Der stille Riese
Ein von den Medien kaum wahrgenommener Machtfaktor: die Raiffeisengruppe (Teil 1)

Ein Mangel an Eisen ist schlecht für den Körper. Das ist allgemein bekannt. Ein Mangel von Raiffeisen wäre demgegenüber gut für die Demokratie. Eine zu hohe Raiffeisenkonzentration ist schädlich für den Staat. Das sollte die Gesellschaft langsam begreifen. Eine Serie von Lutz Holzinger und Clemens Staudinger will dazu einen Beitrag leisten.
Selektives Come Home Movement
Fast alle Abschiebungen nach wie vor im Schatten medialer Aufmerksamkeit
Komani Come Home, dieser Imperativ ist in Österreich inzwischen sehr populär geworden. Speziell in der oberösterreichischen Stadt Steyr, wo die beiden in den Kosovo abgeschobenen Mädchen Daniella und Dorentina Komani lebten, hat der zivile Widerstand alle sozialen Schichten und alle politischen «Lager» erfasst: eine Art Stuttgarter Klima ist wahrzunehmen. Hier ist der Unternehmer Erich Schlagitweit zum Protagonisten der Heimholaktion geword...
Gegensteuern
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Die soziale Ungleichheit wird in und nach Wirtschaftskrisen größer, wie der renommierte britische Sozialwissenschafter Tony Atkinson anhand von vierzig Wirtschaftskrisen beobachtet hat. Wir sehen eine zunehmende Ungleichheit innerhalb der Arbeitseinkommen und gleichzeitig eine wachsende Schere durch wieder steigende Vermögenseinkommen bei wenigen ganz oben. Der World Wealth Report berichtet bereits wieder von einem Anstieg des Reichtums der Re...
Guter Schulstart
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Wenn das Schuljahr beginnt, beginnen auch die Sorgen. Sorgen, wenn es finanziell sehr, sehr eng ist. Um die 100.000 Kinder leben in Österreich in akuter Armut. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur...
Der Streik der Restaurant-Sklaven
Frankreichs “travailleurs sans papiers“ mobilisierten für ihr Aufenthaltsrecht
Sie arbeiten, zahlen Sozialversicherung und haben dennoch keine gültige Aufenthaltsgenehmigung. In diese absurde Situation drängt das französische Recht tausende Menschen, die vorrangig aus ehemaligen Kolonialstaaten im Land der Franternité, Egalité und Liberté ihr Auskommen suchen. Streiks der betroffenen „sans papiers“ haben nun aufgezeigt, welche Sektoren ohne ihre Arbeit still stehen würden, und führten zu gesetzlichen Reformen.
Hartgeld auf Knopfdruck
Ohne Schmach und Pein und in der Gegend Herum-Knien

Einen Bettler-Automaten, nach einem Modell der Stadt Wien von 1927 gebaut, stellte der Künstler Johannes Heuer im Bezirksmuseum Floridsdorf aus – zwischen Schusterkugeln, zivilen Perkussionspistolen und mit Hakenkreuzen bestickten Taschentüchern.
Potemkinsche Sicherung
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Der russische Fürst Potemkin hat, so heißt es, der Zarin Katharina auf einer Inspektionsreise durch die Krim nur blühende Dorfattrappen gezeigt. Potemkinsche Dörfer schauen auf den ersten Blick also ganz passabel aus, verbergen aber, was sich eigentlich dahinter verbirgt.
Angst & Hass, weil Wissen fehlt
Ein Symposion beleuchtete das Betteln in Wien aus verschiedenen Perspektiven

Wir alle kennen sie, die medialen Bilder von den «bettelnden Ostbanden», die täglich durch unsere Zeitungen geistern. Über das reale Leben der Menschen, die mit Betteln ein paar Euros zu verdienen versuchen, wissen wir allerdings wenig. Und wo Information fehlt, können Misstrauen, Angst und Hass Fuß fassen, kann eine Menschengruppe zu Sündenböcken stilisiert werden, kann mit Fehlinformation hoher Sensationswert erzielt werden. Die BettelL...
Können Surrealisten regieren?
Island in der Krise: eine zornige Gesellschaft und ein Freund und Feind verblüffendes Wahlresultat

«Eines unserer Hauptthemen war: Adoptieren Sie einen Obdachlosen! Die Menschen haben gesagt, das sei ein furchtbarer und unmenschlicher Witz – aber das war es nicht. Warum kümmert sich niemand um die Obdachlosen? Das ist ein Fehler des Systems. Nachdem wir das erklärt haben, haben die Menschen gemerkt, dass wir Ironie und Witz benutzt haben, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Und das war unser Hauptziel.»
Spitzenbanker im Finanzdistrikt
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Die Fragestellung der Analyse hat es in sich: Experten der New Economics Foundation, einer unabhängigen Denkfabrik mit Sitz in London, wollten wissen, welche Jobs mehr zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen. Im Falle der Banker verglichen sie deren Einkommen mit der Wirtschaftsleistung der Finanzexperten, also mit ihren Steuerzahlungen und der Anzahl der geschaffenen Jobs. Das Ergebnis fällt negativ aus: Für jedes Pfund, das die Spitzenbanke...
Gleichheit macht glücklich
"Verblüffend" fand der Epidemiologe R. Wilkinson die Resultate seiner eigenen Studien

Die britische Tageszeitung «The Guardian» bezeichnete das kürzlich auf Deutsch erschienene Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett als das vielleicht wichtigste des Jahres 2009. Der Augustin sprach mit dem Epidemiologen der University of Nottingham, der seit Jahrzehnten zu Ungleichverteilung, Sozialkapital und Gesundheit forscht.
Das Zwischenreich: neue soziale Risken
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Frau S. schlägt sich als Ich-AG und Armutsunternehmerin mit Gebrauchsgrafiken durch den Alltag. Ihr dreijähriger Sohn leidet seit seiner Geburt an schwerem Asthma. Er braucht viel Zeit. Der Lohn ihrer Arbeit ist unregelmäßig und gering. Loch auf Loch zu. So muss sie rechnen, einmal die Miete, einmal das Heizen, einmal das Telefon. Immer gibt es eine offene Rechnung. Kaputt werden darf nichts: keine Boiler und keine Waschmaschine. Mit dem Eink...
Abschiebende Wirkung
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Üblicherweise wird eine Schule für Kinder ohne Behinderung gebaut, und Kinder mit Behinderung werden dann in diese Schule integriert. „Bei uns ist es umgekehrt“, erzählt die Schuldirektorin Silvia Gehrmann. „Bei der Planung dieser Schule gingen wir von den Bedürfnissen von Kindern mit schwersten Behinderungen aus. Was architektonisch für Kinder mit schwersten Behinderungen notwendig ist, bietet auch für Kinder ohne Behinderung optimal...
Ungleichgewichte und das Finanzdesaster
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Hinter den Problemen rund um Griechenland steckt mehr als nur gefälschte Statistiken. Es geht um die Ungleichgewichte im Euroraum, die bestimmten Interessengruppen in den reicheren Ländern jahrelang äußerst recht waren. Das Konsumwachstum betrug seit 2000 in Griechenland 74 Prozent, in Deutschland im gleichen Zeitraum jedoch nur 16 Prozent. Österreich lag mit 31 Prozent in der Mitte. Ähnlich hoch wie in Griechenland war das Konsumwachstum i...
Arena der Anerkennung
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Früher hatten die Eltern zu ihren Kindern gesagt, du sollst es einmal besser haben. Jetzt sagen sie, hoffentlich hast du es nicht schlechter. Schichten, die bislang für sich und ihre Kinder nur die Perspektive des Aufstiegs kannten, sind nun plötzlich mit dem Abgrund des Abstiegs konfrontiert.
In Interviews mit männlichen angelernten Arbeitern und Facharbeitern sowie prekär beschäftigten Frauen in der Steiermark kommen all die Begleitfolgen...
Geniessen verboten
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Ein E-Mail landet in meinem Postfach. „Meine Meinung ist, wer immer genug eingezahlt hat, bekommt auch im Alter genug zum Leben“, schreibt Frau Waltraud V. „Ist ja nur gerecht, wer immer brav arbeiten war und immer eingezahlt hat.“ Und weiter: „Bei mir war es so: Ich hatte eine Operation, wurde gekündigt und dann in die Pension geschickt. Man hatte keine Verwendung mehr für mich. Der Gipfel war dann, man hat mir noch Pension abgezogen...
Banlieues vertschüssen sich
In Clichy-sous-Bois, einer Gemeinde, die in ganz Europa in die Schlagzeilen geriet, als dort vor fünf Jahren die großen Jugendunruhen ausbrachen, leben laut offiziellen Angaben 9650 Wahlberechtigte. Bei den kürzlich erfolgten französischen Regionalwahlen gingen 6656 von ihnen nicht zu den Urnen. In Prozentzahlen: Fast 70 Prozent pfiffen auf ihr Wahlrecht.
Wenn nur mehr 30 Prozent der Menschen wählen gehen, kriegt das parlamentarisches System...
Ein ungeheurer Mythos: das Abstandsgebot
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„Nur wenn der Abstand zwischen Erwerbsarbeit und Sozialleistung möglichst groß ist, gehen die Leute arbeiten.“ Das ist das so genannte Abstandsgebot. Die empirische Forschung hegt an dieser Annahme seit Jahren große Zweifel, was ihrer Popularität und mythischen Wiederholung jedoch keinen Abbruch tut. Eine Mischung aus gesundem Vorurteil und neoklassischer Modelltheorie hat sich zu einer stabilen Seinsgewissheit verbunden, die sozialempiri...
Betteln im Club 2
> Beispiel Bettelverbots-Debatte: ORF drückt das Club 2-Format unter Stammtischniveau
> Moral und Emotion dominieren Diskussion im ORF
> Wo sind die ExpertInnen geblieben
Sozis erlauben Jagd auf "Verwahrloste"

1939 begann das nationalsozialistisch verwaltete Wien mit dem Aufbau gigantischer Karteien im Rahmen der «Erbbiologischen Bestandsaufnahme». Neben Geisteskranken, Alkoholikern, allen Arten von «Asozialen» wurde die Kategorie der «Verwahrlosten» einschließlich aller lebenden Vorfahren und Nachkommen («Sippschaft») aufgenommen. In der Wiener Zentralkartei waren bis 1943 bereits 700.000 Personen erfasst, wie aus Materialien des Dokumentatio...
Soziale Schere schadet (fast) allen
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Noch mehr soziale Ungleichheit heißt noch mehr Krankheiten und noch geringere Lebenserwartung, mehr Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen, mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos. Das Interessante: Eine sozial polarisierte Gesellschaft bringt Nachteile nicht nur für die Ärmsten, sondern auch für die Mitte. Es stehen nicht nur die unterprivilegierten Mitglieder schlechter da, sondern auch die Wohlhabenderen. Die sozial...
Achtzehn Jahr - und niemand mehr da?
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Geburtstagstorte – achtzehn Kerzen brennen. Das heißt für viele Jugendliche Kerzen ausblasen und gehen. Familien setzen ihre Kinder üblicherweise nicht mit 18 Jahren plötzlich auf die Straße, sondern fördern im besten Fall ihre Entwicklung zu reifen, selbstständigen Erwachsenen. Der Staat Österreich beendet seine Fürsorge jenen Kindern gegenüber, die ihm anvertraut sind. Und zwar mit 18. Einfach so.
Die Sozialunion? Ein Wintermärchen
Für "Unterschicht" der EU-BürgerInnen ist Bewegungsfreiheit nicht vorgesehen

Menschen aus Polen, Ungarn, der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien sind BürgerInnen der EU. Nach Artikel 18 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) steht ihnen das Recht zu, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Anders hätte das Versprechen, aus der Wirtschaftsunion auch eine Sozialunion zu machen, keine Glaubwürdigkeit. Das Studium des «Kleingedruckten» im EGV führt freilich zur...
Verliererbeschimpfung
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Die Missbrauchsdebatte ist eine Debatte der Krise. Dass die Missbrauchsdiskussion gerade in Zeiten steigender Erwerbslosigkeit auftritt und es speziell bei Konjunktureinbrüchen wie Anfang der 80er Jahre, Mitte der 90er und Anfang der 2000er Jahre besonders viele „Unwillige“ geben soll, ist politisches Kalkül. Offensichtlich wird die Missbrauchsdebatte nicht geführt, um die „Treffsicherheit“ von Unterstützungen zu erhöhen, sondern Kü...
Schule, die allen nützt
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Bei gleichen Leistungen bekommen ärmere Kinder schlechtere Noten. Bei gleichen Noten treten ärmere Kinder seltener in die AHS über. Zwei aktuelle Ergebnisse aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung.
Bettina Kellner muss genau rechnen mit ihrem kleinen Einkommen und den drei Kindern. Schulanfang und Kosten sind immer ein Problem. Nachhilfestunden sind da ohnehin nicht mehr drin. Zu Hause ist es auch sehr eng in der kleinen Wohnung. „All...
Victor, schau owa!
«Da liegen in einem einzigen Raum 40, 50 bis 70 Personen. Holzpritschen, elendes, altes Stroh, darauf liegen sie Körper an Körper hingeschlichtet. In einem solchen Raum, der etwa 10 Meter lang, 8 Meter breit und höchsten 2,2 Meter hoch ist, liegen über 40 Personen, für deren jede also kaum 4 Kubikmeter Luft bleiben. Da liegen sie denn, diese armen Menschen, ohne Betttuch, ohne Decke. Alte Fetzen bilden die Unterlage, ihre schmutzigen Kleide...
Wenn die Kameras verschwinden ...
Dass Haiti das ärmste Land ist, ist nur die halbe Wahrheit.

Im Augenblick gebe Haiti eine »dramatische Story« im Fernsehen ab, sagte die in Miami lebende haitianische Schriftstellerin Edwidge Danticat, »aber wenn die Kameras verschwinden, blicken die Menschen wieder weg«. Ähnlich die Journalistin und Haiti-Expertin Amy Wilentz: Die Haitianer seien »nur beliebt, wenn sie sterben«. Tatsächlich lauten die gängigen Klischees, die von dem verarmten und zerstörten karibischen Nachbarland gepflegt werd...
Krank und keine Versicherung
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Im Süden von Wien, weit draußen zwischen dröhnenden Autobahnen und trostlosen Gewerbeparks, hat eine kleine Ambulanz geöffnet für all jene, die durch das Netz der Gesundheitsversorgung fallen. Bei Amber-Med arbeiten Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Gynäkologen, derzeit unentgeltlich. Die PatientInnen werden mehr. Insgesamt sind über 100.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert, das sind fast zwei Prozent der Wohnbevölkerung...
Von Schlüsseln und Schlössern
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„Arbeit ist die beste Form der Armutsbekämpfung“, sagen die einen. „Eine Grundsicherung würde die Armut abschaffen“, sagen die anderen. „Bildung ist der Schlüssel“, sagen die dritten. „Arme bekämpfen statt der Armut“, sagen die vierten zwar nur leise, drücken es aber durch ihre Vorschläge laut aus. Was hilft nun wirklich? Nehmen wir einmal die „Klassenkämpfer von oben“ beiseite, deren Maßnahmen offensichtlich der Produ...
Das Problem mit der "Treffsicherheit"
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Länder, die ihre Sozialleistungen hauptsächlich auf die Ärmeren konzentrieren, gehören zu den Ländern mit der höchsten Armut. Das hört sich seltsam an. Je „treffsicher“ Sozialleistungen sind, desto geringer müsste doch die Armut sein. Ist sie aber nicht. Diejenigen Staaten, deren Sozialsysteme sich in erster Linie an "Treffsicherheit" orientieren wie England oder die USA haben höhere Armutsquoten als Staaten mit egalitärem Bildungss...
Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
Die Leistungslüge
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In Österreich verdienen zwei Millionen Menschen so wenig, dass sie nicht einmal Steuern zahlen. Wer Steuern zahlt, so der Finanzminister wortwörtlich, ist ein „Geber“, ein „Leistungsträger“. Die anderen sind die „Nehmer“. Die Tausenden in prekären Jobs und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sind also offensichtlich keine „Leistungsträger“. Wenn als „Leistungsträger“ stets die Bezieher hoher und höchster Einkommen ...
Kapitalismus schlich sich in die Subjekte
Oskar Negt im Augustin-Gespräch: Warum uns die Gesellschaft depressiv macht
Anlässlich der Selbstmorde bei der Telecom France und des Skandals um die Sammlung von ÖBB-Krankenstandsdaten weist der Soziologe Oskar Negt auf die Überforderung der Abeitnehmer hin, die zunehmend nach innen gedrückt wird. Negt tritt für den Ausbau des „sozialen Gemeinwesens“ ein, um zunehmender Bindungslosigkeit der Menschen im Arbeitsleben entgegenzutreten, denn derzeit profitieren die Rechtsextremen davon.
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Kostnix-Ökonomie sucht Kostnix-Haus
Rathaus schickte vermummte Polizei gegen ein Stück konkrete Utopie
Seit einigen Jahren sucht eine Gruppe junger Leute ein Haus, das Raum für kollektive, soziale, kulturelle und politische Projekte bietet. Für zehn Tage hatte das „Hausprojekt“ Anfang Oktober ein „Zuhause“ gefunden, in einem leer stehenden Objekt auf der Triester Straße. Dann zeigt die Wiener Stadtverwaltung, was sie von basisdemokratischen Projekten dieser Art hält: Am 12. Oktober um 4 Uhr früh wurde das Haus ohne Ankündigung gerä...
Scheren und Abscheren
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Betrachtet man die Verteilung der Einkommen privater Haushalte, so zeigt sich die größte Ungleichverteilung bei den Markteinkommen mit einem Ungleichheitswert von 0,46. Dieser Gini-Koeffizient ist ein Maß für Ungleichheit, je näher O desto gleicher, je näher 1 desto polarisierter. Die Einkommensunterschiede weiteten sich vor allem seit Mitte der 1990er Jahre merklich aus. Die Gini-Koeffizienten stiegen rasch: Er erhöhte sich für alle Steu...
Zur Welt bringen
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Krise ist, wenn das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren ist. Vielleicht ist jetzt die Zeit, um mit etwas Neuem zu beginnen. Denn die Lage ist nicht ungefährlich. Die soziale Krise beginnt erst, die Verteilungskämpfe zeichnen sich ab, die Sozialschmarotzerdebatte wird in Stellung gebracht. Der Druck wird in Krisen meist nach unten weitergegeben, die Krisenkosten nach unten geschoben. Was meist am besten mit Strategien des „Auseinanders...
Zwei Paar Schuh`?
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„Bist eine Schwuchtel?“, fragt der 15-Jährige den Gleichaltrigen beim Blick auf dessen Converse-Schuhe. „Bist deppert“, fährt ihn der an, „was hast?“ Gute Frage. Converse-Träger haben etwas, was er nicht hat: Eltern mit Geld und höherer Bildung, AHS und postmaterialistische „Gutmenschen“-Werte wie Umwelt und Toleranz. Man hört Green Day und gerne FM4. „Sind dir deine Lacoste Schuhe nicht peinlich?“, holt Converse zum Gege...
Die Lenikus-Lücke
"Ein Gieriger bleibt ein Gieriger, auch wenn er tausendmal Ute Bock sagt"
«Bei geschlossenen Fenstern und gedecktem Dach steht das Haus noch locker weitere hundert Jahre», sagte der Denkmalschutzbeamte vor dem Haus Wien 7, Sigmundsgasse 5. Leider hat jemand ein paar Ziegel aus dem Dach entfernt und die Fenster herausgerissen. Leider könnte da bald eine Baulücke klaffen.
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Mindestsicherung: Mythen, Irrtümer und Vorurteile
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Mit der Mindestsicherung wird jetzt das Sozialsystem armutsfest gemacht. Sagen die einen. Jetzt wird ja keiner mehr arbeiten gehen. Sagen die anderen. Nichts von beiden wird eintreten. Man kann rhetorisch und ideologisch wieder abrüsten. Mit der so genannten Mindestsicherung werden völlig falsche Erwartungen geweckt. Bei den Hilfesuchenden genauso wie bei den prinzipiellen Gegnern von Sozialtransfers für Arme. Es wird über etwas diskutiert, d...
Sozialbereich: Potenziale nicht brach liegen lassen
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Die Finanzkrise wird bereits „abgesagt“. Die Ober-Absageagenturen sind Währungsfonds, dieselben Wirtschafts-“Experten“ von vor der Krise und der Finanzminister. Dabei steht die soziale Krise erst vor der Tür. Praktisch, die Absage: Jetzt braucht es urplötzlich keine sozialen oder konjunkturellen Maßnahmen mehr. Im Gegenteil, noch praktischer: Jetzt ist kein Geld mehr da für Mindestsicherung, Pflegefonds und Schulreform. Und noch viel...
Mindestsicherung: "Klassenkampf von oben"
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Armut macht keinen Urlaub. Die Sozialhilfereform schon. Seit Jahren. Vier Jahre wird das Projekt Mindestsicherung, im Kern eine Reform der Sozialhilfe, nun schon diskutiert. Jetzt präsentierte die Regierung in einem Sommerministerrat neue Einzelheiten. Das bereits ausverhandelte Paket wurde auf Druck des Finanzministers erneut aufgeschnürt. Und verschlechtert. Im Ministerratsprotokoll steht der kryptische Satz, dass in einer „Arbeitsgruppe“...
... eben auf Rädern leben
Vom mühsamen Kampf um ein alternatives Wohnen in Wägen
Eine bunt gemischte Gruppe empfängt mich am Donnerstag, dem 23. Juli, freundlich in der Hafenzufahrtstraße im 2. Bezirk, auf ihrem brandneuen Wagenplatz. In der Mitte des mit Wohnwägen und umgebauten LKW gestellten Kreises gibt es Kaffee, kalte Getränke und Snacks. Doch die Camping-Atmosphäre trügt, denn mensch will hier nicht Urlaub machen, sondern längerfristig wohnen – „alternativ wohnen“ (Lena). Bis vor kurzem war ihr Platz noch...
Ein Kinofilm für Nagl
Koalitionspartner der Grünen will Behinderten das Betteln verbieten
Schwarz und Grün regieren die steirische Landeshauptstadt. Wer färbt ab? Der Koalitionspartner der Grünen in Graz, die ÖVP, bleibt jedenfalls in Angelegenheit „Betteln in Graz“ streng auf Rechtskurs. Nun will Bürgermeister Siegfried Nagl sogar ein generelles Bettelverbot für Behinderte durchsetzen. Drehen die Politiker durch?
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Herzschmerz
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Harlem, der Stadtteil New Yorks mit größter Armut, weist Sterberaten auf, die so hoch sind wie jene von Bangladesh. Der Hauptgrund für die hohen Sterberaten in Harlem ist nicht die Gewalt, auch nicht die Drogen, sondern Herzerkrankungen. Sprung nach London: 17.000 Beschäftigte in Ministerien werden auf Unterschiede in der Sterberate bei Herzerkrankungen untersucht. Die niederen Dienstränge hatten eine bis zu viermal höhere Sterberate bei He...
Überholmanöver
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Die letzte Zugabe ist gespielt. Die Lichter gehen an. Die Band hinter der Bühne. Wir vor der Garderobe. Es herrscht Kampfstimmung. Entweder eine halbe Stunde in den Massen quetschen oder lieber fünf Minuten Kampf um die Jacke und dann raus auf ein kühles Bier. Die Fünf-Minuten-Variante gibt’s aber nicht umsonst, sie verlangt einiges ab. Drücken, Stoßen, Vorbeizwängen, listige Überholmanöver aushecken, Ellbogen dosiert einsetzen, dabei ...
Sozialarbeit in der Quotenfalle
Wiener Jobmesse am 10. Juni im Zeichen der Krise der staatlichen Arbeitsmarktpolitik
Warum das AMS heuer seine KlientInnen nicht mehr – unter Androhung von Sanktionen – zur Jobmesse schicken darf. Und warum die Sozialarbeit sich immer mehr zum Kasperl machen lässt, der wider besseres Wissen den Mythos aufrechterhält, Ex-Häftlingen, Ex-Alkis, Ex-Junkies, Ex-Sandlern oder Behinderten stehe der reguläre Arbeitsmarkt offen.
...
Pflege - wie weiter?
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Derzeit werden 80 Prozent der Pflegebedürftigen durch Familienangehörige betreut. 25 Prozent werden durch einen mobilen Dienst unterstützt, in stationärer Pflege befinden sich 15 Prozent der Pflegebedürftigen, und in der sogenannten 24-Stunden-Betreuung fünf Prozent. Es fällt auf, dass sich die öffentliche Pflegedebatte fast nur um fünf Prozent der Betroffenen gedreht hat – und dass insgesamt den Großteil die Familie schultert, insbes...
Die Krise und die Angst
Medien erzählen uns unaufhörlich, wo neue Gefahren ausgebrochen sind. Aktuell sehen wir das bei der befürchteten Pandemie, die ihren Ausgang in der mexikanischen Schweinegrippe genommen hat. Doch warum haben wir überhaupt Angst? Und warum vergessen wir auch manchmal, dass wir Angst haben?
Blauer Schmied, roter Schmiedl?
Statement der BettelLobbyWien zu Häupls "Wiener Hausordnung"
Eine Symbiose von Strache und Boulevard sorgt in diesen Tagen für die Konstruktion immer neuer „Skandale“, als deren VerursacherInnen aber nicht, wie man meinen sollte, die FinanzkapitaljongleurInnen, sondern deren ärmste Opfer hingestellt werden: die BettlerInnen aus den Ländern Osteuropas. Nun will auch „der Chef persönlich“, nämlich Bürgermeister Häupl, „für Ordnung sorgen“. Die BettelLobbyWien, eine vor kurzem gegründete...
Armselige Dienste für arme Menschen?
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50.000 Menschen bekommen in Österreich bei keiner Bank mehr ein Konto. Da in Zeiten des bargeldlosen Verkehrs ein Leben ohne Bankkonto schwer möglich ist, gibt es die Forderung nach dem Recht auf ein Bankkonto. In einigen Bundesländern wurde bisher eine "Zweite Bank" gegründet, bei der auch Menschen ein Konto bekommen, die sonst keine Bank mehr nimmt. Hier zeigt sich das Problem: Gut, dass es eine solche Initiative als ersten Schritt gibt, es...