ico_youare10g.gif ZEITUNGARTISTIN
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Wohnzimmer mit Ätherwellengeigenklängen

Doppelkonzert der Thereminspielerin Dorit Chrysler in der Josefstadt

article_1793_artmag-doritchrysler©mir_160.jpg Nicht zu nahe kommen, lautet die Devise beim Thereminspielen. Das Theremin, auch Ätherwellengeige genannt, gilt als einziges Instrument, dem Klänge entlockt werden, ohne es zu berühren.

Riviera in Kagran

Ein Text von Joseph Roth vom Sommer 1923

Am Ufer der Alten Donau, jenseits der Reichsbrücke, halten die unbemittelten Menschen ihren Rivierasommer ab. Ihr bescheidener Blick ignoriert das andere Ufer des Flusses und ruht auf den nächstplätschernden Wellen. Wenn man das phantasiebegabte Auge ein wenig zusammenkneift und die Geographie vergißt, kann man den ewigen Wogenschlag des Meeres beobachten. Manchmal kommt unserer Illusion ein Dampfer zu Hilfe und den Fluß hinunter, mit rauchendem Schlot und abenteuerlichem Mast und winkenden Insassen. Gewiß fahren sie jetzund hinaus in die See, die Kontinent mit Kontinent verbindet. 


Zwei Berger und eine Monsterfrau

Donaustädter Kulturfestival eröffnet mutig

Ein echter wiener will halt hint sein, / und nur mit vorbehalt die welt verstehn» heißt es im Refrain vom «wienerlied für sehenden bariton und blinden bass» aus der Feder Joe Bergers.

Museen in der Stadt der Schwellenängste

Zu Dieter Schrages Kooperation mit dem Augustin

article_1777_tun-dieterschrage2©mario_160.jpg «Es ist eine vielfach dokumentierte Tatsache, dass das offizielle Kulturangebot in der Regel nur von etwa 10 bis 12 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Österreichs wahrgenommen wird. Dabei ist der Kreis der Interessierten überwiegend eine durch Familie, Bildung, Beruf und sozialer Stellung privilegierte Schicht. Weite Bereiche der österreichischen Bevölkerung (etwa 70 Prozent) werden von den Kultur- und Kunstangeboten der öffentlichen Hand einfach übergangen. Dies gilt besonders auch für die öffentlichen Museen und Ausstellungshäuser aus dem Bereich der bildenden Kunst.»

… und dennoch schöner als Paris

Zwischen zwei Welten: das Leben der Elisabeth Markstein

article_1776_art-lisamarkstein02_160.jpg Zweimal hat der US-Geheimdienst CIA versucht, die Wienerin Elisabeth Markstein anzuwerben. Weil sie als Kennerin sowjetischer Verhältnisse galt. Und weil sie sowjetische Dissident_innen kannte. Der CIA kriegte sie nicht. Das sollte ihn nicht gewundert haben. Wer, wie Markstein, «zwischen zwei Welten» lebt (was ihr im Milena Verlag erschienenes Buch schon am Cover vermerkt), kann sich nicht von einer der Welten kaufen lassen. Ein Augustin-Gespräch mit einer Frau, deren noble Unaufdringlichkeit seltsam kontrastiert zu einer Biografie, deren Abenteuerlichkeit von heute Lebenden nicht überboten werden kann.

Unser Gelächter wird euch begraben

Dario Fo in der Provinz: viel Applaus im Stift für den Feind der Stifte

article_1767_art-dariofo2©lukaslöcke_160.jpg Emina Eppensteiner ist Hure, Totengräberin, Klosterschwester, Landvermesserin. Merten Gareiss ist Staatssekretär, Patient der geschlossenen Psychiatrie, Dieb, Minister, Arzt. Die jeweils letztgenannte Profession ist die reale. Alles andere sind Rollen. Auch die anderen Mitglieder der Theater-Spiel-Gruppe-Lilien-Feld, zusammen mehr als ein Dutzend, sind Laiinnen und Laien. Mit der mehrmaligen Aufführung des Dario-Fo-Stücks «Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger» im Stift Lilienfeld ist so etwas wie ein Durchbruch gelungen, spürt das Ensemble, fiel auch Kritiker_innen auf.

«Öl schwimmt immer oben»

Filmemacher Severin Fiala über seine Arbeit, die Filmakademie und «Onkel» Ulrich Seidl

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Severin Fiala dreht seit Kleinkindalter Filme, gründete als Teenager die Ölfim Productions und studiert seit 2005 Drehbuch bei Walter Wippersberg an der Wiener Filmakademie. Der Film «Elefantenhaut», den er zusammen mit Ulrike Putzer drehte, zeigt den drückenden Alltag Österreichs samt Altenpflege, tristen Firmenfeiern und einer dubiosen Elvis-Personifikation. Diese Darstellung regionaler Härte setzte sich auch auf internationalen Filmfestivals durch und schraubt die Erwartungshaltung auf Fialas nächste Arbeiten auf eine ordentliche Höhe.


ARTISTIN - Clemens Marschall - 01.06.2011 mehr lesen »

Lisl Ponger spielt Revolte

Vorschläge zur Hinterfragung des Geistes der Biennale von Venedig

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Drei Fotos, drei Gruppen von «Aufständischen». Noch ist ihr Triumph, ihr Protest im prallen Zustand der Würde, von einer Fotokünstlerin inszeniert. Ein Vorschlag von Lisl Ponger für die Biennale in Venedig, derzeit in Linz zu sehen. Drei Fotos, drei Fragen: Wer vertritt Österreich in Venedig? Warum sollte eine Künstlerin eine Nation vertreten? Wann werden in Venedig die nationalen Pavillons zu Commons erklärt?


… er WIRD behindert

Projekt Invalidenstraße: Der Mensch IST nicht behindert …

article_1733_tun-invalidstreet2©vikto_160.jpg Die Autorin des folgenden Beitrags, Gründerin des Theaters der Unterdrückten (TdU) Wien, ruft gemeinsam mit der Performance-Gruppe DanceAbility (Augustin Nr. 297) zu einem Umzug am 28. Mai auf. Dabei soll die Invalidenstraße in Wien 3 symbolisch umbenannt werden. Die drei Anliegen des Projekts «Invalid Street»: Freiheit der Kunst im öffentlichen Raum, Stadt ohne Barrieren und – eine neue Sensibilität im Sprechen und Schreiben.
ARTISTIN - Birgit Fritz - 18.05.2011 mehr lesen »

«Feministin» bis zum Schafott

Zwei Frauen aus Wien bekämpfen das «Kurtisanen»-Klischee von Olympe de Gouges

article_1727_art-olympedegouges©pauli_160.jpg Noch heute, über 200 Jahre nach ihrem Tod, ist Olympe de Gouges, die während der Französischen Revolution für ihr politisches Engagement am Schafott hingerichtet wurde, weitgehend unbekannt. Eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung ihrer schriftlichen Hinterlassenschaft fehlt. Die Philosophin Viktoria Frysak hat sich in französischen Archiven im Zuge ihrer Dissertation auf die Suche nach bisher unbekannten Schriften von Olympe de Gouges gemacht und ihren Roman «Der philosophische Prinz. Erzählung aus dem Osten» (1792) gemeinsam mit Corinne Walter ins Deutsche übersetzt.

Graz ist anders. Hoc est verum.

Sein letztes schriftliches Zeugnis hat Martin Luther einen Tag vor seinem Tod geschrieben. Die letzten Worte dieses Zettels heißen: «Wir sind Bettler. Hoc est verum (Das ist wahr).» Dieselbe Einsichtigkeit wird jenen zwei Dutzend KünstlerInnen zugeschrieben, die sich am Widerstand der Kunst gegen das steirische Bettelverbot beteiligten. Ihr «Wir sind Bettler» klingt jedoch kämpferischer als das lutherische.

«Narziss hat wie ein Beamer ein Bild geworfen»

Der Philosoph, Tänzer und Choreograf Michael Turinsky anlässlich seines «Narcissus Project»:

article_1715_art-turinsky©mario_160.jpg Im Tanzbereich ist Michael Turinsky ein gefragter (Gespächs-)Partner bzw. Experte, den es heranzuziehen gilt. Paradoxerweise stößt er im Behinderten-Betreuungsbereich mit seinen Expertisen auf taube Ohren.

Das Lied ist eine Waffe

Gruppen wie Homens Da Luta oder Deolinda rütteln die «Verlorene Generation» auf

article_1709_portugal_160.jpg In Portugal macht sich wieder einmal eine revolutionäre Stimmung breit, zum ersten Mal seit der «Nelkenrevolution» des Jahres 1974, an der der Faschismus krepierte. MusikerInnen haben im aktuellen Aufstand gegen einen extremen Sparkurs, den die Merkelbande dem Land aufzwingen will, einen Einfluss, von dem die Gebrüder Marx (mit dem Song «Hättma kenntma mochma oba ned» Sieger des Protestsongcontests 2011 im Rabenhof Theater) nicht einmal träumen. Eine dieser jungen Revo-Bands wird Portugal in Düsseldorf vertreten (14. Mai 2011).

Die Poesie der Revolte

Die Bewegung des Tahrir-Platzes hätte ohne Kunst nicht siegen können

Elliott Colla, der Autor dieser Abhandung über die Poesie der ägyptischen Revolte, die zum Sturz des Mubarak-Regimes führte, lehrt am «Department of Arabic und Islamic Sudies» an der Universität von Georgetown. Er übersetzte Werke arabischer SchriftstellerInnen ins Englische. Wenn Colla von PoetInnen redet, meint er zweierlei: einerseits die populären DichterInnen und SängerInnen, die ihre Kunst direkt als Beitrag zur Revolte verstehen, andererseits die zehntausenden Anonymen, die auf den Demos spontan Reime und Rhythmen kreierten, deren «heilende» Wirkung evident war: Sie befreiten viele von ihrer Angst.

«Ich bin mir selber ein Rätsel»

Den Weg in die Öffentlichkeit gefunden – die Autorin Hilde Schmolmüller

article_1697_schmolmüller_160.jpg Hilde Schmolmüller beschreibt sich als «Jungautorin», da sie Ende März ihre erste Lesung bestreiten wird – im Alter von 75 Jahren! Der Augustin sprach mit der Autorin über ihr beeindruckendes Buchmanuskript, das vor Jahrzehnten aufgrund eines Psychiatrieaufenthalts entstanden ist, und ihren wiedergefundenen Zugang zum Schreiben.

Überall die Finger drinnen

Wie Sabine Marte mit dem «Schnipselautomaten» die Programmierkunst revolutioniert

article_1691_sabine_marte_160.jpg Die Video- und Performancekünstlerin Sabine Marte, auch als Musikerin in den Formationen SV Damenkraft und Pendler unterwegs, gewann letztes Jahr mit ihrem experimentellen Kurzfilm «B-Star, untötbar! Reloaded» den Diagonale-Preis für innovatives Kino. Auch bei der diesjährigen Diagonale Ende März ist Sabine Marte vertreten. Sie hat den Festival-Trailer mit dem Titel «Do we need to have an accident» produziert und gemeinsam mit Bildhauer Clemens Hollerer eine gleichnamige Ausstellung gestaltet. Darüber sprach sie mit dem Augustin.

Wie human ist die Humana-Box?

«Migrationsskizzen» – Auch unsereins in postkolonialen Verstrickungen

article_1689_migrationsskizzen©nilbar_160.jpg Man könnte meinen, über das Thema «Migration» sei schon genug geschrieben worden, vor allem genug Blödsinn. Zwischen zwei Buchdeckeln erwarten die LeserInnen im Fall der «Migrationsskizzen» allerdings nicht nur klare Statements, sondern auch Videos, Performing Art oder Objektkunst. Vier Künstlerinnen aus Uganda, Chile, der Türkei und Bulgarien melden sich zu Wort.

Single-Malts-Veltliner-Connection

Dieter Berdel, Designsozialist und Dialektdichter, zerwienert Robert Burns

article_1654_dieter_berdel_160.jpg Unlängst auf der Schmelz: Am 252. Geburtstag von Robert Burns huldigten knapp 200 Menschen der schottischen Kultur mit allem, was dazugehört. Darunter auch Burns-Kenner Dieter Berdel, der bei dieser Gelegenheit sein drittes Bändchen trefflich ins Wienerische übertragener Texte von Schottlands Nationaldichter präsentierte. Aber eigentlich hat er ja ganz etwas anderes gelernt.

Hoch die Mehrfachidentitäten

Eine kleine Fred-Sinowatz-Hommage im Bruno-Kreisky-Jahr

article_1644_sinowatz_160.jpg Drei Politiker-Grundmuster könne man unterscheiden: Intellektuelle, Urgesteine und Technokraten. Ich erinnere mich, dieses Schema in einem «Wiener Zeitung»-Essay gelesen zu haben, wo auch festgestellt wurde, dass man mit Intellektuellen in der Regel keine Wahlen gewinnen könne und dass Bruno Kreisky als die große Ausnahme dieser Regel galt.

Die jungen Wilden Argentiniens

Entdeckungen: Félix Bruzzone und Damián Tabarovsky

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Félix Bruzzone, Jahrgang 1976, beschäftigt sich als Sohn so genannter «Verschwundener» intensiv mit dem Schicksal von Waisen der Militärdiktatur. Damián Tabarovsky rechnet in seinem neuesten Roman mit der neoliberalen Ära Argentiniens ab. Der Augustin berichtet über zwei junge argentinische Autoren, weil es andere Medien nicht tun.



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