Notizen zur Ohrfeige
Darf man Machtausübende schlagen?
Wann immer Hubsi Kramar sich öffentlich an Hermann Schürrer erinnert, den vor 20 Jahren verstorbenen Wiener Boheme-Schriftsteller, ist von zwei biografischen und folgenreichen Ohrfeigen die Rede. Die eine empfing ein Polizist, die andere ein Repräsentant der vormundschaftlichen Psychiatrie. Als kürzlich eine der seltenen Hommagen an Schürrer angesagt war, kam neben Kramar und weiteren überlebenden Begleitern des schwierigen Dichters auch der Wiener Pädagoge Claudius Loner zu Wort mit folgendem Exkurs über die Ohrfeige.
Mozart für die Würscht´
Rudi Hübl, Volkskundler und Wildplakatierer, lobt den optischen Skandal
Im Augustinbüro holt Rudi Hübl seine mitgebrachten Würste aus dem Rucksack. Hauswurst geräuchert, luftgetrocknete sizilianische Salami, Kantwurst, Polnische, Speckwurst, Cacciatore, Dürre. Kein entsprechendes Aroma verbreitet sich im Raum. Hübl ist kein Fleischhacker und Pappmaché riecht nicht nach Geräuchertem. Die Ingredenzien seiner Würste sind die Drucksorten des Mozartjahres: Plakate, Werbefolder, Zeitungsartikeln. Mit seinen Mozartwürsten, die er in Performances produziert, stellt Rudi Hübl die zudringliche Vermozartung des kulturellen Lebens in Frage.
ZuschauerInnen beim Zuschauen beobachten
David Maayan vermittelt ungewöhnliche Theatererlebnisse
Das Stück Der Familientisch war erstmals 2005 bei den Wiener Festwochen zu sehen. Seit 21. März – und nur noch bis 8. April – servieren Regisseur David Maayan und sein Ensemble eine veränderte Version: Der Familientisch – 9 Monate später. Wie schon beim ersten Mal führen die DarstellerInnen ihr Publikum durch die Stadt und geben dabei Einblicke in ihre Lebens- und Familiengeschichte. Danach kehren alle gemeinsam, SchauspielerInnen wie ZuseherInnen, ins Schauspielhaus zurück und setzen sich an einen riesigen Tisch. Man isst gemeinsam, singt gemeinsam. Und auch hier gibt es wieder Geschichten oder auch nur einzelne Sätze aus dem Leben der AkteurInnen.
Heit los i des Gschloda schdee
Stimmgewitter lehrte Deutschen das Wienerlied
40 Weiterbildungsgeneigte besuchten den zweistündigen intensiven Wienerliedkurs, darunter ein Drittel Piefke. Diese waren das primäre Zielpublikum der Veranstaltung im Rahmen des Aktionsradius Augarten-Projekts "Ösis und Piefke".
Ein Weißer will uns tanzen lehren?
Aus dem Lager in die erste Liga: Captain Nemo Music Band
Der Initiative von Schauspielhaus-Wien-Chef Airan Berg ist es zu verdanken, dass vor einem Jahr rund ein Dutzend jugendlicher Flüchtlinge mit ihrem Coach João de Brucó vor dem Vorhang stand und den Jubel eines begeisterten Schauspielhauspublikums genießen durfte. Ein Jahr später erneut viel Applaus im Birdland. Und demnächst in der Bunkerei im Wiener Augarten. Erzählenswert, wie ein Workshop im Flüchtlingslager Traiskirchen Österreichs aufregendste Percussion-Band gebar. Erwähnenswert, wie wenig diese Erfolge aus der Sicht jener PolitikerInnen zählen, die jederzeit den Wert der Integration im Munde führen. Captain Nemo muss bleiben!
Die Bildfläche gehört jeder
Jeden ersten Freitag zeigen Becker Mayer Stangl ihre Gemeinschaftsarbeiten
Am Anfang stand der Zufall – ein geglückter Versuch, gemeinsam ein Bild zu malen. Schritt für Schritt hat sich daraus ein in der Malerei ungewöhnliches, seit nunmehr zehn Jahren bestehendes Kunstprojekt entwickelt, das die Künstlerinnen so beschreiben: Die Leinwand ist die Freifläche, auf der Becker Mayer Stangl Formen der Zusammenarbeit in der Malerei erproben. Statt Selbstverwirklichung und persönlicher Handschrift der Abschied von der Künstlerpersönlichkeit, das Aufgehen im Kollektiv?
Nikolaus Dimmel stellt der Sozialarbeit ein schlechtes Zeugnis aus
Im Bermuda-Dreieck abgetrieben
Das Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit veranstaltete am 6. April 2006 einen Nachmittag zum Thema „Der Sozialstaat am Ende? Für die Sozialarbeit die Wende?“. Für die Rolle des Agent Provocateurs wurde der Salzburger Jurist und Politikwissenschafter Nikolaus Dimmel engagiert. Der zweifache Doktor, Uni-Professor und Nicht-Sozialarbeiter Dimmel wurde den Erwartungen voll gerecht, indem er im Rahmen eines Vortrags der Sozialarbeit attestierte, in einem Bermuda-Dreieck abgetrieben zu sein.
Vom Wettlauf der Satire mit der Realität
Anstiftungen zum Wiederentdecken von Karl Kraus, Teil 6
„Kraus hatte den schärfsten Blick für das Niedere, Lächerliche, Verlogene, Armselige, das sich in Drucklettern, in Buch und Zeitung manifestiert, und eine überlegene Kunst, es in satirisches Licht zu rücken, in ein Licht von erbarmungsloser, zerstörender Grellheit.“
Alfred Polgar
Witz als Waffe im Kerker des Humors
Anstiftungen zum Wiederentdecken von Karl Kraus, Teil 5
„Witz ohne Ernst ist nur ein Niesen des Verstandes.“Heinrich Heine
„Aus allen Winkeln des Lebens muss ihm der Humor zuströmen, den er nicht hat, und er würde selbst die Zündholzschachtel verschmähen, die nicht einen Witz auf ihrem Deckblatt führte.“
Karl Kraus
„Er beneidet den Humor des Andern, wie ein junger Grind die alte Krätze.“
Karl Kraus
Die Sensibilität der Clochards
Robert Hammerstiel im Leopold-Museum
Robert Hammerstiel, geboren 1933 in Werschetz (Vrfiac) im Banat, ist der erste zeitgenössische Künstler, dem eine Ausstellung im
Leopold-Museum gewidmet ist. Sein Frühwerk ist von Kindheitserinnerungen in jugoslawischen Internierungslagern geprägt. Nach einem New-York-Aufenthalt 1988 entwickelte sich seine Malerei zu einer neuen Form der Pop-Art. Robert Hammerstiel erzählte Gerald Grassl von seiner Kindheit und seiner Kunst.
Besuch beim Schatten-Uderzo
Wie Raub-Asterix den schnellen Brüter verhinderte
Wer das neueste Asterix-Album noch nicht gelesen hat, dem sei von der Lektüre abgeraten: Weder die Story noch die zeichnerische Ausgestaltung lohnen den Aufwand. Weit anregender kann es sein, einen befreundeten Comic-Sammler um eines der subversiven gallischen Abenteuer anzuschnorren, die vor mehr als 20 Jahren, weitab von Goscinny und Uderzo, im Wiener Raum entstanden sind.
Robert Hammerstiel im Leopold-Museum
Langfassung des Interviews, das gekürzt in Augustin Nr. 177 erschien
Robert Hammerstiel, geboren 1933 in Werschetz (Vrfiac) im Banat, ist der erste zeitgenössische Künstler, dem eine Ausstellung im Leopold-Museum gewidmet ist. Sein Frühwerk ist von Kindheitserinnerungen in jugoslawischen KZs geprägt. Nach einem New-York-Aufenthalt entwickelte sich seine Malerei zu einer neuen Pop-Art.
Robert Hammerstiel erzählte Gerald Grassl von seiner Kindheit und seiner Kunst.
Mit dem Satz gegen den Zeitgeist verschworen …
Anstiftungen zum Wiederentdecken von Karl Kraus, Teil 3
Kraus und die Sprache II
„Die Besonnenheit, die es verbietet, in einem Satz zu weit sich vorzuwagen, ist meist nur Agent der gesellschaftlichen Kontrolle und damit der Verdummung.“
Theodor W. Adorno
„Meinungen, Richtungen, Weltanschauungen – es kommt doch zuerst und zuletzt auf nichts anderes an als auf den Satz. Die ihn nicht können, fangen beim Lebensinhalt an, welchen sie infolgedessen nicht haben und welcher da ist, wenn der Satz gelingt.“
Karl Kraus
Die goldene Palme
Musikarbeiter unterwegs – nur weg aus der Südsee
Die Rucki Zucki Palmencombo, eine Band zwischen Hit, Obskurität und Leidenschaft. Liebenswert und wertvoll.
A Good Man of Canterbury
Musikarbeiter unterwegs – per Mail ins UK und retour
Über Robert Rotifer, Musiker und Journalist, Wahlengländer und sein Album Before The Water Wars.
Kleine Antworten, große Antworten
Wo Mozart aufhörte, beginnen wir. Ein Gespräch mit Peter Sellars (2.Teil)
Peter Sellars, der Ende dieses Jahres das Festival „New Crowned Hope“ im Rahmen des Mozartjahres verwirklichen wird, sieht Mozarts Werke als Ansatzpunkte für ein sozialkritisches Statement in Form von zeitgenössischen Werken aus vielen Kunstsparten. Stattfinden wird das Festival nicht, wie üblich, nur in Hochkulturburgen, sondern auch im „Integrationshaus“ oder an öffentlichen Plätzen. Dabei sollen soziale Randgruppen wie Flüchtlinge oder Obdachlose eingebunden werden.
Die Ironie der Verlorenen: L.A.Poverty Department
Wo Mozart aufhörte, beginnen wir. Ein Gespräch mit Peter Sellars (1.Teil)
Als Peter Sellars anlässlich des Mozartjahres eingeladen wurde, ein groß angelegtes Festival zu leiten, rechnete man wahrscheinlich kaum damit, dass sein Konzept keine einzige Note Mozarts beinhalten würde. Stattdessen plant Sellars ein Projekt im Sinne des visionären Mozart, der am Ende seines Lebens von einer neuen, sozialeren Gesellschaft träumte. „Darum wird es Projekte an Plätzen wie Obdachlosenquartieren, Drogenzentren und an den Orten geben, wo die Ärmsten leben. Das hat etwas mit Mozart in Wien zu tun,“ sagt der wie kaum ein anderer in globalen Dimensionen tätige Regisseur im Augustin-Gespräch.
Mit bulgarischem Bazillus
G. Gospodinov über aufgewertete Machos und den Kampf ums eigene Joghurt
Wie passten in Bulgarien Machotum und Sozialismus zusammen? Und Männlichkeit und Turbo-Kapitalismus heute? Der bulgarische Autor Georgi Gospodinov sinniert im Augustin-Gespräch über Machos und Nationalismus im Schatten der EU - und warum Gott und die EU ein Synonym darstellen.
Vom Charme der Peripherie
Wie M. und G. Wild gegen die Kultur-was-brauch-ma-des-Mentalität ankämpften
Nicht, dass früher keine(r ) gelesen, gemalt oder musiziert hätte im 21. Bezirk. Doch noch in den Achtzigern hatten die es verdammt schwer, ein Publikum zu finden. Umgekehrt: FloridsdorferInnen, die Kunst & Kultur suchten, begaben sich in die Stadt hinein. In den vergangenen zehn Jahren haben einige Unbeirrte sich als resistent gegen das Vorurteil, in der Kulturwüste Floridsdorf könne man nichts zum Gedeihen bringen, erwiesen. Marietta und Günter Wild zum Beispiel ...