ico_youare10g.gif ZEITUNGHEROES
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In Timişoara lief ein Gerücht herum...

Kolportage für kranken Angehörigen: Mihaela und Elena Boti

Hin und wieder haben Augustin-VerkäuferInnen schlechte Tage. Der Zufall sorgt manchmal dafür, dass eine Mischung von Trübsinn, Hypochondrie, Weltschmerz, Zanksucht und Gereiztheit sich im Vertriebsbüro ablagert, wenn sich die schlechten Launen der Einzelnen multiplizieren. Wenn Mihaela und Elena Boti in diese Stimmung platzen, bringen sie mit ihrem Lächeln und ihrer Freundlichkeit einen Moment Sonnenschein in den Verdruss.

I flick di wieda zaum

"Wo ist der Augustin?", fragen alle, wenn Adi Buchgraber fehlt

„Standortentscheidungen sind im Handel von großer Bedeutung, da sie den Grundstein für den späteren Unternehmenserfolg bilden. So stellt die Qualität eines Standortes ein wichtiges Wettbewerbsparameter dar, was die Zukunft des Unternehmens mitprägt. Die Wahl des Standortes ist zudem eine strategische Unternehmensentscheidung, da hier meist längerfristige und aufwändige Bindungen eingegangen werden.“ Auch ohne das Wirtschaftsfachbuch (dem diese Stelle entnommen ist) zu kennen, hat Augustin-Kolporteuer Adi Buchgraber „marktgerecht“ gehandelt. Er hat seinen Verkaufsplatz –– beim Merkur-Markt in der Muthgasse –– durch eine ebenso kluge wie liebenswürdige Standortpolitik abgesichert.

Kurts Kampf gegen die Sucht

Ich bin Pole, ätzt der Tiroler, der ein Wiener ist

Neben den „Hauptsprachen“ im Augustinvolk –– Wienerisch, Slowakisch, Rumänisch, Tschetschenisch nebst den diversen Sprachen Nigerias –– vernimmt man vereinzelt auch Idiome, wie man sie von den österreichischen SchifahrerInnen kennt. Einer der „Tiroler“ beim Augustin ist aber in Wirklichkeit ein Wiener. Kurt Baumgartner, 1968 geboren, lebte 15 Jahre in Innsbruck. Seit rund zwei Monaten verkauft er die Wiener Straßenzeitung. Derzeit versucht er, im Therapiezentrum Ybbs seine Süchte zu besiegen.

Oma bin ich ja auch schon

Augustinverkäuferin Susi über Frauen der Straße und deren Extra-Probleme

Im cremefarbenen Pullover und dunklen Rock steht die 45-jährige Kärntnerin auf ihrem Stammplatz vor dem Supermarkt. Eine schwarze Tasche daneben auf dem Fußboden, rundum ein gepflegter Auftritt. Sie braucht nichts anzupreisen, denn ihre StammkundInnen kaufen regelmäßig bei ihr ein, bei Susi, der Augustinverkäuferin. Die an.schläge, eine der Wiener feministischen Zeitungen, nahmen den 10. Geburtstag des Augustin zum Anlass, um sich mit einer der Verkäuferinnen über Obdachlosigkeit, die Arbeit und das Leben zu unterhalten. Das Interview erschien in an.schläge 10/2005 unter dem Titel "sonst hat sie keine Chance“".
HEROES - Martina Madner - 15.12.2005 mehr lesen »

Der Zweite von rechts

Roman Hufnagl konnte wie so viele Ragazzi der Straße nicht alt werden

Die Aufstellung ist ziemlich konstant. Wie bei einem professionellen Chor. Roman Hufnagl war immer der Zweite von rechts. Vom Publikum aus gesehen. Das Stimmgewitter-Augustin-Faktotum erlag Ende Juli den Folgen seines Obdachlosenlebens. Roman hat es nicht zum Leadsänger gebracht. Doch er war in der schrägen Truppe der singenden AugustinverkäuferInnen das Tüpfelchen überm schrägen „I“.

Augustin-Verkäuferin Petra will in die Mitte, doch ...

"Es gibt nur mehr Reich und Arm"

Dominic wird am 23. Oktober vier Jahre alt. Um ihn dreht sich zunächst das Gespräch, als Petra die Augustin-Redaktion besucht. Um Dominic, den Unerreichbaren, der schon mehr alpenländisch als wienerisch spricht. Die 33-jährige Augustinverkäuferin sehnt sich nach ihrem fernen Sohn. Aber um ihn zurückzuholen, müsste ihr und ihrem Mann das Kunststück gelingen, einem veritablen Teufelskreis zu entkommen –– ausgerechnet in einer Zeit, in der Teufelskreise dieser Art geschlossen wie schon lange nicht sind.

Zuerst fiel er tief, jetzt fällt er auf: Kolporteur Gerhard Hostniker

Packerl für paffe Passanten

Wenn Bankangestellte schrille Gummistiefel und ein Blinklicht tragen müssten, würde Gerhard Hostniker wieder seine Krawatten hervorholen. Wenn er sie noch hätte. Wenn der Augustin ein Kochbuch wäre, würde Gerhard nicht Omas Rezepte unter seiner Stammkundschaft verbreiten. Porträt eines „im Alter“ doch noch zum Hippie gewordenen Augustinkolporteurs.

Unterwegs mit Eselsgeduld

Oft monatelang nomadisiert Engelbert

Engelbert ist der saisonalste aller saisonalen AUGUSTIN-Verkäufer. Seine Wien-Aufenthalte sind freilich - unabhängig von ihrer Dauer und der Jahreszeit - quasi die Nebensaisonen. Den Sinn seines Lebens finder er eher in Südfrankreich. Dort nomadisiert er - oft monatelang - mit seinen Eseln durch die Täler und über die Berge. Die Eseln heißen Fripon, Rosalie und Gazelle ("das Fohlen nenne ich deswegen so, weil es auch von zwei Meter hohen Mauern herunterspringt").

Zwischen den Zeilen liegt der Sinn

Walter Pichler, literarisches AUGUSTIN-Urgestein

Walter, du Lump. Wie stellst du dir das eigentlich vor. Jetzt hast du schon monatelang nichts mehr für den AUGUSTIN geschrieben. Hat dir jemand die Lust aufs Schreiben ausgetrieben?

Schreibt seit 5 Jahren im AUGUSTIN: Hömal

Das Flair des Scheiterns

Laut, stoak, volla Gwoit is des Lebn
draußn um mi, in den i wiara Gschpenst
umadumschleich zwischn fremde Keapa
vo de i maunchmoi wos brauch und wü.
Oiso straf i maunchmoi a bissl au
sichaheitshoiba aun de eha Hoamlosn
loß de mit da Paua bessa auglant.
Bini nämlich zu eana frech
vaspottns mi, i kriag ane aufs Aug
und ziag mi wieda zruck, eingschnoppt.
Naujo, de samma Schuachnumman zgroß
und zagn meinen gewoitign Fantasien
de koide Schuita, tammi daschreckn.
So jamma i in mei Schreibmaschin eine
wos ma aun de Totsochn weh tuat.


AUGUSTIN-Verkäufer Ronny über Alkohol, Frauen und Kakteen

Ich liebe es, Dornen zu streicheln

Ohnen einen Groschen im Sack ging Ronny zur Caritas Bregenz. Die besorgte ihm eine Fahrkarte nach Wien. Hier lernte der Vorarlberger den AUGUSTIN kennen. Dank AUGUSTIN scheinen ein paar von Ronnys Träumen nun nicht mehr ganz so utopisch zu sein. Allen voran der Fernfahrertraum.

Die AfrikanerInnen Wiens nach den "Erfolgen" der Operation Spring

"You will Burn in Hell!"

Viele AfrikanerInnen in Wien, vielleicht die meisten, kämpfen um ihr nacktes Überleben. Seit dem Tod des Nigerianers Marcus Omofuma im Abschiebeflugzeug, seit den darauf folgenden Polizeiaktionen der "Operation Spring" gegen die afrikanische Community sind die Schwarzen zur vielleicht diskriminiertesten Bevölkerungsgruppe des Landes geworden. Wenn sich Menschenrechtsgruppen hinter Männer wie Obiora Ofoedu oder Emmanuel Chukwujekwu stellen, wirft man ihnen vor, sich mit der "Drogenmafia" zu solidarisieren. Weit davon entfernt, eine solche zur Strecke zu bringen, hat "Operation Spring" nur eines erreicht: In unendlich vielen Hirnen herrscht der Nebel des Ressentiments.
TUN & LASSEN - - 04.01.2000 mehr lesen »

"Institution" an der Pestsäule: Lucia Westerguard

Die alte Dame und ihr Saxophon

Gemeinsam mit ihrem über 123 Jahre alten Musikinstrument ist das innerstädtische Original ein leiser und unaufdringlicher Zeitzeuge dieses lauten Jahrhunderts, das sich hysterisch und schrill im Ausgehen oder Auszucken befindet. Grund genug für den AUGUSTIN, Lucia Westerguard kurzerhand zum Hero des Monats zu küren!

Vom Vertreiben und von Trieben

Die meisten seiner Kunden sind Frauen

Der "Gentleman vom Keplerplatz" hat (Verkaufs-)Erfolg bei Frauen. "Natürlich kaufen auch Männer den AUGUSTIN, aber die meisten meiner Kunden sind Frauen", sagt Franz Horvath, einer der längstdienenden AUGUSTIN-Kolporteure. Den Kopf unter dem AUGUSTIN-Kapperl, auf den Lippen immer ein aufmunterndes, die PassantInnen zum Lachen bringendes Wort, beweist Franz, daß Österreichs erste Boulevardzeitung auch im Arbeiterbezirk Favoriten punkten kann. Sein Charme sei "reine Verkaufs-Show", sagt Franz; bei einer Passantin hat dieser Charme offensichtlich nachhaltige Wirkungen hinterlassen.

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