Parallelgesellschaft
eingSCHENKt
Der Typ Sozialstaat österreichischer wie auch deutscher Prägung schafft es nicht - trotz insgesamt guter sozialer Sicherung-, die Aufstiegschancen einkommensschwächerer SchülerInnen zu verbessern. Wie ein Fahrstuhl („Fahrstuhleffekt“ © Soziologe Ulrich Beck) wird die Gesellschaft in die Höhe gefahren, was auch die unteren Schichten zu höherem Lebensstandard führt, die Unterschiede aber relativ konstant und die soziale Durchlässigkeit relativ gering belässt.
Österreich ist ein Auswanderungsland (1)
"Leck meine Stiefel, Sklave!"
Wer Mensch geblieben ist in diesen rohen Zeiten, erlebt Momente, in denen er seine Sachen packen und auswandern möchte, wenn ihm menschlichere Zonen auf diesem Planeten einfielen. Doch der Herr Dr. Bukasa bleibt ja auch in Wien – und warum sollte man ihn allein zurücklassen in dieser Stadt, die Fremden zunehmend Furcht bereitet und die letzten Reste ihrer Gastfreundschaft zu verlieren scheint ...
Afrikaner als Informationsquelle "nur eingeschränkt relevant"
Besten Gruß, Peter Rabl
Der einzige mildernde Umstand, der zugunsten des KURIER und seines Chefredakteurs konstruiert werden könnte, ist der Fakt, dass auch andere Medien Null Interesse an dem Überfall auf den schwarzen Menschenrechtsaktivsten Dr. Bukasa zeigten. Als erschwerend muss dagegen der Zynismusgehalt des Schreibens bewertet werden, mit dem Peter Rabl sein Versagen legitimiert und seine Kritiker zu Extremisten erklärt. Aber der Reihe nach:
Österreich ist ein Auswanderungsland (2)
Sie und Ihresgleichen...
sollen sich eher mit dem kriminellen Phänomen, dass der Suchtgifthandel offensichtlich zu einem beträchtlichen Teil von Afrikanern besorgt wird, auseinander setzen und weniger mit der Berichterstattung darüber, maßt sich Kurier-Herausgeber Rabl an, den Mensch-enrechtsaktivist Inou abzukanzeln, wie der »Massa« den »Boy«.
Ein Leben für die Beladenen dieser Welt – Evamarie Kallir
"Hab´ menschliche Monokulturen nie gemocht"
Sie hätte die Galerie nächst St. Stephan übernehmen sollen. Stattdessen engagierte sie sich für die SOS-Kinderdörfer und für das Wiener Regenbogenhaus und gibt Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Ein Gespräch mit Evamarie Kallir, die 1938 als 12-jähriges Mädchen nach Amerika flüchten musste, über ihre Rückkehr, über fließende Grenzen und die Verweigerung des Materiellen.
Gespaltenes Leben
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Je stärker die soziale Spaltung in einer Gesellschaft, desto stärker kann man den sozialen Status einer Person am Zustand der Zähne ablesen. Denen ist das Lachen vergangen. Genieren sich einfach mit kaputten Zähnen den Mund aufzumachen. Das ist auch eine Möglichkeit Menschen zum Schweigen zu bringen. „Wie soll ich mir den Zahnersatz leisten?“, fragen Betroffene in den Beratungsstellen. Die Krankenkasse zahlt auch immer weniger.
Aus den "Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität" in die Gefängniszelle
Staat bietet Schmalz statt Jobs
Menschen aus verarmten Länden werden bei uns in die Arme von Sozial- und Beschäftigungsprojekten der organisierten Kriminalität getrieben. Denn der Staat lässt sie nicht regulär arbeiten – und an Projekten nach Art des Augustin, die Überlebenschancen außerhalb der Kriminalität bieten, herrscht großer Mangel. Über diese und weitere Ursachen der Überfüllung der österreichischen Gefängnisse und über Alternativen zur Haft (wienerisch: zum Schmalz) sprach Augustin-Sozialexperte Martin Schenk mit Dr. Arno Pilgram, Leiter des Wiener Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie.
Sie tun, was kaum wer tut, am wenigsten der, der es tun müsste
Mit ZARA verschwände die Kontrolle von unten
ZARA ist die Abkürzung für Zivilcourage und Antirassismus-Arbeit. Als Beratungsstelle für Einzelpersonen, die ZeugInnen oder Opfer rassistischer Vorfälle wurden, ist ZARA einzigartig in Österreich. Ihr jährlicher Rassismusreport ist für alle, die an einer ungeschminkten Darstellung soziologischer Realitäten interessiert sind, eine Pflichtlektüre. Verena Krausneker und Dieter Schindlauer vom ZARA-Vorstand berichteten dem Augustin, wie sehr der Staat zivilgesellschaftliche Anstrengungen in diesem Bereich ignoriert. ZARA steht wieder einmal vor dem Aus.
Mythen beinhart
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Aus der Ferne sieht man vieles klarer. George Bush nennt das Pensionssystem der USA „bankrott“. Deshalb sollen die US-BürgerInnen ein Drittel ihrer Beiträge ab jetzt an der Wallstreet in Aktien anlegen. Das bringt keine festen Leistungszusagen mehr und Einbußen bis zu 40 Prozent für den/die Durchschnitts-Pensionisten/in. Nur: Das US-Pensionssystem macht derzeit 1,5 Billionen Dollar Überschüsse. Das hindert Bush nicht daran, vom Pensionsnetz, „das nicht mehr finanzierbar ist“ zu sprechen. Aus der Ferne sieht man: Um Pensionen zu kürzen, braucht man keine harten Facts, sondern die Herrschaft über die Köpfe.
Vom Untertan zum Kunden?
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Kunde sein ist fein, wenn man Geld hat. Wenn man aussuchen kann, abschlagen kann, informiert ist. Wer aber nicht die Freiheit hat, mit Geld sich auszusuchen, was man will, abzuschlagen, was man nicht will, und alle Informationen einzusehen, die man braucht, dort ist Kundesein nicht fair. Je weniger Geld ich habe und je stärker meine Abhängigkeit in der Dienstleistungs-Beziehung, desto problematischer wird der Kundenbegriff.
Die Shopping-Mall vom Schöpfwerk
Alles zum sensationellen Preis von null Euro und null Cent
Architektur zum Verlaufen, angenehme Öffnungszeiten, kompetente Beratung, großes Warensortiment vom Kühlschrank bis zum Kinderwagen, Café im Geschäfts-Lokal, stilgerechte Anreise in einem straßenbahnartigen Verkehrsmittel
Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zum Shopping-Chaos Süd nicht zu erkennen, aber bevor Sie Ihre Kreditkarte einpacken und losfahren, lesen Sie das Kleingedruckte!
Der Kriminalsoziologe Dr. Arno Pilgram im Augustin-Gespräch ? Teil 1
Als Erstes den Strafvollzug für Jugendliche abschaffen ...
Dr. Arno Pilgram, Leiter des Wiener Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, sprach mit dem Sozialexperten Martin Schenk über die Gründe der Explosion der Häftlingszahlen und über die Inaktivität der österreichischen Rechtspolitik. Das Gespräch ist eine Aufzeichnung eines Interviews für Radio Augustin.
Verrohte Uniformierte
Die Sprache der amtlichen Handschellen ist derb, aber deutlich
Der Augustin ist längst (auch) zur Westerweiterung der osteuropäischen VerliererInnengemeinschaft geworden. Jozef Katona ist einer der zahlreichen slowakischen VerkäuferInnen der Wiener Straßenzeitung (viele davon sind Roma). Wir kennen Jozef also und wissen, dass seine Geschichte nicht erfunden ist. Es ist eine schreckliche Geschichte, die zeigt, wie weit die Verrohung in unserem Land gediehen ist, wenn es um Armuts-MigrantInnen geht. Wir würden gerne wissen, wie viele solcher Geschichten unprotokolliert bleiben.
Wer sind Sie?
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„Können Sie sich ausweisen?“
„Ja, ich hab eh meine Kreditkarte dabei.“
In den USA hat die Kreditkarte den Personalausweis abgelöst. Kreditwürdigkeit als Identitätsnachweis. Viele haben mehrere solcher kleinen Kärtchen, je nachdem, welche gerade überzogen ist, muss man die andere zücken, um noch bezahlen zu können.
Kopftuch, pfiffig umgemodelt
Ignoranz bedeutet, den Anderen aus dem Blickfeld zu verdrängen
Die Wirtschaftswissenschafterin und Lehrerin für Religion und Rechnungswesen Gülmihri Aytac übersetzte Friederike Mayröcker ins Türkische und gab das Buch „so gehe ich tag und nacht. 13 texte nach veysel“ heraus. Fragen beantwortet sie kurz und bündig. Z. B. nach der in den Medien sehr beliebten Unterdrückung der Frau im Islam: „Frauenunterdrückung gibt es überall. Es ist nicht einmal so sehr deswegen, weil Männer Frauen unterdrücken, sondern weil der Stärkere den Schwachen unterdrückt. Und Frauen befinden sich zumeist in der schwächeren Position“, sagt sie im Augustin-Gespräch.
Alles bleibt anders
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Der Sozialbericht wurde präsentiert. Darin sind die jeweils aktuellen Daten über Armut und Einkommen enthalten. Stehen dort schwarz auf weiß und trotzdem wird verharmlost und verdrängt. Oder gerade deswegen. Is’ eh alles super! Wir machen, was wir können! Net jammern, sondern zufrieden sein! Keep smiling!
Zusammengegeneinanderlebenmüssen
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„Integration ist ein Prozess der wechselseitigen Anpassung und Veränderung zwischen einer aufnehmenden und einer aufzunehmenden Gruppe“ (Rainer Bauböck).: „Während MigrantInnen vor allem auf individueller Ebene große Anpassungsleistungen erbringen müssen, fällt der Aufnahmegesellschaft die Aufgabe zu, die politischen, rechtlichen und kulturellen Institutionen so umzugestalten, dass aus Fremden gleichberechtigte Bürger werden.“
Schlachtruf
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Die Schauspieler Albert Fortell und Barbara Wussov bezogen zwischen ihren Drehs Notstandshilfe. Was eine große Empörung auslöste, weil viele wissen, wie schwierig es ist, Notstandshilfe zu bekommen: Partneranrechnung, jeden Job annehmen, alle Einkommen angeben etc. Und wenn man Notstandshilfe bezieht, dann ist das für die meisten ein Hungereinkommen. Die durchschnittliche Notstandshilfe von Frauen liegt bei 475.-€. Viele haben weniger als 200 €.
ZARA-Kolumne "Geht´s mich was an?"
AusländerInnen? AsylwerberInnen? Arme Hascherln?
Fast 800 Fälle von Rassismus hat ZARA im Jahr 2004 dokumentiert. Hunderte von Menschen haben sich also an ZARA gewandt. Wie soll man sich die durchschnittliche Person vorstellen, die sich an die Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen wendet? Trauriger, schwarzer Asylwerber? Arme, ungebildete Migrantin? Unterdrückte Kopftuch tragende Muslima? Religiöser bärtiger Jude? Schokoladebraunes Volksschulkind? Solche und ähnliche stereotypen Bilder haben die meisten Leute, wenn sie Opfer von Rassismus hören.
"Klub jüdischer Gastarbeiter" blieb Episode
Der Wiederaufbau des Ottakringer Settlements nach 1945
Von London aus verbreitete sich vor 100 Jahren die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlement als eine Art frühe NGO für Obdachlose und andere VerliererInnen. Die Folgegeschichte in Nr. 150 behandelte die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis. Um den Wiederaufbau nach dem Krieg und das endgültige Aus geht es im dritten Teil der Dokumentation.
Die Folgen der Diktatur für ein Sozialprojekt und seine Menschen
So starb das Settlement
Von London aus verbreitete sich die Idee der „Settlements“ – Nachbarschaftszentren in Armenvierteln – auch nach Wien. Zwischen Jahrhundertwende und Zwischenkriegszeit, siehe Ausgabe Nr. 149, fungierte das Ottakringer Settlements als eine Art frühe NGO, wie wir heute sagen würden, für Obdachlose und andere VerliererInnen. Der Folgetext behandelt die Demontage des Sozialprojekts durch die Nazis.
Zur Geschichte eines frühen internationalen Sozialprojekts
Das Ottakringer Settlement
„Else, ich habe dir aus England etwas mitgebracht, das musst du machen.“ So erinnerte sich Else Federn Mitte der 30er Jahre, anlässlich des Todes ihrer Freundin Marie Lang (1858-1934), an ihre erste Bekanntschaft mit der Settlement-Idee im Jahr 1898. Marie Lang hatte als Vertreterin des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins, der frühen Wiener Feministinnen, an einem Kongress in London teilgenommen und dort die Einrichtung der Settlements kennen gelernt.
"Wiederbetätigung": Jus-Student brachte Anzeige gegen die Republik ein
Kein Unrechtsbewusstsein
AUGUSTIN-LeserInnen kennen ihn schon: Joachim Stern, den Jus-Studenten, der im online-Schalgwortkatalog des Rechtsinformationssystems (RIS), das vom Bundeskanzleramt herausgegeben wird, die Wörter "Erb- und Rassenpflege " fand und der einigermaßen erstaunt darüber, hier eindeutig nationalsozialstischem Gedankengut entspringende Begriffe vorzufinden, zu recherchieren begann. Mitte Februar brachte Joachim Stern eine Anzeige wegen Wiederbetätigung bei der Staatsanwaltschaft ein (Wortlaut siehe unten). Hier die Vorgeschichte und ein kleiner Exkurs in die österreichische Verdrängungspolitik.
Menschenrechtsgruppe GEMMI fordert:
Gerechtigkeit für die Szilvassy-Opfer!
Viele afrikanische Jugendliche sitzen zur Zeit in Erwachsenenstrafhaft in Österreichischen Gefängnissen. Ihre Haftstrafen sind doppelt so hoch, als wenn sie nach Jugendstrafrecht verurteilt worden wären. Warum? Die Justiz glaubt ihnen nicht. Die Asylbehörden glauben ihnen nicht. Die Polizei glaubt ihnen nicht. Sofern AsylwerberInnen und MigrantInnen ihre Angaben nicht mit Dokumenten belegen können, wird ihren Aussagen nicht geglaubt. Und wenn Papiere vorliegen, wird die Echtheit der Dokumente in Frage gestellt.
Solitaritäts-Essen im Salon Uhudla
Wo die Verlierer gewinnen
Gesellschaftliche Umverteilung von oben nach unten, von reich nach arm, wäre gefragt. Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten tat eine Regierung so leidenschaftlich das Gegenteil, wie die aktuelle blauschwarze. Dass Umverteilung auch in der privaten, selbstgestaltbaren Lebenswelt sinnvoll sein kann, versucht AUGUSTIN-Mitbegründer und
Uhudla-Verlagschef Max Wachter zu beweisen. In seinem Literatursalon Uhudla in der Phorusgasse findet jeden Donnerstag im Februar ein "Solidaritätsessen" statt: Jeweils zwölf Arbeitsplatzbesitzer und "Gutsituierte" laden zwölf Habenichtse zum Essen ein.
Das "Neunerhaus" füllt sich mit Leben
Zwang ist entbehrlich
Das ehemalige Salesianer-Lehrlingsheim Ecke Hagenmüllergasse/ Lechnerstraße im 3. Bezirk ist zum "Neunerhaus" mutiert - zu Wiens freiestem Obdachlosenquartier. Noch gerät man mitten in eine Baustelle, wenn man das Haus betritt. Doch der Großteil der Zimmer ist bereits bezogen. Die Anmeldeliste übersteigt die Kapazität. Bewohner Hans Rauscher und Hausleiter Hannes Lorenz boten dem AUGUSTIN Einblicke in eine Bleibe ohne Zwangsbetreuung.
Das "Wunder" von St. Pölten
Ich wanderte nach Emmaus...
1949 wurde die internationale Emmaus-Gemeinschaft vom französischen Armenpriester Abbeé Pierre gegründet. Er war während der Zeit des Faschismus im Widerstand aktiv. In St. Pölten hat seine Idee kräftige Wurzeln geschlagen. Dass in Niederösterreichs Hauptstadt kaum wer auf der Straße übernbachten muss, ist dem Non-Profit-Unternehmen mit dem biblischen Namen zu verdanken.
Den Staat zu beobachten ist Staatbürgerpflicht
Operation Spring - schon vergessen?
Nachdem wir jetzt - zu Beginn des Jahres 2001 - etwas zeitlichen Abstand zu jenen Polizeiübergriffen gewonnen haben, welche 1999 unter dem Begriff "Operation Spring" für Sensationen gesorgt haben, ist es vielleicht ganz gut, wenn wir uns noch mal damit auseinandersetzen. Weil diese Vorkommnisse eine ziemliche Komplexität besitzen, würde ich vorschlagen, dass man das Thema von mehreren Gesichtspunkten aus angeht.
Marta Halpert, Leiterin des Wien-Büros derAnti-Defamation League
Hoffnungsvoll unoptimistisch
"Ich bin schon eine alte Kämpferin. Ich habe immer wieder Rückschläge bekommen und denk´ mir oft: Es hat keinen Sinn. Trotzdem, ein bisschen Hoffnung habe ich schon. Nur, optimistisch bin ich nicht." Ich mag uneindeutige Selbstcharakterisierungen. Diese hier habe ich aus dem Radio Augustin-Interview (siehe Kasten unten) mit Marta Halpert, der Wiener Vertreterin der Bürgerrechtsorganisation "
Anti-Defamation League" (ADL) aufgeschnappt.
Briefe an Dr. Sommer
Sehr geehrter Herr Dr. Sommer!
Ich bitte Sie nicht um Rat, sondern ersuche Sie, Einfluss auf Ihre Freunde auszuüben. Sie mögen in Hinkunft davon Abstand nehmen, ihren Opferball in den zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit unserem Opernball zu stellen. Es mag für Ihre Freunde zwar befriedigend sein, die internationale und mediale Aufmerksamkeit von der Oper ab- und zum "Antiopernball" hinzulenken, aber das ist ein populistischer, billiger Erfolg. Sie wissen, dass es für uns immer schwerer wird, prominente Gäste einzuladen, Schüssel und Häupl allein bringen die Paparazzi nicht aus dem Häuschen, und jene Sorte "Prominenz", die der Baumeister in die Oper bringt, ist – unter uns gesagt – nicht gerade förderlich für das Renommee des Opernballs. Ihre Freunde haben es da ja leicht: Sie punkten ja gerade mit Nicht-Prominenz, appellieren an den Sozial-Voyeurismus der Journalisten, indem sie ihnen "authentische Menschen" vor die Kameras stellen, und schmarotzen, mit Verlaub gesagt, am gewachsenen Image unseres traditionsreichen Opernballs, indem sie ihren Opferball über den Opernball definieren, und zwar als dessen Negation. Es ist immer leicht, "anti" zu sein. Richten Sie das bitte Ihren Freunden aus. Warum sollten wir den Wienern nicht die Gelegenheit geben, sich an beiden Bällen, dem Opernball und dem Opferball, zu erfreuen?
Ihre leicht frustrierte
Elisabeth Gürtler, Opernball-Direktion
Welche Bibelstelle gilt in Texas?
Der Todestraktseelsorger
Edwin Smith war zwei Jahre lang freiwilliger Seelsorger im Todestrakt von Texas. Da er Kontakt zu den Angehörigen der Gefangenen hatte, wurde es ihm aus "Sicherheitsgründen" nicht mehr gestattet, diese Aufgabe weiter auszuführen. Edwin Smith sieht das als Chance, sich jetzt noch mehr gegen die Todesstrafe und für die Insassen einzusetzen. Per E-Mail gab er der Wiener Anti-Todesstrafe-Aktivistin Sabine Scheibel (siehe auch Ausgabe Nr. 65) für den AUGUSTIN folgendes Interview:
Millionen dürfen nicht zur Urne...
Die US-Amerikaner haben nun also eine Regierung, für die die Todesstrafe sakrosankt ist. Eine gewissermaßen barbarische Regierung. Im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl ist uns eine weitere Barbarei des US-Justizsystems aufgefallen (weder von den amerikanischen noch von den europäischen Medien wurde sie freilich sehr ernst genommen). Nehmen wir Florida, den Staat der Zählmaschinengroteske. Niemand regte sich darüber auf, dass eine halbe Million BürgerInnen Floridas durch das Justizsystem von den Urnen ferngehalten wurden, obgleich sie sich nicht mehr in "Justizgewahrsam" befanden.
Stadtgärtner gegen Konsumgesellschaft
DIE GRÜNE GUERRILLA
Vom Brachland zum Garten Eden. In der Zeitschrift Spotlight, Ausgabe August 2000, berichtet Simon Jones, wie eine Welle fruchtbaren Widerstandes, von den USA ausgehend, England erreicht hat, und auch dort Erstaunenswertes für Mensch und Natur vollbringt. Eine Übersetzung von Christa Neubauer.
Die Zahl der Braven in der Nacht hält sich in Grenzen
Für Menschen aus sogenannten Randgruppen wird auch Wien immer enger. Im 21. Bezirk soll nächstes Jahr der Paul-Hock-Park abends zugesperrt werden. Der Vorwand: Ein paar Mal sei es zu Ruhestörungen durch Betrunkene gekommen. Nur wenige nehmen diese Maßnahme als das wahr, was sie tatsächlich ist: als weitereren Schritt im schleichenden "Kampf gegen die Armen". Der Park befindet sich im Bezirkszentrum, wo es ohnehin nicht viele Freiflächen gibt. Die Bezirksrätinnen Susi Dietl und Sylvia Wilke von den Floridsdorfer Grünen halten die Zusperrung des Parks - und die Aussperrung von Menschen - für einen Skandal. Doch niemand sonst im "Bezirksparlament" teilt ihre Aufregung.
Verteidiger kritisierte Staatsanwalt, nun droht ihm Berufsverbot
Keine Milde für Schwarze?
Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, Pflichtverteidigern mangle es an Engagement für ihre Mandanten. Hätte der Wiener Rechtsanwalt Markus Petrowsky diesem Klischee gemäß gehandelt, als er John Achu (angebliches Mitglied der afrikanischen Drogenmafia) verteidigte, hätte er nun kein Disziplinarverfahren am Hals. So aber wird Markus Petrowsky die Weihnachtsfeiertage mit gemischten Gefühlen verbringen: "Ich hoffe sehr, dass das Disziplinarverfahren gegen mich eingestellt wird. Wenn nicht, bedeutet das schlimmstenfalls Berufsverbot, bestenfalls eine Geldstrafe", erläutert der Strafverteidiger dem AUGUSTIN die möglichen Konsequenzen.
Die Wiener Internetaktivistin Sabine Scheibel korrespondiert mit US-Häftlingen
Meine Freunde vom Todestrakt
Noch wissen wir nicht, wer der neue Präsident der Vereinigten Staaten ist. Von einer bestimmten Warte aus betrachtet ist das auch ziemlich wurscht. Sowohl George Bush als auch Al Gore befürworten die Todesstrafe, weil sie eine abschreckende Wirkung habe. Während der letzten Fernsehdebatte zwischen beiden versuchte freilich der republikanische Bewerber den Eindruck zu zerstreuen, er sei stolz auf die wöchentlichen Hinrichtungen in Texas. Als Gouverneur müsse er allerdings harte Entscheidungen treffen. Wenig Hoffnung also für die Brieffreunde der Sabine Scheibel. Die junge Wienerin korrespondiert mit Betroffenen aus dem Todestrakt und will - als Internetaktivistin - ihren bescheidenen Beitrag im Kampf um die Ächtung der Todesstrafe leisten.
Die Digitale Spaltung I
Die Verlierer des Internet-Zeitalters
Wer letztendlich Zugang zu Computern und Internet hat, das wird nach wie vor noch durch die Höhe des Einkommens, des Alters, Geschlechts und der Ausbildung bestimmt. Zwar sind die Internetanschlüsse im eigenen Heim im Steigen (derzeit etwa 27 % der Österreicher), das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es für bestimmte Gruppen der Bevölkerung nach wie vor schwierig bis unmöglich ist, sich mit dem neuen Medium zu befassen.
Ambulanzgebühren gefährden die Krankenversorgung
Stirb leise
"150 Schilling sind nicht die Welt", meint Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Für Franz Bittner, Obmann Wiener Gebietskrankenkasse, ist die Ambulanzgebühr unsozial: "Sie trifft chronisch Kranke und sozial Schwache besonders hart".
Nationalsozialistisches Gedankengut in Gesetzen
Eindeutig Staatsvertragsbruch
Joachim Stern ist Jus-Student. Bis vor einigen Monaten war er zusätzlich Mitarbeiter einer Beratungsstelle in Wien. Im Zuge dieser Tätigkeiten hat er dauernd mit gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen zu tun, der Umgang mit Gesetzestexten und der Bezug von Originalquellen sind sein Alltag. Eines Tages macht er eine Entdeckung. Er findet die Wörter "Erb- und Rassenpflege" im online-Schalgwortkatalog des Rechtsinformationssystems (RIS), das für jedeN BürgerIn zugänglich vom Bundeskanzleramt betreut und herausgegeben wird. Und als Joachim Stern nachsieht, was ihm denn der Computer zu diesen Schlagwörtern herausspuckt findet er Gesetze mit nationalsozialistischem Inhalt, in ihrer Kraft bestätigt im Jänner dieses Jahres.
Pflastermalen am Südtiroler Platz: ein Abenteuer...
Freiheit für die bunten Kreiden!
Ein Kreis von Kreide-Kreativen nahm eine AUGUSTIN-Anregung auf und versucht, an die beinahe ausgestorbene Tradition der Pflastermalerei anzuknüpfen. Nach gemeinsamem Malen in den Workshops der "Neuen Wiener Schule des Pflastermalens", so wurde das Experiment stolz genannt, wagen sich nun einzelne AsphaltkünstlerInnen in die "freie Wildbahn". AUGUSTIN-Verkäufer Südtirolerplatz-Günther ist so einer. Ihm geht es weniger um eine zusätzliche Einnahmequelle. Vielmehr will er - bunt auf grau - Zeichen setzen gegen die Reglementierung alles Lebens (und aller Kunst) im öffentlichen Raum. Nicht immer gehen diese Einschränkungen aber von der Politik oder von den Sicherheitsbehörden aus: Manchmal spielt der Nachbar, der sich für einen Vertreter der Anständigen hält, die Polizei. Hier die Notizen des Straßenmalers Günther nach einem Vorfall am 14. Oktober...
Über Recht und Nächstenliebe
Ingo Rezman, Obmann der Hepatitis Liga Österreich
Man schätzt, dass es in Österreich etwa 40.000 Infizierte durch Hepatits C gibt. Viele wissen oft gar nicht von ihrer Krankheit. Bei etwa 20% entwickelt sich die Ansteckung zur Leberzirrhose oder zu Leberzellkrebs. Viele haben sich in den 70- und 80er-Jahren entweder durch Plasmaspenden- oder als Patienten (wie etwa auch der neue Sozialminister Mag. Haupt) infiziert. Während man in der Politik endlich beginnt, über Hilfsmaßnahmen für die Opfer nachzudenken, versucht die verursachende und seinerzeit davon profitierende Industrie auf dem Gerichtsweg sich möglichst schadlos zu halten. AUGUSTIN sprach mit dem Mitbegründer der Hepatits Liga Österreich, Ingo Rezman.
Am liebsten entstresst sich Manager Hartmut Lang beim Klöppeln
Der Mann an der Spitze
Hartmut Lang bewahrt den Überblick. Und das ist gar nicht so einfach, betrachtet man den Polster mit den vielen Klöppeln, der vor ihm liegt. Schlag auf Schlag geht es beim Klöppeln - im wahrsten Sinn des Wortes: die Klöppler kennen Halbschlag, Ganzschlag und Leinenschlag, und durch fortgesetztes Drehen und Kreuzen der zahlreichen Fäden, die auf den einzelnen Holzklöppeln aufgewickelt sind, entsteht anhand einer Musterzeichnung und dem Klöppelbrief eine zarte Spitze.
Lacknergasse neu
Michael Gassmann kämpfte erfolgreich für die Rettung eines Obdachlosenwohnheims
Ein bisschen hat auch die Berichterstattung des AUGUSTIN mitgeholfen, dass sich die Wiener Caritas-Führung doch entschloss, das Obdachlosenwohnheim Lacknergasse nicht zuzusperrren. Der "Held der Lacknergasse" ist freilich Hausleiter Michael Gassmann....
Freie Fahrt in die Löwelstraße
Hausfriedensbruch
Dreißig HausfriedensbrecherInnen in der Löwelstraße 18. Aber was ist schon ein kleiner, symbolischer Hausfriedensbruch gegen das systematische Einsperren von obdachlosen Schwarzfahrern? Die Gruppe von Obdachlosen und UnterstützerInnen, die am 13. Oktober - im Anschluss an die traditionelle demonstrative Schwarzfahrt mit der Bim - unangemeldet in der Zentrale der SPÖ Wien auftauchte, hatte alles Recht der Welt an ihrer Seite.
Enthumanisierung des Strafvollzugs - Beispiel Schwarzau
Die unerwünschten Frauen
Dieser Staat will als Staat des scharfen Strafens und des scharfen Sparens in die Geschichte eingehen. Wer in die Mühlen der Justiz gerät, ist dadurch leider doppelt blöd dran. Wer die Verschlechterungen von Haftbedingungen registriert, kann sich die Ursache aussuchen: Ist der Sparterror im Strafvollzug schuld oder die rechte Ideologie der Härte gegenüber unerwünschten Menschen?
DrogenexpertInnen gegen die FPVP-Drogenpolitik
Ein rechter Koch verdirbt den Brei
Fabrikation des Verbrechens, neues Kapitel. Saubere & anständige Ideologen erklären DrogenbenützerInnen zu Kriminellen. Die geplante Reform des Suchtmittelgesetzes würde Österreichs Drogenpolitik um Jahre zurückwerfen. Der Österreichische Verein für Drogenfachleute hat sich mit einer Petition an Bundeskanzler Schüssel gewandt.