Fürchtet euch nicht!
Gottfrieds Tagebuch
13.12.
«We got him!», lautet die lapidare Meldung zur Festnahme von Saddam Hussein.
Die Bank, dein freundliches Raubritterkonsortium
Gottfrieds Tagebuch
17. 8.
Einer meiner absolut glaubwürdigen Spione hat mich von der Tatsache in Kenntnis gesetzt, dass ein_e Fahrradsekretär_in gesucht wird. Diese Person soll Radwege und diverse Veranstaltungen zur Bewerbung des Radfahrens planen, sich mit den Herstellern in Verbindung setzen und überhaupt viel zu viel tun.
a spiagl fia de mizzi-tant
i kenn ane, de hot imma ois bessa –
scheena und mea, und vuaoin vüü gressa.
egal wos du mochst, si waas wos dazua –
und waunnsd ia wos sogst, gibts aafoch ka ruah.
Taschenspielertrick
eingSCHENKt
Wir öffnen die Archive des Schweigens. Zwei Zitate. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat Folgendes gesagt: «Die finanziellen Probleme in der Eurozone sind gleichermaßen ein Ergebnis der steigenden außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und auseinanderlaufender Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Kernländern der Eurozone und den sogenannten Peripheriestaaten.
Esel auf dem Eis
Raiffeisen im Osten verpatzt Rating der Republik
Im großen Geschrei der Medien über die Herabstufung der österreichischen Bonität durch Standard & Poor’s geht ziemlich unter, dass das Ostengagement der heimischen Banken – mit der Raiffeisen Bank International an der Spitze – für diese Entwicklung mit verantwortlich gemacht wird. Das ist das Ergebnis, wenn die von der genossenschaftlichen Basisorganisation über Aktiengesellschaften abgekoppelten Spitzen des Konzerns es vorziehen, ins Kasino (sprich: auf internationale Finanzmärkte) zu gehen, statt mit viel Kleinarbeit dafür zu sorgen, dass die bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe beim Verkauf ihrer Produkte an die diversen Genossenschaften auf ihre Gestehungskosten kommen.
Superman im Widerstand
Eine offene Begegnung mit dem Medium Zeichnung im Kunstraum Niederösterreich
Ein «Wachsender Widerstand» mit leider konkretem Ablaufdatum (17. März 2012) hat sich im Palais Niederösterreich formiert. Keine Sorge, Landeshauptmann Pröll sitzt noch fest im Sattel und braucht auch nicht Angst davor zu haben, dass von Wien ausgehend die neuen Empörten eine Revolution in Niederösterreich anzetteln werden – nicht einmal die Künstler_innen, die zur Zeit den
Kunstraum im Palais bespielen. Auch wenn somit kein Widerstandscamp im Palais Niederösterreich anzutreffen ist, sei der Besuch der aktuellen Ausstellung im dort eingebetteten Kunstraum empfohlen.
Piräus – Erinnerung an die «Costa Concordia»
Der Herr Groll
Nach der chaotisch verlaufenen Anreise und der daraus resultierenden Verspätung konnte Groll froh sein, noch ein paar Strahlen der untergehenden Sonne im Fährhafen von Piräus zu erhaschen. Mit seiner Begleiterin trank er ein paar Gläser leichten Weißweins, dazu nahmen sie Zaziki, gefüllte Weinblätter, Oliven und Fladenbrot.
Im Hintergrund: die Heuschrecken
Was Sie schon immer über Ratingagenturen wissen sollten
Sie lesen aufmerksam die Wirtschaftsseiten der Zeitungen? Sie schauen sich einschlägige Berichte an? Doch Sie haben noch immer den Eindruck, nicht zu verstehen, was da so läuft, mit den Triple As, den CDOs und CDSs, den ABBs und was es da noch so alles gibt? Dann sollten Sie Ihren Hausverstand kurz irgendwo parken und Ihr demokratisches Grundverständnis ebenso. Einer, der es gut versteht, Licht in dieses verwirrende System zu bringen, ist Werner Rügemer. Im Aktionsradius Wien erklärte er kürzlich das System Ratingagenturen. Einigen ist Rügemer von seinem Auftritt im Film «Let’s make money» bekannt.
Fällt der Milchgroschen?
Über Kuhbauernhöfe, die nicht mehr Raiffeisen-Betriebe beliefern
Milchgroschen wird der Produzentenmilchpreis genannt, der von den Molkereien an die Milchbäuerinnen und -bauern bezahlt wird. Von seiner Höhe hängt die Existenz der weiterhin zwar zurückgehenden, aber immer noch zahlreichen kleinen und mittleren Milchbauern und -bäuerinnen ab. Die einschlägigen Genossenschaften wurden ursprünglich gegründet, um den Milchproduzent_innen ein Einkommen zu sichern, mit dem sie auskommen können bzw. der zumindest ihre Produktionskosten deckt.
Ausgrenzung durch Arbeit
eingSCHENKt
Eine aktuelle Studie mit Bezieher_innen von Sozialhilfe hat auf eindrückliche Weise die schwindende soziale Integrationskraft von Erwerbsarbeit gezeigt. Der Soziologe Manfred Krenn berichtet von Menschen, die zwischen letztem sozialen Netz und schlechten, desintegrativen Jobs hin und her pendeln.
Das Geklimper ihrer alten Hände
Sie klimpert wieder, immer dieses unaufhörliche Klimpern. Mit der rechten Hand, manchmal nimmt sie die linke dazu, klimpert dann mit beiden, synchron in spiegelbildlichen Bewegungen, nimmt die linke wieder zurück und klimpert mit der rechten weiter. Es sind nicht kräftige Bewegungen, so dass bloß ein Tapsen zu hören ist, selbst wenn sie beide Hände braucht. Selten zwischendurch mal wird’s ein Klopfen, kann sich kurz steigern, und wenn die Finger ihre gegengleichen Bewegungen verlieren, kommt ein Rhythmus hinein, könnte sein ein feiner Galopp. Meist aber bloß dieses tapsige Klimpern mit einer Hand, unaufhörlich, unermüdlich.
heit geh i mit mia ins kino.
und wia kumman goa net z’spät,
weu i mit mia rechzeidig von daham weggeh.
de koatn kriag ma a gaunz gschwind,
weu i sofuat waß, wo i sitzn wü.
Kannibal_innen sind immer die anderen
Aus der Sammlung des universitären Projekts «Teilnehmende Medienbeobachtung»
Menschenfresser_innen sind immer irgendwo anders. Menschenfresser-innen, das sind immer die anderen. Sie sind gut für die Auflage. Menschenfresser_innen lassen uns schaudern. Sie rühren an unseren schlimmsten Ängsten. Sie sind fast zu schaurig, um wahr zu sein. Doch jede_r Kannibal_in hat auch seine gute Seite: Er_sie erhöht die Auflage, steigert die Quote – und verkauft. Sex sells. Kannibal_innen ebenso. Gibt es keine Kannibal_innen, werden sie eben gemacht. Besonders der Boulevard-Journalismus liebt seine Kannibal_innen.