht habe.

Hinter mir die Sintflut

Wie Weiland Smoky verachtet auch Hans-Dieter das "Affentheater"

Bist du Lebenskünstler? Sandler? Weltstreicher? Clochard? Aussteiger? „Mia is des wuascht, wia ana sogt. Ich bin einer, der leben will. Ich steig ein ins Leben, drum bin ich eigentlich kein Aussteiger.“ Ein Gespräch mit Hans-Dieter, 56, der vor fünfeinhalb Jahren zum Augustin kam und einer der erfolgreichsten Kolporteure ist, –weil er beim Verkauf in den Beisln nicht weniger den Komödianten hervorkehrt als in der Theatergruppe des Augustin...

"Du kannst nichts. Also geh zur Post"

Erwin Lechner – noch einer aus dem "Augustin"-Urgestein

Erwin Lechner, 44, ist seit 1998 „Augustin“-Verkäufer, also Mitglied des „Urgesteins“, wie sich die Langjährigen selber nennen, um scherzhaft ihren Elite-Status hervorzukehren. Erwin redet in einer Stuttgarter Färbung, wie KennerInnen der deutschen Dialekte unschwer diagnostizieren. Wie das klingt, ist am Montag, 16. Oktober, in Radio Augustin zu hören. Auch „Augustin“-Urgesteine zeigen Nerven. Erwin jedenfalls hat sich eine Bierdose zu...

"Greif keine Stoßkarten mehr an"

Post, Unterwelt, Knast, Gruft, Augustin: Die Etappen des Christian "Snoopy" M.

Christian kommt aus der Post. Der Vater arbeitete 35 Jahre lang in der Postdirektion, also trat auch Christian den Postdienst an, der sieben Jahre lang sein Auskommen sicherte. Ein Autounfall beendete diesen Lebensabschnitt. Fersenbeinzertrümmerung und anderes. Zwölf Schrauben im Bein. Sein Körper war arbeitsmarktnonkonform geworden, dann wurde es auch sein Wille. Snoopy, wie Christian M. von seiner Umgebung genannt wird, tauchte in die Welt d...

Ein Schluck Chwantschkara auf Frau Bakaschwili!

Das bewegte Leben einer Augustinverkäuferin aus Georgien

Der Charme einer georgischen Großmutter erspart dem Augustin in Wiener Neudorf alle weiteren PR-Maßnahmen. Ihr Lächeln erzeugt eine rätselhafte Schönheit in ihrem Gesicht, das den InterviewerInnen in der Augustin-Redaktion ebenso wenig verborgen bleibt wie den Billa-KundInnen, die "ihre" Kolporteurin so gewohnt sind, dass sie irritiert wären, wenn sie nicht mehr erschiene. Viele von ihnen kennen bereits die private Mehrfach-Katastrophe, die...

„Man kann alles fotografieren“

Leo Kornherr kennt die Kellergasse als Verführerin zum Suff – und zur Kunst

Mit 13 Jahren hatte er die erste Alkoholvergiftung. Vor ein paar Jahren versoff er eine Erbschaft von 10.000 Euro binnen kurzer Zeit. Kalksburg und der Schäfermischling Triggo brachten das Wunder zuwege: Leo Kornherr wurde trocken. Er entdeckte seine Liebe zur Fotografie. Seine Ausstellung „Lichtblicke eines verpfuschten Lebens“ ist derzeit in Wien zu sehen.

Medienprofi Michi

Das Mozartjahr ist für ihn geschäftsschädigend

26 Jahre ist er jung, doch auf mehrere Jahre Obdachlosigkeit, teilweise gemeinsam mit der Mutter, muss Michael Sturm schon zurückblicken. Aber im letzten Winter sagte der Augustinverkäufer mit Arbeitsplatz nahe dem Musikverein dem Leben auf der Straße adieu.

In Timişoara lief ein Gerücht herum...

Kolportage für kranken Angehörigen: Mihaela und Elena Boti

Hin und wieder haben Augustin-VerkäuferInnen schlechte Tage. Der Zufall sorgt manchmal dafür, dass eine Mischung von Trübsinn, Hypochondrie, Weltschmerz, Zanksucht und Gereiztheit sich im Vertriebsbüro ablagert, wenn sich die schlechten Launen der Einzelnen multiplizieren. Wenn Mihaela und Elena Boti in diese Stimmung platzen, bringen sie mit ihrem Lächeln und ihrer Freundlichkeit einen Moment Sonnenschein in den Verdruss.

Gebühr machen

Christine Sauerzopf ist – wie die Wiener nicht sehr respektvoll sagen "ein Schwarzkappler"

Ein Wort gab das andere. Zwei Worte waren dann beinahe zwei Worte zu viel. Und nur ein Muckser mehr –– und die Amtshandlung wäre handgreiflich geworden. Entgleist zwischen den U-Bahn-Stationen Westbahnhof und Zieglergasse. Doch im letzten Moment fand Christine Sauerzopf, laut Dienstausweis „Kontrollorgan“ der Wiener Linien, die emotionale Notbremse. Sie ließe auch mit sich reden. Hatte sie noch vor dem Einsteigen erklärt. Sie müsse nic...

I flick di wieda zaum

"Wo ist der Augustin?", fragen alle, wenn Adi Buchgraber fehlt

„Standortentscheidungen sind im Handel von großer Bedeutung, da sie den Grundstein für den späteren Unternehmenserfolg bilden. So stellt die Qualität eines Standortes ein wichtiges Wettbewerbsparameter dar, was die Zukunft des Unternehmens mitprägt. Die Wahl des Standortes ist zudem eine strategische Unternehmensentscheidung, da hier meist längerfristige und aufwändige Bindungen eingegangen werden.“ Auch ohne das Wirtschaftsfachbuch (dem...

Kurts Kampf gegen die Sucht

Ich bin Pole, ätzt der Tiroler, der ein Wiener ist

Neben den „Hauptsprachen“ im Augustinvolk –– Wienerisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschetschenisch nebst den diversen Sprachen Nigerias –– vernimmt man vereinzelt auch Idiome, wie man sie von den österreichischen SchifahrerInnen kennt. Einer der „Tiroler“ beim Augustin ist aber in Wirklichkeit ein Wiener. Kurt Baumgartner, 1968 geboren, lebte 15 Jahre in Innsbruck. Seit rund zwei Monaten verkauft er die Wiener Straßenzeitung. Derzeit ve...

Der Zweite von rechts

Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden

Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.

Augustin-Verkäuferin Petra will in die Mitte, doch ...

"Es gibt nur mehr Reich und Arm"

Dominic wird am 23. Oktober vier Jahre alt. Um ihn dreht sich zunächst das Gespräch, als Petra die Augustin-Redaktion besucht. Um Dominic, den Unerreichbaren, der schon mehr alpenländisch als wienerisch spricht. Die 33-jährige Augustinverkäuferin sehnt sich nach ihrem fernen Sohn. Aber um ihn zurückzuholen, müsste ihr und ihrem Mann das Kunststück gelingen, einem veritablen Teufelskreis zu entkommen –– ausgerechnet in einer Zeit, in de...

Zuerst fiel er tief, jetzt fällt er auf: Kolporteur Gerhard Hostniker

Packerl für paffe Passanten

Wenn Bankangestellte schrille Gummistiefel und ein Blinklicht tragen müssten, würde Gerhard Hostniker wieder seine Krawatten hervorholen. Wenn er sie noch hätte. Wenn der Augustin ein Kochbuch wäre, würde Gerhard nicht Omas Rezepte unter seiner Stammkundschaft verbreiten. Porträt eines „im Alter“ doch noch zum Hippie gewordenen Augustinkolporteurs.

Rudolf Prikryl, der 3-Tage-Bürgermeister von Wien

Noch als Leich´ gescheitert

„Herr Bürgermeister, ich hätte gern das Flotten-Kino.“ „Nichts dagegen. Bitte nehmen Sie’s!“ Oder: „Ich bevollmächtige Sie, den Betrieb Sowieso aufzusperren.“ So ähnlich liefen die Amtsgespräche ab in jenen drei Apriltagen des Jahres 1945, die als Wiens kuriosesete Bürgermeisteramtsperiode gelten. Über das patscherte Leben des Installateurs Rudolf Prikryl, der drei Tage lang dem rätselhaften Drang, Verantwortung zu übernehmen, nac...

"Hundert geht sich aus"

Lokalmatador

Gerhard Reissner: Mit 85 noch fit wie ein Turnschuh. Sport wurde sein Lebenselixier.

Marta Halpert, Leiterin des Wien-Büros derAnti-Defamation League

Hoffnungsvoll unoptimistisch

"Ich bin schon eine alte Kämpferin. Ich habe immer wieder Rückschläge bekommen und denk´ mir oft: Es hat keinen Sinn. Trotzdem, ein bisschen Hoffnung habe ich schon. Nur, optimistisch bin ich nicht." Ich mag uneindeutige Selbstcharakterisierungen. Diese hier habe ich aus dem Radio Augustin-Interview (siehe Kasten unten) mit Marta Halpert, der Wiener Vertreterin der Bürgerrechtsorganisation "Anti-Defamation League" (ADL) aufgeschnappt....

Unterwegs mit Eselsgeduld

Oft monatelang nomadisiert Engelbert

Engelbert ist der saisonalste aller saisonalen AUGUSTIN-Verkäufer. Seine Wien-Aufenthalte sind freilich - unabhängig von ihrer Dauer und der Jahreszeit - quasi die Nebensaisonen. Den Sinn seines Lebens finder er eher in Südfrankreich. Dort nomadisiert er - oft monatelang - mit seinen Eseln durch die Täler und über die Berge. Die Eseln heißen Fripon, Rosalie und Gazelle ("das Fohlen nenne ich deswegen so, weil es auch von zwei Meter hohen Ma...

Am liebsten entstresst sich Manager Hartmut Lang beim Klöppeln

Der Mann an der Spitze

Hartmut Lang bewahrt den Überblick. Und das ist gar nicht so einfach, betrachtet man den Polster mit den vielen Klöppeln, der vor ihm liegt. Schlag auf Schlag geht es beim Klöppeln - im wahrsten Sinn des Wortes: die Klöppler kennen Halbschlag, Ganzschlag und Leinenschlag, und durch fortgesetztes Drehen und Kreuzen der zahlreichen Fäden, die auf den einzelnen Holzklöppeln aufgewickelt sind, entsteht anhand einer Musterzeichnung und dem Klöp...

Zwischen den Zeilen liegt der Sinn

Walter Pichler, literarisches AUGUSTIN-Urgestein

Walter, du Lump. Wie stellst du dir das eigentlich vor. Jetzt hast du schon monatelang nichts mehr für den AUGUSTIN geschrieben. Hat dir jemand die Lust aufs Schreiben ausgetrieben?

Schreibt seit 5 Jahren im AUGUSTIN: Hömal

Das Flair des Scheiterns

Laut, stoak, volla Gwoit is des Lebn draußn um mi, in den i wiara Gschpenst umadumschleich zwischn fremde Keapa vo de i maunchmoi wos brauch und wü. Oiso straf i maunchmoi a bissl au sichaheitshoiba aun de eha Hoamlosn loß de mit da Paua bessa auglant. Bini nämlich zu eana frech vaspottns mi, i kriag ane aufs Aug und ziag mi wieda zruck, eingschnoppt. Naujo, de samma Schuachnumman zgroß und zagn...

Hubsi Kramars Gratwanderungen

Scheibbser Nestbeschmutzer rächt sich

Hitler wollte den Opernball besuchen. Hitler wollte mit der reschen Frau Riess-Passer ein Tänzchen machen. Aber das wurde verhindert. Denn Hitler wurde gewaltsam festgenommen und wegen des Verdachts der Wiederbetätigung stundenlang verhört...

Rainer Nesset und seine Bildserie "Unsichtbare Stadt"

Dem Bettlerkönig Lehrgeld bezahlt

Paparazzi sind ungebeten. Ihnen gegenüber kapselt sich "das Milieu" ab. Besser von niemanden, als von knipsenden Voyeuren wahrgenommen (und verdinglicht) zu werden. Bei Rainer Nesset liegt der Fall anders. Wenn er im Auftrag des AUGUSTIN fotografiert, muss er nicht erst in "das Milieu" als Fremder eindringen. Seit der professionelle Fotograf Sandler-Aktionen und AUGUSTIN-Feste begleitet, wirkt er quasi wie vom Milieu inhaliert. Seiner Nähe zu d...

Leo Bei Ostbahn und Leo Bei EAV

Der Magen krachte lauter als die Verstärker

Der 41jährige Bassspieler ist unter seinem Künstlernamen weitaus bekannter: Horak, und Charly auch noch dazu, denn in der Band von Dr. Kurt Ostbahn trug jeder eine Bezeichnung wie einen Adelstitel, die ihn als "echten" Prolo auswies.

Die AfrikanerInnen Wiens nach den "Erfolgen" der Operation Spring

"You will Burn in Hell!"

Viele AfrikanerInnen in Wien, vielleicht die meisten, kämpfen um ihr nacktes Überleben. Seit dem Tod des Nigerianers Marcus Omofuma im Abschiebeflugzeug, seit den darauf folgenden Polizeiaktionen der "Operation Spring" gegen die afrikanische Community sind die Schwarzen zur vielleicht diskriminiertesten Bevölkerungsgruppe des Landes geworden. Wenn sich Menschenrechtsgruppen hinter Männer wie Obiora Ofoedu oder Emmanuel Chukwujekwu stellen, wi...

"Institution" an der Pestsäule: Lucia Westerguard

Die alte Dame und ihr Saxophon

Gemeinsam mit ihrem über 123 Jahre alten Musikinstrument ist das innerstädtische Original ein leiser und unaufdringlicher Zeitzeuge dieses lauten Jahrhunderts, das sich hysterisch und schrill im Ausgehen oder Auszucken befindet. Grund genug für den AUGUSTIN, Lucia Westerguard kurzerhand zum Hero des Monats zu küren!

Erinnerung an Günter Pernhaupt

Kalte, warme, bucklige Welt

Der Wiener Psychiater und Drogenexperte Günter Pernhaupt ist Anfang November im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Der international anerkannte Wissenschafter befasste sich bereits in den Siebzigerjahren mit der Betreuung von Suchtkranken und galt als Pionier auf diesem Gebiet. Im Rahmen des Anton-Proksch-Instituts baute der Mediziner zunächst in Mödling eine der ersten stationären Betreuungseinrichtungen für Dr...
TUN & LASSEN - Robert Lackner 12/1999 mehr lesen »»

Ernst Pacolt und die Idee der gemäßigten Kleinschreibung

Gott & die lieben Genossen

Die Freizügigkeit der AUGUSTIN-Redaktion in Sachen Rechtschreibung ist legendär. Neben der reformierten, neuen Rechtschreibung wird nicht nur das alte Regelwerk toleriert, sondern auch jedes originelle individuelle Experiment abseits jeder Regel. Wenn unser Lektor urgiert, zumindest innerhalb eines Textes keine Mischkulanz von alter und neuer Rechtschreibung zuzulassen - geschenkt. Wenn aber einer hergeht und sagt, die Rechtschreibreform zerstÃ...

Vom Vertreiben und von Trieben

Die meisten seiner Kunden sind Frauen

Der "Gentleman vom Keplerplatz" hat (Verkaufs-)Erfolg bei Frauen. "Natürlich kaufen auch Männer den AUGUSTIN, aber die meisten meiner Kunden sind Frauen", sagt Franz Horvath, einer der längstdienenden AUGUSTIN-Kolporteure. Den Kopf unter dem AUGUSTIN-Kapperl, auf den Lippen immer ein aufmunterndes, die PassantInnen zum Lachen bringendes Wort, beweist Franz, daß Österreichs erste Boulevardzeitung auch im Arbeiterbezirk Favoriten punkten kann....

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