Betritt man die Ausstellungshalle der Secession, kann man leicht das Gefühl von Überforderung bekommen. Eine Menge rätselhafter Objekte. Sie scheinen lapidar zusammengewürfelt aus Versatzstücken privater Lebensgeschichte, gewöhnlichen kleinbürgerlichen Gebrauchsgegenständen und skulpturalen Konstruktionen.
Andreas Webers zweiter Roman, «Veitels Traum», ist eine spannende, realistische Beschreibung des Lebens auf dem Land. Der Held, Maturant und Leistungssportler –er spielt in der Handballnationalmannschaft – recherchiert den Mord an seinem Vater. Der Held ist ein Privatermittler, wie auch in seinem ersten Roman «Lanz», einem packenden Buch, in dem das Fortwirken von Nazistrukturen in einer Kleinstadt verhandelt wird. Ein Augustin-Gespräch über Franzobel, Schopenhauer und andere Sportthemen.
Diverse Krisen hin, diverse Krisen her, an großartiger Musik auf diversen Tonträgern mangelt es nicht. Der Auftakt einer einschlägigen Lokalrunde.
Was haben der Schlachthof St. Marx, die Rennbahnwegsiedlung, der Schwarzenbergplatz und die Ankerbrotfabrik gemeinsam? Sie alle waren Schauplätze der Theaterperformances von Claudia Bosse. Ihr neues Stück «vampires of the 21st century oder was also tun?» hat am 8. Dezember Wien-Premiere. Der Augustin sprach mit ihr über die neue Produktion, körperliche und geistige Überforderungszustände und über die Frage: Warum zum Teufel noch Theater?
Die durchschnittliche Augustin-Leserin wird die massive Besprayung freier vertikaler Flächen in unserer Stadt nicht als jugendlichen Vandalismus verurteilen; vielleicht würdigt der eine oder die andere die Graffiti sogar als eine aus den großen Städten nicht mehr zu verbannende freie Kunst. Auch den liberalen Gönnerinnen und Gönnern dieser Street Art ist freilich die Welt der SprayerInnen verschlossen geblieben – nicht nur ein generationelles Problem. Nachhilfeunterricht kommt aus dem Jugend- und Stadtteilzentrum Margareten. Graffiti-Künstler Rasmus, 17 Jahre alt, ist am Wort:
Er gilt als berühmtester lebender Schriftsteller Sloweniens. Seine literarischen Arbeiten wurden in viele Sprachen übersetzt. Drago Jančars bisheriges literarisches Werk zeigt, dass so genannte «kleine Sprachen» proportional größere in ihrer literarischen Schaffenskraft in den Schatten stellen können! Ende September war Drago Jančar zur Präsentation seines neuesten Buches «Drevo brez imena/Der Baum ohne Namen» in Wien.
Hittisau hat eines, Meran hat eines, Bonn hat eines, Aarhus hat eines, Wien hat keines. Die Rede ist von einem Frauenmuseum. Ob Wien wirklich eines braucht, ist eine Diskussion, die geführt werden könnte. Dass Wien auf alle Fälle neue Sammlungsstrategien braucht, eine andere Ausstellungspolitik entwickeln muss, in denen Geschlechtergerechtigkeit nicht die rühmliche Ausnahmeerscheinung ist, das hingegen sollte im Jahr 2010 keiner Diskussion mehr bedürfen, bedarf jedoch dringend einer.
Seit 5 Jahren betreibt Georg «Schurli» Zamernik die Konzert-Agentur Easy Listening, er vertritt damit einige der besten Bands des Landes.
Nördliches Waldviertel, Palaverama-Festival 2010, einmal umfallen, das andere Ende der Lacke liegt in Tschechien. Der Himmel zürnt. Es schifft aus allen Rohren. Ein junger Mann, orangefarbene Regenhaut mit Schirmchenmuster, steht etwas verloren im schützenden Zelt und nippt an seinem Spritzwein, während das anwesende Publikum dem Wetter ein Spottlied singt: «We all live in a yellow submarine, yellow submarine, yellow submarine.»
Österreich ist eine Korruptionsoase, meinte kürzlich ein OECD-Mitarbeiter. Liest man die Werke des Salzburger Schriftstellers O. P. Zier, entsteht der Eindruck, Österreich wäre auch eine Oase für einen, der es liebt, diese Verhältnisse zu beschreiben. Kürzlich erschien im Residenz Verlag sein neuestes Werk: die «Mordsonate». Ein Krimi, in dem ein Klavierwunderkind verschwindet. Doch der eigentliche Krimi spielt sich auf einer anderen Ebene ab: Intrigen, skrupellose Willkür, politisch motivierter Postenschacher. Selbst der Polizeiapparat wird hier zum Spielball parteipolitischer Interessen. Die Auflösung des Falls geht nur schleppend voran. O. P. Zier im Augustin-Gespräch.
Ernst Tiefenthaler ist ein musikalischer Aktivposten dieser Stadt. Ernesty International heißt sein nominelles Soloprojekt mit einem sehr feinen zweiten Album.
Die Wiener Filmproduktionsgesellschaft coop99 arbeitet in Gosau/Oberösterreich an einem neuen, engagierten Filmprojekt. «Die Wand», der bekannte Roman von Marlen Haushofer, in dem eine Frau komplett abgeschnitten von jeglicher Zivilisation in einer Jagdhütte allein mit Tieren lebt, wird gerade mit Martina Gedeck verfilmt. Der Augustin traf Regisseur Roman Pölsler zum Gespräch über sein Herzensprojekt.
«Eines unserer Hauptthemen war: Adoptieren Sie einen Obdachlosen! Die Menschen haben gesagt, das sei ein furchtbarer und unmenschlicher Witz – aber das war es nicht. Warum kümmert sich niemand um die Obdachlosen? Das ist ein Fehler des Systems. Nachdem wir das erklärt haben, haben die Menschen gemerkt, dass wir Ironie und Witz benutzt haben, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Und das war unser Hauptziel.»
Milena Michiko Flašar ist eine Dichterin der inneren Extreme: Ihre Texte pendeln zuweilen zwischen rauschhaften Eskapaden einer Künstler-Bohème und heilig-nüchternen Ekstasen der Meditation. In Flašars zweiten Buch «Okaasan – Meine unbekannte Mutter» begibt sich die Protagonistin auf die Suche nach der allumfassenden Mutter und landet schließlich bei sich selbst.
«Niemand kann immer Avantgarde sein», sagt MUMOK-Direktor Edelbert Köb über das Schicksal mancher KünstlerInnen, die eine Epoche prägen und im Laufe der Jahre Arbeiten produzieren, die vielleicht weniger (politische) Sprengkraft, aber nicht zwingend geringere Qualität aufweisen. Eine Ausstellung ehrt Gerhard Rühms bildnerisches Schaffen von den 1950ern bis heute.
Ist Karl-Ferdinand Kratzl mittels eines Interviews zu erfassen? Der Augustin versuchte es. Es wurde kein klassisches Interview. Aber Kratzls tiefschürfende Worte suchten und fanden den Weg zu seinem Gesprächspartner. Zu einem «Gespräch» per E-Mail (Frage hin, Antwort her) war Kratzl nicht bereit gewesen. Er bestand auf den persönlichen Kontakt. Er ist ja ein Augenhineinschauer. Und noch vieles mehr. Auch ein Fadenverlierer ist er. Aber schoen der Reihe nach. Die Aufzeichnungen des Augustin-Reporters.
Die südostasiatische Sklavenindustrie erblasst vor Neid, wenn es um die Bedingungen der US-Häfenindustrie geht. Katharina Weingartner zeigt die konkurrenzlos günstige Produktion im Gefängnis auf, dokumentiert die Rache am Logo und verfolgt die zwiespältige Strategie der Sportschuh-Vermarktung. In ihrem aktuellen Filmprojekt geht es um «das Ende der Konsumwelt, wie wir sie kennen».