Tiere lieben die Nacktheit!
GriechInnen in Wien – z. B. Manolis Schrank, Gänsehäufel

Wer an Bademeister denkt, hat schnell braun gebrannte Gigolos mit sportiven Sonnenbrillen im Kopf, sommerliche Mutanten der Schilehrerzunft. Vereinzelt tragen sie, wie im St. Pöltner Freibad, auch schon Shirts mit der Aufschrift Security, große breite Schränke, bei denen in Zweifel zu ziehen ist, ob sie des Schwimmens und Rettens mächtig sind.
Der Streik der Restaurant-Sklaven
Frankreichs “travailleurs sans papiers“ mobilisierten für ihr Aufenthaltsrecht
Sie arbeiten, zahlen Sozialversicherung und haben dennoch keine gültige Aufenthaltsgenehmigung. In diese absurde Situation drängt das französische Recht tausende Menschen, die vorrangig aus ehemaligen Kolonialstaaten im Land der Franternité, Egalité und Liberté ihr Auskommen suchen. Streiks der betroffenen „sans papiers“ haben nun aufgezeigt, welche Sektoren ohne ihre Arbeit still stehen würden, und führten zu gesetzlichen Reformen.
Hartgeld auf Knopfdruck
Ohne Schmach und Pein und in der Gegend Herum-Knien

Einen Bettler-Automaten, nach einem Modell der Stadt Wien von 1927 gebaut, stellte der Künstler Johannes Heuer im Bezirksmuseum Floridsdorf aus – zwischen Schusterkugeln, zivilen Perkussionspistolen und mit Hakenkreuzen bestickten Taschentüchern.
Potemkinsche Sicherung
eingSCHENKt
Der russische Fürst Potemkin hat, so heißt es, der Zarin Katharina auf einer Inspektionsreise durch die Krim nur blühende Dorfattrappen gezeigt. Potemkinsche Dörfer schauen auf den ersten Blick also ganz passabel aus, verbergen aber, was sich eigentlich dahinter verbirgt.
Der Drahtesel als Packesel
Lastenfahrräder und Radanhänger kommen wieder in Mode

Lastenfahrräder waren lange Zeit nur noch bei der Post im großen Stile im Einsatz. Vereinzelt tauchten im Stadtbild noch Eisverkäufer oder Bäcker mit nicht motorisierten Transportvehikeln auf, doch es zeichnet sich eine Wende ab – das Fahrrad wird als Lastentransporter und Lastenschlepper wieder entdeckt.
Angst & Hass, weil Wissen fehlt
Ein Symposion beleuchtete das Betteln in Wien aus verschiedenen Perspektiven

Wir alle kennen sie, die medialen Bilder von den «bettelnden Ostbanden», die täglich durch unsere Zeitungen geistern. Über das reale Leben der Menschen, die mit Betteln ein paar Euros zu verdienen versuchen, wissen wir allerdings wenig. Und wo Information fehlt, können Misstrauen, Angst und Hass Fuß fassen, kann eine Menschengruppe zu Sündenböcken stilisiert werden, kann mit Fehlinformation hoher Sensationswert erzielt werden. Die BettelLobbyWien hat es zu ihrer Aufgabe gemacht, den Hetzkampagnen Informationen entgegenzustellen.
Gleichheit macht glücklich
"Verblüffend" fand der Epidemiologe R. Wilkinson die Resultate seiner eigenen Studien

Die britische Tageszeitung «The Guardian» bezeichnete das kürzlich auf Deutsch erschienene Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett als das vielleicht wichtigste des Jahres 2009. Der Augustin sprach mit dem Epidemiologen der University of Nottingham, der seit Jahrzehnten zu Ungleichverteilung, Sozialkapital und Gesundheit forscht.
Das Zwischenreich: neue soziale Risken
eingSCHENKt
Frau S. schlägt sich als Ich-AG und Armutsunternehmerin mit Gebrauchsgrafiken durch den Alltag. Ihr dreijähriger Sohn leidet seit seiner Geburt an schwerem Asthma. Er braucht viel Zeit. Der Lohn ihrer Arbeit ist unregelmäßig und gering. Loch auf Loch zu. So muss sie rechnen, einmal die Miete, einmal das Heizen, einmal das Telefon. Immer gibt es eine offene Rechnung. Kaputt werden darf nichts: keine Boiler und keine Waschmaschine. Mit dem Einkommen gibt es kein Auskommen.
Der Frühling der Ungehorsamkeit
Auch in Österreich nehmen viele Menschen die Abschiebung ihnen vertrauter Asylsuchender nicht mehr hin

Die Tatsache, dass Flüchtlinge ins Ungewisse abgeschoben werden, auch wenn sie längst in die österreichische Gesellschaft integriert sind, scheint die ÖsterreicherInnen nicht aus der Gemütlichkeit zu reißen. Die Tradition des zivilen Ungehorsams gegen die Demontierer des Asylrechts, die etwa in Frankreich der Fremdenpolizei so zu schaffen macht, fehlt hierzulande. Umso größere Aufmerksamkeit verdient der spontane Versuch couragierter BürgerInnen, die überraschende Abschiebung eines Fußballtrainers zu verhindern. Auch anderswo wird die Bevölkerung in jüngster Zeit «französischer» …
Dem "Hässlichen" nützt auch die Stille nicht
Eine menschenrechtliche Analyse zum Bettelverbot

Ein Kolumnist dieser Zeitung ist in diesem Frühling aus der SPÖ ausgetreten und weint ihr nicht einmal eine Träne nach. Auschlaggebend dafür war, dass die SPÖ-Fraktion im Rathaus schneller die Antibettlerverordnung in Richtung generelles Wiener Bettlverbot verschärfte, als Strache in eine Position gewählt wurde, in der er sich in Sachen Armenvertreibung als der bessere Häupl darstellen könnte. Anfang Juli soll das Gesetz in Kraft treten, mit dem – nicht nur wie bisher – aufdringliches und aggressives, sondern darüber hinaus auch gewerbsmäßiges Betteln verboten und bestraft werden soll. Hier eine juridsche Expertise.
Ohne Muslime kein Europa
Das goldene Wienerherz und die hyperemotionale Islam-Debatte

Die meisten Medien unterscheiden nicht ausreichend zwischen Islam als Religion und Islamismus als politische Ideologie. Beim Thema Integration wird eher polarisiert und emotionalisiert als informiert. Das Internetportal Qantara bietet sich als Gegenlektüre an. Wenn auch zu befürchten ist, dass die «Mutter» der Brigittenauer MoscheegegnerInen, Hannelore Schuster, andere «Informationsquellen» vorzieht: Für die Auseinandersetzung mit der grassierenden Islamophobie ist Qantara hilfreich.
In der Hitze des Stammtisches
Lokalaugenschein zum Konflikt um eine geplante "Moschee" in der Brigittenau

Bei Shakespeares Hamlet geht es um Sein oder Nichtsein. Eine Spur weniger dramatisch, aber ebenfalls konfliktreich ist die Frage um Sein oder Nichtsein eines Gebäudes in Wien. Der türkisch-islamische Verein Atib will in der Dammstraße 37 im 20. Bezirk ein Büro- und Wohngebäude mit einem Veranstaltungssaal bauen – zusätzlich zum bereits bestehenden Gebetsraum. Die Bürgerinitiative „Moschee ade“ läuft seit Mitte 2007 dagegen Sturm. Doch Atib hat bereits die Baugenehmigung. Der Augustin machte einen Lokalaugenschein an mehreren Stationen des Konflikts.
Abschiebende Wirkung
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Üblicherweise wird eine Schule für Kinder ohne Behinderung gebaut, und Kinder mit Behinderung werden dann in diese Schule integriert. „Bei uns ist es umgekehrt“, erzählt die Schuldirektorin Silvia Gehrmann. „Bei der Planung dieser Schule gingen wir von den Bedürfnissen von Kindern mit schwersten Behinderungen aus. Was architektonisch für Kinder mit schwersten Behinderungen notwendig ist, bietet auch für Kinder ohne Behinderung optimale Lernvoraussetzungen.“
Ungleichgewichte und das Finanzdesaster
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Hinter den Problemen rund um Griechenland steckt mehr als nur gefälschte Statistiken. Es geht um die Ungleichgewichte im Euroraum, die bestimmten Interessengruppen in den reicheren Ländern jahrelang äußerst recht waren. Das Konsumwachstum betrug seit 2000 in Griechenland 74 Prozent, in Deutschland im gleichen Zeitraum jedoch nur 16 Prozent. Österreich lag mit 31 Prozent in der Mitte. Ähnlich hoch wie in Griechenland war das Konsumwachstum in Spanien mit 66 Prozent. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Lohnentwicklungen in den einzelnen Ländern. Die Löhne pro Beschäftigten stiegen in Griechenland seit 2000 um rund 50 Prozent, in Deutschland nur um knapp 10 Prozent. Schließlich geht es nicht nur, ja nicht einmal hauptsächlich um Staatsfinanzen, sondern ganz zentral um ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht, nämlich hohe Überschüsse des Exports über den Import in Deutschland und umgekehrt in Südeuropa. Mit Sparen allein wird man nichts sanieren können, weil das Sparen ohne einen positiven Impuls aus anderer Richtung die Wirtschaft immer tiefer in die Rezession treibt. In einer Währungsunion gibt es eine Anpassung nur über die Löhne: Vernünftig wäre jetzt: Im Überschussland wie Deutschland müssten die Löhne stärker steigen, im Defizitland weniger als zuvor.
"Die Bösen werden am Ende siegen"
Von Kindern, die Krieg und die Flucht überlebten: No Wellcome in Austria
Zwölf Polizeibeamte, die ratlos ein schreiendes Kind umstehen, Prinzessinnen, die Schatzkisten nicht verlassen dürfen und Hunde, die Kinder besser beschützen als die österreichischen Behörden. Aus dem Alltag der Traumatherapeutin Sonja Brauner, die trotz Abschiebungen Kinderflüchtlingen stabile Augenblicke verschafft.
Arena der Anerkennung
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Früher hatten die Eltern zu ihren Kindern gesagt, du sollst es einmal besser haben. Jetzt sagen sie, hoffentlich hast du es nicht schlechter. Schichten, die bislang für sich und ihre Kinder nur die Perspektive des Aufstiegs kannten, sind nun plötzlich mit dem Abgrund des Abstiegs konfrontiert.
In Interviews mit männlichen angelernten Arbeitern und Facharbeitern sowie prekär beschäftigten Frauen in der Steiermark kommen all die Begleitfolgen sozialen Abstiegs zum Vorschein: soziale Disqualifizierung, verletzte Gerechtigkeitsgefühle und Ohnmachtserfahrungen. Die Männer haben Entlassungen, Wiedereinstellungen und wieder Entlassungen erlebt. Die Frauen berichten von unsicheren, schlecht bezahlten Jobs, langen Phasen der Erwerbslosigkeit und der Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die schwierigen Arbeitsbedingungen nehmen die Männer in Kauf für soziale Sicherheit, einen bescheidenen Wohlstand und soziale Anerkennung. Die Frauen sind stolz, alles zu schaffen, ein eigenes Einkommen und auch Zeit für die Kinder zu haben.
Für eine City ohne Straßenkunst?
Vom Himmel stürzende Diabolos bedrohen TouristInnen und StadtbewohnerInnen!
Wann haben Sie den letzten Pflastermaler im Zentrum Wiens gesehen? Und wissen Sie, dass auch die Genies in Sachen Jonglage demnächst vielleicht aus dem Bild der Innenstadt gelöscht werden? Abraham Thill, unter dem Namen El Diabolero als Profi und Showmaster der Jongleurszene bekannt, will nach langjährigen Umtrieben von Stadt zu Stadt seinen Brotberuf, die Kunst des Diabolowerfens, in Wien ausüben. Hier lebt die Familie, hier lebt sein einjähriger Sohn, hier fühlt er sich verwurzelt. Pech: Ausgerechnet in Wien läuft seine Kunst amtlicherseits unter Belästigung und Sicherheitsgefährdung.
Wie Arbeitslosigkeit gemacht wird
Whistleblowerin erzählt Internas aus einem Wirtschaftskonzern
Die Autorin dieses Beitrags hat langjährige Konzern-Lenkungs-Erfahrung. Weil sie sich nicht nur für die Quartalszahlen, sondern auch für gesellschaftliche Zusammenhänge interessierte, war sie in der privilegierten Position, hinter die glänzenden Fassaden zu blicken und Fehlentwicklungen früh zu erkennen. In den folgenden «Meilensteinen» fasste die Insiderin die Mechanismen, die das Schwungrad in den Abgrund betreiben, zusammen. Ihr Beitrag soll ähnlich positionierte Menschen ermutigen, als «Whistleblower» (interne Aufdecker von Missständen) für größere Transparenz in wirtschaftspolitischen Angelegenheiten zu sorgen.
Geniessen verboten
eingSCHENKt
Ein E-Mail landet in meinem Postfach. „Meine Meinung ist, wer immer genug eingezahlt hat, bekommt auch im Alter genug zum Leben“, schreibt Frau Waltraud V. „Ist ja nur gerecht, wer immer brav arbeiten war und immer eingezahlt hat.“ Und weiter: „Bei mir war es so: Ich hatte eine Operation, wurde gekündigt und dann in die Pension geschickt. Man hatte keine Verwendung mehr für mich. Der Gipfel war dann, man hat mir noch Pension abgezogen. Das hat auch keinen gekümmert, und ich war immer arbeiten. Das E-Mail endet mit zwei Sätzen: „Die wollen ja gar nicht arbeiten, und da sehe ich nicht ein, dass man so etwas unterstützt. Die lachen und sagen, wir bekommen eh alles, wozu soll ich arbeiten.“
"Jetzt geht uns die Luft aus"
Das Viertel boomt, aber der Ort des Aufbruchs kämpft ums Überleben. Amerlinghaus schlägt Alarm

Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus ist der Rest beziehungsweise das Erbe der wilden 70er Jahre, als eine Besetzungsaktion ein Stadtviertel für das Baukapital interessant machte, das von der Stadt dem Verfallsprozess preisgegeben schien. Die Stadt aber schmückt sich mit den Federn des Spittelberg-Revitalisierung-Vorzeige-Modells und lässt das Kulturzentrum, für dessen Pionierrolle sie sich eigentlich bedanken müsste, sukzessive verhungern.
Mein Leben ohne Geld
Heidemarie Schwermer ist eine Pilgerin in der Kostnix-Welt

Heidemarie Schwermer lebt seit vierzehn Jahren ohne Geld. Wie die ehemalige Lehrerin und Psychotherapeutin Schritt für Schritt aus den bestehenden Strukturen ausstieg, beschrieb sie in ihrem Buch «Das Sterntalerexperiment». Als die Norddeutsche wieder einmal in Wien war, besuchte sie auch den Augustin, dessen kleiner Kostnix-Buchladen sie sofort begeisterte. Ein Augustin-Interview über Leben, Erfahrungen und Visionen einer Schwärmerin, die vorzeigt, dass Utopie etwas sehr Konkretes und Machbares sein kann.
Ein ungeheurer Mythos: das Abstandsgebot
eingSCHENKt
„Nur wenn der Abstand zwischen Erwerbsarbeit und Sozialleistung möglichst groß ist, gehen die Leute arbeiten.“ Das ist das so genannte Abstandsgebot. Die empirische Forschung hegt an dieser Annahme seit Jahren große Zweifel, was ihrer Popularität und mythischen Wiederholung jedoch keinen Abbruch tut. Eine Mischung aus gesundem Vorurteil und neoklassischer Modelltheorie hat sich zu einer stabilen Seinsgewissheit verbunden, die sozialempirische Daten als Modellstörung empfindet. Lasst uns mit der Realität in Ruhe! Das Abstandsgebot ist wie das Ungeheuer von Loch Ness. Fast alle haben es schon gesehen, obwohl …
Würden Sie um 70 Cent pro Stunde jobben?
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden

Da staunten die Blauen, als die Roten die Initiative ergriffen, das Wiener Sicherheitsgesetz so zu ändern, dass die Polizei nunmehr praktisch jede Form von Betteln verhindern kann.
Rund und verbündet
ARGE Dicke Weiber: Nicht das Übergewicht ist schädlich, sondern der Selbsthass
Ein wacher Geist in einem schlanken Körper? Die Modeindustrie normiert unsere Körpermaße, dünne Frauen sind ein Schönheitsideal. Der Effekt: Bereits normalgewichtige Menschen drosseln ihren Appetit. Der Schlankheitswahn drängt dicke Menschen umso mehr an den Rand der Gesellschaft. Rund 45 Prozent der Wiener Bevölkerung sind übergewichtig. Zwei Frauen der ARGE Dicke Weiber erzählten dem Augustin, wie es sich als dicke Frau in Wien lebt und warum sie sich für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft engagieren.
Wer ist im Käfig? Wer fehlt im Käfig?
Zwischen den Gürtelfahrbahnen werden Kinder zu richtigen Männern

Wer benützt die so genannten Gürtelkäfige? Wer okkupiert sie? Wer fehlt in den Gürtelkäfigen? Wer möchte sie benützen, fühlt sich aber ausgeschlossen? Über einen Beobachtungszeitraum von zwei Monaten – November und Dezember 2009 – versuchte die Wiener Lehrerin Doris Pichler mittels eines Foto- und Text-Tagebuchs Antworten auf diese Fragen zu finden. Ein Projektbericht, nebst einer ausgewählten Tagesbuchnotiz.
Personalabbau bedroht Medienpluralismus
Wenn Marjah eine Stadt ist, ist Grammatneusiedl New York

Wer einen Krieg im Zeichen der «Humanität» führt, muss zuerst den Kampf um die öffentliche Meinung gewinnen. Die Gewinnchancen sind groß, weil dem militärisch-politisch-industriellen Komplex die Gegen-Player in Form von unabhängigen Medien zunehmend abhanden kommen. Das Märchen von der Stadt Marjah im Süden Afghanistans sagt einiges aus über die reale Situation der Publizistik – auch der österreichischen.
Der Mann mit dem Messer

Wie gefährlich ist der Wienerwald bei Nacht? Die Künstlerin
Monika Kribusz gibt sich in einem Jahres-Experiment des Schlafens im Freien ihren unausweichlichen Phobien hin.
Soziale Schere schadet (fast) allen
eingSCHENKt
Noch mehr soziale Ungleichheit heißt noch mehr Krankheiten und noch geringere Lebenserwartung, mehr Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen, mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos. Das Interessante: Eine sozial polarisierte Gesellschaft bringt Nachteile nicht nur für die Ärmsten, sondern auch für die Mitte. Es stehen nicht nur die unterprivilegierten Mitglieder schlechter da, sondern auch die Wohlhabenderen. Die soziale Schere schadet und zwar fast allen.
Dazu gibt es eine erdrückende Beweislast an Studien, aktuell vom renommierten Gesundheitswissenschafter Richard Wilkinson, Professor an der Universität von Nottingham und des University College London. Im internationalen Vergleich schneiden die skandinavische Länder sehr gut ab, Großbritannien, Portugal und USA sind abgeschlagen am Schluss, Österreich ist vorne dabei, aber nicht top.
Ein Klick macht niemanden satt
Facebook-Aktivitäten als Scheinhandlungen
Eine Drittelmillion virtueller Kerzen von Facebook-UserInnen für Haiti: eine gewaltige Zahl, hinter der die nüchterne Tatsache des Null-Effekts verborgen bleibt. 30.000 Mitglieder in der Facebook-Gruppe der Audimax-BesetzerInnen, doch bei der Räumung der Polizei sind gerade einmal 15 Studis anwesend – die meisten davon vielleicht gar keine Facebookfans. Ein Missverhältnis, das eine(n) dazu bewegen kann, die Bedeutung des so genannten Social Network für zivilgesellschaftliches Engagement zu relativieren.
Demokratie auf österreichisch
Zwischen Wien und Eberau nur Karikaturen von Volksbefragungen
Österreich ist eine demokratische Republik. Ihre Macht geht vom Volk aus. So steht’s in der Verfassung. Wie österreichische PolitikerInnen diesen ersten Verfassungsparagrafen deklinieren, das wurde in den letzten Monaten sehr anschaulich demonstriert. Titel der Farce: Demokratie auf österreichisch.
Achtzehn Jahr - und niemand mehr da?
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Geburtstagstorte – achtzehn Kerzen brennen. Das heißt für viele Jugendliche Kerzen ausblasen und gehen. Familien setzen ihre Kinder üblicherweise nicht mit 18 Jahren plötzlich auf die Straße, sondern fördern im besten Fall ihre Entwicklung zu reifen, selbstständigen Erwachsenen. Der Staat Österreich beendet seine Fürsorge jenen Kindern gegenüber, die ihm anvertraut sind. Und zwar mit 18. Einfach so.
Nur rechtsdrehender Walzer gestattet

Ein «Wasgehtmichdasan« geht nicht mehr. Ein neutrales «Wissenwireh: Linke gegen Rechte, das ist Uni-Folklore» ist Wahrnehmungsverweigerung. Wenn in Wien niemand mehr gegen den WKR-Ball demonstrieren würde, hätten die Hassprediger, die Holocaust-Verharmloser und die Straches aller europäischen Rechtsaußenparteien gesiegt, die sich alljährlich in diesem Hofburg(!)-Event versammeln. Halb haben sie schon gesiegt: Die Polizei hat die Demo gegen diesen Rechtswalzer verboten – und wer verantwortungsbewusst war und von seinem Versammlungsrecht dennoch Gebrauch machte, wurde angezeigt.
Die Sozialunion? Ein Wintermärchen
Für "Unterschicht" der EU-BürgerInnen ist Bewegungsfreiheit nicht vorgesehen

Menschen aus Polen, Ungarn, der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien sind BürgerInnen der EU. Nach Artikel 18 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) steht ihnen das Recht zu, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Anders hätte das Versprechen, aus der Wirtschaftsunion auch eine Sozialunion zu machen, keine Glaubwürdigkeit. Das Studium des «Kleingedruckten» im EGV führt freilich zur Erkennntis, dass für die Ärmsten aus den oben aufgelisteten Ländern diese Bewegungsfreiheit schlichtweg nicht existiert.
"Austrian Ski Team Go Home!"

Vancouver, wenige Tage vor dem Start der 21. Olympischen Winterspiele. Peter Schwarzbauer hält mir einen Aufkleber entgegen: «No Olympics On Stolen Native Land». Schwarzbauer ist zwar kein Native American, sondern Österreicher, beschäftigt sich aber seit mehr als 20 Jahren mit der Situation nordamerikanischer Indigener – im Rahmen der Menschenrechtsorganisation AKIN (Arbeitskreis Indianer Nordamerikas).
Verliererbeschimpfung
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Die Missbrauchsdebatte ist eine Debatte der Krise. Dass die Missbrauchsdiskussion gerade in Zeiten steigender Erwerbslosigkeit auftritt und es speziell bei Konjunktureinbrüchen wie Anfang der 80er Jahre, Mitte der 90er und Anfang der 2000er Jahre besonders viele „Unwillige“ geben soll, ist politisches Kalkül. Offensichtlich wird die Missbrauchsdebatte nicht geführt, um die „Treffsicherheit“ von Unterstützungen zu erhöhen, sondern Kürzungen bei allen Leistungsbeziehenden vorzubereiten und zu rechtfertigen. Die Fälle von Leistungsmissbrauch werden von bestimmten Politikern wiederum dazu missbraucht, die Geldmittel für das untere soziale Netz als Gesamtes zu denunzieren. Im politischen Diskurs ist mit schlechter werdender Konjunktur stets mit einer neuerlichen Missbrauchsdebatte zu rechnen. Sie dient dem politischen Management des Mangels auf dem Rücken der untersten Einkommensschichten.
Schule, die allen nützt
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Bei gleichen Leistungen bekommen ärmere Kinder schlechtere Noten. Bei gleichen Noten treten ärmere Kinder seltener in die AHS über. Zwei aktuelle Ergebnisse aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung.
Bettina Kellner muss genau rechnen mit ihrem kleinen Einkommen und den drei Kindern. Schulanfang und Kosten sind immer ein Problem. Nachhilfestunden sind da ohnehin nicht mehr drin. Zu Hause ist es auch sehr eng in der kleinen Wohnung. „Alles geht“, sagt Frau Kellner. Und es muss gehen. Die älteste Tochter von Frau Kellner, Petra, passt auch an vier Nachmittagen auf die kleineren Geschwister auf. Da ist die Mutter bei der Arbeit. Und wenn die Mutter nicht mehr kann, springt sie ein. „Im letzten Winter haben sie uns den Strom abgedreht“, erinnert sich Bettina Kellner. Es war bitter kalt in der Wohnung. „Die Kinder haben geweint.“ Und wochenlang nicht gelernt. „Petra, jetzt vierzehn, fühlt alles akut mit, sieht, dass wir mit den täglichen Aufgaben allein dastehen. Nahe Verwandte in der Nähe gibt es nicht, und meine Mutter im Waldviertel ist selbst bettlägerig.“ Das Mädchen ist mit der Schule und den Herausforderungen der Pubertät eigentlich überfordert, knickt immer wieder ein, wird krank und von lähmender Müdigkeit befallen. Viele Jugendliche reagieren mit depressiven Verstimmungen auf belastende und überfordernde Situationen.
Wenn die Kameras verschwinden ...
Dass Haiti das ärmste Land ist, ist nur die halbe Wahrheit.

Im Augenblick gebe Haiti eine »dramatische Story« im Fernsehen ab, sagte die in Miami lebende haitianische Schriftstellerin Edwidge Danticat, »aber wenn die Kameras verschwinden, blicken die Menschen wieder weg«. Ähnlich die Journalistin und Haiti-Expertin Amy Wilentz: Die Haitianer seien »nur beliebt, wenn sie sterben«. Tatsächlich lauten die gängigen Klischees, die von dem verarmten und zerstörten karibischen Nachbarland gepflegt werden, »boat people«, »Chaos« und »Voodoo«. Und die Armut ist natürlich eine selbst gemachte, suggerieren die Reportagen.
Im Ballsaal tanzen noch die Reichen
Der Globalisierungskritiker Jean Ziegler im Augustin-Gespräch (Teil 2)

Die letzte Frage an den Menschenrechtsaktivisten und Globalisierungskritiker Jean Ziegler im ersten Teil des Augustin-Interviews (Ausgabe Nr. 266): Gibt es Staaten der so genannten Dritten Welt, die der Erste-Welt-Walze, die ökonomisch über sie drüberfährt, etwas entgegenzusetzen haben? Ziegler berichtete über die Zähmung der Konzerne durch die neue bolivianische Linksregierung. Afrikas Eliten könnten sich ein Beispiel an diesem Widerstand gegen die Ausplünderung nehmen.
Minarette sind keine Bajonette
Eine Stadt in Niederösterreich schaffte, was die Mehrheit des Schweizer Wahlvolks deutlich ablehnt: ihre Muslime ein Minarett bauen zu lassen. Das Psychogramm einer Entscheidungsfindung anhand von Gesprächen mit dem Projektleiter Selfet Yilmaz und dem FPÖ-Bezirksobmann Peter Gerstner.
... besonders aber die Ärmsten
Ein Schlaganfall kann jeden treffen ...

Dass der Schlaganfall hauptsächlich gestresste Manager ereilt, impulsiv agierende Politiker oder vielleicht Leistungssportler, ist eine Legende, mit der hier einmal tüchtig aufgeräumt werden soll.
Krank und keine Versicherung
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Im Süden von Wien, weit draußen zwischen dröhnenden Autobahnen und trostlosen Gewerbeparks, hat eine kleine Ambulanz geöffnet für all jene, die durch das Netz der Gesundheitsversorgung fallen. Bei Amber-Med arbeiten Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Gynäkologen, derzeit unentgeltlich. Die PatientInnen werden mehr. Insgesamt sind über 100.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert, das sind fast zwei Prozent der Wohnbevölkerung. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie geringes Einkommen haben. Zwei Drittel befanden sich zum ersten Mal in dieser Situation, immerhin ein Drittel war schon öfters davon betroffen. Für viele ist der mangelnde Krankenversicherungsschutz kurzzeitlich, für manche dauerhaft. Es ist ein Mix aus strukturellen Lücken, sozialen Benachteiligungen, fehlenden persönlichen Ressourcen und mangelnder Information.
Von Schlüsseln und Schlössern
eingSCHENKt
„Arbeit ist die beste Form der Armutsbekämpfung“, sagen die einen. „Eine Grundsicherung würde die Armut abschaffen“, sagen die anderen. „Bildung ist der Schlüssel“, sagen die dritten. „Arme bekämpfen statt der Armut“, sagen die vierten zwar nur leise, drücken es aber durch ihre Vorschläge laut aus. Was hilft nun wirklich? Nehmen wir einmal die „Klassenkämpfer von oben“ beiseite, deren Maßnahmen offensichtlich der Produktion von Armut dienen anstatt ihrer Bekämpfung, so haben die anderen irgendwie alle Recht. Aber doch irgendwie wieder nicht.
Das Problem mit der "Treffsicherheit"
eingSCHENKt
Länder, die ihre Sozialleistungen hauptsächlich auf die Ärmeren konzentrieren, gehören zu den Ländern mit der höchsten Armut. Das hört sich seltsam an. Je „treffsicher“ Sozialleistungen sind, desto geringer müsste doch die Armut sein. Ist sie aber nicht. Diejenigen Staaten, deren Sozialsysteme sich in erster Linie an "Treffsicherheit" orientieren wie England oder die USA haben höhere Armutsquoten als Staaten mit egalitärem Bildungssystem und der Absicherung sozialer Risken für eine breitere Bevölkerung. Der Ökonom Michael Förster, beschäftigt an der OECD, kommt in einer vergleichenden Studie über Kinderarmut zum Schluss: "Jene Staaten, deren Sozialleistungen am ehesten als ,treffsicher' bezeichnet werden können, sind nicht diejenigen, welche Armut am effektivsten vermindern - eher im Gegenteil.
Pass auf, kleine Hand, was du tust
Der öffentliche Raum ist nicht mehr für alle öffentlich

«Der Bürger, der den übel riechenden Betrunkenen, den rüpelhaften Jugendlichen oder den aufdringlichen Bettler fürchtet, drückt nicht lediglich seine Abneigung gegenüber ungehörigem Verhalten aus. Er drückt ebenso ein Stückchen Volksweisheit aus, die eine zutreffende Verallgemeinerung enthält, nämlich dass ernst zu nehmende Straßenkriminalität in Gegenden floriert, in denen ungeordnetes (disorderly) Benehmen ungehemmt geschehen kann.» (Wilson/Kelling, 1996; Broken Windows Theorie)
Die akademische Gruft
Kein Obdachloser muss im Audimax schlafen. Es gibt genug Alternativen, sagt Wehsely

Manche GegnerInnen des Uni-Aufstandes rieben sich schon die Hände. An der «Flut» der Obdachlosen im besetzten Audimax werde die Studierendenbewegung scheitern. Diese plant jedoch gemeinsame Weihnachts- und Silvesterfeiern in der freien Republik Audimax – und erreichte durch ein überlegtes Sichtbarmachen des Andrangs der Armen, dass der Ausschluss der AusländerInnen aus der offiziellen Wohnungslosenhilfe erstmals breit thematisiert wird.
An eurer "Ordnung" ersticken wir
Im Kampf gegen das Betteln beweisen Justiz und Exekutive Fantasie

Während der Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP von der «Stürmung des Christkindlmarktes durch Bettlerbanden» halluziniert, verhängte ein Richter des Unabhängigen Verwaltungssenats eine 20-stündige Polizeihaft gegen den Bettler und Augustinverkäufer Markus H. Sein Delikt: Beim Sitzen an der Hauswand ragten die Beine minutenlang einen (!) Meter in den mehr als zehn Meter breiten Gehsteig der Mariahilfer Straße.
Die Leitfigur ist unerwünscht
Das Audimax als Schule der langsamen Basisdemokratie

Wo es ein Oben und ein Unten gibt, kommt man schnell zu Entscheidungen. Wo diese Kategorien fehlen, muss zuweilen lange debattiert werden, bis man zu einem Konsens kommt. Das ist leider die Crux der Basisdemokratie. Aber ein sympathische …
Warum wir auf die Strasse gehen
Über einen weiteren Versuch, "positiven Boulevardjournalismus" zu betreiben

Zum «
Morgen», der Wochenzeitung der AudimaxistInnen, wie sich die BesetzerInnen des Audimax der Wiener Universität augenzwinkernd nennen, muss man den ZeitungsmacherInnen gratulieren. Der Verzicht auf akademisch-intellektuellen Schreibstil macht es möglich, das Anliegen der «Schlafsack-Revolution» auch der nichtstudentischen Bevölkerung zu erklären. Also neben dem Augustin noch eine Zeitung mit dem Anspruch, «positiven Boulevardjournalismus» zu betreiben. Wir baten Dario Summer vom «Morgen»-Team, über die Entstehungsgeschichte und über mögliche Perspektiven nach einem Ende des Unistreiks zu berichten. Hier sein Beitrag für den Augustin.
Die Leistungslüge
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In Österreich verdienen zwei Millionen Menschen so wenig, dass sie nicht einmal Steuern zahlen. Wer Steuern zahlt, so der Finanzminister wortwörtlich, ist ein „Geber“, ein „Leistungsträger“. Die anderen sind die „Nehmer“. Die Tausenden in prekären Jobs und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sind also offensichtlich keine „Leistungsträger“. Wenn als „Leistungsträger“ stets die Bezieher hoher und höchster Einkommen angesprochen werden, kommt eine Ideologie ins Spiel, die suggeriert, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Einkommen und Leistung gebe. Dies jedoch ist ein ökonomisches Märchen.
Kapitalismus schlich sich in die Subjekte
Oskar Negt im Augustin-Gespräch: Warum uns die Gesellschaft depressiv macht

Anlässlich der Selbstmorde bei der Telecom France und des Skandals um die Sammlung von ÖBB-Krankenstandsdaten weist der Soziologe Oskar Negt auf die Überforderung der Abeitnehmer hin, die zunehmend nach innen gedrückt wird. Negt tritt für den Ausbau des „sozialen Gemeinwesens“ ein, um zunehmender Bindungslosigkeit der Menschen im Arbeitsleben entgegenzutreten, denn derzeit profitieren die Rechtsextremen davon.