Alleinerzieherinnenbeschwerde
Kinderarmut: Sichtbar machen, was unsichtbar in Österreich ertragen wird!

Wir befinden uns noch im «Europäischen Jahr 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung». Aus diesem Anlass veranstaltete die österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) am 8. Oktober 2010 einen Studientag im Linzer Wissensturm. Der Titel des Studientages lautete «Wege aus der Kinderarmut – Kinder in alleinerziehenden-Familien» – und er spricht Bände. Obwohl ich selbst Alleinerzieherin bin, wurde mir erst durch diesen Studientag klar, welche enorme Krise ich durchwanderte.
Die Mündel der Henriette
Kein Besuchsrecht, kein Gastrecht, kein Sexrecht, kein Recht, sich zu separieren

Erich Mühsam, der klügste deutsche Anarchist des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts, gelangte zu einer Erkenntnis, mit der er seiner Zeit auf geniale Weise voraus war: die Humanität einer Gesellschaft (sinngemäß zitiert) erkenne man daran, wie in den Gefängnissen mit den sexuellen Bedürfnissen der Gefangenen umgegangen wird. Fast hundert Jahre später ist dieses wichtige Kriterium der Lebensqualität selbst in jenen Institutionen tabu, in denen Menschen nicht zum Zwecke ihrer Bestrafung zusammenleben müssen: etwa in geriatrischen Anstalten, SeniorInnenheimen oder Obdachlosenasylen.
Ein Pflegenetz, das trägt
eingSCHENKt
«Ein guter Tag beginnt mit einem gerechten Budget. Budgetkonsolidierung und Zukunftsinvestitionen sind kein Widerspruch, sondern gemeinsame Notwendigkeit und Gebot der Stunde. Es ist höchste Zeit, Überfluss zu besteuern und in die Zukunft zu investieren. Fangen wir gleich bei der Pflege an», so könnte die Rede eines klugen Finanzministers beginnen.
Wenn Pflegedienstleistungen nicht leistbar oder nicht vorhanden sind, trifft das Personen mit geringem Einkommen doppelt. Zum einen weil sie die benötigten Betreuungsleistungen nicht finanzieren können, zum anderen weil sie häufiger von chronischen Erkrankungen betroffen sind.
Der stille Riese
Ein von den Medien kaum wahrgenommener Machtfaktor: die Raiffeisengruppe (Teil 1)

Ein Mangel an Eisen ist schlecht für den Körper. Das ist allgemein bekannt. Ein Mangel von Raiffeisen wäre demgegenüber gut für die Demokratie. Eine zu hohe Raiffeisenkonzentration ist schädlich für den Staat. Das sollte die Gesellschaft langsam begreifen. Eine Serie von Lutz Holzinger und Clemens Staudinger will dazu einen Beitrag leisten.
Selektives Come Home Movement
Fast alle Abschiebungen nach wie vor im Schatten medialer Aufmerksamkeit
Komani Come Home, dieser Imperativ ist in Österreich inzwischen sehr populär geworden. Speziell in der oberösterreichischen Stadt Steyr, wo die beiden in den Kosovo abgeschobenen Mädchen Daniella und Dorentina Komani lebten, hat der zivile Widerstand alle sozialen Schichten und alle politischen «Lager» erfasst: eine Art Stuttgarter Klima ist wahrzunehmen. Hier ist der Unternehmer Erich Schlagitweit zum Protagonisten der Heimholaktion geworden. Ein Staat, der gegen Kinder bürgerkriegsartige Polizeieinsätze inszeniert, schockiert selbst Menschen, die im allgemeinen Straches Stammtisch-Ressentiments teilen.
Eine Good Bank – gibt’s so etwas?
Über das «konservativste» Projekt der Linken
Der Zeitpunkt, als der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, die Idee einer staatlichen Bad Bank als Antwort auf die Bankenkrise ins Spiel brachte, war gleichzeitig die Geburtsstunde einer Good Bank. Christian Felber und MitstreiterInnen bei ATTAC entwickelten das Konzept einer idealen Bank als Gegenentwurf zum gegenwärtigen Bankengeschäftsmodell und ihren negativen Auswüchsen, ein Positionspapier als Grundlage für eine staatliche Bankenreform. Und weil bislang keine Anzeichen staatlicher Reformfreude erkennbar sind, beschlossen sie, die Umsetzung des Projekts selbst in die Hand zu nehmen – das Projekt Demokratische Bank war geboren.
Gegensteuern
eingSCHENKt
Die soziale Ungleichheit wird in und nach Wirtschaftskrisen größer, wie der renommierte britische Sozialwissenschafter Tony Atkinson anhand von vierzig Wirtschaftskrisen beobachtet hat. Wir sehen eine zunehmende Ungleichheit innerhalb der Arbeitseinkommen und gleichzeitig eine wachsende Schere durch wieder steigende Vermögenseinkommen bei wenigen ganz oben. Der World Wealth Report berichtet bereits wieder von einem Anstieg des Reichtums der Reichsten um 1 Prozent bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit und Armut. Allein eine Anpassung vermögensbezogener Steuern auf das EU-Niveau brächte in Österreich 4 Milliarden Euro. Jetzt geht es ums Gegensteuern, ums Stopfen der von der Finanzkrise geschlagenen Budgetlöcher, um Maßnahmen, die die Konjunktur nicht abwürgen und um Investitionen in die Zukunftssektoren wie Kinder, Bildung und Pflege.
Guter Schulstart
eingSCHENKt
Wenn das Schuljahr beginnt, beginnen auch die Sorgen. Sorgen, wenn es finanziell sehr, sehr eng ist. Um die 100.000 Kinder leben in Österreich in akuter Armut. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr. Die Kosten dafür sind laut Konsumenteninformation im letzten Jahr gestiegen.
Stadt mit Biss
Die Münchner Straßenzeitung ist, wir geben es zu, zwei Jahre älter als der Augustin

Seit 17 Jahren werkt Münchens Straßenzeitung für «Bürger in sozialen Schwierigkeiten» und kümmert sich, systemkonform, um Menschen, die aus dem System gedrängt werden, weil sie nicht systemkonform sind. Es funktioniert.
Der Coup der Landlords
Aus dem Pakistan-Journal einer österreichischen NGO-Mitarbeiterin

Der Rückgang des Medieninteresses an der Hochwasserkatastrophe in Pakistan, die 14 bis 20 Millionen Menschen obdachlos machte, suggeriert einen Normalisierungsprozess. Das Gegenteil ist der Fall.
Und morgen auch für die Parkbank?
Jetzt müssen "SandlerInnen" auch noch Mieten fürs nächtliche Notbett zahlen

Neben den StudentInnnen, die eine neue Runde des «audimaxistischen» Aufstandes angekündigt haben, weil ihre Lage im Vergleich zum Vorjahr noch schlechter geworden ist, haben auch die SozialarbeiterInnen Wiens allen Grund, dem Sozialabbau-Regime einen heißen Herbst zu bereiten. Die für die Wohnungslosenhilfe zuständige Gesellschaft «Fonds Soziales Wien» (FSW) – vom Magistrat formell ausgegliedert, aber auf Gemeindekosten agierend – verlangt nämlich von Obdachlosen nun 120 Euro pro Monat für ein Notbett in einem der Nachtquartiere der FSW-«Partner».
«Asylwerber unglaubwürdig. Punkt»
Rechtsanwalt Binder: Im Asylverfahren trennt sich das Recht von der Gerechtigkeit
Die Routine, das Alltägliche ist eigentlich das Bösartige, sagt Rechtsanwalt Lennart Binder, der sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge und andere aussichtslose Fälle einsetzt. Seine große Enttäuschung betrifft das Verhalten des Verfassungsgerichtshofes.
Elf Jahre alt, und schon Ehesklavin
Outlaw Legends – Phoolan Devi, Banditin und Menschenrechtsaktivistin (1)

Phoolan Devis genaues Geburtsjahr bleibt ein Geheimnis; Grund hierfür ist die lückenhafte Datenerfassung von Angehörigen niedriger Kasten in ihrer Heimatregion Uttar Pradesch/Indien. Ihr Todestag jedoch ist durch weltweite Pressemeldungen dokumentiert: Im Rahmen einer politischen Veranstaltung wurde sie am 25. 7. 2001 im öffentlichen Raum von Delhi erschossen. Anders war dieser Kämpferin für Frauenrechte offenbar nicht beizukommen.
Wohin aber mit dem Wahnsinn?
Mit dem 500-Schilling-Schein hätte auch gleich die Psychiatrie verschwinden müssen

Dass eine öffentliche Ader in Wien, und sei es auch nur ein unbedeutender Weg im 14. Bezirk, nach dem Rassenhygieniker Wagner-Jauregg benannt ist, kann als Signal verstanden werden: Auch in dieser Stadt wird, wie fast überall sonst, die alte Psychiatrie betrieben. Zwar in liberalisierter, modernisierter Form, aber im Grunde als Fortsetzung der Technik des Ausschlusses «ökonomie-unverträglicher» Menschen.
Die Scham der Schwaiger
Spruchdampfheizung, Volksbeglückungshemd und arme Sünder

Warum sind die psychisch Kranken in finanzieller Hinsicht so arm? Oder warum werden «sozial Schwache» psychisch krank? Ein Nachruf auf Brigitte Schwaiger, die sich in die Donau fallen ließ.
Fonds der Sozialen Kälte am Werk
Und jetzt der Beitrag der Wirtschaftskammer zum Arme-Leute-Denunzieren
Sie wollen ein konkretes Zeichen setzen gegen die Ausbreitung sozialer Kälte in Wien? Ein Vorschlag: Boykottieren Sie Geschäfte, die in diesen Tagen ihre Auslagen mit violetten Plakaten «dekorieren», auf denen Sie davor gewarnt werden, Bettler zu unterstützen. Die Wirtschaftskammer-Kampagne «Helfen ist wichtig – Aber tun Sie’s richtig» stellt für die junge Menschenrechts-NGO BettelLobbyWien einen Beitrag zur Abstempelung des Bettelns als kriminelle Handlung dar.
Tiere lieben die Nacktheit!
GriechInnen in Wien – z. B. Manolis Schrank, Gänsehäufel

Wer an Bademeister denkt, hat schnell braun gebrannte Gigolos mit sportiven Sonnenbrillen im Kopf, sommerliche Mutanten der Schilehrerzunft. Vereinzelt tragen sie, wie im St. Pöltner Freibad, auch schon Shirts mit der Aufschrift Security, große breite Schränke, bei denen in Zweifel zu ziehen ist, ob sie des Schwimmens und Rettens mächtig sind.
Der Streik der Restaurant-Sklaven
Frankreichs “travailleurs sans papiers“ mobilisierten für ihr Aufenthaltsrecht
Sie arbeiten, zahlen Sozialversicherung und haben dennoch keine gültige Aufenthaltsgenehmigung. In diese absurde Situation drängt das französische Recht tausende Menschen, die vorrangig aus ehemaligen Kolonialstaaten im Land der Franternité, Egalité und Liberté ihr Auskommen suchen. Streiks der betroffenen „sans papiers“ haben nun aufgezeigt, welche Sektoren ohne ihre Arbeit still stehen würden, und führten zu gesetzlichen Reformen.
Hartgeld auf Knopfdruck
Ohne Schmach und Pein und in der Gegend Herum-Knien

Einen Bettler-Automaten, nach einem Modell der Stadt Wien von 1927 gebaut, stellte der Künstler Johannes Heuer im Bezirksmuseum Floridsdorf aus – zwischen Schusterkugeln, zivilen Perkussionspistolen und mit Hakenkreuzen bestickten Taschentüchern.
Potemkinsche Sicherung
eingSCHENKt
Der russische Fürst Potemkin hat, so heißt es, der Zarin Katharina auf einer Inspektionsreise durch die Krim nur blühende Dorfattrappen gezeigt. Potemkinsche Dörfer schauen auf den ersten Blick also ganz passabel aus, verbergen aber, was sich eigentlich dahinter verbirgt.
Dem «Hässlichen» nützt auch die Stille nicht
Eine menschenrechtliche Analyse zum Bettelverbot
Ein Kolumnist dieser Zeitung ist in diesem Frühling aus der SPÖ ausgetreten und weint ihr nicht einmal eine Träne nach. Auschlaggebend dafür war, dass die SPÖ-Fraktion im Rathaus schneller die Antibettlerverordnung in Richtung generelles Wiener Bettlverbot verschärfte, als Strache in eine Position gewählt wurde, in der er sich in Sachen Armenvertreibung als der bessere Häupl darstellen könnte. Anfang Juli soll das Gesetz in Kraft treten, mit dem – nicht nur wie bisher – aufdringliches und aggressives, sondern darüber hinaus auch gewerbsmäßiges Betteln verboten und bestraft werden soll. Hier eine juridsche Expertise.
Der Drahtesel als Packesel
Lastenfahrräder und Radanhänger kommen wieder in Mode

Lastenfahrräder waren lange Zeit nur noch bei der Post im großen Stile im Einsatz. Vereinzelt tauchten im Stadtbild noch Eisverkäufer oder Bäcker mit nicht motorisierten Transportvehikeln auf, doch es zeichnet sich eine Wende ab – das Fahrrad wird als Lastentransporter und Lastenschlepper wieder entdeckt.
Angst & Hass, weil Wissen fehlt
Ein Symposion beleuchtete das Betteln in Wien aus verschiedenen Perspektiven

Wir alle kennen sie, die medialen Bilder von den «bettelnden Ostbanden», die täglich durch unsere Zeitungen geistern. Über das reale Leben der Menschen, die mit Betteln ein paar Euros zu verdienen versuchen, wissen wir allerdings wenig. Und wo Information fehlt, können Misstrauen, Angst und Hass Fuß fassen, kann eine Menschengruppe zu Sündenböcken stilisiert werden, kann mit Fehlinformation hoher Sensationswert erzielt werden. Die BettelLobbyWien hat es zu ihrer Aufgabe gemacht, den Hetzkampagnen Informationen entgegenzustellen.
Spitzenbanker im Finanzdistrikt
eingSCHENKt
Die Fragestellung der Analyse hat es in sich: Experten der New Economics Foundation, einer unabhängigen Denkfabrik mit Sitz in London, wollten wissen, welche Jobs mehr zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen. Im Falle der Banker verglichen sie deren Einkommen mit der Wirtschaftsleistung der Finanzexperten, also mit ihren Steuerzahlungen und der Anzahl der geschaffenen Jobs. Das Ergebnis fällt negativ aus: Für jedes Pfund, das die Spitzenbanker verdienen, zahlt die Gesellschaft sieben Pfund drauf. Noch verheerender fällt die Bilanz bei Steuerberatern aus: 47 Pfund kostet es die Gesellschaft, wenn einer der Steuerspargehilfen ein Pfund verdient.
Gleichheit macht glücklich
"Verblüffend" fand der Epidemiologe R. Wilkinson die Resultate seiner eigenen Studien

Die britische Tageszeitung «The Guardian» bezeichnete das kürzlich auf Deutsch erschienene Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett als das vielleicht wichtigste des Jahres 2009. Der Augustin sprach mit dem Epidemiologen der University of Nottingham, der seit Jahrzehnten zu Ungleichverteilung, Sozialkapital und Gesundheit forscht.
Das Zwischenreich: neue soziale Risken
eingSCHENKt
Frau S. schlägt sich als Ich-AG und Armutsunternehmerin mit Gebrauchsgrafiken durch den Alltag. Ihr dreijähriger Sohn leidet seit seiner Geburt an schwerem Asthma. Er braucht viel Zeit. Der Lohn ihrer Arbeit ist unregelmäßig und gering. Loch auf Loch zu. So muss sie rechnen, einmal die Miete, einmal das Heizen, einmal das Telefon. Immer gibt es eine offene Rechnung. Kaputt werden darf nichts: keine Boiler und keine Waschmaschine. Mit dem Einkommen gibt es kein Auskommen.
Der Frühling der Ungehorsamkeit
Auch in Österreich nehmen viele Menschen die Abschiebung ihnen vertrauter Asylsuchender nicht mehr hin

Die Tatsache, dass Flüchtlinge ins Ungewisse abgeschoben werden, auch wenn sie längst in die österreichische Gesellschaft integriert sind, scheint die ÖsterreicherInnen nicht aus der Gemütlichkeit zu reißen. Die Tradition des zivilen Ungehorsams gegen die Demontierer des Asylrechts, die etwa in Frankreich der Fremdenpolizei so zu schaffen macht, fehlt hierzulande. Umso größere Aufmerksamkeit verdient der spontane Versuch couragierter BürgerInnen, die überraschende Abschiebung eines Fußballtrainers zu verhindern. Auch anderswo wird die Bevölkerung in jüngster Zeit «französischer» …
Dem "Hässlichen" nützt auch die Stille nicht
Eine menschenrechtliche Analyse zum Bettelverbot

Ein Kolumnist dieser Zeitung ist in diesem Frühling aus der SPÖ ausgetreten und weint ihr nicht einmal eine Träne nach. Auschlaggebend dafür war, dass die SPÖ-Fraktion im Rathaus schneller die Antibettlerverordnung in Richtung generelles Wiener Bettlverbot verschärfte, als Strache in eine Position gewählt wurde, in der er sich in Sachen Armenvertreibung als der bessere Häupl darstellen könnte. Anfang Juli soll das Gesetz in Kraft treten, mit dem – nicht nur wie bisher – aufdringliches und aggressives, sondern darüber hinaus auch gewerbsmäßiges Betteln verboten und bestraft werden soll. Hier eine juridsche Expertise.
Ohne Muslime kein Europa
Das goldene Wienerherz und die hyperemotionale Islam-Debatte

Die meisten Medien unterscheiden nicht ausreichend zwischen Islam als Religion und Islamismus als politische Ideologie. Beim Thema Integration wird eher polarisiert und emotionalisiert als informiert. Das Internetportal Qantara bietet sich als Gegenlektüre an. Wenn auch zu befürchten ist, dass die «Mutter» der Brigittenauer MoscheegegnerInen, Hannelore Schuster, andere «Informationsquellen» vorzieht: Für die Auseinandersetzung mit der grassierenden Islamophobie ist Qantara hilfreich.
In der Hitze des Stammtisches
Lokalaugenschein zum Konflikt um eine geplante "Moschee" in der Brigittenau

Bei Shakespeares Hamlet geht es um Sein oder Nichtsein. Eine Spur weniger dramatisch, aber ebenfalls konfliktreich ist die Frage um Sein oder Nichtsein eines Gebäudes in Wien. Der türkisch-islamische Verein Atib will in der Dammstraße 37 im 20. Bezirk ein Büro- und Wohngebäude mit einem Veranstaltungssaal bauen – zusätzlich zum bereits bestehenden Gebetsraum. Die Bürgerinitiative „Moschee ade“ läuft seit Mitte 2007 dagegen Sturm. Doch Atib hat bereits die Baugenehmigung. Der Augustin machte einen Lokalaugenschein an mehreren Stationen des Konflikts.
Abschiebende Wirkung
eingSCHENKt
Üblicherweise wird eine Schule für Kinder ohne Behinderung gebaut, und Kinder mit Behinderung werden dann in diese Schule integriert. „Bei uns ist es umgekehrt“, erzählt die Schuldirektorin Silvia Gehrmann. „Bei der Planung dieser Schule gingen wir von den Bedürfnissen von Kindern mit schwersten Behinderungen aus. Was architektonisch für Kinder mit schwersten Behinderungen notwendig ist, bietet auch für Kinder ohne Behinderung optimale Lernvoraussetzungen.“
Einwandfrei disziplinierte Parteisoldaten
Eine Frage im neunten Bezirk: Wollt ihr das totale Bettelverbot?
War bisher schon das aufdringliche, aggressive und organisierte Betteln verboten, wird ab 1. Juli in Wien auch das «gewerbsmäßige Betteln» zum Delikt. Soweit bekannt. Ob den sozialistischen Gemeinderätinnen, die den entsprechenden Antrag im Rathaus eingebracht hatten, die gesetzliche Definition der «Gewerbmäßigkeit» bekannt war? Die Grüne Fraktion des Alsergrunder Bezirks-«Parlaments» schaute sich die Gewerbeordnung an.
Eine Tätigkeit wird gewerbsmäßig ausgeübt, wenn sie selbständig, regelmäßig und in der Absicht betrieben wird, einen Ertrag oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen, gleichgültig für welche Zwecke dieser bestimmt ist; hiebei macht es keinen Unterschied, ob der durch die Tätigkeit beabsichtigte Ertrag oder sonstige wirtschaftliche Vorteile im Zusammenhang mit einer in den Anwendungsbereich dieses Bundesgesetzes fallenden Tätigkeit oder im Zusammenhang mit einer nicht diesem Bundesgesetz unterliegenden Tätigkeit erzielt werden soll. Selbständigkeit im Sinne dieses Bundesgesetzes liegt vor, wenn die Tätigkeit auf eigene Rechnung und Gefahr ausgeübt wird. Auch eine einmalige Handlung gilt als regelmäßige Tätigkeit, wenn nach den Umständen des Falles auf die Absicht der Wiederholung geschlossen werden kann oder wenn sie längere Zeit erfordert. Das Anbieten einer den Gegenstand eines Gewerbes bildenden Tätigkeit an einen größeren Kreis von Personen oder bei Ausschreibungen wird der Ausübung des Gewerbes gleichgehalten.
Ungleichgewichte und das Finanzdesaster
eingSCHENKt
Hinter den Problemen rund um Griechenland steckt mehr als nur gefälschte Statistiken. Es geht um die Ungleichgewichte im Euroraum, die bestimmten Interessengruppen in den reicheren Ländern jahrelang äußerst recht waren. Das Konsumwachstum betrug seit 2000 in Griechenland 74 Prozent, in Deutschland im gleichen Zeitraum jedoch nur 16 Prozent. Österreich lag mit 31 Prozent in der Mitte. Ähnlich hoch wie in Griechenland war das Konsumwachstum in Spanien mit 66 Prozent. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Lohnentwicklungen in den einzelnen Ländern. Die Löhne pro Beschäftigten stiegen in Griechenland seit 2000 um rund 50 Prozent, in Deutschland nur um knapp 10 Prozent. Schließlich geht es nicht nur, ja nicht einmal hauptsächlich um Staatsfinanzen, sondern ganz zentral um ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht, nämlich hohe Überschüsse des Exports über den Import in Deutschland und umgekehrt in Südeuropa. Mit Sparen allein wird man nichts sanieren können, weil das Sparen ohne einen positiven Impuls aus anderer Richtung die Wirtschaft immer tiefer in die Rezession treibt. In einer Währungsunion gibt es eine Anpassung nur über die Löhne: Vernünftig wäre jetzt: Im Überschussland wie Deutschland müssten die Löhne stärker steigen, im Defizitland weniger als zuvor.
"Die Bösen werden am Ende siegen"
Von Kindern, die Krieg und die Flucht überlebten: No Wellcome in Austria
Zwölf Polizeibeamte, die ratlos ein schreiendes Kind umstehen, Prinzessinnen, die Schatzkisten nicht verlassen dürfen und Hunde, die Kinder besser beschützen als die österreichischen Behörden. Aus dem Alltag der Traumatherapeutin Sonja Brauner, die trotz Abschiebungen Kinderflüchtlingen stabile Augenblicke verschafft.
Arena der Anerkennung
eingSCHENKt
Früher hatten die Eltern zu ihren Kindern gesagt, du sollst es einmal besser haben. Jetzt sagen sie, hoffentlich hast du es nicht schlechter. Schichten, die bislang für sich und ihre Kinder nur die Perspektive des Aufstiegs kannten, sind nun plötzlich mit dem Abgrund des Abstiegs konfrontiert.
In Interviews mit männlichen angelernten Arbeitern und Facharbeitern sowie prekär beschäftigten Frauen in der Steiermark kommen all die Begleitfolgen sozialen Abstiegs zum Vorschein: soziale Disqualifizierung, verletzte Gerechtigkeitsgefühle und Ohnmachtserfahrungen. Die Männer haben Entlassungen, Wiedereinstellungen und wieder Entlassungen erlebt. Die Frauen berichten von unsicheren, schlecht bezahlten Jobs, langen Phasen der Erwerbslosigkeit und der Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die schwierigen Arbeitsbedingungen nehmen die Männer in Kauf für soziale Sicherheit, einen bescheidenen Wohlstand und soziale Anerkennung. Die Frauen sind stolz, alles zu schaffen, ein eigenes Einkommen und auch Zeit für die Kinder zu haben.
Für eine City ohne Straßenkunst?
Vom Himmel stürzende Diabolos bedrohen TouristInnen und StadtbewohnerInnen!
Wann haben Sie den letzten Pflastermaler im Zentrum Wiens gesehen? Und wissen Sie, dass auch die Genies in Sachen Jonglage demnächst vielleicht aus dem Bild der Innenstadt gelöscht werden? Abraham Thill, unter dem Namen El Diabolero als Profi und Showmaster der Jongleurszene bekannt, will nach langjährigen Umtrieben von Stadt zu Stadt seinen Brotberuf, die Kunst des Diabolowerfens, in Wien ausüben. Hier lebt die Familie, hier lebt sein einjähriger Sohn, hier fühlt er sich verwurzelt. Pech: Ausgerechnet in Wien läuft seine Kunst amtlicherseits unter Belästigung und Sicherheitsgefährdung.
Wie Arbeitslosigkeit gemacht wird
Whistleblowerin erzählt Internas aus einem Wirtschaftskonzern
Die Autorin dieses Beitrags hat langjährige Konzern-Lenkungs-Erfahrung. Weil sie sich nicht nur für die Quartalszahlen, sondern auch für gesellschaftliche Zusammenhänge interessierte, war sie in der privilegierten Position, hinter die glänzenden Fassaden zu blicken und Fehlentwicklungen früh zu erkennen. In den folgenden «Meilensteinen» fasste die Insiderin die Mechanismen, die das Schwungrad in den Abgrund betreiben, zusammen. Ihr Beitrag soll ähnlich positionierte Menschen ermutigen, als «Whistleblower» (interne Aufdecker von Missständen) für größere Transparenz in wirtschaftspolitischen Angelegenheiten zu sorgen.
... und Genossin Yilmaz glaubt das alles
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden. Teil 1
Nurten Yilmaz glaubt an das, was sie sagt. Die Wiener SPÖ-Gemeinderätin ist davon überzeugt, dass die neuen gesetzlichen Verschärfungen gegen «gewerbsmäßige» BettlerInnen ein Sieg im Kampf gegen den Menschenhandel und die Organisierte Kriminalität seien. Was für ein Signal ist die Novellierung des Landessicherheitsgesetzes wirklich? Vor allem die Behinderten unter den Bettelnden sollen in ihren südosteuropäischen Dörfern bleiben und dort schauen, wie sie mit ihrem Verhungern zurechtkommen.
Geniessen verboten
eingSCHENKt
Ein E-Mail landet in meinem Postfach. „Meine Meinung ist, wer immer genug eingezahlt hat, bekommt auch im Alter genug zum Leben“, schreibt Frau Waltraud V. „Ist ja nur gerecht, wer immer brav arbeiten war und immer eingezahlt hat.“ Und weiter: „Bei mir war es so: Ich hatte eine Operation, wurde gekündigt und dann in die Pension geschickt. Man hatte keine Verwendung mehr für mich. Der Gipfel war dann, man hat mir noch Pension abgezogen. Das hat auch keinen gekümmert, und ich war immer arbeiten. Das E-Mail endet mit zwei Sätzen: „Die wollen ja gar nicht arbeiten, und da sehe ich nicht ein, dass man so etwas unterstützt. Die lachen und sagen, wir bekommen eh alles, wozu soll ich arbeiten.“
"Jetzt geht uns die Luft aus"
Das Viertel boomt, aber der Ort des Aufbruchs kämpft ums Überleben. Amerlinghaus schlägt Alarm

Das Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus ist der Rest beziehungsweise das Erbe der wilden 70er Jahre, als eine Besetzungsaktion ein Stadtviertel für das Baukapital interessant machte, das von der Stadt dem Verfallsprozess preisgegeben schien. Die Stadt aber schmückt sich mit den Federn des Spittelberg-Revitalisierung-Vorzeige-Modells und lässt das Kulturzentrum, für dessen Pionierrolle sie sich eigentlich bedanken müsste, sukzessive verhungern.
Mein Leben ohne Geld
Heidemarie Schwermer ist eine Pilgerin in der Kostnix-Welt

Heidemarie Schwermer lebt seit vierzehn Jahren ohne Geld. Wie die ehemalige Lehrerin und Psychotherapeutin Schritt für Schritt aus den bestehenden Strukturen ausstieg, beschrieb sie in ihrem Buch «Das Sterntalerexperiment». Als die Norddeutsche wieder einmal in Wien war, besuchte sie auch den Augustin, dessen kleiner Kostnix-Buchladen sie sofort begeisterte. Ein Augustin-Interview über Leben, Erfahrungen und Visionen einer Schwärmerin, die vorzeigt, dass Utopie etwas sehr Konkretes und Machbares sein kann.
Besuchen Sie die Singlekocherei
Christas Sparküche
Im mittlerweile elften Jahr der Sparküche wurde es Zeit, das Konzept der Rubrik zu überdenken. Die wesentlichen – und hübsch einige unwesentliche, aber dennoch interessante – Grundzutaten und -vorgänge sind beschrieben, ein umfangreiches Repertoire an Rezepten angeboten.
Die kommenden Texte werden daher einem veränderten Konzept folgen. In der Augustin-Rubrik Sparküche wird es vermehrt um übergeordnete Themen gehen, die bisher nur in Ausnahmefällen Platz fanden. Wer auf Rezeptvorschläge nicht verzichten will, sei auf den Blog der Sparköchin verwiesen:
http://singlekocherei.myblog.de
Ein ungeheurer Mythos: das Abstandsgebot
eingSCHENKt
„Nur wenn der Abstand zwischen Erwerbsarbeit und Sozialleistung möglichst groß ist, gehen die Leute arbeiten.“ Das ist das so genannte Abstandsgebot. Die empirische Forschung hegt an dieser Annahme seit Jahren große Zweifel, was ihrer Popularität und mythischen Wiederholung jedoch keinen Abbruch tut. Eine Mischung aus gesundem Vorurteil und neoklassischer Modelltheorie hat sich zu einer stabilen Seinsgewissheit verbunden, die sozialempirische Daten als Modellstörung empfindet. Lasst uns mit der Realität in Ruhe! Das Abstandsgebot ist wie das Ungeheuer von Loch Ness. Fast alle haben es schon gesehen, obwohl …
Würden Sie um 70 Cent pro Stunde jobben?
Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden

Da staunten die Blauen, als die Roten die Initiative ergriffen, das Wiener Sicherheitsgesetz so zu ändern, dass die Polizei nunmehr praktisch jede Form von Betteln verhindern kann.
Rund und verbündet
ARGE Dicke Weiber: Nicht das Übergewicht ist schädlich, sondern der Selbsthass
Ein wacher Geist in einem schlanken Körper? Die Modeindustrie normiert unsere Körpermaße, dünne Frauen sind ein Schönheitsideal. Der Effekt: Bereits normalgewichtige Menschen drosseln ihren Appetit. Der Schlankheitswahn drängt dicke Menschen umso mehr an den Rand der Gesellschaft. Rund 45 Prozent der Wiener Bevölkerung sind übergewichtig. Zwei Frauen der ARGE Dicke Weiber erzählten dem Augustin, wie es sich als dicke Frau in Wien lebt und warum sie sich für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft engagieren.
Wer ist im Käfig? Wer fehlt im Käfig?
Zwischen den Gürtelfahrbahnen werden Kinder zu richtigen Männern

Wer benützt die so genannten Gürtelkäfige? Wer okkupiert sie? Wer fehlt in den Gürtelkäfigen? Wer möchte sie benützen, fühlt sich aber ausgeschlossen? Über einen Beobachtungszeitraum von zwei Monaten – November und Dezember 2009 – versuchte die Wiener Lehrerin Doris Pichler mittels eines Foto- und Text-Tagebuchs Antworten auf diese Fragen zu finden. Ein Projektbericht, nebst einer ausgewählten Tagesbuchnotiz.
Personalabbau bedroht Medienpluralismus
Wenn Marjah eine Stadt ist, ist Grammatneusiedl New York

Wer einen Krieg im Zeichen der «Humanität» führt, muss zuerst den Kampf um die öffentliche Meinung gewinnen. Die Gewinnchancen sind groß, weil dem militärisch-politisch-industriellen Komplex die Gegen-Player in Form von unabhängigen Medien zunehmend abhanden kommen. Das Märchen von der Stadt Marjah im Süden Afghanistans sagt einiges aus über die reale Situation der Publizistik – auch der österreichischen.
Der Mann mit dem Messer

Wie gefährlich ist der Wienerwald bei Nacht? Die Künstlerin
Monika Kribusz gibt sich in einem Jahres-Experiment des Schlafens im Freien ihren unausweichlichen Phobien hin.
Soziale Schere schadet (fast) allen
eingSCHENKt
Noch mehr soziale Ungleichheit heißt noch mehr Krankheiten und noch geringere Lebenserwartung, mehr Teenager-Schwangerschaften, mehr Status-Stress, weniger Vertrauen, mehr Gewalt und mehr soziale Ghettos. Das Interessante: Eine sozial polarisierte Gesellschaft bringt Nachteile nicht nur für die Ärmsten, sondern auch für die Mitte. Es stehen nicht nur die unterprivilegierten Mitglieder schlechter da, sondern auch die Wohlhabenderen. Die soziale Schere schadet und zwar fast allen.
Dazu gibt es eine erdrückende Beweislast an Studien, aktuell vom renommierten Gesundheitswissenschafter Richard Wilkinson, Professor an der Universität von Nottingham und des University College London. Im internationalen Vergleich schneiden die skandinavische Länder sehr gut ab, Großbritannien, Portugal und USA sind abgeschlagen am Schluss, Österreich ist vorne dabei, aber nicht top.
Ein Klick macht niemanden satt
Facebook-Aktivitäten als Scheinhandlungen
Eine Drittelmillion virtueller Kerzen von Facebook-UserInnen für Haiti: eine gewaltige Zahl, hinter der die nüchterne Tatsache des Null-Effekts verborgen bleibt. 30.000 Mitglieder in der Facebook-Gruppe der Audimax-BesetzerInnen, doch bei der Räumung der Polizei sind gerade einmal 15 Studis anwesend – die meisten davon vielleicht gar keine Facebookfans. Ein Missverhältnis, das eine(n) dazu bewegen kann, die Bedeutung des so genannten Social Network für zivilgesellschaftliches Engagement zu relativieren.