Die Ironie der Verlorenen: L.A.Poverty Department
Wo Mozart aufhörte, beginnen wir. Ein Gespräch mit Peter Sellars (1.Teil)
Als Peter Sellars anlässlich des Mozartjahres eingeladen wurde, ein groß angelegtes Festival zu leiten, rechnete man wahrscheinlich kaum damit, dass sein Konzept keine einzige Note Mozarts beinhalten würde. Stattdessen plant Sellars ein Projekt im Sinne des visionären Mozart, der am Ende seines Lebens von einer neuen, sozialeren Gesellschaft träumte. „Darum wird es Projekte an Plätzen wie Obdachlosenquartieren, Drogenzentren und an den Orten gebe...
Die "Walls of Fame" im Winter
Graffitiforscher Norbert Siegl lud zum Flanieren ein
Zuerst entschlossen wir uns zu einem Umherschweifen in der Website www.graffitieuropa.org. Ausgestattet mit Basiswissen verlagerten wir das Umherschweifen in die städtische Realität, was einerseits unangenehm war (die Kälte an diesem Vormittag verfluchte jedes Flanieren), andererseits absolut informativ. Denn unser Guide durch die Welt der Tags und Pieces war der Betreiber der Website, der auch international bekannte Graffitiforscher und -dokumen...
Kafkaeske Reglementierungen für Straßenmusik
Freiheit für die Nervensäge!
Für einen Straßenmusikanten wie mich ist Rotterdam eine Traumstadt, sagt Tullipan. Dort spielte er – von Behörden jeglicher Art unbehelligt – exakt am geografischen Mittelpunkt der Stadt, an einer als solchen markierten Stelle in einer zentralen U-Bahn-Station. In der Musikstadt Wien macht zurzeit die Exekutive (in welchem Auftrag eigentlich?) den im öffentlichen Raum Musizierenden das Leben schwer wie nie zuvor.
Das Gespenst der Zensur erobert den virtuellen Raum
Gefilterters Chaos
Heftige Kontroversen löst derzeit die aktuelle Diskussion um Zensurvorschriften für das Internet aus. So werden einerseits die Stimmen nach mehr rechtlicher Ordnung und Überwachung im WWW lauter, andererseits plädieren die Gegner jeglicher Internet-Zensur für das Beibehalten des WWW als ein freies und für alle zugängliches Medium.
Wort-Graffiti im Schöpfwerk
Wände voller Liebe und Hass
"Wenn heutzutage in der Stadtforschung von Cityscapes, Soundscapes, ja von Smellscapes (-landschaften) als Indikatoren der spezifischen Atmosphäre einer Stadt gesprochen wird, möchte ich ergänzend behaupten, dass die Graffitiscapes von der Atmosphäre ihrer jeweiligen Stadt nicht minder beredtes Zeugnis geben". Im Folgenden beobachtet der Wiener Schriftsteller und Graffiti-Forscher Thomas Northoff die Landschaft der "Sprache an den Wänden" am Beis...
Stadtgärtner gegen Konsumgesellschaft
DIE GRÜNE GUERRILLA
Vom Brachland zum Garten Eden. In der Zeitschrift Spotlight, Ausgabe August 2000, berichtet Simon Jones, wie eine Welle fruchtbaren Widerstandes, von den USA ausgehend, England erreicht hat, und auch dort Erstaunenswertes für Mensch und Natur vollbringt. Eine Übersetzung von Christa Neubauer.
Neue Radiogesetze, neue Medienbehörde
Frei & lizenzlos
Die Gesetzesentwürfe zum neuen Privatradiogesetz lassen Böses ahnen. Alles deutet darauf hin, daß das Verständnis für die Notwendigkeit nichtkommerzieller Radios, die als einziger, wirklich unabhängiger Sektor neben den kommerziellen BetreiberInnen und neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk agieren können, in Österreich nicht sehr groß ist.
Die Zahl der Braven in der Nacht hält sich in Grenzen
Für Menschen aus sogenannten Randgruppen wird auch Wien immer enger. Im 21. Bezirk soll nächstes Jahr der Paul-Hock-Park abends zugesperrt werden. Der Vorwand: Ein paar Mal sei es zu Ruhestörungen durch Betrunkene gekommen. Nur wenige nehmen diese Maßnahme als das wahr, was sie tatsächlich ist: als weitereren Schritt im schleichenden "Kampf gegen die Armen". Der Park befindet sich im Bezirkszentrum, wo es ohnehin nicht viele Freiflächen gibt. Die...
Pflastermalen am Südtiroler Platz: ein Abenteuer...
Freiheit für die bunten Kreiden!
Ein Kreis von Kreide-Kreativen nahm eine AUGUSTIN-Anregung auf und versucht, an die beinahe ausgestorbene Tradition der Pflastermalerei anzuknüpfen. Nach gemeinsamem Malen in den Workshops der "Neuen Wiener Schule des Pflastermalens", so wurde das Experiment stolz genannt, wagen sich nun einzelne AsphaltkünstlerInnen in die "freie Wildbahn". AUGUSTIN-Verkäufer Südtirolerplatz-Günther ist so einer. Ihm geht es weniger um eine zusätzliche Einnahmeq...
"Trauerspiel am Gürtel": Reaktionen I
Wo Sandler Gäste sind
Man kann versuchen, "Sandlertreffpunkte" im öffentlichen Raum durch architektonische Mittel zu verhindern. Ein Beispiel sind die "Sitzverhinderungsmaßnahmen" vor der U-Bahnstation Josefstädter Straße. In der August-Ausgabe zitierten wir die Architektin und Gürtel-Planerin Silja Tillner, die im Stadtforschungsmagzin "dérive" der Betreiberin des Obdachlosen-Tageszentrums Josefstädter Straße, also der MA 12, vorwarf, Initiatorin dieser Maßnahmen zu ...
Gürtelplanerin Tilner und die
Trauerspiel am Gürtel
Kommunalpolitik und Rathausbürokratie erwarten sich von StadtplanerInnen und ArchitektInnen städtebauliche Lösungen, die der diffusen Angst "der Bürger" vor einer zu großen Präsenz der Verlierer und Verarmten im öffentlichen Raum Rechnung tragen. Sie tun dies ganz offen und ungeniert: Weil die Parias dieser Stadt ohnehin keine Lobby haben, braucht man zynische städtebauliche Vorgaben wie "macht den Platz so, dass sich die Obdachlosen hier nicht a...
Die Habenichtse verlieren als Klientel städtischer Politik an Bedeutung
Kein Recht auf die Stadt?
Vor ungefähr einem Jahr wurde der Milleniums-Tower in Wien eröffnet. Der 48-Stockwerk hohe Büroturm mit Einkaufszentrum ragt nun inmitten einer eher traditionellen, vorwiegend von ArbeiterInnen und MigrantInnen bewohnten Gegend im 20. Wiener Gemeindebezirk aus dem Boden. Ist diese Konstellation sinnbildlich für Wiens zukünftige Stadtentwicklung? Einerseits durch etliche Sicherheitsvorkehrungen hermetisch abgeriegelte Büros und Luxuspenthouses hoc...
Wort-Graffiti in multikulturellen Parks
Gucklöcher in die Welt der Gefühle
Thomas Northoff ist mit rund 16.000 Belegen in Dia-Form im Besitze des vielleicht größten Verbal-Graffiti-Archivs der Welt. Verbal- oder Wort-Graffiti - Northoff nennt sie die "inoffiziellen Wandbotschaften" städtischer Jugendlicher - stehen zum Unterschied von den "Tags" und Pieces" der SprayerInnen, also den auffallenden, oft farbenreichen bildnerischen Graffiti im Schatten der Aufmerksamkeit. Im Auftrag des Wiener Integrationsfonds hat Northof...
Theater vor Überwachungskameras: Big Brother reizen
Surveillance Camera Players
Videoüberwachungssysteme zum Zweck der "allgemeinen Sicherheit" sind längst keine Randerscheinung mehr. Bahnhöfe, U-Bahnstationen und Plätze werden überwacht. Nicht nur im fernen Amerika, auch immer mehr in Europa. Aber wo führt das hin? Wird es in Zukunft überall Kameras geben müssen, wenn uns nicht bald was Besseres einfällt? In Großbritannien sind einige dieser Überwachungssysteme mit einer Art Erkennungsprogramm ausgestattet, sodaß PassantInn...
Verkehrsbetriebe machen Jagd auf Obdachlose
Verkaufsverbot in U-Bahn
Nicht von der Wiener U-Bahn ist hier die Rede. AUGUSTIN-VerkäuferInnen "im Dienst" sind in Wiener U-Bahnen ohnehin kaum zu sehen. Die Wiener Verkehrsbetriebe haben dem Herausgeberverein Sand & Zeit von Projektstart an eine Verkaufstätigkeit auf Bahnsteigen und in den Zügen nicht gestattet. Die Augusteln mussten sich von vornherein andere Bereiche des öffentlichen Raumes erobern, um ihr Blatt zu kolportieren. Nicht so in Berlin. Dort mach(t)en...
Vorsicht, sie säubern die Stadt
Auf einer der jüngsten AUGUSTIN-Redaktionssitzungen wurde heiß über das Thema "Sandlervertreibungen" diskutiert: Sollte man nicht - angesichts des schleichenden Ausschlusses sogenannter "Randgruppen" aus dem öffentlichen Raum - ein Recht auf Leben auf der Straße proklamieren? Die Meinungen der Sozialarbeiter in der Redaktion polarisierten sich. Das "Recht auf die Straße" verhöhne das Menschenrecht auf Wohnen, das zu erkämpfen absolut prioritär se...
Kundendienst oder Menschendienst
Klartext zur Sandlervertreibung
Für AUGUSTIN-Leser M.G. ist die elektronische Vernetzung ein Werkzeug für politische Aktivität. Er belästigt Institutionen, die er für die soziale Spaltung der Stadt mit für verantwortlich hält, mit E-Mails. Zu einem - unter anderem vom AUGUSTIN thematisierten - Phänomen, nämlich der Vertreibung von "Randgruppen" aus dem öffentlichen Raum, fiel ihm ein Mail an die Verkehrsbetriebe ein. Die Antwort wollte M. G. uns - und wollen wir unseren LeserIn...
Ausgestossen von der gediegenen Stadt
AUGUSTIN bei den Kremser Sandlern
Jounalisten wie Herr Sagl aus Krems sorgen dafür, daß der Begriff "Provinzjournalismus" negativ besetzt bleibt. Sein Aufschrei über die "Sandlerplage" in der Beinahe-Hauptstadt Niederösterreichs provozierte einen AUGUSTIN-Bericht über die Lage der Ausgestoßenen in Krems (Ausgabe Nr. 38) - und eine Aktion der AUGUSTIN-Verkäufer, bei der es zu einem ersten "Krems-Wien-Sandlertreffen" kam. Rainer König-Hollerwöger, "Basissoziologe" (Eigendefinition)...
Stadtluft macht frei(-raum)?
Betrifft: die neue Rubrik "Nimm Platz" im AUGUSTIN
Stadtluft macht frei? Dieser mittelalterliche Sinnspruch hat heute eine ganz andere, zynische Bedeutung bekommen: Obdachlos sein, heißt den Mief der Stadt über sich ergehen lassen zu müssen und trotzdem keinen Freiraum zu haben. Der wird nämlich gezielt für "gute" Nutzer produziert und gestylt, für bestimmte "schlechte" Nutzer unbrauchbar, vermindert zugänglich bzw. gänzlich unzugänglich gemacht.
Offener Einspruch
Betrifft: Zahlungsbefehl der Bank Austria
Am 26. 11. 1998 wurde dem bekannten Wiener Zettelpoeten Helmut Seethaler ein richterlicher Zahlungsbefehl der Bank Austria zugestellt. Die eingeforderte Summe: 19.000 Schilling. Wie es seine Art ist, erhob der Künstler dagegen am 8. 12. öffentlich Einspruch - wie folgt: