Unangenehmer Sound-Teppich am Karlsplatz
Wenn Künstler_innen in den Alltag eingreifen
Valie Export erlaubte im Rahmen des «Tapp- und Tastkinos» den «öffentlichen» Zugriff auf ihre Brüste für eine halbe Minute pro Person. Sie führte auch Peter Weibel an der Hundeleine spazieren. Aktionistische Kunst wurde somit in die Öffentlichkeit getragen und verursachte Irritationen im alltäglichen urbanen Treiben....
Auch Plätze mit Märkten sind öffentlich!
Advent in Wien: Christliche Umsätze statt christliche Grundsätze

Zwei Dutzend Augustin-Verkäufer_innen demonstrierten am 19. Oktober durch die zentralen Wiener Adventmärkte am Rathausplatz und Maria-Theresien-Platz, und mehr als 200 Unterstützer_innen schlossen sich ihnen an. Das Verbot des Augustin-Straßenverkaufs (einen Tag vor der Demo aufgehoben) und des Verkaufs anderer Straßenzeitungen war Anlass des Protestes. Auch die Aufhebung des Bettelverbots wurde gefordert. In den Wochen vor dem allerheiligst...
Augustin 306 - 10/2011
Slowakischer Parallel-Augustin?

Turbulent, diese letzte Septemberwoche. Die Polizei bestätigt einen Bericht der «Niederösterreichischen Nachrichten» (NÖN), wonach in der Slowakei nicht nur Ausweise für Augustin-Verkäufer_innen, sondern auch die Zeitung selbst gefälscht werde. Jemand soll gestanden haben, dass der nachgemachte Augustin um zehn Cent pro Stück zu haben ist. Damit könne die Straßenzeitung mit dem ausgewiesenen Verkaufspreis von 2,50 Euro mit einer verloc...
Ohne Risiko schwarzfahren
Skandinavien – ein sehr praktisches Modell für Gratis-Öffis

In Stockholm, Göteburg, Ostergotland und Helsinki übernahmen Fahrgäste die Initiative zur Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs. Das Mittel dazu ist die selbstorganisierte Schwarzfahrer_innen-Versicherung – korrekterer Ausdruck: Freifahrer_innen-Versicherung – namens «P-Kassan». Der öffentliche Verkehr sollte wie die Gehsteige sein, von allen bezahlt, von allen kostenlos zu benutzen. «Niemandem würde es einfallen, für die Benutz...
«Wir kommen immer wieder!»
Über den weltfremden Versuch der Stadt, die Drogenpolitik der Polizei zu überlassen

Jede größere Stadt hat eine offene Drogenszene. Die in Wien ist relativ klein. Trotzdem versucht die Stadt sie loszuwerden, mit massivem Polizeieinsatz und Baumaßnahmen.
Lisl Ponger spielt Revolte
Vorschläge zur Hinterfragung des Geistes der Biennale von Venedig
Drei Fotos, drei Gruppen von «Aufständischen». Noch ist ihr Triumph, ihr Protest im prallen Zustand der Würde, von einer Fotokünstlerin inszeniert. Ein Vorschlag von Lisl Ponger für die Biennale in Venedig, derzeit in Linz zu sehen. Drei Fotos, drei Fragen: Wer vertritt Österreich in Venedig? Warum sollte eine Künstlerin eine Nation vertreten? Wann werden in Venedig die nationalen Pavillons zu Commons erklärt?
Volumensfetischismus
Gegenüber dem Schwedenplatz ist alles in Raiffeisen-Hand – Aspekte der Raiffeisendominanz (Teil 15)
Mitten in der Stadt hat die «Bauernselbsthilfe-Organisation» Raiffeisen nicht etwa fruchtbare Äcker geschaffen, muss sie auch nicht; an der Leopoldstädter Seite des Donaukanals wurde die «Raiffeisen-Meile» geschaffen. Der Augustin sprach darüber mit dem Autor des stadtplanungskritischen Standardwerks «Wer baut Wien?», Reinhard Seiss. Das Buch beschreibt die freiwillige Aufgabe von stadtplanerischen Gestaltungsbefugnissen des zuständigen...
«Hallo, einen Augustin?»
Kolporteur Gerhard Geiger. Bemerkungen zum Faktotum der Gürtelbögen

Gerhard Geiger ist Augustin-Verkäufer am Wiener Gürtel. Über die Jahre ist er eine Kultfigur der Stadtbahnbogenlokale geworden. Man nennt ihn auch den Hut-Gerhard.
… er WIRD behindert
Projekt Invalidenstraße: Der Mensch IST nicht behindert …

Die Autorin des folgenden Beitrags, Gründerin des Theaters der Unterdrückten (TdU) Wien, ruft gemeinsam mit der Performance-Gruppe DanceAbility (Augustin Nr. 297) zu einem Umzug am 28. Mai auf. Dabei soll die Invalidenstraße in Wien 3 symbolisch umbenannt werden. Die drei Anliegen des Projekts «Invalid Street»: Freiheit der Kunst im öffentlichen Raum, Stadt ohne Barrieren und – eine neue Sensibilität im Sprechen und Schreiben.
Enten schleudern, Fischer ärgern
Raiffeisen hat überall die Hand drinnen - Aspekte der Raiffeisendominanz (Teil 14)
In der Stadt der Kinderverzahrer und Taubenvergifter haben die Entenvertilger ebenfalls ein leichtes Leben. Was das mit Raiffeisen zu tun hat? – Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ist gemeinsam mit der Wien Holding als Hälfteigentümer der beiden fünfmal täglich zwischen Wien und Bratislava (zum Normalpreis von 29 bzw. 31 Euro) verkehrenden Twin City Liner letztverantwortlich dafür, dass diese Schnellkatamarane die Fischbrut be...
Betteln – arbeitsökonomisch betrachtet
Ab Mai 2011 gilt in der Steiermark ein generelles Bettelverbot

Nein, kriminelle Vorgänge, Menschenhandel und Ausbeutung, seien trotz mehrmaliger intensiver Ermittlungen bei den in Graz bettelnden Menschen nicht festgestellt worden, betonte der Grazer Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter in einem Ö1-Interview vor einigen Wochen. Trotzdem sei er für ein generelles Bettelverbot in der Steiermark, «aus rein arbeitsökonomischen Gründen».
Der letzte Franziskus
Pfarrer Pucher: Totales Bettelverbot ist verfassungswidrig
Am Tag des Erscheinens dieser Augustin-Ausgabe tagte in der Steiermark der Unterausschuss des Landtages für Daseinsvorsorge. Dort sollte (falls der Terminplan des Landtags nicht modifiziert wurde) eine Novelle zum steiermärkischen Landes-Sicherheitsgesetz beschlossen worden sein, wonach jede Form von Bettelei an öffentlichen Orten als Verwaltungsübertretung bestraft wird.
Damals klappte es ohne Facebook …
Zwanzigtausend für Frauenrechte auf dem Ring, wie am 19. März vor 100 Jahren?

19. März 1911: 20.000 Menschen demonstrierten über die Wiener Ringstraße für Frauenrechte. Hundert Jahre später packt die Frauen der Zorn. Denn trotz manch erkämpfter Verbesserungen für Frauen blieb vieles unerfüllt und wird im Zeichen von Wirtschaftskrise und Sozialabbau wieder in Frage gestellt. Ein breites Frauenbündnis organisiert für den 19. März 2011 eine Demonstration für Frauenrechte am Wiener Ring. Die Kulturvermittlerin Petr...
Chronologie einer Verhetzung
«Krone» erfindet neue Gefahr fürs christliche Abendland: Ost-Profi-Schnorrer

Die Freiheitlichen in Klagenfurt fordern ein Bettelverbot. Die «Kronen Zeitung» macht Stimmung. In Klagenfurt und Lienz hätten Bettler in Kirchen Gläubige geohrfeigt, schreibt sie im November. Die Polizeibeamten, die dort zitiert werden, sind allerdings unauffindbar. Auch die Anzeigen. Ja selbst die Täter, Zeugen und Watschenopfer. Doch die Geschichte setzt sich fest. In den Köpfen von Politikern und ihrem Wahlvolk. Von Kirchenvertretern un...
Der vasteht des eh net
Von Augustin-Leser beobachtet: Ein Staat gegen einen Bettler

Für Aufdeckungsjournalismus sind andere Medien zuständig. Auf dieser Seite wird nichts «aufgedeckt», denn jede/jeder, die/der in Wien bettelt und weder weiß genug noch abendländisch genug aussieht, könnte Bücher mit solchen Erlebnissen füllen. Dokumentiert werden sie kaum, denn die Betroffenen finden sie banal und keiner Schlagzeile wert, während die Macher der Schlagzeilen an ihren selbstfabrizierten Stereotypen picken: etwa am Klische...
Jemand, der die Dose beherrscht
Streetart: Kleine Einführung in Sprache und Lebensgefühl der SprayerInnen

Die durchschnittliche Augustin-Leserin wird die massive Besprayung freier vertikaler Flächen in unserer Stadt nicht als jugendlichen Vandalismus verurteilen; vielleicht würdigt der eine oder die andere die Graffiti sogar als eine aus den großen Städten nicht mehr zu verbannende freie Kunst. Auch den liberalen Gönnerinnen und Gönnern dieser Street Art ist freilich die Welt der SprayerInnen verschlossen geblieben – nicht nur ein generatione...
Advent, Advent, der Aufstand pennt?
«Die Menschen reden wieder miteinander» – das ist die Lehre aus Stuttgart

Am 11. Dezember wird der «zivile Ungehorsam», der in Stuttgart inzwischen allgemein als anständiges Gebaren gilt, einmal mehr die Form einer Großdemonstration annehmen. Die Schlichtungsgespräche zwischen GegnerInnen und BefürworterInnen des Bahnhofsprojekts hatten bewirkt, dass es in Stuttgart relativ ruhig war. Zudem hatte sich in den letzten Wochen die zivilgesellschaftliche Widerstandsenergie zum Atommülltransport nach Gorleben hin orie...
Fonds der Sozialen Kälte am Werk
Und jetzt der Beitrag der Wirtschaftskammer zum Arme-Leute-Denunzieren
Sie wollen ein konkretes Zeichen setzen gegen die Ausbreitung sozialer Kälte in Wien? Ein Vorschlag: Boykottieren Sie Geschäfte, die in diesen Tagen ihre Auslagen mit violetten Plakaten «dekorieren», auf denen Sie davor gewarnt werden, Bettler zu unterstützen. Die Wirtschaftskammer-Kampagne «Helfen ist wichtig – Aber tun Sie’s richtig» stellt für die junge Menschenrechts-NGO BettelLobbyWien einen Beitrag zur Abstempelung des Bettelns ...
Hartgeld auf Knopfdruck
Ohne Schmach und Pein und in der Gegend Herum-Knien

Einen Bettler-Automaten, nach einem Modell der Stadt Wien von 1927 gebaut, stellte der Künstler Johannes Heuer im Bezirksmuseum Floridsdorf aus – zwischen Schusterkugeln, zivilen Perkussionspistolen und mit Hakenkreuzen bestickten Taschentüchern.
Dem «Hässlichen» nützt auch die Stille nicht
Eine menschenrechtliche Analyse zum Bettelverbot
Ein Kolumnist dieser Zeitung ist in diesem Frühling aus der SPÖ ausgetreten und weint ihr nicht einmal eine Träne nach. Auschlaggebend dafür war, dass die SPÖ-Fraktion im Rathaus schneller die Antibettlerverordnung in Richtung generelles Wiener Bettlverbot verschärfte, als Strache in eine Position gewählt wurde, in der er sich in Sachen Armenvertreibung als der bessere Häupl darstellen könnte. Anfang Juli soll das Gesetz in Kraft treten,...
Angst & Hass, weil Wissen fehlt
Ein Symposion beleuchtete das Betteln in Wien aus verschiedenen Perspektiven

Wir alle kennen sie, die medialen Bilder von den «bettelnden Ostbanden», die täglich durch unsere Zeitungen geistern. Über das reale Leben der Menschen, die mit Betteln ein paar Euros zu verdienen versuchen, wissen wir allerdings wenig. Und wo Information fehlt, können Misstrauen, Angst und Hass Fuß fassen, kann eine Menschengruppe zu Sündenböcken stilisiert werden, kann mit Fehlinformation hoher Sensationswert erzielt werden. Die BettelL...
Dem "Hässlichen" nützt auch die Stille nicht
Eine menschenrechtliche Analyse zum Bettelverbot

Ein Kolumnist dieser Zeitung ist in diesem Frühling aus der SPÖ ausgetreten und weint ihr nicht einmal eine Träne nach. Auschlaggebend dafür war, dass die SPÖ-Fraktion im Rathaus schneller die Antibettlerverordnung in Richtung generelles Wiener Bettlverbot verschärfte, als Strache in eine Position gewählt wurde, in der er sich in Sachen Armenvertreibung als der bessere Häupl darstellen könnte. Anfang Juli soll das Gesetz in Kraft treten,...
Für eine City ohne Straßenkunst?
Vom Himmel stürzende Diabolos bedrohen TouristInnen und StadtbewohnerInnen!
Wann haben Sie den letzten Pflastermaler im Zentrum Wiens gesehen? Und wissen Sie, dass auch die Genies in Sachen Jonglage demnächst vielleicht aus dem Bild der Innenstadt gelöscht werden? Abraham Thill, unter dem Namen El Diabolero als Profi und Showmaster der Jongleurszene bekannt, will nach langjährigen Umtrieben von Stadt zu Stadt seinen Brotberuf, die Kunst des Diabolowerfens, in Wien ausüben. Hier lebt die Familie, hier lebt sein einjä...
... und Genossin Yilmaz glaubt das alles
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden. Teil 1
Nurten Yilmaz glaubt an das, was sie sagt. Die Wiener SPÖ-Gemeinderätin ist davon überzeugt, dass die neuen gesetzlichen Verschärfungen gegen «gewerbsmäßige» BettlerInnen ein Sieg im Kampf gegen den Menschenhandel und die Organisierte Kriminalität seien. Was für ein Signal ist die Novellierung des Landessicherheitsgesetzes wirklich? Vor allem die Behinderten unter den Bettelnden sollen in ihren südosteuropäischen Dörfern bleiben und ...
Ich bin ein Stehaufmanderl
Sängerknabenverein überhäuft ParkschützerInnen mit Klagen. Darunter Eva Hottenroth

Auch am Augartenspitz zeigt der «Rechtsstaat» Österreich sein realistisches Gesicht. Während immer anschaulicher wird, dass sämtliche Bauvorbereitungsarbeiten rechswidrig sind, werden die seit Jahren friedlich für den Erhalt des denkmalgeschützen, historischen Parks Augarten kämpfenden AktivistInnen unter dem Motto „Gegner fertig machen – schnell den Bau durchdrücken – wenn nötig über Leichen gehen“ mit einer Flut von Klagen ü...
Die Ausgeschiedenen treffen sich in der "Bar Rektum"
Nicht nur Enzis im Hof des Museumsquartiers
Die Siesta-Stimmung wird im Freiluftbereich des Museumsquartiers durch ein Objekt und dessen Bespielung ein wenig getrübt. Die "BarRektum" (in Form eines Darmausgangs) wurde dort nebst der "BikiniBar" (mit einem Bikini bekleideter weiblicher Rumpf) und dem "Darwin" (Spermium) platziert. Diese überdimensionalen und zum Teil begehbaren Objekte stammen aus dem niederländischen Atelier Van Lieshout, einem KünstlerInnenkollektiv, das in seinen int...
Würden Sie um 70 Cent pro Stunde jobben?
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden

Da staunten die Blauen, als die Roten die Initiative ergriffen, das Wiener Sicherheitsgesetz so zu ändern, dass die Polizei nunmehr praktisch jede Form von Betteln verhindern kann.
Sigmund Freud herzhaft gegen Bettelverbot!
"Die Frage der Laienanalyse"
In unserem Vaterlande herrscht von alters her ein wahrer furor prohibendi, eine Neigung zum Bevormunden, Eingreifen und Verbieten, die, wie wir alle wissen, nicht gerade gute Früchte getragen hat. Es scheint, dass es im neuen, republikanischen Österreich noch nicht viel anders geworden ist. (...) Ich meine, dass ein Überfluss von Verordnungen und Verboten der Autorität des Gesetzes schadet. Man kann beobachten: wo nur wenige Verbote bestehen,...
Betteln im Club 2
> Beispiel Bettelverbots-Debatte: ORF drückt das Club 2-Format unter Stammtischniveau
> Moral und Emotion dominieren Diskussion im ORF
> Wo sind die ExpertInnen geblieben
Wer ist im Käfig? Wer fehlt im Käfig?
Zwischen den Gürtelfahrbahnen werden Kinder zu richtigen Männern

Wer benützt die so genannten Gürtelkäfige? Wer okkupiert sie? Wer fehlt in den Gürtelkäfigen? Wer möchte sie benützen, fühlt sich aber ausgeschlossen? Über einen Beobachtungszeitraum von zwei Monaten – November und Dezember 2009 – versuchte die Wiener Lehrerin Doris Pichler mittels eines Foto- und Text-Tagebuchs Antworten auf diese Fragen zu finden. Ein Projektbericht, nebst einer ausgewählten Tagesbuchnotiz.
Sozis erlauben Jagd auf "Verwahrloste"

1939 begann das nationalsozialistisch verwaltete Wien mit dem Aufbau gigantischer Karteien im Rahmen der «Erbbiologischen Bestandsaufnahme». Neben Geisteskranken, Alkoholikern, allen Arten von «Asozialen» wurde die Kategorie der «Verwahrlosten» einschließlich aller lebenden Vorfahren und Nachkommen («Sippschaft») aufgenommen. In der Wiener Zentralkartei waren bis 1943 bereits 700.000 Personen erfasst, wie aus Materialien des Dokumentatio...
RiesenRuckSäcke
Über ein Phänomen unserer Zeit

Leopold Kesslers Arbeiten beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum, untersuchen die Topografie der Stadt – von Verkehrsführungen, die das urbane Leben strukturieren, bis zu Verhaltensweisen, die durch diese bestimmt werden. Plätze, Wege, Straßenschilder oder Absperrungen sind Ziel der Interventionen Kesslers und dienen als Material für seine Skulpturen. Darüber hinaus verweist er immer wieder auf die Lücken und Löcher in der systema...
Bücher geben und nehmen
Tauschkreislauf - vorerst in Notwehr:

Die Idee ist nicht neu, hat aber fast zwei Jahrzehnte gebraucht, um in Wien anzukommen. 1991 entwickelte das Künstlerduo Clegg & Guttmann in Graz das Konzept der „offenen Bibliothek“: An insgesamt drei Orten am Stadtrand wurden Container aufgestellt, um einen buchstäblich freien Tausch von Büchern zu ermöglichen. Die funktionierende „offene Bibliothek“ basiert auf einem sich selbst regulierenden Fluss von Geben und Nehmen: Nicht (...
Nur rechtsdrehender Walzer gestattet

Ein «Wasgehtmichdasan« geht nicht mehr. Ein neutrales «Wissenwireh: Linke gegen Rechte, das ist Uni-Folklore» ist Wahrnehmungsverweigerung. Wenn in Wien niemand mehr gegen den WKR-Ball demonstrieren würde, hätten die Hassprediger, die Holocaust-Verharmloser und die Straches aller europäischen Rechtsaußenparteien gesiegt, die sich alljährlich in diesem Hofburg(!)-Event versammeln. Halb haben sie schon gesiegt: Die Polizei hat die Demo geg...
Pass auf, kleine Hand, was du tust
Der öffentliche Raum ist nicht mehr für alle öffentlich

«Der Bürger, der den übel riechenden Betrunkenen, den rüpelhaften Jugendlichen oder den aufdringlichen Bettler fürchtet, drückt nicht lediglich seine Abneigung gegenüber ungehörigem Verhalten aus. Er drückt ebenso ein Stückchen Volksweisheit aus, die eine zutreffende Verallgemeinerung enthält, nämlich dass ernst zu nehmende Straßenkriminalität in Gegenden floriert, in denen ungeordnetes (disorderly) Benehmen ungehemmt geschehen kann...
Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
Übungsspielzeug für internationale Polizei
Finanziell profitiert die Wiener Polizei von den Bettlerinnen
Neulich am Schottentor: Vier Polizisten drängen eine alte Bettlerin in eine Ecke, der die Tränen herunterrinnen. Zwei der Polizisten sind Hilfspolizisten aus Rumänien und reden auf die Frau ein. Sie wären in Wien, um Hintermänner des Menschenhandels aufzudecken, erzählt einer später. „Ich habe gesehen, wie die alte Frau in einem weißen Kastenwagen abtransportiert wurde“, berichtet eine Geschäftsfrau. „Spektakulär wird ein armer Me...
An eurer "Ordnung" ersticken wir
Im Kampf gegen das Betteln beweisen Justiz und Exekutive Fantasie

Während der Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP von der «Stürmung des Christkindlmarktes durch Bettlerbanden» halluziniert, verhängte ein Richter des Unabhängigen Verwaltungssenats eine 20-stündige Polizeihaft gegen den Bettler und Augustinverkäufer Markus H. Sein Delikt: Beim Sitzen an der Hauswand ragten die Beine minutenlang einen (!) Meter in den mehr als zehn Meter breiten Gehsteig der Mariahilfer Straße.
Die Polizei im Kompetenz-Test
Große Busse, dunkle Hintermänner: Salzburger Bettlerphobien
Salzburg. In der Stadt, wo alljährlich der „Jedermann“ unter den Augen der finanzkräftigen Weltelite von seiner Geldgier und Habsucht abschwört, ist Betteln seit den 70er Jahren verboten. Warum ein Theaterstück so gar keine Auswirkungen auf das Leben, die Gesellschaft und die Gegenwart hat, ist wohl darauf zurück zu führen, dass die Salzburger Festspiele seit jeher kein Kunst-, sondern ein Selbstdarstellungsevent der Eliten sind: Wer in...
Kostnix-Ökonomie sucht Kostnix-Haus
Rathaus schickte vermummte Polizei gegen ein Stück konkrete Utopie
Seit einigen Jahren sucht eine Gruppe junger Leute ein Haus, das Raum für kollektive, soziale, kulturelle und politische Projekte bietet. Für zehn Tage hatte das „Hausprojekt“ Anfang Oktober ein „Zuhause“ gefunden, in einem leer stehenden Objekt auf der Triester Straße. Dann zeigt die Wiener Stadtverwaltung, was sie von basisdemokratischen Projekten dieser Art hält: Am 12. Oktober um 4 Uhr früh wurde das Haus ohne Ankündigung gerä...
Das Lerchenfeld ist ein Begriff
Über eine Strasse, die kein Identitätsmarketing und kein Branding braucht
"Im Ort liegt auch ein Mehrwert. Das Lerchenfeld ist ein Begriff", sagt Estela Tschernutter, die seit vielen Jahren eine derjenigen ist, die das Gesicht des Weltladens an der Lerchenfelder Straße mitbestimmt. Heuer feiert der Weltladen sein 20-jähriges Jubiläum. An einer Straße wie dieser seinen 20er begehen zu können, dazu gehört einiges: Durchhaltevermögen, Energie, Kreativität, Veränderungsbereitschaft, Kommunikation, nicht zuletzt e...
See in Sicht
In Ostdeutschland wird aus Kohleabbaugebiet ein Freizeitparadies
In der ostdeutschen Niederlausitz befindet sich derzeit „Europas größte Landschaftsbaustelle“: Wo einst malocht (übersetzt: gehackelt), die Kohle aus der Erde geholt wurde, sollen sich die Leute schon bald erholen können. Einst das Energiezentrum der DDR, wird hier der Welt größte künstliche Seenlandschaft entstehen.
Eine Schiffsanlegestelle und eine Uferpromenade gibt es schon. Auch ein „Seehotel“. Allein der See fehlt noch. A...
Wo Linz rebellisch war/ist
Aus der Kulturhauptstadt: Geschichte(n) erfahren mit dem Omnibus

Von einem Kampf zum anderen, sechste Station: Altenbergerstraße Nummer 35 in Linz. Alle steigen aus dem roten RebellInnen-Omnibus und begeben sich in ein eigentlich recht unauffälliges Haus. Hier gibt es keine offiziellen Gedenktafeln oder Erinnerungsformen.
Statt zerstören vergolden
Ein Wiener Bahnhof in den letzten Zügen
Warum wurde der Südbahnhof immer so schnell zu einem unbeliebten Ort, dass er in seiner Geschichte dreimal komplett abgerissen wurde? War „der Süden“ früher Ort der Sehnsucht, so wird er heute – ähnlich „dem Osten“ – mit Flüchtlingen, Roma, Wanderarbeitern und Armut verbunden. Was folgt: ein riesiger „Haupt-“ oder „Zentralbahnhof“ mit integrierter Shopping-Meile.
...
Vom Blitz getroffen!
Flashmobs und die freie Gestaltbarkeit von Leben im öffentlichen Raum
Es ist kurzlebig. Es findet im öffentlichen Raum statt. Das Internet ist seine Voraussetzung. Es erstaunt alle Unbeteiligten. Es erscheint wie ein Spiel, ohne politisches Anliegen. Es ist einfach, aber dem Einfallsreichtum in ihm sind keine Grenzen gesetzt. Ob man die Bierdosen schwenkende Menge im Hof des Museumsquartiers dazu rechnen könne, ist umstritten.
...
... eben auf Rädern leben
Vom mühsamen Kampf um ein alternatives Wohnen in Wägen
Eine bunt gemischte Gruppe empfängt mich am Donnerstag, dem 23. Juli, freundlich in der Hafenzufahrtstraße im 2. Bezirk, auf ihrem brandneuen Wagenplatz. In der Mitte des mit Wohnwägen und umgebauten LKW gestellten Kreises gibt es Kaffee, kalte Getränke und Snacks. Doch die Camping-Atmosphäre trügt, denn mensch will hier nicht Urlaub machen, sondern längerfristig wohnen – „alternativ wohnen“ (Lena). Bis vor kurzem war ihr Platz noch...
Ein Kinofilm für Nagl
Koalitionspartner der Grünen will Behinderten das Betteln verbieten
Schwarz und Grün regieren die steirische Landeshauptstadt. Wer färbt ab? Der Koalitionspartner der Grünen in Graz, die ÖVP, bleibt jedenfalls in Angelegenheit „Betteln in Graz“ streng auf Rechtskurs. Nun will Bürgermeister Siegfried Nagl sogar ein generelles Bettelverbot für Behinderte durchsetzen. Drehen die Politiker durch?
...
"Willst du mit mir spielen?"
Interview zu Pawel Althamers Secessions-Projekt

Kurz vor Eröffnung seiner
Ausstellung fand Pawel Althamer Zeit für ein Interview. Während des Projekts war er nicht in Wien.
Heterogenes Tal in der Stadt
Raumplaner auf der Suche nach Unorten am Wienfluss
Das Wiental soll an Attraktivität zulegen bzw. stärker ins Bewusstsein der AnwohnerInnen gerückt werden – das sind Vorhaben der Wiental ArbeitsGruppe Gebietsbetreuungen (WAGG). Seit zwei Jahren arbeitet sie als Vernetzungsstelle und wünscht sich, dass die Bevölkerung das Angebot des niederschwelligen Zugangs (sowohl physisch als auch online) auch nützt und sich in der Gestaltung des eigenen Lebensraumes einbringt.
...
Sprechblasen-Guerilla
"Bubble Project" macht selbst Gewista-Flächen lesenswert
Ji Lee lebt in New York als Designer und Künstler. Das ergibt ein paradoxes Leben: Er entwirft Werbung – und kämpft gegen Werbung an. Letzteres gelang ihm am bemerkenswertesten mit seinem Bubble Project. Er druckte tausende leere Sprechblasen aus und klebte sie auf New Yorker Plakatwände, so dass die Passanten die Möglichkeit hatten, auf die Reklame zu reagieren. Wenn es stimmt, dass Wien die Hauptstadt des Wiener Schmähs ist, sollte die ...